RecyclingGoldrausch im Deponiepark

Vom letzten Dreck zum begehrten Rohstoff – unser Umgang mit dem Müll ändert sich enorm

Man sagt nicht Müll. Man sagt »Wertstoff«. Das Wort Müllkippe ist aus dem Wortschatz zu streichen und durch »Deponiepark« zu ersetzen. Und was wir eben noch Müllauto genannt hätten, heißt längst »Sammelfahrzeug«.

Wer den neuen Jargon der Müllbranche – pardon: der »Umwelttechnologiebranche« – für bloßen Euphemismus oder Marketinggetue hält, urteilt voreilig. Denn der Sprachgebrauch wandelt sich analog zur ökonomischen Wirklichkeit: Neue Technik und neue Engpässe sorgen für einen anderen Blick auf eine bislang anrüchige Ressource.

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Während man in Deutschland an neuen Gesetzen strickt, entdecken andere Staaten Abfall bereits als strategische Ressource. Der Entsorgerjargon von heute ist der beste Indikator für die Zukunft unseres Mülls: Was einst der letzte Dreck war, den man am liebsten auf den Mond schießen wollte (so malte man sich in den fünfziger Jahren tatsächlich noch die Zukunft aus), löst heute unter Ingenieuren einen Goldrausch aus. Ganz wörtlich.

Unsere Abfälle bergen reale Goldreserven, in Form kleinster Mengen etwa in den Leiterplatten weggeworfener Handys oder alter Computer. In 41 Handys steckt so viel Gold wie in einer Tonne Golderz. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jürgen Flasbarth, hatte gar im Frühjahr davor gewarnt, Elektroschrott in die Dritte Welt zu exportieren : »Kostbare Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Platin oder Indium gehen damit für den Rohstoffkreislauf bei uns verloren.« Besonders Metalle werden schon heute im großen Stil aus dem Müll gefischt, indes ließe sich die Ausbeute noch gewaltig steigern. Heißt der Müllmann von einst künftig vielleicht »Schatzsucher«?

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Was den Müll so wertvoll macht, sind die auf lange Sicht zuverlässig steigenden Preise auf den globalen Rohstoffmärkten. Eisen, Kupfer, Gold, Platin, Erdöl: Alles wird teurer. Sogenannte » seltene Erden « wie Yttrium, Lanthan oder Europium, von der Industrie dringend gesucht, werden immer rarer. Und je weniger in der Natur noch zu finden ist, in den Lager- und Förderstätten der Welt, desto interessanter wird das rückwärtige Ende der industriellen Produktion, der Müll, den wir alle verursachen.

»Handys, elektrische Zahnbürsten, Toaster, Rasierapparate: Das wollen wir alles wiederhaben«, sagt Lutz Siewek, Geschäftsführer des international operierenden Bremer Entsorgungsunternehmens Nehlsen. Um an das Gute im Müll heranzukommen, soll es eine neue Tonne geben, die Wertstofftonne. Bei Nehlsen spricht man hoffnungsfroh von der »Rohstofftonne«. Sie soll neben der grünen Biotonne, der blauen für das Altpapier und der grauen Restmülltonne existieren und den wertvollsten Müll konzentrieren.

Aber gibt es in vielen Kommunen nicht längst schon eine vierte Tonne, die gelbe für Verpackungsmaterial? Richtig, auch die Wertstofftonne wird vermutlich einen gelben Deckel tragen. Hinein soll künftig nicht nur alles mit dem Grünen Punkt, sondern auch Plastikspielzeug und andere »stoffgleiche Nichtverpackung« nebst Holzresten und kleinerem Elektroschrott. Für die Schatzsucher.

Mülltrennung ist auch ein intellektuelles Problem

Die Umweltpolitik setzt ebenfalls auf die neue Form des Sammelns. Die Wertstofftonne ist ein wichtiger Begriff im neuen Gesetz zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts, das Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vorgelegt hat. Derzeit läuft die Anhörung der Verbände und Lobbyisten. Bis Ende des Jahres muss dieses Gesetz verabschiedet sein, das verlangt die EU. Schon 2011 könnte die neue Tonne also kommen – theoretisch.

Praktisch sind vorher noch ein paar verzwickte Fragen zu klären. Zum Beispiel ob die Hersteller künftigen Mülls – die Spielzeug-, die Unterhaltungselektronik- und Elektroindustrie – für die Entsorgung mittels Wertstofftonne zusätzliche Lizenzgebühren bezahlen müssen. Und: Wer kriegt überhaupt den Inhalt? Die Kommunen, die sich traditionell im Sinne der »Daseinsfürsorge« um den Müll kümmern? Oder ihre private Konkurrenz?

Gold

Recycelt wurde schon, als der Begriff noch gar nicht existierte: Exkremente für die Düngung, Kleider als Lumpen. Und natürlich Gold, etwa aus Zahnfüllungen.

Heute stehen jährlich 2500 geförderten Tonnen aus Goldminen rund 1200 Tonnen Altgold gegenüber. Der Preis hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre vervierfacht. Daher lohnt sich inzwischen auch die Suche nach kleinsten Mengen etwa in Elektroschrott. Eine Tonne alter Platinen enthält immerhin 50-mal so viel Gold wie eine Tonne guten Golderzes. Für ein Kilo muss man rund 50.000 Handys recyceln. (Quelle: Ifat Entsorga, AMTA)

 

Stahl

2,8 Millionen Autos werden in Deutschland jährlich stillgelegt; würden alle auseinandergenommen, ergäbe das fast zwei Millionen Tonnen Stahl und Eisen und 280.000 Tonnen Kunststoff. Schrott ist heute schon der wichtigste Rohstoff in der Produktion – neuer Stahl besteht zu mehr als 50 Prozent aus Schrott. (Quelle: BDSV)

Aluminium

2008 wurden weltweit 47 Millionen Tonnen Aluminium erzeugt, davon 10 Millionen Tonnen aus wiederverwertetem Aluminium. In Deutschland überstieg das Rezyklat das Primäraluminium schon um rund ein Fünftel.

Aus zwei Gründen ist die Nachfrage riesig: Die Wiederverwertung von Aluminium braucht nur fünf Prozent jener Energiemenge, die zur Primärgewinnung nötig ist. Und Hersteller werben zunehmend mit 100 Prozent Recyclingaluminium. (Quelle: VAR)

Kupfer

Auch Kupfer lässt sich unendlich oft vollständig wiederverwerten. 2007 wurden 8,2 Millionen Tonnen recycelt, das entspricht 35 Prozent des weltweiten Verbrauchs. In Europa stammen schon 41 Prozent des verwendeten Kupfers aus Recyclingmaterial. (Quelle: ECI)

Kobalt

Besonders in Akkus stecken beträchtliche Mengen dieses seltenen Schwermetalls, das hauptsächlich im Bürgerkriegsland Kongo gefördert wird. Der Trend zu Elektroautos wird den Markt für das unverzichtbare Kobalt weiter anheizen.

Der globale Bedarf wird sich allein durch die steigende Nachfrage nach Lithium-Ionen-Akkus bis zum Jahr 2030 verdreifachen. Umso wichtiger ist Recycling: In einer Tonne Handybatterien stecken 140 Kilogramm Kobalt. (Quelle: BDI)

Gallium

Das besonders seltene Metall Gallium wird etwa für Leuchtdioden, Mikrochips und in der Dünnschicht-Photovoltaik gebraucht. Da die Gewinnung aufwendig und teuer ist, lohnt sich Recycling. 2008 wurden weltweit nur 95 Tonnen konventionell gewonnen, 135 Tonnen waren wiederverwendet. (Quelle: Ifat Entsorga)

In Berlin löste das bereits einen verbissenen »Müllkrieg« aus. Dort hatte ein großer privater Entsorgungsbetrieb in einigen Berliner Vierteln gelbe Behälter (»Gelbe Tonne Plus«) aufgestellt. Als er das Experiment auf die ganze Stadt ausdehnen wollte, verbot die Umweltbehörde das. Ende Oktober muss nun ein Gericht entscheiden. Derzeit sammelt die Kommune die Wertstoffe selber ein – in orangefarbenen Boxen. Solche Versuche finden gerade überall in Deutschland statt.

Das Herantasten an die neue Tonne zeigt bereits Ergebnisse: Die Zahl der »Fehlwürfe« geht deutlich zurück. Der Fehlwurf, das falsche Einsortieren von Abfall, ist ein großes Thema beim Mülltrennen. So ist der gelbe Sack (respektive die gelbe Tonne) regelmäßig bis zur Hälfte mit »Irrläufern« gefüllt. »Bis auf Elektroschrott ist da alles drin. Doch von der Technik her stört uns das nicht«, sagt Nehlsen-Chef Siewek. Nur vom Geld her. Die Firma Nehlsen müsste im Jahr theoretisch rund 1,3 Millionen Tonnen Verpackungsmaterial abholen. Dafür wird sie vom Dualen System Deutschland – der Patin des Grünen Punkts – bezahlt. Tatsächlich aber wiegen die gelben Säcke bei Nehlsen fast das Dreifache, rund 3,5 Millionen Tonnen. Fehlwürfe eben. Viele Bürger verklappen einfach, sobald ihre graue Tonne voll ist, Restmüll im gelben Sack. Schwer fällt vielen auch die intellektuelle Trennung: kaum einzusehen, dass Plastikverpackung hineindarf, Quietscheentchen oder Blumentöpfe aus dem gleichen Material nicht. Genau da würde die »Wertstofftonne« Abhilfe schaffen.

»Müllkippen« gab es früher einmal, heute gelten die Deponien als Depots

Außer einer neuen Sprachregelung entwickelt sich auch eine neue Farbenlehre. Zu besichtigen war sie Mitte September in München auf der Weltleitmesse für Wertstoff, der Ifat Entsorga . Das klassische Müllwerker-Orange hatte dort Seltenheitswert. Grün, Blau und Weiß dominierten. Überhaupt glänzte und roch die gesamte Veranstaltung nach geradezu unglaublicher Sauberkeit.

Flüsterleise präsentiert sich das dazu passende Ökomüllmobil, der strahlend weiße Rotopress Dualpower. Das neue Sammelfahrzeug soll dank einem Hybridantrieb 30 Prozent weniger Sprit schlucken und ist mit einer Mischmotorisierung aus Diesel und Elektro ausgestattet, was deshalb sinnvoll ist, weil ein Müllauto im Einsatz ja dauernd anfährt und bremst. Die normalerweise verlorene Bremsenergie wird in eine Batterie eingespeist und lässt sich zum elektrischen Weiterfahren nutzen. Beim Leeren und Pressen arbeitet das Hybridmüllauto mit Strom und ist darum ausgesprochen leise, kein Vergleich zum hydraulischen oder pneumatischen Stampfen heutiger Modelle. Die Bürger dürfte das erfreuen, schließlich wird auch in der schönen neuen Müllwelt die Tonne von sieben Uhr morgens an geleert werden.

Sammeln und Abtransportieren sind indes nur das Vorspiel. Wer urbane Bodenschätze – inzwischen hat sich der Begriff urban mining durchgesetzt – heben will, der muss auch sortieren: Eisen, Nichteisenmetalle wie Aluminium oder Kupfer, Holz und Kunststoffe unterschiedlicher Arten. Das passiert heute immer weniger an stinkenden Fließbändern, vor denen Sortierer mit Mundschutz stehen. Statt ihrer sortieren zunehmend Großanlagen vollautomatisch. Kleingeschreddert läuft der gelbe Müll hier an Magneten, Induktionsabscheidern und optischen Sortierern vorbei – so kann etwa die Nahinfrarot-Reflexionsspektroskopie mittels Infrarotstrahlen Kunststoffe unterscheiden. Für die Zukunft heißt das: steigende Recyclingquoten und immer feiner sortierter Müll – als Rohstoffquelle.

Mülltrennung

Den einen ärgern Plastiktüten in der Biotonne furchtbar. Die andere rätselt, in welche Tonne ein Korken wohl gehört. Das Mülltrennen gilt den Deutschen als nationale Leidenschaft. Tatsächlich wird etwa die Hälfte dessen, was jeder Bürger wegwirft, recycelt. Das ist einer Eurostat-Erhebung zufolge spitze (es folgen Belgien und Schweden). Allerdings sieht die Statistik anders aus, wenn man die Kompostierung hinzuzählt: Dann liegen die Österreicher vorn, die Deutschen auf Platz zwei, vor den Niederländern.

Papier & Glas

Am eifrigsten trennt Otto Normalmüllverursacher beim Papier, 96 Prozent sind es laut einer Dialego-Umfrage. Es gibt ja auch viel wegzuwerfen, nämlich 73 Kilogramm Papier und Pappe pro Kopf. Glas (23 Kilo pro Kopf und Jahr) werfen neun von zehn Bürger getrennt weg, nur vier Fünftel auch Verpackungsmüll (30 Kilo). Am fleißigsten sind die Sachsen, regelrechte Mülltrennmuffel die Hamburger.

Durchschnitt

453 Kilogramm Müll insgesamt, rechnete das Statistische Bundesamt aus, hat der Durchschnittsdeutsche 2008 weggeworfen. Gerade mal ein Kilo weniger als im Vorjahr.

Abfallwirtschaft

Bei 160.000 Beschäftigten in der Abfallwirtschaft kümmert sich rechnerisch etwa ein Müllmann um die Tonnen von jeweils 500 Deutschen. Die Gebühren dafür schwanken enorm, jede Gemeinde und jede Stadt legt sie selbst fest. Abholrhythmus, Müllmenge und Grundgebühr schlagen ganz unterschiedlich zu Buche. Die Zeitschrift Finanztest verglich im Juni zehn Großstädte. Ein Haushalt in Berlin muss demnach mehr als 2,5-mal so viel für die jährliche Leerung von grauer und brauner Tonne bezahlen wie in Bremen (nämlich 317 gegenüber 130 Euro im Jahr).

Heute schon wird besonders intensiv nach Metall im Stoffstrom gesucht. So ist Gebrauchtes bereits der wichtigste Rohstoff in der Stahlproduktion – neuer Stahl besteht zu mehr als 50 Prozent aus Schrott. Das Edelmetall Kupfer lässt sich unendlich oft vollständig wiederverwerten. 2007 wurden 8,2 Millionen Tonnen davon recycelt, das entspricht 35 Prozent des weltweiten Verbrauchs. In Europa stammen schon 41 Prozent aus Recyclingmaterial.

Beim besonders seltenen Metall Gallium – es wird etwa für die Herstellung von Leuchtdioden, Mikrochips und in der Dünnschicht-Photovoltaik benötigt – stammen bereits 60 Prozent aus der Wiederverwertung. Sie lohnt sich, da die Förderung neuen Galliums aufwendig und teuer ist. 2008 wurden weltweit nur 95 Tonnen konventionell gewonnen, 135 Tonnen waren wiederverwendet.

Inzwischen klappt die Technik so prima, dass einige Experten schon wieder die Schatzsuche im längst vergessenen All-in-one-Eimer diskutieren. So hält der Anlagenbauer Hamos aus dem oberbayerischen Penzberg die radikale Reduktion auf eine einzige Tonne für möglich, in der sogar Zeitungen und Glas verschwänden. Die Drecksarbeit könne man dann seinen schlauen Sortiermaschinen überlassen. Alles eine Frage der Investition – und der Rohstoffpreise. Am besten fände der Spezialist für Metall- und Kunststofftrennung allerdings eine Zweitonnenlösung, die zumindest dem Altpapier besser bekäme: eine Tonne für alles Nasse, eine für alles Trockene.

Auch der Matsch am Ende allen Sortierens ist nicht wertlos

Entsorgungsvordenker, die schon beim Wort urban mining glänzende Augen bekommen, müssen sich früher oder später auch an die gewaltigsten Konzentrationen aller Arten von Müll erinnern: die Mülldeponien. Tatsächlich sitzen auch die sogenannten landfill miners , die »Müllbergarbeiter«, in Erwartung kommender Preisschübe bei den Rohstoffen schon in den Startlöchern. Etwa Stefan Gäth, Inhaber des Lehrstuhls für Abfall- und Ressourcenmanagement an der Uni Gießen . Feinsinnig verweist er auf die etymologische Verwandtschaft von »Deponie« und »Depot«: »Wir sollten die Deponien als Depots betreiben, wo wir die werthaften Abfälle lagern, bis die Verwertung Sinn macht.«

Als Initiator eines deutsch-chinesischen Entsorgungsprojektes berichtet er: »Die Chinesen kaufen weltweit alte Handys auf und lagern sie ein. Suchen Sie hier mal jemanden, der Elektroschrott lagert!« Das Abwarten ergibt doppelt Sinn: Die Rohstoffpreise werden steigen, die Aufbereitungstechnologien besser. »Zurzeit holt man aus einem Handy nur 40 Prozent des Goldes heraus«, sagt Gäth. Da schlummern Potenziale.

In Japan hatte Anfang Oktober der Handelsminister Akihiro Ohata eine »Strategie für seltene Erden« gefordert. Die Industrie des rohstoffarmen Inselstaates darbt derzeit im Handelsstreit mit China: Der große Nachbar verknappt den für Elektroautos und Computerbauteile unerlässlichen Nachschub. Und die New York Times berichtet aus den USA von der Sorge, die Chinesen könnten die knappen Ressourcen hamstern. Die Folge: Auch Japaner und Amerikaner wollen ihren Müll genauer unter die Lupe nehmen.

Deponieprospektor Gäth analysiert selbst seit einem Jahr Müllkippen in Hessen und Baden-Württemberg. Niemand weiß, welche Schätze man dort künftig fördern könnte. Darum nimmt er Probebohrungen vor. Und findet neben viel Glas und Holz rund vier Prozent Metalle: 30 Millionen Euro birgt allein die Deponie in Reiskirchen bei Gießen. Deponierückbau – das gab es bisher nur bei dringendem Sanierungsbedarf. Rückbau zur Rohstoffgewinnung – das wäre mal etwas Neues. »Deutschland wird Rohstoffland!«, jubelt vorauseilend der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE).

Etwas wird übrig bleiben. Eine matschige Masse ohne Metall, Plastik, Glas, Holz, Papier, ohne Bioabfälle. Aber energiehaltig. Staubsaugerbeutel. Gefüllte Windeln. Knochenreste. Das wird vielleicht der Inhalt einer künftig kleineren grauen Tonne sein. Oder einfach der Rest aller Sortierprozesse. Kein Wertstoff, kein Rohstoff, kein Schatz – einfach Müll. Lange galt der sogar für die »thermische Endverwertung«, vulgo Verbrennung, als unbrauchbar. Zu feucht, zu niedriger Brennwert. Doch auch das stimmt nicht mehr. Im mecklenburgischen Stavenhagen hat Nehlsen eine Müllverbrennungsanlage gebaut. Für einen einzigen Kunden: Direkt nebenan schält, kocht und trocknet die Firma Pfanni ihre Kartoffeln. Und zwar mit Wasserdampf und Strom aus der Anlage. »Müll heizt Knödeln ein!«, beschwärmt der BDE diese Verkörperung des Kreislaufgedankens.

Was wollen uns die Knödel sagen? In Zukunft ist auch wirklich jeder Rest noch für irgendetwas gut.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

 
Leserkommentare
    • wowman
    • 18.10.2010 um 16:15 Uhr

    Soso, Müll ist also ein Wertstoff. Wieviel Geld werde ich künftig bekommen, wenn ich etwas wegwerfe? Überweist man mir Müllgebühren - umso mehr je voller die Mülltonne ist?

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    • tom310
    • 18.10.2010 um 16:29 Uhr

    Sie bezahlen der Kommune die Müllgebühren und der "Schatzsucher" zahlt der Kommune die Lizenzrechte (Claim hieß das früher mal). Eine perfekte Win-Win-Situation.
    Achso, sie bezahlen natürlich indirekt den Schatzsucher, der Ihnen über die Telekom ihr "goldenes" Handy wiedergibt. Haben wir alle was verdient. So funktioniert ein Wirtschaftskreilauf.

    • tom310
    • 18.10.2010 um 16:29 Uhr

    Sie bezahlen der Kommune die Müllgebühren und der "Schatzsucher" zahlt der Kommune die Lizenzrechte (Claim hieß das früher mal). Eine perfekte Win-Win-Situation.
    Achso, sie bezahlen natürlich indirekt den Schatzsucher, der Ihnen über die Telekom ihr "goldenes" Handy wiedergibt. Haben wir alle was verdient. So funktioniert ein Wirtschaftskreilauf.

    • tom310
    • 18.10.2010 um 16:29 Uhr

    Sie bezahlen der Kommune die Müllgebühren und der "Schatzsucher" zahlt der Kommune die Lizenzrechte (Claim hieß das früher mal). Eine perfekte Win-Win-Situation.
    Achso, sie bezahlen natürlich indirekt den Schatzsucher, der Ihnen über die Telekom ihr "goldenes" Handy wiedergibt. Haben wir alle was verdient. So funktioniert ein Wirtschaftskreilauf.

    Antwort auf "wertvoll"
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    • wowman
    • 18.10.2010 um 17:23 Uhr

    So funktioniert Tauschhandel. Wirtschaft funktioniert so, dass ich entscheide, wofür ich die Einnahmen aus dem Verkauf meines Mülls an den Schatzsucher ausgebe.

    Erklären Sie mir bitte noch, wie "alle" verdienen sollen?

    • wowman
    • 18.10.2010 um 17:23 Uhr

    So funktioniert Tauschhandel. Wirtschaft funktioniert so, dass ich entscheide, wofür ich die Einnahmen aus dem Verkauf meines Mülls an den Schatzsucher ausgebe.

    Erklären Sie mir bitte noch, wie "alle" verdienen sollen?

    • wowman
    • 18.10.2010 um 17:23 Uhr

    So funktioniert Tauschhandel. Wirtschaft funktioniert so, dass ich entscheide, wofür ich die Einnahmen aus dem Verkauf meines Mülls an den Schatzsucher ausgebe.

    Erklären Sie mir bitte noch, wie "alle" verdienen sollen?

    Antwort auf "Win Win"
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    Die Einnahmen, die derjenige (i.d.R. die Kommune), der den Müll verkauft, macht, kommen diesem zugute - d.h. jedem der in dieser Gemeinde wohnt. Dies schlägt sich also unter anderem in niedrigeren Abfallgebühren oder einem günstigeren Eintrittspreis für das lokale Schwimmbad nieder. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur klammen Haushaltslage der Kommunen...

    Die Einnahmen, die derjenige (i.d.R. die Kommune), der den Müll verkauft, macht, kommen diesem zugute - d.h. jedem der in dieser Gemeinde wohnt. Dies schlägt sich also unter anderem in niedrigeren Abfallgebühren oder einem günstigeren Eintrittspreis für das lokale Schwimmbad nieder. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur klammen Haushaltslage der Kommunen...

  1. Die Einnahmen, die derjenige (i.d.R. die Kommune), der den Müll verkauft, macht, kommen diesem zugute - d.h. jedem der in dieser Gemeinde wohnt. Dies schlägt sich also unter anderem in niedrigeren Abfallgebühren oder einem günstigeren Eintrittspreis für das lokale Schwimmbad nieder. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur klammen Haushaltslage der Kommunen...

    Antwort auf "nicht ganz"
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    Die günstigen Schwimmbadeintrittsgelder wären eine unerlaubte Quersubventionierung, die von verschiedenen Gerichten rechtsgültig untersagt wurde.

    • wowman
    • 19.10.2010 um 8:18 Uhr

    Wenn ich Einnahmen erziele, will ich selbst entscheiden, wofür ich sie ausgebe. Lieber zahle ich dafür einen Anteil Einkommensteuer als, wir ein anderer Kommentator schon sagte, illegale Quersubventionen zu finanzieren.

    Wenn Müll ein Rohstoff ist, haben wir alle die Chance, Schürfrechte zu verkaufen.

    Die günstigen Schwimmbadeintrittsgelder wären eine unerlaubte Quersubventionierung, die von verschiedenen Gerichten rechtsgültig untersagt wurde.

    • wowman
    • 19.10.2010 um 8:18 Uhr

    Wenn ich Einnahmen erziele, will ich selbst entscheiden, wofür ich sie ausgebe. Lieber zahle ich dafür einen Anteil Einkommensteuer als, wir ein anderer Kommentator schon sagte, illegale Quersubventionen zu finanzieren.

    Wenn Müll ein Rohstoff ist, haben wir alle die Chance, Schürfrechte zu verkaufen.

  2. Ich freue mich sehr über diesen Artikel, er gibt jedem die Möglichkeit sich einen kurzen Überblick über die riesigen Potentiale des Recyclings zu verschaffen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Themenbereich öfter in die Medien gelangt.
    Man muss jedoch auch sagen, dass der Artikel den gesamten Recyclingprozess sehr positiv darstellt. meiner Meinung nach sollte dem Verbraucher ganz klar aufgezeigt werden, dass Müllvermeidung immernoch sinnvoller ist als Müllverwertung. Als beschämendes Beispiel fällt mir hier vor allem die ständig ansteigende Zahl an Einweggetränkebehältern ein. Diese können zwar zum größten Teil auch wiederverwertet werden sind jedoch aus Umweltschutzgründen keine wirkliche alternative zu dem Mehrwegsystem.
    Gruß aus Kiel

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    Stichwort Ökobilanz. Das hohe Gewicht von Glasflaschen verursacht bei all den Transporten eine schlechtere Ökobilanz als bei PET Flaschen, auf die Sie wohl anspielen. "Gefühlt" ökologisch, aber nicht wirklich wenn man das ganze Bild betrachtet. Und was daran "beschämend" sein soll, ein biserl melodramatisch...

    Stichwort Ökobilanz. Das hohe Gewicht von Glasflaschen verursacht bei all den Transporten eine schlechtere Ökobilanz als bei PET Flaschen, auf die Sie wohl anspielen. "Gefühlt" ökologisch, aber nicht wirklich wenn man das ganze Bild betrachtet. Und was daran "beschämend" sein soll, ein biserl melodramatisch...

  3. Stichwort Ökobilanz. Das hohe Gewicht von Glasflaschen verursacht bei all den Transporten eine schlechtere Ökobilanz als bei PET Flaschen, auf die Sie wohl anspielen. "Gefühlt" ökologisch, aber nicht wirklich wenn man das ganze Bild betrachtet. Und was daran "beschämend" sein soll, ein biserl melodramatisch...

    Antwort auf "Sehr guter Überblick."
    • tobi_k
    • 19.10.2010 um 0:06 Uhr

    Das Problem ist aber: Sogar wenn wir in der Lage sind 100% aller Rohstoffe ohne Qualitätsverlust wiederzuverwerten reicht das nicht, wenn wir jedes Jahr mehr Krempel produzieren müssen als zuvor.
    Ganz egal wie effizient unsere Produktions- und Verwertungsprozesse werden: Endloses Wachstum und Nachhaltigkeit passen leider nicht zusammen.

  4. Die günstigen Schwimmbadeintrittsgelder wären eine unerlaubte Quersubventionierung, die von verschiedenen Gerichten rechtsgültig untersagt wurde.

    Antwort auf "Die Einnahmen"

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