Auch der Matsch am Ende allen Sortierens ist nicht wertlos
Auch der Matsch am Ende allen Sortierens ist nicht wertlos
Entsorgungsvordenker, die schon beim Wort urban mining glänzende Augen bekommen, müssen sich früher oder später auch an die gewaltigsten Konzentrationen aller Arten von Müll erinnern: die Mülldeponien. Tatsächlich sitzen auch die sogenannten landfill miners , die »Müllbergarbeiter«, in Erwartung kommender Preisschübe bei den Rohstoffen schon in den Startlöchern. Etwa Stefan Gäth, Inhaber des Lehrstuhls für Abfall- und Ressourcenmanagement an der Uni Gießen . Feinsinnig verweist er auf die etymologische Verwandtschaft von »Deponie« und »Depot«: »Wir sollten die Deponien als Depots betreiben, wo wir die werthaften Abfälle lagern, bis die Verwertung Sinn macht.«
Als Initiator eines deutsch-chinesischen Entsorgungsprojektes berichtet er: »Die Chinesen kaufen weltweit alte Handys auf und lagern sie ein. Suchen Sie hier mal jemanden, der Elektroschrott lagert!« Das Abwarten ergibt doppelt Sinn: Die Rohstoffpreise werden steigen, die Aufbereitungstechnologien besser. »Zurzeit holt man aus einem Handy nur 40 Prozent des Goldes heraus«, sagt Gäth. Da schlummern Potenziale.
In Japan hatte Anfang Oktober der Handelsminister Akihiro Ohata eine »Strategie für seltene Erden« gefordert. Die Industrie des rohstoffarmen Inselstaates darbt derzeit im Handelsstreit mit China: Der große Nachbar verknappt den für Elektroautos und Computerbauteile unerlässlichen Nachschub. Und die New York Times berichtet aus den USA von der Sorge, die Chinesen könnten die knappen Ressourcen hamstern. Die Folge: Auch Japaner und Amerikaner wollen ihren Müll genauer unter die Lupe nehmen.
Deponieprospektor Gäth analysiert selbst seit einem Jahr Müllkippen in Hessen und Baden-Württemberg. Niemand weiß, welche Schätze man dort künftig fördern könnte. Darum nimmt er Probebohrungen vor. Und findet neben viel Glas und Holz rund vier Prozent Metalle: 30 Millionen Euro birgt allein die Deponie in Reiskirchen bei Gießen. Deponierückbau – das gab es bisher nur bei dringendem Sanierungsbedarf. Rückbau zur Rohstoffgewinnung – das wäre mal etwas Neues. »Deutschland wird Rohstoffland!«, jubelt vorauseilend der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE).
Etwas wird übrig bleiben. Eine matschige Masse ohne Metall, Plastik, Glas, Holz, Papier, ohne Bioabfälle. Aber energiehaltig. Staubsaugerbeutel. Gefüllte Windeln. Knochenreste. Das wird vielleicht der Inhalt einer künftig kleineren grauen Tonne sein. Oder einfach der Rest aller Sortierprozesse. Kein Wertstoff, kein Rohstoff, kein Schatz – einfach Müll. Lange galt der sogar für die »thermische Endverwertung«, vulgo Verbrennung, als unbrauchbar. Zu feucht, zu niedriger Brennwert. Doch auch das stimmt nicht mehr. Im mecklenburgischen Stavenhagen hat Nehlsen eine Müllverbrennungsanlage gebaut. Für einen einzigen Kunden: Direkt nebenan schält, kocht und trocknet die Firma Pfanni ihre Kartoffeln. Und zwar mit Wasserdampf und Strom aus der Anlage. »Müll heizt Knödeln ein!«, beschwärmt der BDE diese Verkörperung des Kreislaufgedankens.
Was wollen uns die Knödel sagen? In Zukunft ist auch wirklich jeder Rest noch für irgendetwas gut.
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- Datum 18.10.2010 - 14:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.10.2010 Nr. 42
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Soso, Müll ist also ein Wertstoff. Wieviel Geld werde ich künftig bekommen, wenn ich etwas wegwerfe? Überweist man mir Müllgebühren - umso mehr je voller die Mülltonne ist?
Sie bezahlen der Kommune die Müllgebühren und der "Schatzsucher" zahlt der Kommune die Lizenzrechte (Claim hieß das früher mal). Eine perfekte Win-Win-Situation.
Achso, sie bezahlen natürlich indirekt den Schatzsucher, der Ihnen über die Telekom ihr "goldenes" Handy wiedergibt. Haben wir alle was verdient. So funktioniert ein Wirtschaftskreilauf.
Sie bezahlen der Kommune die Müllgebühren und der "Schatzsucher" zahlt der Kommune die Lizenzrechte (Claim hieß das früher mal). Eine perfekte Win-Win-Situation.
Achso, sie bezahlen natürlich indirekt den Schatzsucher, der Ihnen über die Telekom ihr "goldenes" Handy wiedergibt. Haben wir alle was verdient. So funktioniert ein Wirtschaftskreilauf.
Sie bezahlen der Kommune die Müllgebühren und der "Schatzsucher" zahlt der Kommune die Lizenzrechte (Claim hieß das früher mal). Eine perfekte Win-Win-Situation.
Achso, sie bezahlen natürlich indirekt den Schatzsucher, der Ihnen über die Telekom ihr "goldenes" Handy wiedergibt. Haben wir alle was verdient. So funktioniert ein Wirtschaftskreilauf.
So funktioniert Tauschhandel. Wirtschaft funktioniert so, dass ich entscheide, wofür ich die Einnahmen aus dem Verkauf meines Mülls an den Schatzsucher ausgebe.
Erklären Sie mir bitte noch, wie "alle" verdienen sollen?
So funktioniert Tauschhandel. Wirtschaft funktioniert so, dass ich entscheide, wofür ich die Einnahmen aus dem Verkauf meines Mülls an den Schatzsucher ausgebe.
Erklären Sie mir bitte noch, wie "alle" verdienen sollen?
So funktioniert Tauschhandel. Wirtschaft funktioniert so, dass ich entscheide, wofür ich die Einnahmen aus dem Verkauf meines Mülls an den Schatzsucher ausgebe.
Erklären Sie mir bitte noch, wie "alle" verdienen sollen?
Die Einnahmen, die derjenige (i.d.R. die Kommune), der den Müll verkauft, macht, kommen diesem zugute - d.h. jedem der in dieser Gemeinde wohnt. Dies schlägt sich also unter anderem in niedrigeren Abfallgebühren oder einem günstigeren Eintrittspreis für das lokale Schwimmbad nieder. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur klammen Haushaltslage der Kommunen...
Die Einnahmen, die derjenige (i.d.R. die Kommune), der den Müll verkauft, macht, kommen diesem zugute - d.h. jedem der in dieser Gemeinde wohnt. Dies schlägt sich also unter anderem in niedrigeren Abfallgebühren oder einem günstigeren Eintrittspreis für das lokale Schwimmbad nieder. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur klammen Haushaltslage der Kommunen...
Die Einnahmen, die derjenige (i.d.R. die Kommune), der den Müll verkauft, macht, kommen diesem zugute - d.h. jedem der in dieser Gemeinde wohnt. Dies schlägt sich also unter anderem in niedrigeren Abfallgebühren oder einem günstigeren Eintrittspreis für das lokale Schwimmbad nieder. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur klammen Haushaltslage der Kommunen...
Die günstigen Schwimmbadeintrittsgelder wären eine unerlaubte Quersubventionierung, die von verschiedenen Gerichten rechtsgültig untersagt wurde.
Wenn ich Einnahmen erziele, will ich selbst entscheiden, wofür ich sie ausgebe. Lieber zahle ich dafür einen Anteil Einkommensteuer als, wir ein anderer Kommentator schon sagte, illegale Quersubventionen zu finanzieren.
Wenn Müll ein Rohstoff ist, haben wir alle die Chance, Schürfrechte zu verkaufen.
Die günstigen Schwimmbadeintrittsgelder wären eine unerlaubte Quersubventionierung, die von verschiedenen Gerichten rechtsgültig untersagt wurde.
Wenn ich Einnahmen erziele, will ich selbst entscheiden, wofür ich sie ausgebe. Lieber zahle ich dafür einen Anteil Einkommensteuer als, wir ein anderer Kommentator schon sagte, illegale Quersubventionen zu finanzieren.
Wenn Müll ein Rohstoff ist, haben wir alle die Chance, Schürfrechte zu verkaufen.
Ich freue mich sehr über diesen Artikel, er gibt jedem die Möglichkeit sich einen kurzen Überblick über die riesigen Potentiale des Recyclings zu verschaffen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Themenbereich öfter in die Medien gelangt.
Man muss jedoch auch sagen, dass der Artikel den gesamten Recyclingprozess sehr positiv darstellt. meiner Meinung nach sollte dem Verbraucher ganz klar aufgezeigt werden, dass Müllvermeidung immernoch sinnvoller ist als Müllverwertung. Als beschämendes Beispiel fällt mir hier vor allem die ständig ansteigende Zahl an Einweggetränkebehältern ein. Diese können zwar zum größten Teil auch wiederverwertet werden sind jedoch aus Umweltschutzgründen keine wirkliche alternative zu dem Mehrwegsystem.
Gruß aus Kiel
Stichwort Ökobilanz. Das hohe Gewicht von Glasflaschen verursacht bei all den Transporten eine schlechtere Ökobilanz als bei PET Flaschen, auf die Sie wohl anspielen. "Gefühlt" ökologisch, aber nicht wirklich wenn man das ganze Bild betrachtet. Und was daran "beschämend" sein soll, ein biserl melodramatisch...
Stichwort Ökobilanz. Das hohe Gewicht von Glasflaschen verursacht bei all den Transporten eine schlechtere Ökobilanz als bei PET Flaschen, auf die Sie wohl anspielen. "Gefühlt" ökologisch, aber nicht wirklich wenn man das ganze Bild betrachtet. Und was daran "beschämend" sein soll, ein biserl melodramatisch...
Stichwort Ökobilanz. Das hohe Gewicht von Glasflaschen verursacht bei all den Transporten eine schlechtere Ökobilanz als bei PET Flaschen, auf die Sie wohl anspielen. "Gefühlt" ökologisch, aber nicht wirklich wenn man das ganze Bild betrachtet. Und was daran "beschämend" sein soll, ein biserl melodramatisch...
Das Problem ist aber: Sogar wenn wir in der Lage sind 100% aller Rohstoffe ohne Qualitätsverlust wiederzuverwerten reicht das nicht, wenn wir jedes Jahr mehr Krempel produzieren müssen als zuvor.
Ganz egal wie effizient unsere Produktions- und Verwertungsprozesse werden: Endloses Wachstum und Nachhaltigkeit passen leider nicht zusammen.
Die günstigen Schwimmbadeintrittsgelder wären eine unerlaubte Quersubventionierung, die von verschiedenen Gerichten rechtsgültig untersagt wurde.
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