Blitzschnell greift der Arm des Roboters nach einem metallicfarbenen Aluminiumplättchen mit eingeschweißten gelben Pillen und wirft es auf das Band. Ein anderer Metallarm schiebt die Verpackung in eine kleine Pappschachtel. Eine nackte, gelbe Frauenfigur ist darauf abgebildet, daneben steht in pinkfarbenen Buchstaben »Yasmin«.

Die Maschine der Bayer Schering Pharma in Berlin produziert Antibabypillen für Portugal. Knapp 500 Pillenpackungen stellt sie pro Minute her, 45 Stunden lang. Nach 1.350.000 Packungen folgen fünf Stunden Produktion für Österreich, dann 50 Stunden für Spanien.

An den Bändern stehen fast nur Frauen. Sie tragen Haarschutz, türkisfarbene Hemden, weiße Hosen und dazu Plastiksandalen. Miteinander sprechen können sie nicht, das Brummen der Maschinen übertönt jedes Wort. Ab und zu stellen sie die Maschinen neu ein, denn für jedes Verkaufsland gibt es andere Schachteln. »Die Asiaten wollen eher verspielte Muster in Neonfarben, die Deutschen mögen es schlicht«, sagt Hans-Joachim Raubach, Leiter der Produktionsstätte. Über hundert Länder beliefert Bayer Schering aus dem Werk in Berlin-Wedding. Frauen in Chile und Uruguay, in Neuseeland und China, in den Vereinigten Staaten und Deutschland verhüten mit Yasmin.

Sie alle erhalten denselben Wirkstoff, aber nicht alle zahlen denselben Preis. In Deutschland kostet eine Dreimonatspackung 39 Euro und 40 Cent, in England umgerechnet 16 Euro und 80 Cent. In Griechenland und Portugal ist Yasmin ebenfalls viel preiswerter als in Deutschland.

Deshalb gibt es in den hiesigen Apotheken zwei verschiedene Dreimonatspackungen: zum einen die normalen Pillen direkt für den deutschen Markt. Und zum Zweiten Yasmin-Schachteln, die eine weite Reise hinter sich haben – und trotz enormer Umwege noch preiswerter sind als die anderen Packungen.

Solche Schachteln verlassen das Fließband in Berlin-Wedding beispielsweise mit einem portugiesischen Etikett und ebensolchem Beipackzettel. Sie werden auch nach Portugal verschickt, dort aber nach der Ankunft wegen ihres niedrigen Preises sofort von deutschen Reimporteuren erworben und zurück nach Deutschland transportiert. Dort versieht sie der Reimporteur, beispielsweise das saarländische Unternehmen Kohlpharma, mit deutschem Etikett und Beipackzettel und verkauft die Pillen an deutsche Apotheken, mit Gewinn. Die Verbraucherin freut sich: Sie zahlt für die weit gereiste Version von Yasmin nur 35,45 Euro, sie spart also fast vier Euro.

So verrückt ist der Arzneimittelmarkt. Wenn etwas sicher ist, dann dies: Die Deutschen sind die Dummen. Kaum irgendwo auf der Welt sind Medikamente so teuer wie hier. Sogar preiswerte Massenprodukte wie der Klassiker Aspirin sind anderswo deutlich billiger: Die Briten zahlen zwei Cent pro Aspirin-Tablette, Griechen und Türken drei Cent, Tschechen 14 Cent und Russen 15 Cent. Die allermeisten Europäer kommen deutlich billiger weg als die Deutschen mit ihrem Tablettenpreis von 20 Cent, wenn auch die Franzosen in dem Fall noch etwas mehr bezahlen.