Karriere-Aus Das Zitat ... und Ihr Gewinn
»Wenn der Deutsche hinfällt, steht er nicht auf, sondern sieht sich um, wer ihm schadenersatzpflichtig ist« (Kurt Tucholsky)
Die typische Reaktion, sobald jemand im Beruf stolpert? Er sucht nach einem Schuldigen! Wenn der gut organisierte Konzern, bei dem er anzuheuern meinte, sich als Chaostruppe entpuppt – dann hat der Personalchef gelogen! Wenn das Projekt, das er delegiert bekam, sich zum Himmelfahrtskommando entwickelt – dann hat ihn sein Chef in eine Falle gelockt! Und wer mit 55 Jahren seinen Hut nehmen und einem Jüngeren weichen muss, der verflucht die Profitgier seiner Firma und die soziale Kälte im Land.
Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"
Was auffällt: Die Verantwortung wohnt immer im Nachbargebäude , nie unter dem eigenen Dach. Wer so denkt, begeht drei Fehler: Erstens übersieht er seinen eigenen Anteil . Zweitens bleibt er, wie Tucholsky es beschreibt, am Boden liegen. Und drittens lernt er nicht für die Zukunft.

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn". Gerade ist sein neuestes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" erschienen
Wer sich etwa im Vorstellungsgespräch das Paradies ankündigen lässt, der wird nicht nur belogen – er lässt sich auch belügen. Hat er vorher recherchiert, wie es in dieser Firma zugeht? Hat er über Soziale Netzwerke Kontakt zu Firmenmitarbeitern gesucht? Ist er nach Feierabend einmal in den Bus vorm Firmengebäude eingestiegen, um zu erleben, wie es den Mitarbeitern nach einem Arbeitstag geht?
Fragen Sie sich bei Stürzen immer: »Was habe ich dazu beigetragen?« Denn sogar mancher Ältere trägt selbst zu seiner Entlassung bei. Machte er seine Leistungen durch gute Selbst-PR publik? Hielt er sein Wissen auf dem aktuellsten Stand? Und warum verharrte er in einer Firma, die systematisch Ältere hinauskegelt? Das ist, als würde man sich einem Zug in den Weg stellen, später aber klagen, man sei überrollt worden.
Ein Ingenieur, den ich beriet, kam diesem Schicksal zuvor: Mit 53 Jahren machte er sich noch selbstständig. Heute leitet er einen erfolgreichen Kleinbetrieb. Alternativen gibt es immer – wenn man handelt, statt sich behandeln zu lassen.
- Datum 20.10.2010 - 11:21 Uhr
- Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
- Quelle DIE ZEIT, 21.10.2010 Nr. 43
- Kommentare 34
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hinterlassen Häppchen-Kurzartikel wie dieser immer einen schalen Beigeschmack, finde ich. Da muß doch wesentlich mehr zu erzählen sein. Das ist ja fast wie die "Nachrichten"-Spalten bei yahoo oder web.de.
Das ist die Antwort auf ihre Frage:
"Unser Autor ist Karrierecoach und hat das Buch »Karriereberatung« geschrieben."
Der Artikel ist Werbung für eine Branche, die davon lebt, dass der Arbeitsmarkt, gelinde gesagt, dysfunktional ist. In Deutschland werden nur ca. 33% aller offenen Stellen auf dem offenen Markt vergeben. Ein Paradies für Leute wie Herrn Wehrle, die ja jedem Menschen, die ihre Dienste in Anspruch nahm, bei Misserfolg immer noch sagen kann: Sie waren selbst schuld. Sie sind in den falschen Bus gestiegen.
Das ist die Antwort auf ihre Frage:
"Unser Autor ist Karrierecoach und hat das Buch »Karriereberatung« geschrieben."
Der Artikel ist Werbung für eine Branche, die davon lebt, dass der Arbeitsmarkt, gelinde gesagt, dysfunktional ist. In Deutschland werden nur ca. 33% aller offenen Stellen auf dem offenen Markt vergeben. Ein Paradies für Leute wie Herrn Wehrle, die ja jedem Menschen, die ihre Dienste in Anspruch nahm, bei Misserfolg immer noch sagen kann: Sie waren selbst schuld. Sie sind in den falschen Bus gestiegen.
Entfernt. Bitte bleiben Sie mit Ihrer Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
was ist hier los?
ich hatte diese seite noch von gestern abend geöffnet und grade den kommentar nr.2 gelesen, ein harmloser, völlig normaler kommentar der die neoliberale geisteshaltung dieser coaching-methode kritisiert.
jetzt aktualisier ich die seite und sehe dass sie den kommentar aufgrund seiner unsachlichkeit(?) komplett zensiert haben....
sehr rätselhaft....
was ist hier los?
ich hatte diese seite noch von gestern abend geöffnet und grade den kommentar nr.2 gelesen, ein harmloser, völlig normaler kommentar der die neoliberale geisteshaltung dieser coaching-methode kritisiert.
jetzt aktualisier ich die seite und sehe dass sie den kommentar aufgrund seiner unsachlichkeit(?) komplett zensiert haben....
sehr rätselhaft....
Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
...nun man muss immer beides sehen: sich und seine Umgebung.
Das Individuum und das Kollektiv.
Sicher ist es wichtig, bei Versagen die eigene Motivation und Leistung zu hinterfragen. Sicher ist es wichtig, bei einem Sturz nicht nörgelnd liegen zu bleiben, sondern aufzustehen und weiterzugehen. Es ist das erste, es sollte ein Reflex sein.
Doch scheint es mir auch etwas zynisch, bei 4 Millionen Arbeitssuchenden jemandem, der nach 100 Bewerbungen endlich einen Job gefunden hat, vorzuwerfen: "Hat er vorher recherchiert, wie es in dieser Firma zugeht?" - kurzum, warum war er nicht wählerisch genug?
Oder dem 55 Jährigen zu sagen: "warum verharrte er in einer Firma, die systematisch Ältere hinauskegelt?" - also, warum ist er nicht selbst gegangen? wo er in seinem Alter so leicht neue Arbeit findet und es überhaupt nur seine Firma ist, die solche Praktiken betreibt?
Es gibt beides: die persönlichen Fehler und die systemischen Ungerechtigkeiten. Sicher sind erste leichter zu erledigen und sollten daher als erste angegangen werden. Aber letztere existieren auch und als mündiger Bürger sollte man sich dessen auch bewusst sein.
Der Artikel ist nicht uninteressant. In einer Zeit des radikalen Individualismus, der von systemischen Schwächen aber kaum etwas wissen will, scheint er mir zu einseitig. Sogar Karrierecoachs sollten die Wertungsbalance nicht verlieren.
... gut auf den Punkt gebracht. Zumal mangelnde Selbstreflexion so gut wie nie ein Aussortierkriterium beim Aufstieg ist. Eher im Gegenteil, wer geschickt andere für seine Säumnisse vorschieben kann, und mit einem aufgeblasenem Ego Kompetenz und Führungswillen vorgaukeln, der kann es bis ganz nach oben schaffen.
Oder sind es nicht unsere Führungskräfte die ständig die Schuld ablenken (aber die Erfolge gerne kassieren), von der Globalisierung, über die EU, über die Bankenkrise, über das Rentenproblem, über den (angeblichen) Fachkräftemangel usw. usw., nie sind sie selbst Teil des Problems oder gar Teil der Lösung...
In Anlehnung an den 4. Kommentar von Catrachito möchte ich den Begriff des radikalen Individualismus bzw. der systemischen Schwäche nochmals aufgreifen.
Der Artikel tendiert dazu, die Frage nach der Rolle bzw. der Schuld des Subjekts//Individuums//Arbeitnehmers etc. sehr deutlich zuungunsten des Subjekts zu beantworten, nach dem Motto: Wer scheitert, ist oft selber schuld. Die Verantwortlichkeit wird damit in direktem Maße von dem staatlichen bzw. wirtschaftlichen System auf das einzelne Subjekt übertragen, gewissermaßen externalisiert. Er alleine trägt die Verantwortung für sein eigenes Leben. Frappierend ist, dass das Subjekt angesichts des existenziellen Charakters von Arbeit, sich nur schwer gegen diese Externalisierung wehren kann, sich gewissermaßen den ihm aufgebürdeten Strukturen unterwerfen muss. [Im übrigen ein sehr guter Grund für ein Bedingungsloses Grundeinkommen].
Frappierend ist auch, dass der Artikel eben jene systemischen Mängel nicht zu Worte nimmt, diese somit explizit in den Raum des Nicht-Gedachtens verweist. Der damit erzeugte Nexus zwischen Erfolg und Eigenverantwortlichkeit scheint mir angesichts des weiterhin betriebenen Sozialabbaus, der weiterhin betriebenen Abwiegelung von Kosten des Staates auf seine Bürger, des zunehmenden Rückzugs dieser Instanz, die sich sogar per Verfassung dem Wohle der GEmeinschaft verpflichtet hat, ja sogar nur ihretwegen überhaupt besteht[!], nicht besonders innovativ!
... gut auf den Punkt gebracht. Zumal mangelnde Selbstreflexion so gut wie nie ein Aussortierkriterium beim Aufstieg ist. Eher im Gegenteil, wer geschickt andere für seine Säumnisse vorschieben kann, und mit einem aufgeblasenem Ego Kompetenz und Führungswillen vorgaukeln, der kann es bis ganz nach oben schaffen.
Oder sind es nicht unsere Führungskräfte die ständig die Schuld ablenken (aber die Erfolge gerne kassieren), von der Globalisierung, über die EU, über die Bankenkrise, über das Rentenproblem, über den (angeblichen) Fachkräftemangel usw. usw., nie sind sie selbst Teil des Problems oder gar Teil der Lösung...
In Anlehnung an den 4. Kommentar von Catrachito möchte ich den Begriff des radikalen Individualismus bzw. der systemischen Schwäche nochmals aufgreifen.
Der Artikel tendiert dazu, die Frage nach der Rolle bzw. der Schuld des Subjekts//Individuums//Arbeitnehmers etc. sehr deutlich zuungunsten des Subjekts zu beantworten, nach dem Motto: Wer scheitert, ist oft selber schuld. Die Verantwortlichkeit wird damit in direktem Maße von dem staatlichen bzw. wirtschaftlichen System auf das einzelne Subjekt übertragen, gewissermaßen externalisiert. Er alleine trägt die Verantwortung für sein eigenes Leben. Frappierend ist, dass das Subjekt angesichts des existenziellen Charakters von Arbeit, sich nur schwer gegen diese Externalisierung wehren kann, sich gewissermaßen den ihm aufgebürdeten Strukturen unterwerfen muss. [Im übrigen ein sehr guter Grund für ein Bedingungsloses Grundeinkommen].
Frappierend ist auch, dass der Artikel eben jene systemischen Mängel nicht zu Worte nimmt, diese somit explizit in den Raum des Nicht-Gedachtens verweist. Der damit erzeugte Nexus zwischen Erfolg und Eigenverantwortlichkeit scheint mir angesichts des weiterhin betriebenen Sozialabbaus, der weiterhin betriebenen Abwiegelung von Kosten des Staates auf seine Bürger, des zunehmenden Rückzugs dieser Instanz, die sich sogar per Verfassung dem Wohle der GEmeinschaft verpflichtet hat, ja sogar nur ihretwegen überhaupt besteht[!], nicht besonders innovativ!
Das ist die Konstruktion aller Karrieren. Und wenn nur einer gewinnen kann, MÜSSEN viele andere verlieren. Da hilft auch kein Karriere-Coach.Der versucht nur aus den vielen Verlierern Geld zu ziehen.Mehr nicht. Von guten Freunden wird man kostenlos besser beraten.
Das aufgezeigte Problem ist nicht typisch Deutsch, denn unsere ausländischen und eingebürgerten Mitbürger sind dort in vielen Dingen noch viel besser.
Die Erziehung zur Kritik und Selbstkritik beginnt schon im Kindesalter.
Aber wehe, jemand übt Kritik am eigenen Nachwuchs - der wird seines Lebens nicht mehr froh - gerade Erzieher in den Kita's und Lehrer an den Schulen können darüber wahre Bände schreiben.
Es geht dort ganz schnell, dass wegen der lieben "Kleinen" eine solche Person diskreditiert, angezeigt und schlimmstenfalls sogar deswegen gefeuert wird.
Aber nur deshalb, weil Eltern von Haus aus ihre Kinder nicht zur Selbstkritik erziehen und ihren Nachwuchs oft viel zu viel "durchgehen" lassen.
Die Quittung kommt dann spätestens beim ersten Praktikum in Klasse 9 und zieht sich durch das gesamte Berufsleben.
Aber auch die Arbeitgeber können nicht mit Kritik und Selbstkritik umgehen - geschweige sich vernünftig mit ihrem Gegenüber auseinandersetzen.
Ja, auch sie sind Kinder ihrer Eltern und was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr!
Ja, die Wahrheit tut sich immer schwerer in Deutschland - das fängt in der Politik an und hört beim Ausfüllen der Hartz IV-Anträge auf!
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/er
ist dieser Artikel. Läßt er doch die Voraussetzungeigenschaften eines Beraters für "nicht Flokeln" total vermissen. Dieser Artikel gehört in die Bild und nicht in die ZEIT, in aller Doppeldeutigkeit.
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