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Eine staatlich finanzierte Kampagne soll Studenten in den Osten locken. Doch schafft sie das auch? von Julia Nolte

Poppig, bunt, schrill: Ein Schauspieler wirbt für "Studieren in Fernost"

Poppig, bunt, schrill: Ein Schauspieler wirbt für "Studieren in Fernost"  |  © Hochschulinitiative Neue Bundesländer

An der Universität Rostock durften sie mit Robben schwimmen, an der Hochschule Magdeburg-Stendal löschten sie ein Feuer, in Halle pflügten sie den universitären Versuchsacker um die Wette. Die Botschaft hinter alldem: Ostdeutsche Hochschulen haben einiges zu bieten! Vermitteln wollten das die Macher der PR-Aktion »Rallye Fernost«, bei der westdeutsche Schüler die ostdeutsche Hochschullandschaft erkundeten. Die Veranstaltungen sind Teil der Kampagne »Studieren in Fernost«. Ihr Ziel: Studenten aus den überfüllten Hörsälen im Westen in den nicht ausgelasteten Osten zu locken.

Ausgedacht hat sich die Kampagne die Werbeagentur Scholz & Friends. Dort verkündete man nach der Aktion freudig, mehr als 200.000 Internetnutzer hätten sie online verfolgt. Eric Gransow hingegen meint, die Rallye habe kaum Reaktionen hervorgerufen. Als sogenannter Campusspezialist betreut der Politikstudent die SchülerVZ-Seite der Uni Halle und beantwortet dort Fragen zum Studium. Alle ostdeutschen Hochschulen sind mit einem Profil im Schülernetzwerk vertreten und werden über die Internetseite der Kampagne mit möglichen Erstsemestern versorgt – theoretisch jedenfalls. Gransow resümiert: »Bei der Rallye sind ein paar lustige Videos herausgekommen, und wir waren in der Presse, aber dadurch wurden auch nicht mehr Interessenten auf unser Profil geleitet.« Und er stellt eine Frage, die sich kaum einer offen auszusprechen traut: »Lohnt sich der ganze Aufwand?« Auch einige Hochschulvertreter äußern heimlich Kritik. Sie meinen, dass ihre eigenen Internetportale, Werbekampagnen, Tage der offenen Tür und Stände auf Hochschulmessen mehr brächten als die Ideen der Werber aus Berlin.

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16 Millionen Euro lässt sich der Staat die Image-Aufbesserung für die ostdeutschen Hochschulen insgesamt kosten. Die Kampagne startete im April 2009 und ist auf fünf Jahre angelegt. Doch wie lässt sich der Erfolg von »Studieren in Fernost« beurteilen? Reichen Klicks auf der Homepage und Erwähnungen in der Presse? »Einschreibezahlen und Umfragewerte«, sagt Christof Biggeleben von Scholz & Friends, »daran werden wir gemessen.«

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Nun liegen erste Zahlen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt vor – und zeigen, dass der Anteil der Westdeutschen unter den Studienanfängern zum Wintersemester 2010/2011 um fünf bis zehn Prozentpunkte gestiegen ist (siehe Grafik). Aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen gibt es derzeit noch keine aktuellen Zahlen.

Man könne den steigenden Anteil von Westdeutschen an den ostdeutschen Hochschulen als Erfolg von »Studieren in Fernost« interpretieren, sagt Christoph Heine von der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH), fügt jedoch einschränkend hinzu: »Der positive Trend hat bereits vor der Kampagne begonnen.« Er führt ihn vor allem auf den »Druck der doppelten Abiturjahrgänge« und die Tatsache zurück, dass im Osten keine Studiengebühren anfallen.

Außerdem helfen die Hochschulen neuerdings mit ausgefallenen Werbeaktionen nach. Die Hochschule Anhalt zum Beispiel ließ kürzlich einen Sonderzug, den »Solarexpress«, von Lübeck zum Campustag nach Köthen fahren, der unterwegs an sieben Stationen technikinteressierte Schüler einsammelte. Die Hochschule Neubrandenburg stattete die örtliche Drachenbootmannschaft für einen Wettkampf bei Hannover mit Hochschul-T-Shirts aus, um auf sich aufmerksam zu machen. Und bei einer Aktion im vergangenen Jahr wurden Erstsemester im Auftrag der Uni Leipzig von ihren Wohnorten im Westen abgeholt und zu ihrem Studienort chauffiert – im Trabi. Mit Marketingideen wie diesen können die Hochschulen Preisgelder aus dem Etat der Kampagne gewinnen.

»Es gibt keine Monokausalitäten«, sagt die Kultusministerin von Sachsen-Anhalt, Birgitta Wolff, deren Ministerium die fünf an der Kampagne beteiligten Kultusministerien koordiniert. Der Zuwachs könne sehr wohl ein Effekt der Kampagne sein. Doch das Entscheidende sei, dass die Hochschulen einen »Riesenanschub« bekommen hätten. »›Studieren in Fernost‹ hat sie eingeladen, über ihre Stärken und Schwächen nachzudenken.« Profilschärfungen und gezielte Investitionen in bestimmte Fächer seien die Folge. »Die Hochschulen sind besser geworden und verkaufen sich auch besser.«

Leserkommentare
  1. Ich bin in Karlsruhe (auch im TU9) und hier wird der GeistSoz-Bereich ähnlich stiefmütterlich geführt. Na und? Wenn/Dass der Gesetzesgeber von einer Kunsthochschule oder Musikhochschule verlangt Ingenieure auszubilden damit man sich Uni nennen darf findet das dort ähnlich wenig Anklang. Zurecht wie ich finde. Was haben Ingenieure an einer Kunsthochschule verloren?

    Desshalb verstehe ich nicht ganz wieso Sie sich darüber aufregen, dass eine Hochschule die sich auf ein bestimmtes Themengebiet festgelegt hat nicht andere Themengebiete mit gleicher "Liebe" versorgt. Es kann nicht jede Uni alles in Höchstqualität anbieten.

    Antwort auf "Bitte differenzieren"
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    Zum einen habe ich darauf hinweisen wollen, dass man die Hochschulen hier im Beitrittsgebiet nicht als Entitäten, sondern allenfalls nach Fakultäten differenziert beurteilen sollte, um nicht zu ungerechtfertigt schlechten oder (hier) guten Bewertungen zu gelangen. Dieses generelle Lob der Unis hier lockt anderenfalls womöglich weitere Studenten nach Dresden, die dann überrascht feststellen, dass an der TU doch nicht alle Studiengänge gleich sind.

    Im Übrigen habe ich natürlich meinem Ärger über die hiesigen Zustände Luft gemacht - der Vorwurf aber geht natürlich nicht an die Leitungsebene der TU (Warum die herausragenden Fakultäten nivellieren, um die "herunterragenden" Fakultäten wenigstens auf Mittelmaß zu bringen? Ich bin durchaus für Anspruch und Leistung), sondern (wie so oft) an die Politik, die so sicher zwischen Sonntagsreden und Praxis zu unterscheiden weiß. "Geisteswissenschaften in Dresden schließen, Studenten in den Regionalexpress nach Leipzig setzen" kann ich allerdings auch nur anregen, weil mich die Fahrt- oder Umzugskosten wohl nicht mehr treffen würden ...

  2. Zum einen habe ich darauf hinweisen wollen, dass man die Hochschulen hier im Beitrittsgebiet nicht als Entitäten, sondern allenfalls nach Fakultäten differenziert beurteilen sollte, um nicht zu ungerechtfertigt schlechten oder (hier) guten Bewertungen zu gelangen. Dieses generelle Lob der Unis hier lockt anderenfalls womöglich weitere Studenten nach Dresden, die dann überrascht feststellen, dass an der TU doch nicht alle Studiengänge gleich sind.

    Im Übrigen habe ich natürlich meinem Ärger über die hiesigen Zustände Luft gemacht - der Vorwurf aber geht natürlich nicht an die Leitungsebene der TU (Warum die herausragenden Fakultäten nivellieren, um die "herunterragenden" Fakultäten wenigstens auf Mittelmaß zu bringen? Ich bin durchaus für Anspruch und Leistung), sondern (wie so oft) an die Politik, die so sicher zwischen Sonntagsreden und Praxis zu unterscheiden weiß. "Geisteswissenschaften in Dresden schließen, Studenten in den Regionalexpress nach Leipzig setzen" kann ich allerdings auch nur anregen, weil mich die Fahrt- oder Umzugskosten wohl nicht mehr treffen würden ...

    • cinor
    • 28. Oktober 2010 15:25 Uhr

    Ich habe in Karlsruhe meinen geisteswissenschaftlichen Bachelor gemacht und bin jetzt in einem geisteswissenschaftlichen Master an der TU Dresden immatrikuliert.
    Also kann ich sowohl zu MarcelSchumann als auch zu JoshWolf was sagen.

    1.) Uni Karlsruhe: Stiefmütterlich geführt ja, leider. Hab lange lange dafür an vorderster Front gekämpft, dass das anders sein möge. Dafür aber im Vergleich zu Dresden exzellent ausgestattet, Lehrdeputate ausreichend (wie gesagt, alles nur im Vergleich), Gebäude intakt, klasse Wlan, Infrastruktur sehr gut, BA/MA-System ausgereift und super umgesetzt, 24h-Bib und und und.

    2.) TU Dresden: Eine einzige Katastrophe. Marode Gebäude (ich sage nur August-Bebel-Str. 30), demotiviertes Lehrpersonal und Kommilitonen, völlig verschulte BA/MA-Struktur, keine 24h-Bib, Onlinesysteme unausgereift, Zwangsexmatrikulation nach Nichtabgabe einer Hausarbeit usw. usf.

    Ich wechsle zum nächstmöglichen Termin (SS 11) wieder nach Karlsruhe. Zwar werden wir hier (KA) in der Tat mehr geduldet als ausgebaut, jedoch vergisst man uns nicht völlig. Außerdem sind 11 Jahre Erfahrung mit BA/MA unübersehbar. Diese Freiheiten in der Studiengestaltung, die ich in Karlsruhe habe, wäre in Dresden undenkbar.

    Bislang dachte ich immer, an anderen Unis wäre alles gleich bis ähnlich - dass es so eklatante Unterschiede gibt (und die TU DD hat durchaus einen Ruf in den Geisteswissenschaften), das hätte ich niemals gedacht.

    Antwort auf "Bitte differenzieren"
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    warum Sie mit geisteswissenschafltichen Ambitionen von einer technischen Uni zur nächsten gondeln. Weil dort die Zulassungsbeschränkungen für GeistSoz so niedrig sind? Weil sie rummeckern wollen, dass man sie als Geisteswissenschaftler an einer TU nicht mit finanziellen Mitteln überschüttet?

    Tun Sie doch diesen beiden Unis und vor allem sich selbst den Gefallen und studieren Sie dort wo Ihre Fächer hoch im Kurs stehen. Freiburg zum Beispiel ist schön, und die Uni gut.

  3. Die Wessis sind schon da! In Magdeburg meldete die Uni gerade 42% Anfänger aus den älteren Ländern, die Hochschule Magdeburg-Stendal bietet 20%. Das bedeutet, dass in Magdeburg beinahe 2.000 junge Menschen aus dem Westen im Jahr 2010 ein Studium begonnen haben. Vermutlich liegt das weniger an der Fernost-Kampagne, dafür spielen Studiengänge, Ruf der beiden Hochschulen, geografische Nähe (40km) zu Niedersachsen und ja, auch die Lebenshaltungskosten und die fehlenden Studiengebühren die entscheidende Rolle.
    Uni und Hochschule haben sich nun auch für ein gemeinsames Projekt zusammengetan und veranstalten im Mai 2011 gemeinsam und zeitgleich ihre Campus Days. Kernzielgruppe: junge Westdeutsche.

  4. Ich studiere im ersten Semester in Magdeburg. Zugegeben, in meinem Studiengang sind wir nur 80 Leute, aber deutlich mehr als die Hälfte kommt aus dem Westen.

    Viele dieser Leute sind hier, weil Magdeburg, wie bereits angesprochen, nah an den alten Bundesländern liegt, aber vor allem, weil das Studium einfach nichts kostet.
    Zum Vergleich: An meinem vorigen Studienort habe ich für Studien- und restliche Pflichtgebühren 760 Euro pro Semester bezahlt, hier sind es schlappe 64 Euro Verwaltungsgebühr pro Semester.

    Das Video zur Fernost-Kampagne, das an der Universität Magdeburg gedreht wurde, ist einfach nur absurd. Ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Kampagne ein Beweggrund sein könnte, an einer Universität irgendeiner Art (ob im Osten oder im Westen oder auf Hawaii) ein Studium aufzunehmen.

  5. warum Sie mit geisteswissenschafltichen Ambitionen von einer technischen Uni zur nächsten gondeln. Weil dort die Zulassungsbeschränkungen für GeistSoz so niedrig sind? Weil sie rummeckern wollen, dass man sie als Geisteswissenschaftler an einer TU nicht mit finanziellen Mitteln überschüttet?

    Tun Sie doch diesen beiden Unis und vor allem sich selbst den Gefallen und studieren Sie dort wo Ihre Fächer hoch im Kurs stehen. Freiburg zum Beispiel ist schön, und die Uni gut.

    Antwort auf "Haha, das passt."
  6. Rausgeworfenes Geld... DANKE FUER DIE WERBUNG!!

    Bin Professor in Fernost, in Hong Kong www.ust.hk

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