Design Schön ist das nicht!
An den alltäglichsten Gegenständen scheitern Designer immer wieder. Warum eigentlich?
Fangen wir im Bad an. Was tut man nicht, um ein schönes Bad zu haben. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben. Habe den Farbton der Fliesen unter Hunderten von Mustern ausgesucht. Mit der ganzen Familie über Katalogen voller Duscharmaturen gebrütet. Eine schmerzhaft hohe Summe in einen großen Spiegel investiert.
Vergeblich. Denn wenn ich nun morgens vor den Spiegel trete, blicke ich nicht nur in mein zerfaltetes Gesicht, sondern sehe auch alle möglichen Gegenstände, die mich von der Spiegelablage grüßen: Da ist die elektrische Zahnbürste, die mit ihrem aufgepflanztem Bürstenkopf aussieht wie eine Atomrakete. Duschgels, die den Salatsoßenflaschen in meinem Kühlschrank ähneln. Eine Munddusche, die so gestaltet ist, als sollte man damit die Terrasse kärchern. Die Einrichtung habe ich wohl bestimmen können – aber die Gesamterscheinung beherrscht ein Haufen Plastik, eine Ansammlung von Produkten, die gleichermaßen nützlich und abscheulich sind. Warum ist das eigentlich so?
Es wird gern geklagt, unsere Welt sei übergestaltet: Alles, aber auch alles sei »designt«. Wer das behauptet, hat vermutlich kein Badezimmer. Und auch sonst kein Leben. Denn in Wahrheit ist unser Alltag angefüllt mit Dingen, bei deren Gestaltung man sich keine Gedanken gemacht hat – oder böse.
Wo ist die Fernbedienung, die so geformt ist, dass man sie gern anblickt? Warum sehen Toaster aus wie schmelzende Plastikklopse? Warum muss man die PIN seiner EC-Karte an der Supermarktkasse in ein Gerät eintippen, das so billig aussieht, als ginge es nur um Spielgeld? Und kann die Bahn wirklich nicht anders, als ihren Kunden Onlinetickets auszustellen, die noch mehr Tristesse ausstrahlen als behördliche Mahnschreiben?
Den Alltag schöner zu machen, genau das war das Versprechen des Industriedesigns am Anfang des 20. Jahrhunderts, als Maschinen begannen, Produkte in Serie zu produzieren. Schönheit war zuvor ein Privileg der Reichen gewesen, die sich mit aufwendigem Kunsthandwerk ausstatten konnten. Nun aber würden endlich wohlgestaltete Dinge in unbegrenzter Stückzahl produziert und reproduziert werden können: Schönheit für alle!
Hundert Jahre später lässt sich konstatieren: Irgendetwas muss schiefgegangen sein. Um sich das Ausmaß zu vergegenwärtigen, reicht ein Anruf bei Florian Hufnagl. Er ist der Chef der Neuen Sammlung in der Münchner Pinakothek der Moderne, der weltweit größten Kollektion von Industriedesignobjekten. Sie umfasst über 70.000 Stücke vom Stuhl bis zum Sportwagen. Hufnagl erzählt, dass er jedes Jahr 1000 Objekte seiner Sammlung einverleibe. Die allermeisten Stücke seien Klassiker. Er finde im Jahr nur etwa 30 interessante neue Produkte. Der letzte gut gestaltete Fernseher? Schon einige Jahre her. Bisher hat es noch kein Flachbettscanner in die Neue Sammlung geschafft, kein DVBT-Empfänger, kein Laserdrucker – keines von den Geräten, die für viele Menschen Alltag sind.
Man kann ein einzelnes Gerät herausgreifen, um das Elend des Alltagsdesigns zu veranschaulichen: die Zahnbürste zb1, die Robert Oberheim 1980 für Braun entwarf. Ein schwarzer Zylinder von poetischer Schlichtheit, der in einen Bürstenkopf überging. Heute gibt es bei Braun immer noch elektrische Zahnbürsten. Das Spitzenmodell heißt Oral B Triumph 5000, sieht aus wie ein erotisches Spielzeug, hat ein Display mit Ladestand-Anzeige, stromlinienartige Zeichnungen, einen türkis-grauen Farbverlauf auf dem Gehäuse und eine drahtlose Funkverbindung zu einem Monitor, auf dem sich der Fortschritt des Zähneputzens verfolgen lässt. Die Aufgabe des Geräts hat sich nicht geändert: Zähne putzen. Aber die Herangehensweise des Herstellers ist eine andere.
- Datum 22.10.2010 - 18:27 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 21.10.2010 Nr. 43
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teilweise das Gegenteil.
Beruhigend: weil ich damit offenbar doch nicht so alleine bin mit der Meinung, das Wäscheständer die Wohnung verschandeln. Nach langer Suche fand ich einen, der nicht weiß war, sondern, man stelle sich vor, dunkelgrüne Beine hat. Ansonsten exact das Übliche weiße Klappergestell.
Beunruhigend: Weil leider der Ansporn für die Industrie wirklich zu niedrig ist, solange der Verbraucher "zufriedengestellt" ist. - Wie sagt man doch auch: "Zufriedenheit ist der größte Feind des Fortschritts" - in diesem Fall des Fortschritts für schönere Alltagsgegentsände.
Ach ja: sollte jemand Hinweise auf einen schöneren Wäscheständer haben: ich bin bereit mindestens das 5fache zu bezahlen, für einen Gegenstand, der ja auch ein paar Jahre rumsteht, solange kein Orkan ihn wegpustet.
sollten Sie einen Metaller oder Schreiner aufsuchen- der ist letzendlich immer die erste Instanz vor Massenprodukt. Erarbeiten Sie mit ihm einen Entwurf und fertigt es für Sie- so einfach ist das!
sollten Sie einen Metaller oder Schreiner aufsuchen- der ist letzendlich immer die erste Instanz vor Massenprodukt. Erarbeiten Sie mit ihm einen Entwurf und fertigt es für Sie- so einfach ist das!
Mäkelt herum, dass die Zahnbürste seinem ästhetischen Wohlbefinden nicht passt. Dann soll er statt rumzunörgeln gefälligst eine entwickeln, die ihm gefällt und trotzdem realisierbar ist. Und wenn die wirklich so toll wäre, müssten die Leute ihm das Ding ja wohl aus der Hand reißen.
Hat er sich mal Gedanken darüber gemacht, warum die Elektrische Zahnbürste aussieht, wie sie aussieht? Oder schwebt er so über den Dingen, dass die naturwissenschaftliche Realität, dass in das Teil Motoren, Schaltelement und ein Akku hinein müssen, für ihn keine Rolle mehr spielt?
Industriedesign ist eine Menge mehr als einfach nur "irgendwelche hübschen Dinge malen" - Eine Lektion, die vielen Designern immer noch schwer zu vermitteln ist.
Dass er einen tollen Mülleimer designed hat, befähigt ihn noch lange nicht dazu, ein funktionsfähiges und vermarktbares Gerät zu entwickeln - dazwischen liegen Welten.
Für mich ist dieser Mensch ein Sinnbild für eine Elite, die über den Wolken schwebt und die Naturwissenschaftliche Realität für etwas hält, was man "denen da unten" zur Lösung überlässt.
Lieber Treczoks,
mit Ihrer Annahme, Herr Prüfer sei Designer irren Sie. Tillmann Prüfer ist der Stil-Redakteur des ZEITmagazins und schreibt für dieses wöchentlich die Stil-Kolumne:
http://www.zeit.de/themen...
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Erk
Lieber Treczoks,
mit Ihrer Annahme, Herr Prüfer sei Designer irren Sie. Tillmann Prüfer ist der Stil-Redakteur des ZEITmagazins und schreibt für dieses wöchentlich die Stil-Kolumne:
http://www.zeit.de/themen...
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Erk
... läßt sich bekanntlich nicht streiten.
Ich finde es ziemlich vermessen zu sagen das wir alle mitverantwortlich für die optische Verschmutzung der Welt sind. Als es eine Richtlinien geben würde für Schönheit oder Hässlichen.
Jeder findet andere Dinge schön. Wie ich finde, eine unglaublich wichtige Eigenschaft der Menschheit. Was wäre es für eine Welt in der alle das Gleiche gut finden würden...
Über Geschmack kann man nicht streiten? Das behaupten nur Leute, die keinen haben.
Davon abgesehen trifft W4YN3 den Nagel ungewollt auf den Kopf. Ja, Design kostet, so wie gutes Essen auch kostet. Auch minimales Design kostet. Wenn Sie's gerne billig haben, essen Sie eben Analog-Nahrungsmittel und stellen Sie Ihre Wohnung voller Billig-Gerümpel.
Über Geschmack kann man nicht streiten? Das behaupten nur Leute, die keinen haben.
Davon abgesehen trifft W4YN3 den Nagel ungewollt auf den Kopf. Ja, Design kostet, so wie gutes Essen auch kostet. Auch minimales Design kostet. Wenn Sie's gerne billig haben, essen Sie eben Analog-Nahrungsmittel und stellen Sie Ihre Wohnung voller Billig-Gerümpel.
Als ich die ersten paar Absätze gelesen habe, dachte ich zuerst, der Artikel wäre ein Scherz. Ich hätte echt nicht gedacht, dass jemand sein Bad durch Zahnbürsten und Shampoos verunstaltet sieht. Vielleicht hilft es, ein hübsches Schränkchen ins Bad zu stellen und mal ein bisschen aufzuräumen (Schweinehund schlägt zu: das muss man ja nach jeder Körperpflege machen).
Wenn Sie unbedingt mehr für ihre Alltagsgegenstände zahlen wollen, bitte! Denn eines ist klar: Design kostet; und das nicht nur, weil ein Designer bezahlt werden muss. Die Produktionskosten steigen durch extravagante Designs enorm.
Beispiel ICE: Bei den Versionen ICE-3 und ICE-T befindet sich oberhalb der Fensterreihe eine kleine Stufe im Blech. Diese wirkt elegant, allerdings kostet das in der Produktion mehrere tausend Euro pro Waggon.
Beispiel Rheinbrücke (genauen Namen kenne ich nicht): Getragen von nur einem Pylon wurde das Design noch vor der Verwirklichung mit Designpreisen prämiert; die Statiker berechneten aber, dass dafür teurer Spezialstahl verwendet werden muss, die Baukosten stiegen.
Beispiel Colaflasche: Durch die geschwungene Form ist sie teurer in der Produktion als Standard-Glasflaschen.
Fazit: Design kostet und da die leeren Shampooflaschen eh im Müll landen zahlt man nicht gerne einen Aufpreis dafür.
...würde es schon reichen, wenn die Aufdrucke nicht so infantil wären. Probieren Sie's mal aus! Entfernen Sie die Etiketten (soweit möglich) von allen Shampooflaschen im Bad: Eine Wohltat!
...würde es schon reichen, wenn die Aufdrucke nicht so infantil wären. Probieren Sie's mal aus! Entfernen Sie die Etiketten (soweit möglich) von allen Shampooflaschen im Bad: Eine Wohltat!
... das sollte schon mal Grundsatz jedes guten Produktdesigns sein. Und was z.B. Shampoo- oder Duschgel-Flaschen betrifft: Was soll ich von einem 69 ct Produkt erwarten? Ich bin schon froh, dass es vermehrt Flaschen gibt, die man vom Design her auf den Kopf stellen kann, so dass sich die Reste immer sofort und problemlos herausdrücken lassen. Vielleicht sieht der Deckel dadurch nicht so schick aus, aber who cares?
Bei einem wirklich guten Design ist nicht nur der Grundsatz "Form follows function" gegeben, sondern das neue Design hat sogar eine bessere Funktion als das alte.
Ein gutes Beispiel dafür sind z.B. 1,5l oder 2l Flaschen. Der Ring, der diese PET Flaschen neuerer Zeit unterhalb des Halses verengt, sieht nicht nur besser aus, diese Flaschen lassen sich auch besser halten...sogar für kleine Hände.
Leider halten sich schlecht designte Produkte aber viel zu lange manchmal. Entweder die Kosten für ein neues Design werden gemieden oder das alte Design ist einfach zu beliebt bei den Kunden. Gerade bei Alltagsgegenstände frage ich mich oft warum die so gefertigt wurden. Unschön und unpraktisch. Aber vermutlich hängt das einfach mit dem Fertigungsprozess bzw. der Wirtschaftlichkeit zusammen.
Bei einem wirklich guten Design ist nicht nur der Grundsatz "Form follows function" gegeben, sondern das neue Design hat sogar eine bessere Funktion als das alte.
Ein gutes Beispiel dafür sind z.B. 1,5l oder 2l Flaschen. Der Ring, der diese PET Flaschen neuerer Zeit unterhalb des Halses verengt, sieht nicht nur besser aus, diese Flaschen lassen sich auch besser halten...sogar für kleine Hände.
Leider halten sich schlecht designte Produkte aber viel zu lange manchmal. Entweder die Kosten für ein neues Design werden gemieden oder das alte Design ist einfach zu beliebt bei den Kunden. Gerade bei Alltagsgegenstände frage ich mich oft warum die so gefertigt wurden. Unschön und unpraktisch. Aber vermutlich hängt das einfach mit dem Fertigungsprozess bzw. der Wirtschaftlichkeit zusammen.
dass nicht mehr das Gefühl für Schönheit in jedem Einzelnen zählen soll, sondern dass nur noch (ZEIT-)medial propagiertes "Design" als schön empfunden werden soll.
Wäre es nicht möglich, zumindest die im Text erwähnten Produkte mit abzubilden? Sonst muss man ja alles glauben, was da steht =)
Lieber Treczoks,
mit Ihrer Annahme, Herr Prüfer sei Designer irren Sie. Tillmann Prüfer ist der Stil-Redakteur des ZEITmagazins und schreibt für dieses wöchentlich die Stil-Kolumne:
http://www.zeit.de/themen...
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Erk
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