Die Forscheren gründen direkt Opfergesellschaften im Internet. Oder einen selbst ernannten Anlegerschutzverein. Die offiziellen Anlegerschützer können diese schon gar nicht mehr zählen. Grundsätzlich, so ihr Tenor, hätten sie nichts gegen Konkurrenz, nur solle die unabhängig beraten. Oder in Gesetzgebungsverfahren für Verbraucher aktiv werden. Sie kritisieren aber, dass solche Vereine oft Jahresgebühren in dreistelliger Höhe verlangen, dafür nur Massenanschreiben versenden und vor allem eines raten: Die Mitglieder sollten einen Anwalt aufsuchen, und zwar den Kooperationsanwalt des Vereins, der – wen wundert’s – oft der Anwalt ist, der den Verein gegründet hat.

Die Gründer solcher Vereine bewegen sich in einer Grauzone. »Wählt ein Anwalt den Deckmantel eines Vereines, um Mandanten anzusprechen, was seiner Kanzlei verwehrt wäre, sehe ich da großes Konfliktpotenzial, um es mal vorsichtig auszudrücken«, sagt Kammervertreter Dahns. Andere nennen es »unseriös, wenn sich jemand nicht als Anwalt zu erkennen gibt, sondern einen Verein vorschaltet«. Der sei nur zum Weiterleiten der Mandanten da; Rechtsberatung dürfe er nicht bieten.

Haben gute Anwälte Vereine nötig? Jochen Resch, der zwei Anlegervereine gegründet hat, SGK und DIAS, obwohl er Vorsitzender der Verbraucherzentrale Brandenburg ist, sagt: »Es kommt auf die Motivation der Leute an, die dahinterstehen.« Er wolle über dubiose Kapitalanlageprodukte aufklären. Im DIAS-Vorstand habe er Verbraucherschützer, Staatsanwälte und Ermittler von Landeskriminalämtern versammelt, »solche Leute geben sich nicht her, um als Mandantenschaufel für eine Kanzlei zu dienen«. Inzwischen aber, sagt er, »habe ich so viel Kritik eingesteckt, dass ich es aufgegeben habe«.

Gleich mehrere Schutzorganisationen laufen bei Philipp Wolfgang Beyer von der Kanzlei PWB zusammen. Er ist laut Deutschem Verbraucherschutzring (DVS) dessen Gründer und Vorstand. Der DVS verweist auf »sehr renommierte Rechtsanwaltskanzleien« als Partner, unter ihnen Beyers Kanzlei, und ist Träger der Stiftung Deutscher Anlegerschutz. Beyer ist daneben auch Vorstand des Deutschen Schutzverbands gegen Diskriminierung und des Deutschen Insolvenz Schutzrings, die beide im Internet den DVS empfehlen. Ebenfalls verlinkt haben sie die Deutsche Anwaltsbörse, deren Geschäftsführer Beyer ist, sowie den Prozessfinanzierer Acivo, dessen Website bis vor Kurzem noch Beyer als Alleinvorstand führte. Fast alle diese Organisationen sitzen in Jena, einige haben dieselbe Adresse. Eine solche Ämterhäufung und Nähe hat in der Branche Geschmäckle.

Beyer betont, dass seine Verbindung zu den Vereinen stets »auf den jeweiligen Websites im Impressum transparent« gemacht werde. Auch habe er »alle Verfahren gegen Kollegen und Anwaltskammern gewonnen«, die seine Ämterhäufung als wettbewerbs- oder berufsrechtswidrig angesehen hätten. »In ausnahmslos allen diesbezüglichen Verfahren hatte ich das Vergnügen, mich mit der bisher stets spekulativ vorgebrachten Behauptung auseinanderzusetzen, ich würde den DVS e.V. zu Akquisitionszwecken nutzen«, so Beyer. Zumindest das Landgericht Hamburg aber entschied 2007 in einem Verfahren, das der DVS damals gegen die Verbraucherzentrale NRW führte, gegen den DVS. Im Urteil des Gerichts heißt es, der DVS habe ein Rundschreiben verschickt, das »in geradezu reißerischer Manier drauf angelegt« sei, »bei den geschädigten Anlegern Hoffnungen keimen zu lassen und sie damit dem Antragsteller zuzuführen«.

Ob ein Anwalt es gut meint? Da bleibt Anlegern oft nur eines: abwarten, was der Richter sagt.