2200 Kilometer läuft Jürgen Mennel von Heilbronn nach Athen © Drachenhonig/photocase.com

DIE ZEIT: Herr Mennel, wo sind Sie gerade?

Jürgen Mennel: In Korinth.

ZEIT: Sie sind vor 23 Tagen in Heilbronn losgelaufen , begleitet von einem Wagen für das Gepäck. Wie viele Kilometer haben Sie hinter sich?

Mennel: 2040.

ZEIT: Und wo tut’s weh?

Mennel: Gar nichts tut weh, ich habe keine Blessuren, keine Blasen, die Muskeln sind fit, Herz-Kreislauf ist kein Thema.

ZEIT: Sie sind erst nach Straßburg gelaufen und dann durch die Schweiz. Ein tolles Erlebnis?

Mennel: Es ging so. Am Gotthard hat es furchtbar geregnet. Ursprünglich wollte ich über den Pass, aber dort lag Schnee. Deshalb bin ich im Begleitfahrzeug durch den Tunnel gefahren. Zum Ausgleich bin ich zwei Hügel hoch gerannt, ich wollte ja nicht schummeln.

ZEIT:Norditalien war bestimmt schöner.

Mennel: Furchtbar! Mailand habe ich umgangen. Auch Parma, Modena und Bologna: schrecklich!

ZEIT: Viele Menschen fahren dort hin, um sich Sehenswürdigkeiten anzusehen. Warum sind Sie den Städten ausgewichen?

Mennel: Weil dort zu viel Verkehr ist. Da kommt man als Läufer nicht durch.

ZEIT: Haben Sie denn all die Orte vermieden, die normale Touristen gerne mögen?

Mennel: Von Rimini bin ich die Adriaküste runter bis Brindisi gerannt, teils den Strand entlang, auch wenn ich mir nasse Füße geholt habe. Aber das war nötig; die schöne Meeresgegend hilft einem, dass man nicht die Lust am Laufen verliert. Mit der Fähre setzte ich nach Igoumenitsa über.

ZEIT: Sie wollten doch ursprünglich über den Balkan nach Griechenland.

Mennel: Das ging nicht. Albanien ist nichts für Läufer. Die Wege sind nicht ausgeschildert, bei Unwetter werden die Straßen nicht geräumt. Und schauen Sie sich mal die Karte an: Da geht es auf 2100 Meter hoch. Ich wäre zeitlich nicht hingekommen, im Süden geht die Sonne ja früh unter.

ZEIT: Wie haben die Leute unterwegs reagiert?

Mennel: Ich hatte gar nicht die Ruhe, um mit ihnen zu kommunizieren. Ich befand mich mehr auf einer Reise nach innen. Man hört auf die Körpersignale. Wenn ich etwa merke, die letzte Mahlzeit ist verdaut, kann ich das Tempo anziehen.