Martenstein "Lebt in vollen Zügen. Feiert. Lasst es krachen. Ignoriert alle Vorsorge- und Anlage-Angebote!"

Harald Martenstein über vernünftige Planungen für den Lebensabend

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Diese Kolumne wendet sich speziell an jüngere Leser. Was ist die beste Altersvorsorge? Diese Frage geht jeden jungen Menschen an. Ich bin der Einzige, der euch diese Frage wirklich ehrlich beantwortet.

Als ich selber jung war, schrieben die Zeitungen das Gleiche wie heute, die Politiker sagten auch schon das Gleiche: »Man muss vorsorgen! Die staatliche Rente reicht nicht!« Ich schloss also eine Zusatzversicherung ab. Jeden Monat floss Geld in die Versicherung. Ich habe getan, was die Politiker verlangten. Ich dachte: »Wenn ich gaga werde und nicht mehr schreiben kann – kein Problem.« In jedem Jahr schickte die Versicherung einen Brief, in dem stand, wie viel Geld ich eines Tages bekommen würde. Das war ein total schöner Brief jedes Jahr.

Auf einer Party traf ich unlängst einen Herrn, der gerade in den Ruhestand gegangen war. Er hatte die gleiche Versicherung. Er sagte: »Die Summe, die in dem Brief steht, können Sie vergessen.« Es würde ein Haufen Krankenkassenbeiträge von der Summe abgezogen werden. Ich fragte, wieso, ich zahle doch jeden Monat für die Krankenkasse, von dem Rest, der übrig ist, spare ich was fürs Alter – wo ist da die Logik? Der Herr sagte, es sei nicht logisch, es hänge damit zusammen, dass der Staat Geld brauche. Bei seiner Suche nach Geld habe der Staat festgestellt, dass einige Menschen, auf Anraten des Staates, für ihr Alter etwas gespart hätten. Davon würde er sich jetzt ein Stück abschneiden. Ich sagte: »Als ich den Vertrag abgeschlossen habe, hat keiner was davon erzählt.« Der Herr sagte: »Klar. Das haben die ja erst kürzlich eingeführt.« Ich sagte, man kann doch in einem laufenden Vertrag während der Laufzeit nicht die Spielregeln ändern, das ist sittenwidrig. Der Staat aber ist in seiner Geldnot so verzweifelt, dass er auf Sitten keine Rücksicht nehmen kann.

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Wenn ich die Summe verjubelt oder versteckt hätte, statt vorzusorgen, wäre nichts abgezogen worden. Versteht ihr? Es ist Betrug. Hinter dem ganzen Vorsorge-Gerede steckt ein gigantischer Betrug. Sie wollen, dass wir unser Geld irgendwohin bringen, wo sie es unter Kontrolle haben, dort nehmen sie es uns dann ab. Riester, Rürup, Lebensversicherung, daran verdienen die Versicherungen und der Staat, für dich selbst, mein Freund, bleibt fast nichts übrig.

Hier mein Rat an die Jugend.

Lebt in vollen Zügen. Feiert. Lasst es krachen. Ignoriert – das ist das Wichtigste! – alle Vorsorge- und Anlage-Angebote. Eine überdurchschnittliche Rente wird euch sowieso weggenommen, in 30 Jahren wird der Staat noch viel klammer sein als heute. Verlasst euch auf die staatliche Grundsicherung. Wenn ihr im Alter nichts habt, radikal nichts, seid endlich mal ihr auf der Gewinnerseite – der Staat gibt euch was! Kauft rechtzeitig alle Sachen, die ihr im Alter brauchen könnt und die haltbar sind, Kleidung, Möbel, Weinkeller, Cognac, Bücher, Musikanlage, das werden sie euch nicht wegnehmen, weil der Verwaltungsaufwand zu groß ist. Besorgt euch zum Obst- und Gemüseanbau einen Garten, und zwar über einen Strohmann, sonst wird das Obst von der Grundsicherung abgezogen. Spart heimlich Geld, tut es ins Kopfkissen. Dort kriegt ihr zwar keine Zinsen, aber es wird nicht versteuert, keinerlei Abzüge, glaubt mir, at the end of the day fahrt ihr mit einem Kopfkissen besser als mit Banken und Versicherungen. Ich habe gelesen, dass allein im letzten Jahr 20 Prozent der Berufstätigen ihre Vorsorge reduziert oder gekündigt haben, es werden immer mehr. Es ist eine Massenbewegung.

 
Leser-Kommentare
  1. werter Herr Martenstein,

    ein Bekannter, der Rüttlers Konny, wollte das auch erst glauben, nachdem ihm's der Wollwebers Edgar bestätigte,
    der's wiederum von der Riemenschneiders Hetti hatte. Die
    übrigens mit einem Versicherungsmakler verheiratet war,
    bis der auch ihr Versicherungen verkaufen wollte.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  2. ...genau das haben sich die Engländer und Iren nämlich gedacht. Staatlichen Versprechen traut dort niemand.

    Andererseits hat genau dieser Run auf "Property" dort die Immobilien-Blase ausgelöst.

    Viele mußten bereits jetzt einsehen, daß sie verloren haben.

    Aber andere waren clever genug, rechtzeitig die Gewinne auf die Ehefrau zu überschreiben, und sich bankrott zu erklären. Oder, noch besser, sie haben ihr einstöckiges Cottage auf dem Höhepunkt der Blase völlig überteuert verkauft, und sich für das Geld dann ein ein Weingut in Kroatien geleistet. - Oder ein Stadthaus in Berlin, wo jetzt mietezahlende junge Leute an Licht- und Klanginstallationen tüfteln, und deren Eltern beklagen, daß Dänen, Amerikaner, Briten und Iren ganz Deutschland aufkaufen...

  3. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

  4. Diese Kolumne gibt genau die Vertrauenskrise der Mittelschicht gegenüber dem deutschen Staat wieder.

    Daß die Gesellschaft sich seit der Kohl-Ära von der bundesdeutschen Zwiebel (gesunde Mittelschicht, kleine Ober- und Unterschichten) in eine Sanduhr (verschwundene Mittelschicht, superreiche Oberschicht und unten ein Bodensatz von Hartz-IV-Empfängern) verwandelt, ist nicht nur seit Längerem bekannt, sondern auch hinreichend abstrakt beklagt worden.

    Aber in der Praxis, konkret, wird ungerührt gehandelt, als ob die Mittelschicht unbegrenzt belastbar wäre.

    Erschließt die Stadt irgendwo neue Grundstücke, und die Zufahrtswege müssen daraufhin ausgebaut werden, so werden selbstverständlich die Anwohner zur Finanzierung des Straßenausbaus herangezogen. Den Reibach mit den neuen Grundstücken aber fahren Stadt und Investor alleine ein. Eine stärkere Verkehrsbelastung bleibt den Anwohnern als Dankeschön.

    Muß ein neuer Bürgersteig entlang dieser Zufahrtsstraße angelegt werden, so wird dieser mit Sicherheit entlang der privaten, nicht der städtischen Grundstücke entlanggeführt. Denn dann können die Kosten für den Winterdienst den Anwohnern aufgedrückt werden, und die Stadt spart Geld.

    Fortsetzung folgt...

  5. Werden Heiz-, Wasser- oder Elektrizitätskosten oder Krankenkassenbeiträge erhöht, geht als Erstes ein Aufschrei durch Industrie und Wirtschaft (Standort-Deutschland-Keule). Die Unternehmen bekommen daraufhin Vergünstigungen, zum Ausgleich werden dann die privaten Haushalte mehr belastet.

    Aber wie belastbar die Häuslebauer eigentlich sind, fragt niemand.

    Und dann wundert man sich, daß Leute ihre Altersvorsorge kündigen oder ihr Haus verkaufen müssen.

    Die Welt besteht nämlich nicht nur aus Mietern und Vermietern, sondern auch aus Leuten, die sich ihr Eigentum so gerade eben leisten können. Noch...

  6. Genauo denke ich auch- man weiß ja auch nicht wie alt an wird.
    Die Verkäufer dieses Zeugs und ihre bezahlten Lohnschreiber in Wirtschaftsmagazinen, tun ja auch immer so, als ob das Leben eines Menschen wie ein Unternehmen zu steuern wäre.
    Ein Unternehmen ist aber, zumindest theoretisch grundsätzlich für dei Ewigkeit gebaut.
    Finanzielle Lebensplanung muss also vom Ende her gedacht werden.
    Und wie heißt es so schön: Der letzte Scheck muss an den Bestatter gehen- und platzen.

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    ...ist schon ok. Nur, wie soll die Zwischenfinanzierung aussehen? Ich verstehe nicht warum immer so ein Gegensatz aufgebaut wird zwischen "Leben in vollen Zügen" und "sparen für die Zukunft". Als ob schön Leben alleine bedeutet viel Geld auszugeben - was für eine konsumistische Sichtweise! Leute, die schönsten Dinge im Leben sind kostenlos!

    ...ist schon ok. Nur, wie soll die Zwischenfinanzierung aussehen? Ich verstehe nicht warum immer so ein Gegensatz aufgebaut wird zwischen "Leben in vollen Zügen" und "sparen für die Zukunft". Als ob schön Leben alleine bedeutet viel Geld auszugeben - was für eine konsumistische Sichtweise! Leute, die schönsten Dinge im Leben sind kostenlos!

  7. Der Artikel liest sich gut. Man hat den Eindruck, da weiss einer, von was er redet. Sozusagen jemand, der man nichts mehr vormachen kann. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass er sich sehr geärgert hat, als er erfahren hat, dass er bei Auszahlung seiner angesparten Versicherung Krankenversicherungsbeiträge zahlen soll. Solche nachträglichen Änderungen fördern natürlich nicht das Vertrauen in den Staat. Ich vermute, er hat eine Kapital-Lebensversicherung als Direktversicherung abgeschlossen, die er als einmalige Kapitalzahlung oder Rente ausgezahlt erhält.

    Seit 2005 besteht die Möglichkeit, einen Teil seines Bruttogehalts oder -lohnes steuer- und sozialversicherungsfrei als Altersvorsorge zu sparen, und zwar in diesem Jahr bis 2.640 €. Je nach Steuerklasse fördert somit der Staat diese Vorsorge also, der eigene Nettobeitrag kann also u U. nur die Hälfte ausmachen. Diese angesparte Summe muss natürlich im Leistungsfall dann versteuert werden. Der Vorteil ergib sich aber daraus, dass die meisten Menschen im Alter geringere Einkünfte haben und daher einen geringeren Steuersatz.

    Ich bin kein Versicherungsvertreter. Ich verstehe nur etwas von betrieblicher Altersvorsorge. Aber natürlich bin ich auch der Meinung, dass man bevor man für das Alter spart, alle Güter, die man für ein komfortables Leben braucht, haben sollte.

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    ...wieder wird dein Geld so viel wert sein wie heute ! An alle, die mit Mitte 20 schon anfangen an ihre Rente zu denken :

    Was wollt ihr mit eurem zukünftigen Wohlstand anfangen? Raffgierigen Enkeln den Führerschein bezahlen ? Extra dicke Erwachsenenwindeln tragen ? Haut die Kohle raus, solange sie noch was wert ist, den Rest in die Spardose ! Da kommt man jederzeit wieder ran, ohne irgendwelche Depotverwaltungsgebühren

    Ein hübsches Sümmchen, wer es denn erübrigen kann.
    Und dann passiert das, was oben im Artikel so schön steht: Eine überdurchschnittliche Rente wird euch sowieso weggenommen!

    Wer selbst gespart hat, bekommt zuerst mal die Grundsicherung abgezogen. Der Rest wird nach der dann gültigen Bedarfslage besteuert und abgabenbelegt.

    Volltreffer, Herr Martenstein, gallebitter ins Tiefschwarze!

    ...wieder wird dein Geld so viel wert sein wie heute ! An alle, die mit Mitte 20 schon anfangen an ihre Rente zu denken :

    Was wollt ihr mit eurem zukünftigen Wohlstand anfangen? Raffgierigen Enkeln den Führerschein bezahlen ? Extra dicke Erwachsenenwindeln tragen ? Haut die Kohle raus, solange sie noch was wert ist, den Rest in die Spardose ! Da kommt man jederzeit wieder ran, ohne irgendwelche Depotverwaltungsgebühren

    Ein hübsches Sümmchen, wer es denn erübrigen kann.
    Und dann passiert das, was oben im Artikel so schön steht: Eine überdurchschnittliche Rente wird euch sowieso weggenommen!

    Wer selbst gespart hat, bekommt zuerst mal die Grundsicherung abgezogen. Der Rest wird nach der dann gültigen Bedarfslage besteuert und abgabenbelegt.

    Volltreffer, Herr Martenstein, gallebitter ins Tiefschwarze!

  8. ...wieder wird dein Geld so viel wert sein wie heute ! An alle, die mit Mitte 20 schon anfangen an ihre Rente zu denken :

    Was wollt ihr mit eurem zukünftigen Wohlstand anfangen? Raffgierigen Enkeln den Führerschein bezahlen ? Extra dicke Erwachsenenwindeln tragen ? Haut die Kohle raus, solange sie noch was wert ist, den Rest in die Spardose ! Da kommt man jederzeit wieder ran, ohne irgendwelche Depotverwaltungsgebühren

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    denn den einen oder anderen Mitmenschen müssen Sie dann vielleicht doch anpumpen können - falls Sie doch wider Ihre eigenen Erwartungen ein hohes Alter erreichen sollten!

    Und vielleicht haben Sie sogar liebe Enkel?

    ... ist die Erde auch eine Scheibe ?!!!
    Warum sollte ich den Staat allen Verpflichtungen entheben ? Er ist verantwortlich für die Misere der Renten/Krankenkassen. Er hat sich berreichert wo er nur konnte, da soll er auch für mich im Alter sorgen. Von meiner letzten Kohle als Arbeitnehmer kaufe ich mir ein aktuelles Sozialgesetzbuch und werde die entsprechenden Stellen überschütten mit Eingaben.

    Wird schon :) !

    denn den einen oder anderen Mitmenschen müssen Sie dann vielleicht doch anpumpen können - falls Sie doch wider Ihre eigenen Erwartungen ein hohes Alter erreichen sollten!

    Und vielleicht haben Sie sogar liebe Enkel?

    ... ist die Erde auch eine Scheibe ?!!!
    Warum sollte ich den Staat allen Verpflichtungen entheben ? Er ist verantwortlich für die Misere der Renten/Krankenkassen. Er hat sich berreichert wo er nur konnte, da soll er auch für mich im Alter sorgen. Von meiner letzten Kohle als Arbeitnehmer kaufe ich mir ein aktuelles Sozialgesetzbuch und werde die entsprechenden Stellen überschütten mit Eingaben.

    Wird schon :) !

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