Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen © Nicole Sturz

Diese Kolumne wendet sich speziell an jüngere Leser. Was ist die beste Altersvorsorge? Diese Frage geht jeden jungen Menschen an. Ich bin der Einzige, der euch diese Frage wirklich ehrlich beantwortet.

Als ich selber jung war, schrieben die Zeitungen das Gleiche wie heute, die Politiker sagten auch schon das Gleiche: "Man muss vorsorgen! Die staatliche Rente reicht nicht!" Ich schloss also eine Zusatzversicherung ab. Jeden Monat floss Geld in die Versicherung. Ich habe getan, was die Politiker verlangten. Ich dachte: "Wenn ich gaga werde und nicht mehr schreiben kann – kein Problem." In jedem Jahr schickte die Versicherung einen Brief, in dem stand, wie viel Geld ich eines Tages bekommen würde. Das war ein total schöner Brief jedes Jahr.

Auf einer Party traf ich unlängst einen Herrn, der gerade in den Ruhestand gegangen war. Er hatte die gleiche Versicherung. Er sagte: "Die Summe, die in dem Brief steht, können Sie vergessen." Es würde ein Haufen Krankenkassenbeiträge von der Summe abgezogen werden. Ich fragte, wieso, ich zahle doch jeden Monat für die Krankenkasse, von dem Rest, der übrig ist, spare ich was fürs Alter – wo ist da die Logik? Der Herr sagte, es sei nicht logisch, es hänge damit zusammen, dass der Staat Geld brauche. Bei seiner Suche nach Geld habe der Staat festgestellt, dass einige Menschen, auf Anraten des Staates, für ihr Alter etwas gespart hätten. Davon würde er sich jetzt ein Stück abschneiden. Ich sagte: "Als ich den Vertrag abgeschlossen habe, hat keiner was davon erzählt." Der Herr sagte: "Klar. Das haben die ja erst kürzlich eingeführt." Ich sagte, man kann doch in einem laufenden Vertrag während der Laufzeit nicht die Spielregeln ändern, das ist sittenwidrig. Der Staat aber ist in seiner Geldnot so verzweifelt, dass er auf Sitten keine Rücksicht nehmen kann.

Wenn ich die Summe verjubelt oder versteckt hätte, statt vorzusorgen, wäre nichts abgezogen worden. Versteht ihr? Es ist Betrug. Hinter dem ganzen Vorsorge-Gerede steckt ein gigantischer Betrug. Sie wollen, dass wir unser Geld irgendwohin bringen, wo sie es unter Kontrolle haben, dort nehmen sie es uns dann ab. Riester, Rürup, Lebensversicherung, daran verdienen die Versicherungen und der Staat, für dich selbst, mein Freund, bleibt fast nichts übrig.

Hier mein Rat an die Jugend.

Lebt in vollen Zügen. Feiert. Lasst es krachen. Ignoriert – das ist das Wichtigste! – alle Vorsorge- und Anlage-Angebote. Eine überdurchschnittliche Rente wird euch sowieso weggenommen, in 30 Jahren wird der Staat noch viel klammer sein als heute. Verlasst euch auf die staatliche Grundsicherung. Wenn ihr im Alter nichts habt, radikal nichts, seid endlich mal ihr auf der Gewinnerseite – der Staat gibt euch was! Kauft rechtzeitig alle Sachen, die ihr im Alter brauchen könnt und die haltbar sind, Kleidung, Möbel, Weinkeller, Cognac, Bücher, Musikanlage, das werden sie euch nicht wegnehmen, weil der Verwaltungsaufwand zu groß ist. Besorgt euch zum Obst- und Gemüseanbau einen Garten, und zwar über einen Strohmann, sonst wird das Obst von der Grundsicherung abgezogen. Spart heimlich Geld, tut es ins Kopfkissen. Dort kriegt ihr zwar keine Zinsen, aber es wird nicht versteuert, keinerlei Abzüge, glaubt mir, at the end of the day fahrt ihr mit einem Kopfkissen besser als mit Banken und Versicherungen. Ich habe gelesen, dass allein im letzten Jahr 20 Prozent der Berufstätigen ihre Vorsorge reduziert oder gekündigt haben, es werden immer mehr. Es ist eine Massenbewegung.