Migration Wo bleiben die Araber?

Auswanderungsland D: Viele Talente gehen, wenige kommen.

Die Zahlen klingen dramatisch. Alle drei bis vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land, 17 sind es jede Stunde, 424 an einem Tag. Wer die jährlichen Informationen des Statistischen Bundesamtes über deutsche Auswanderer herunterrechnet, fragt sich womöglich erschrocken, warum Politiker in diesen Tagen über Zuwanderung streiten. Stoppt doch erst einmal die Abwanderung, wird ihnen der eine oder andere vielleicht zurufen. Zumal, wenn er gerade von seinem Hausarzt kommt, der – demoralisiert über die neueste Gesundheitsreform – die Praxis schließt und in die Schweiz übersiedelt. Oder den Wissenschaftler über bürokratische Fallstricke klagen hört, weshalb der jetzt in die USA zieht. Möglicherweise löst auch der Blick auf die eigene Gehaltsabrechnung jeden Monat aufs Neue Fernweh aus.

155.000 Menschen mit deutschem Pass meldeten sich nach den vorläufigen Zahlen des Bundesamtes 2009 in ihrer Heimatgemeinde ab und gingen ins Ausland. Das waren zwar weniger als 2007 oder 2008, doch langfristig zeigt der Trend nach oben. Alarmierend erscheint dies vor allem mit Blick auf die Qualifikation. »Die deutschen Auswanderer sind deutlich höher qualifiziert als der Durchschnitt der Bevölkerung«, warnt Herbert Brückner, der am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung den Forschungsbereich »Internationale Vergleiche und europäische Integration« leitet.

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Ja, die Arbeitsmärkte für besonders qualifizierte Arbeitskräfte werden allgemein globaler. Doch Deutschland könne davon nicht profitieren, sagt Brückner. Denn die Einwanderer, die ins Land kämen, seien weniger gut ausgebildet als die Auswanderer.

Droht also auch Deutschland, was bislang nur in vielen Entwicklungsländern geschah – der Braindrain? Verliert die Republik ihre klügsten Köpfe? Nein, sagt Elisabeth Liebau vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Laut ihrer Untersuchung spielte 2009 zwar jeder achte Deutsche mit dem Gedanken, ins Ausland abzuwandern. Aber bloß weniger als ein Drittel von ihnen, nämlich 29 Prozent, wollten ihrer Heimat dauerhaft den Rücken kehren. Und unter den dauerhaft Auswanderungsbereiten waren Befragte mit hohen Bildungsqualifikationen sogar unterrepräsentiert.

»Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die hohe internationale Mobilitätsbereitschaft der Deutschen positiv zu beurteilen«, erklärt Elisabeth Liebau. »Viele Arbeitskräfte bilden sich durch einen Auslandsaufenthalt weiter. Kehren diese qualifizierten Auswanderer später wieder heim, wirkt sich der Fortgang vielfach zum Vorteil Deutschlands aus.«

So kamen 2009 rund 115.000 Deutsche aus dem Ausland zurück. Unter ihnen waren nur gut 3000 Spätaussiedler. Von brain circulation spricht deshalb auch Lenore Sauer vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Für der Deutschen liebste Auswanderungsländer Schweiz und USA liegen ihr zwar keine Rückwandererdaten vor. Für die Europäische Union aber gelte: »85 Prozent kommen wieder, und unter denen, die zurückkommen, ist ein hoher Anteil an Hochqualifizierten.«

Leser-Kommentare
    • Alskie
    • 22.10.2010 um 20:00 Uhr

    "2009 waren die meisten der rund 27.000 »Drittstaatsangehörigen«, die zum Arbeiten nach Deutschland kamen, Bürger der USA. An zweiter und dritter Stelle folgten Inder und Chinesen. Erst an neunter Stelle kamen die Türken. Arabische Staatsangehörige, denen der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer neben den Türken pauschal Schwierigkeiten bei der Integration in Deutschland unterstellt, waren unter den Top Ten der Einwanderer überhaupt nicht vertreten."

    Sie implizieren hier als ob es keine größere Einwandererung aus der Türkei gäbe. Das ist grob irreführend. Entweder aus Unwissenheit oder um die Bevölkerung für dumm zuverkaufen. Mag sein das die Türken und Araber unter denen die ZUM ARBEITEN nach Deutschland kommen wenig vertreten sind. Weit mehr Türken kommen aufgrund von Familiennachzug und Asyl. Insgesamt sind es etwa 30.000. Also allein mehr als alle 27.000 die ZUM ARBEITEN gekommen sind.

    Nachzulesen im Migrationsbericht 2008 auf S. 21

    http://www.bmi.bund.de/Sh...

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    können Sie hierzu Stellung nehmen? Wenn dieser Kommentar der Wahrheit entspricht, sollte er vielleicht "empfohlen" werden.

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  1. Werte Frau Finkenzeller,

    es gehen nicht nur Menschen mit guter und/oder hoher Bildungsqualifikation, sondern, und das ist noch viel schlimmer, mit diesen deutschen Abwanderern geht auch ein riesiges Quantum an Berufserfahrung für Deutschland verloren.

    Insbesondere betroffen sind hiervon die Nachwuchskräfte, die nun nicht mehr von dieser Berufserfahrung profitieren.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie zukünftig den genannten Umstand mit in Ihre Überlegungen einbeziehen.

    Gruß Hräswelger

  2. Hoffentlich gibt's hierfür eine Relevante Mehrheit.

    Es gibt schöne Gegenden, in Europa, in den man individuell Leben kann. Es muß nicht ein Hochlohn sein.

    Es geht um Lebensqualität.
    Weshalb also wieder zurück gehen?

  3. 5. Danke!

    Endlich ein Artikel, der nicht zwischen Nazis auf der einen und Terroristen auf der anderen Seite schwankt und sich in Schuldzuweisungen ergeht.

  4. Zitat: @1. Arge Fehlinformation
    Nachzulesen im Migrationsbericht 2008 auf S. 21
    ..
    Sehe ich das falsch, oder sind diese Zahlen >2 Jahre alt?
    .....
    Zitat: @3. Keine Panikmache, bitte
    Viele gehen ja gar nicht ins Ausland, sondern in andere Länder der europäischen Union.
    Und die sind – per Verfassung – kein Ausland mehr!
    .....
    Jetzt wird es aber drollig:-) Hab ich was verpasst? Seit wann lebe ich in der Bundesrepublik EUROPA:-)
    .
    Wenn das so sein sollte und der "Nationalstaatsgedanke "ENDLICH" gestorben ist, dann hat sich diesr unangenehme Diskurs "Doitsche Leitkultur" ja endlich erledigt :-)
    .
    Grinsegrüsse
    Siksuu.
    .
    Ich finde es faszinierend wie schnell Menschen ihren Stadpunkt wechseln konnen.
    .
    Hier noch einmal ein interssanter alten Beitrag der Zeit. LESENSWERT. incl. Forum dazu.
    http://www.zeit.de/gesell...

  5. 7. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Polemik und beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen. Danke, die Redaktion/fk.

  6. Ja, Siksuu.

    Da hast Du was verpasst.

    Die ehemaligen Grenzen sind offen. Dú kannst Dich in jedem der 25 Mitgliedsländer (mit kleinen Besonderheiten, hier und da) niederlassen, Geld verdienen, heiraten, Grund und Boden kaufen, Handel treiben ...

    Herrlich, gell?

    Daher: Das ist gar kein "Auswandern". Das ist normales Umziehen.

    stt

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    ...eindeutig ein Fortschritt, solange man nicht aus Arbeitsplatzgründen zu derartiger Mobilität gezwungen wird. Blöderweise ist man das in der EU. Nächstes Jahr kommt die AN-Freizügigkeit für Osteuropa auch in D, dann gehts richtig los, denn D ist zZ eines der wenigen Länder, in denen die Krise kaum Auswirkungen hatte:
    http://www.hintergrund.de...

    Da tröstet es mich nur wenig, dass ich bei Bedarf auswandern könnte. Hab ohnehin meine Probleme mit Fremdsprachen und auch keine Lust Freundeskreis und Familie tausende km hinter mir zu lassen.

    ...eindeutig ein Fortschritt, solange man nicht aus Arbeitsplatzgründen zu derartiger Mobilität gezwungen wird. Blöderweise ist man das in der EU. Nächstes Jahr kommt die AN-Freizügigkeit für Osteuropa auch in D, dann gehts richtig los, denn D ist zZ eines der wenigen Länder, in denen die Krise kaum Auswirkungen hatte:
    http://www.hintergrund.de...

    Da tröstet es mich nur wenig, dass ich bei Bedarf auswandern könnte. Hab ohnehin meine Probleme mit Fremdsprachen und auch keine Lust Freundeskreis und Familie tausende km hinter mir zu lassen.

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