Akademischer Umbruch "Die Ostforscher konnten sich weniger gut verkaufen"

Peer Pasternack, 47, war von 1989 bis 1995 Studentensprecher in Leipzig. Heute ist er Projektleiter am Institut für Hochschulforschung der Uni Halle-Wittenberg. Ein Gespräch über die Spätfolgen des akademischen Umbruchs vor 20 Jahren.

Peer Pasternack ist Projektleiter am Institut für Hochschulforschung der Uni Halle-Wittenberg

Peer Pasternack ist Projektleiter am Institut für Hochschulforschung der Uni Halle-Wittenberg

DIE ZEIT: Noch hat es keine ostdeutsche Hochschule geschafft, Exzellenz-Universität zu werden. Liegt das auch an den radikalen Umbrüchen in der Wissenschaft nach der Wiedervereinigung, die erst einmal verkraftet werden mussten?

Peer Pasternack: Zunächst sind es die Nachwirkungen aus 40 Jahren deutscher Teilung, die den Hochschulen Probleme gemacht haben. Nach 1990 fehlte es den ostdeutschen Universitäten an Reputation. Man wusste im Westen, dass es auch dort Hochschulen gibt, aber man kannte ihre spezifischen Stärken nicht. Deswegen waren sie für viele gute Wissenschaftler nicht zwingend das Ziel einer akademischen Karriere. Und sind heute das, was deutschschweizerische Universitäten im 19. Jahrhundert waren: sogenannte Erstberufungshochschulen. Dahin geht man als junger Professor auf seine erste Stelle und sieht zu, dass man etwas Besseres findet. Dadurch fehlt es an Stabilität bei den Leistungsträgern an ostdeutschen Universitäten.

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ZEIT: Im Jahr 1990 sprach der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hans Zacher, von der »ostdeutschen Forschungswüste«. Das empfanden viele als Beleidigung.

Pasternack: Das war eine konkurrenzpolitische Aussage. Er wollte sich vor ostdeutschen Mitbewerbern um Forschungsmittel schützen. Die Akademien der Wissenschaften in der DDR hatten immerhin 27.000 Mitarbeiter. Zacher wünschte eine Filetierung dieser Akademien, das Herausschneiden der besten Abteilungen und deren Integration in die Max-Planck-Gesellschaft. Seine Aussage hat damals zwar viele empört, aber er wollte damit vor allem seine Ziele erreichen. Später wurde sie relativiert, indem man von Oasen sprach, die es auch in der Forschungswüste gebe.

ZEIT: Nicht nur die Akademien der Wissenschaften wurden aufgelöst, sondern auch viele Abteilungen an den Hochschulen. Was verschwand da, was man hätte bewahren können?

Pasternack: Einzelne Bereiche hätten sicher eine Chance verdient gehabt. Etwa die Forschung zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges, zur Französischen Revolution, Bereiche in der Literaturwissenschaft, in der Linguistik, in der Kunstgeschichte. Zudem war es unklug, manche Strukturen nicht zu bewahren, nur weil man sie im Westen nicht kannte. So musste der wissenschaftliche Nachwuchs in der DDR grundsätzlich eine hochschulpädagogische Ausbildung absolvieren. Die war zwar politisch kontaminiert, aber jenseits dessen wurde didaktisches Handwerk vermittelt. Jetzt baut man eine hochschuldidaktische Ausbildung wieder auf. In Ost wie West.

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/km

  2. Bitte verzichten Sie auf Polemik, die lediglich der Provokation dient. Danke, die Redaktion/fk.

  3. - Warum wurde eigentlich die gesamte Wissenschaftselite entfernt?

    (Dass da gerade im Mittelbau sich viele "eingenistet" hatten, ist sicherlich richtig - aber die Qualität der Forschung generell in Frage zu stellen, nur weil die Computertechnik teilweise nicht so intensiv genutzt wurde wie im Westen, war mehr als arrogant. Heute bewundern wir alle die Russen, die kraft ihres Intellekts so viel von Hand lösen können und nicht auf stupide Numerik mit ihren Schwächen setzen müssen)

    - Warum traute man es den Ossis nicht selbst zu, sondern versuchte, dritt- und viertklassige Forscher mit Schweinegeld anzulocken, die weder die Bedingungen kannten, noch willens waren, etwas "Wirkliches" aufzubauen?

    - Warum schloss man alle Vorzeigeeinrichtungen des Ostens?

    Es gab sie ja: Die wenigen Institute, zu denen im Kalten Krieg die Westprofessoren gepilgert sind, um "vom Osten zu lernen".

    - Warum stand eigentlich jede Person in höherer Position unter Pauschalverdacht?

    Während in den 50ern so mancher NS-Freund Professor bleiben oder sogar werden durfte, wurden im Osten teilweise Hochbegabte mit (!) Reputation unter Systemverdacht entfernt, obwohl sie schon während der DDR als Risikopersonen unter Dauerbeobachtung standen.

    - Warum sind in den Osthochschulen die überwältigende Mehrheit der Professoren und Postdocs eigentlich noch immer Westdeutsche, die es auch weiterhin nicht als Aufbauarbeit sondern als Zwischenstation ansehen?

    - brauchen wir eine Quote für Ostdeutsche?

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    Sie stellen gute Fragen. Als Nicht-Insider, der aber in beiden Landesteilen lange gelebt hat (erst Ost, dann 20 Jahre West, dann Ost) sage ich:
    Nach Überstehen des 2. Weltkriegs gab es gleichermaßen eine hoffnungsvolle, dynamische Aufbruchszeit, in der erhebliche Leistungen vollbracht wurden. Ich meine, man hatte sogar in der SBZ noch härter gearbeitet; leider wurden manche Erfolge aus politischen Gründen eingestellt oder abgewürgt(z.B. den Flugzeugbau in Dresden 1961, ein modernes Automobil um 1965 in Zwickau). Ulbricht war ein kalter Stalinist, verstand aber noch etwas von Wirtschaft.
    Unter Honecker schlug dann die lähmende Gift der Planwirtschaft auf Initiative und Leistung erst voll zu.

    Am Ende der bleiernen 80-er Jahre hatte die Mehrheit der DDR-Bürger, namentlich in den südlichen Bezirken, das System so satt, daß es alle Wünsche auf die Bundesrepublik projizierte, die ja auch bereit schien, sich dieser Projetion würdig zu erweisen. Gerade so wie die Verwandten, die den Kontakt hielten über regelmäßige Pakete und Besuche Verantwortung oder Mitgefühl zeigten oder die Bundesregierung unter Kanzler Schmidt der DDR ganze Autobahnen spendierte (HH-Berlin u.a.) Die DDR-Menschen übersahen dabei, daß dies eine Minderheit war, die zudem durch Generationenwandel langsam kleiner wurde.

    Je schlechter und grauer es der DDR ging, desto mehr schauten ihre Bewohner nach Westen. Auch die Jugend der BRD projizierte ihre Wünsche nach Westen: auf das freie, coole Amerika.

    "Helmut, nimm uns an die Hand, führ uns in Wirtschaftswunderland!". Dieser Spruch sagt viel.

    Helmut, Jg. 1930, hatte noch das gemeinsame Deutschland im Herzen, wie Brandt, Bahr oder z.B. Biedenkopf auch. Doch für die Mehrheit der Mächtigen war Ostdt. weiter weg als Paris oder New York. Und diese sich oft kumpelhaft gebenden Ost-Leute schmissen sich nun an den Hals des eigenen Staates und waren lt. Grundgesetz nicht abzuweisen.

    So kreuzten sich naiver Glaube, als Brüder willkommen zu sein (getragen von dem mehr oder weniger bewußten Gefühl, nach 1945 unverschuldet sehr benachteiligt gewesen zu sein und nun ein Recht auf fairen Ausgleich zu haben) mit - dem genervten Erstaunen, daß 16 Millionen seltsame Leute nun am gleichen Tisch essen sollten , die in ihrer vertrauens-vollen Naivität und Direktheit so anders waren. Und: hatten die nicht auch gute Forscher, waren das wirtschaftlich stärkste Land des Ostblocks? Eigentlich unerhört! Und so nahm denn die Vereinnahmung dessen, was über viele Jahrhunderte Fleisch vom Fleische war, seinen Lauf:

    Der Elite des eroberten Landes gehört der Kopf abgeschlagen. Man suche einige TabuBegriffe wie "Stasi" und stelle am besten alle Bewohner unter Generalverdacht (auch wenn nur 1,2% tatsächlich betroffen). Auch wenn die Ideologie, die sich zeigte, bei weitem nicht mit der der Weimarer Republik vergleichbar ist, war ich doch erschüttert über das Ausmaß an rezenter Ideologie, das sich nun offenbarte.

    Sie stellen gute Fragen. Als Nicht-Insider, der aber in beiden Landesteilen lange gelebt hat (erst Ost, dann 20 Jahre West, dann Ost) sage ich:
    Nach Überstehen des 2. Weltkriegs gab es gleichermaßen eine hoffnungsvolle, dynamische Aufbruchszeit, in der erhebliche Leistungen vollbracht wurden. Ich meine, man hatte sogar in der SBZ noch härter gearbeitet; leider wurden manche Erfolge aus politischen Gründen eingestellt oder abgewürgt(z.B. den Flugzeugbau in Dresden 1961, ein modernes Automobil um 1965 in Zwickau). Ulbricht war ein kalter Stalinist, verstand aber noch etwas von Wirtschaft.
    Unter Honecker schlug dann die lähmende Gift der Planwirtschaft auf Initiative und Leistung erst voll zu.

    Am Ende der bleiernen 80-er Jahre hatte die Mehrheit der DDR-Bürger, namentlich in den südlichen Bezirken, das System so satt, daß es alle Wünsche auf die Bundesrepublik projizierte, die ja auch bereit schien, sich dieser Projetion würdig zu erweisen. Gerade so wie die Verwandten, die den Kontakt hielten über regelmäßige Pakete und Besuche Verantwortung oder Mitgefühl zeigten oder die Bundesregierung unter Kanzler Schmidt der DDR ganze Autobahnen spendierte (HH-Berlin u.a.) Die DDR-Menschen übersahen dabei, daß dies eine Minderheit war, die zudem durch Generationenwandel langsam kleiner wurde.

    Je schlechter und grauer es der DDR ging, desto mehr schauten ihre Bewohner nach Westen. Auch die Jugend der BRD projizierte ihre Wünsche nach Westen: auf das freie, coole Amerika.

    "Helmut, nimm uns an die Hand, führ uns in Wirtschaftswunderland!". Dieser Spruch sagt viel.

    Helmut, Jg. 1930, hatte noch das gemeinsame Deutschland im Herzen, wie Brandt, Bahr oder z.B. Biedenkopf auch. Doch für die Mehrheit der Mächtigen war Ostdt. weiter weg als Paris oder New York. Und diese sich oft kumpelhaft gebenden Ost-Leute schmissen sich nun an den Hals des eigenen Staates und waren lt. Grundgesetz nicht abzuweisen.

    So kreuzten sich naiver Glaube, als Brüder willkommen zu sein (getragen von dem mehr oder weniger bewußten Gefühl, nach 1945 unverschuldet sehr benachteiligt gewesen zu sein und nun ein Recht auf fairen Ausgleich zu haben) mit - dem genervten Erstaunen, daß 16 Millionen seltsame Leute nun am gleichen Tisch essen sollten , die in ihrer vertrauens-vollen Naivität und Direktheit so anders waren. Und: hatten die nicht auch gute Forscher, waren das wirtschaftlich stärkste Land des Ostblocks? Eigentlich unerhört! Und so nahm denn die Vereinnahmung dessen, was über viele Jahrhunderte Fleisch vom Fleische war, seinen Lauf:

    Der Elite des eroberten Landes gehört der Kopf abgeschlagen. Man suche einige TabuBegriffe wie "Stasi" und stelle am besten alle Bewohner unter Generalverdacht (auch wenn nur 1,2% tatsächlich betroffen). Auch wenn die Ideologie, die sich zeigte, bei weitem nicht mit der der Weimarer Republik vergleichbar ist, war ich doch erschüttert über das Ausmaß an rezenter Ideologie, das sich nun offenbarte.

  4. Danke, dass Sie einen so konstruktiven Beitrag leisten!

    Anstelle falschen Populismus zu verbreiten, sollte man eher überlegen, warum dies so ist. Genau Ihre Ansicht ist es nämlich, die die Exzellenz im Osten verhindert. Die Entsendung Drittklassiger Westforscher schafft halt keine Exzellenz. Und nun haben wir nach 20 jahren den Salat: In den ostdeutschen Berufungsgremien sitzen größtenteils Zweitklassige Forscher aus dem Westen, die ihrerseits zweitklassige Kollegen aus den alten Bundesländern einstellen. Danke! Dort können Sie ja gern mit einer Quotierung anfangen....

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    Sie hauen aber auch ganz schön auf die Polemikpauke.

    Sie sagen: Alle Personen in höheren Positionen standen unter Generalverdacht.
    Ich sage: zurecht, ganz nach oben hat man es ohne die Hilfe gewisser Kreise in der DDR doch gar nicht geschafft, egal wie gut man war. Und diese Kreise erwarteten natürlich Gegenleistungen.

    Sie schwadronieren von irgend welchen exzellenten Einrichtungen, die angeblich geschlossen wurden. Nennen sie doch mal so ein paar tolle Einrichtungen, die völlig grundlos dichtgemacht wurden.

    Sie hauen aber auch ganz schön auf die Polemikpauke.

    Sie sagen: Alle Personen in höheren Positionen standen unter Generalverdacht.
    Ich sage: zurecht, ganz nach oben hat man es ohne die Hilfe gewisser Kreise in der DDR doch gar nicht geschafft, egal wie gut man war. Und diese Kreise erwarteten natürlich Gegenleistungen.

    Sie schwadronieren von irgend welchen exzellenten Einrichtungen, die angeblich geschlossen wurden. Nennen sie doch mal so ein paar tolle Einrichtungen, die völlig grundlos dichtgemacht wurden.

  5. Es gibt auch Alt-Bundesländer, die keine Exzellenz-Uni haben. Und die hatten keine Zäsur vor 20 Jahren. Exzellenz kann ja wohl nicht mit der Gießkanne über die Geographie versprüht werden. Wann und wo sich "Exzellenz" entwickelt, kann man nicht so einfach auf einen einzigen Faktor projizieren. Also bitte Vorsicht mit politisierten Argumenten.

  6. Sie hauen aber auch ganz schön auf die Polemikpauke.

    Sie sagen: Alle Personen in höheren Positionen standen unter Generalverdacht.
    Ich sage: zurecht, ganz nach oben hat man es ohne die Hilfe gewisser Kreise in der DDR doch gar nicht geschafft, egal wie gut man war. Und diese Kreise erwarteten natürlich Gegenleistungen.

    Sie schwadronieren von irgend welchen exzellenten Einrichtungen, die angeblich geschlossen wurden. Nennen sie doch mal so ein paar tolle Einrichtungen, die völlig grundlos dichtgemacht wurden.

    Antwort auf "@2 (roznase)"
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    Können sie das auch anhand von historischen Dokumenten, oder solchen welche diese wenigstens zitieren (eine Statistik würde mir gut gefallen) belegen oder raten sie ins blaue weil es zum Bild des "allmächtigen Stasiapparates" passt, dass alle Personen in Führungspositionen nur mit Hilfe "gewisser Kreise" dort hin gekommen sind?

    Wollen sie Beispiele für grundlos geschlossene Fachrichtungen haben? Dann lesen sie doch nochmal das Interview. Es wurden Beispiele genannt.

    @sebastian:
    Ich stimme ihnen völlig zu. Insbesondere ärgere ich mich immer wieder über den von ihnen angesprochenen Umstand.

    Zitat: "Während in den 50ern so mancher NS-Freund Professor bleiben oder sogar werden durfte..."

    Das Einstampfen der Faschismusforschung (siehe Interview) fügt sich da in ein stimmiges Bild. Ich möchte aber keine Zusammenhänge schlussfolgern. Klingt nur wie ein schlechter Witz, dessen Pointe ich nicht erfahren möchte.

    Zu Punkt 1:
    dazu kann ich von einem Fall aus der eigenen Familie berichten: Leiter des ozeanischen Instituts. Er wurde daher häufig zu internationalen Tagungen eingeladen. Dort hatte er sich leider einen seiner (westdeutschen) Kollegen als Gegner eingefangen, weil er dessen Forschungen mehrfach in Frage stellen konnte. Auf seine Familie wurde vor jeder Reise Druck seitens der Stasi aufgebaut (Kinderentführung, geheime und offene Wohnungsdurchsuchungen etc.). Wie viele seiner damaligen Freunde und Nachbarn IMs gewesen sind, hat die Familie erst durch die Gauck erfahren. Er hat es durch Leistung, nicht durch Mitgliedschaften geschafft - ja, das hat es gegeben! Nach der Wende wurde er abgesetzt - und bekam den genannten westdeutschen Kollegen als Vorgesetzten präsentiert. Dass da Mobbing vorprogrammiert ist...

    Zu Punkt 2:
    Aufgrund "politischer Entscheidungen" wurden z.B. in Weimar die Fakultäten Rechentechnik und Datenverarbeitung sowohl Mathematik geschlossen. Darunter leidet die Universität bis heute. Leider konnten sie die Bauingenieurfakultät nicht auch schließen, denn die hatte einen zu großen Ruf. Heute ist diese ein Fremdkörper an einer künstlerischen Universität, wo sich zwangsläufig kaum Interdisziplinarität ergibt. Vor der Wende fand hier übrigens regelmäßig die IKM statt. Der ein oder andere Mathe-/Informatiker aus den alten Bundesländern wird sich noch erinnern können, wie es dort war.

    ich hoffe, diese Beispiele aus meinem persönlichen Umfeld genügen vorerst.

    Können sie das auch anhand von historischen Dokumenten, oder solchen welche diese wenigstens zitieren (eine Statistik würde mir gut gefallen) belegen oder raten sie ins blaue weil es zum Bild des "allmächtigen Stasiapparates" passt, dass alle Personen in Führungspositionen nur mit Hilfe "gewisser Kreise" dort hin gekommen sind?

    Wollen sie Beispiele für grundlos geschlossene Fachrichtungen haben? Dann lesen sie doch nochmal das Interview. Es wurden Beispiele genannt.

    @sebastian:
    Ich stimme ihnen völlig zu. Insbesondere ärgere ich mich immer wieder über den von ihnen angesprochenen Umstand.

    Zitat: "Während in den 50ern so mancher NS-Freund Professor bleiben oder sogar werden durfte..."

    Das Einstampfen der Faschismusforschung (siehe Interview) fügt sich da in ein stimmiges Bild. Ich möchte aber keine Zusammenhänge schlussfolgern. Klingt nur wie ein schlechter Witz, dessen Pointe ich nicht erfahren möchte.

    Zu Punkt 1:
    dazu kann ich von einem Fall aus der eigenen Familie berichten: Leiter des ozeanischen Instituts. Er wurde daher häufig zu internationalen Tagungen eingeladen. Dort hatte er sich leider einen seiner (westdeutschen) Kollegen als Gegner eingefangen, weil er dessen Forschungen mehrfach in Frage stellen konnte. Auf seine Familie wurde vor jeder Reise Druck seitens der Stasi aufgebaut (Kinderentführung, geheime und offene Wohnungsdurchsuchungen etc.). Wie viele seiner damaligen Freunde und Nachbarn IMs gewesen sind, hat die Familie erst durch die Gauck erfahren. Er hat es durch Leistung, nicht durch Mitgliedschaften geschafft - ja, das hat es gegeben! Nach der Wende wurde er abgesetzt - und bekam den genannten westdeutschen Kollegen als Vorgesetzten präsentiert. Dass da Mobbing vorprogrammiert ist...

    Zu Punkt 2:
    Aufgrund "politischer Entscheidungen" wurden z.B. in Weimar die Fakultäten Rechentechnik und Datenverarbeitung sowohl Mathematik geschlossen. Darunter leidet die Universität bis heute. Leider konnten sie die Bauingenieurfakultät nicht auch schließen, denn die hatte einen zu großen Ruf. Heute ist diese ein Fremdkörper an einer künstlerischen Universität, wo sich zwangsläufig kaum Interdisziplinarität ergibt. Vor der Wende fand hier übrigens regelmäßig die IKM statt. Der ein oder andere Mathe-/Informatiker aus den alten Bundesländern wird sich noch erinnern können, wie es dort war.

    ich hoffe, diese Beispiele aus meinem persönlichen Umfeld genügen vorerst.

  7. Warum gibt es im Osten keine Exzellenz-Unis? Ganz einfach, zu viele Berufungen von zweit- und drittklassigen Forschern aus dem Westen: Kurz nach der Wende, weil von jetzt auf heute alles neu besetzt werden musste und damit auch der letzte ewige Privatdozent aus dem Westen einen C4-Lehrstuhl bekommen
    und heute, weil keine konkurrenzfähigen Gehälter gezahlt werden können. Somit kommen dann eben nicht die Besten. Die paar Guten die kommen, sind schnell wieder weg wenn ein Ruf auf eine West-Uni kommt.

    • lepkeb
    • 23.10.2010 um 15:07 Uhr
    8. LMFAO

    "Zudem hatten viele gute ostdeutsche Forscher systembedingt weniger Publikationen oder Auslandsaufenthalte vorzuweisen."

    Ja weil sie nicht in instituseignenen Verlagen veröffentlichten, wieviel Peer Reviewed Artikel in internationalen Fachblättern haben denn die meisten westdt. Forscher und Professoren im Durchschnitt und das dann mal in den internationalen Vergleich setzen. Erinnert mich an eine Mittagskonversation zweier Kollegen: "Du ich brauche ein paar Veröffentlichungen, ja kein Problem kannst du in meinem instituseignenen Blatt machen, schreib ein paar Artikel ich veröffentliche sie dann dort."

    Die Vergabe von Professuren in D-land ist doch meist ein Farce an sich. Da läuft alles nur über Vitmain B oder Gender, fachliche Qualifiaktion ist doch nur sekundär.
    Wenn mir ein Kollege erzählt, dass eine Bewerberin auf eine Professur während das Auswahlverfahrens kollabiert und dann die Stelle bekommt, weil sie die einzige Frau war, oder wenn im Osten ein ganzer Fachbereiche sukzessive nur mit Kollegen einer Fakultät einer Uni aus dem Ruhrgebiet besetzt wird oder wenn an einer Uni im äußersten Osten des Landes die Stelle Fähigkeit alle Vorlesungen in Englisch zu halten als Hauptvoraussetzung benennt und der Inhaber dessen kaum mächtig ist, dann braucht man sich nicht wundern.

    Interessant wäre wirklich mal zu erfahren, wieviel Ostdt. seit der Wende auf Professuren berufen wurden.

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