ZEITmagazin: Frau Swinton, Sie sagten einmal, Sie hätten sich immer danach gesehnt, endlich 40 zu werden. Was gibt es an diesem Geburtstag eigentlich zu feiern?

Tilda Swinton: Ich weiß, andere stürzt dieses Alter in eine Krise. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass mein Leben dann erst richtig losgehen würde.

ZEITmagazin: So kam es auch, mit 40 waren Sie zum ersten Mal in einer großen Hollywood-Produktion zu sehen, in »The Beach«. Ein paar Jahre später bekamen Sie einen Oscar für Ihre Rolle in »Michael Clayton«.

Swinton: Vielleicht war es auch eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Ich habe immer daran geglaubt und mich deshalb mit 20 und 30 hinterm Busch versteckt. Ich bin einfach kein Schnellentwickler. Mein Rhythmus ist der einer Schildkröte. Normalerweise entwickle ich meine Arbeiten zusammen mit Freunden und Bekannten über Jahre hinweg. Ab und zu gibt es dann die Einladung, mal schnell bei jemand anderem mitzumachen, so wie bei Michael Clayton . Aber ich habe immer noch das Gefühl, dass ich gar nicht richtig angefangen habe, denn Filme sind nur eine Ablenkung von dem, was ich eigentlich machen will.

ZEITmagazin: Und was wäre das?

Swinton: Schreiben. Mit diesem Ziel bin ich zur Uni gegangen. Aber dann habe ich damit aufgehört, in dem Moment, als ich zu studieren begann. Ich weiß nicht, was damals passiert ist, es muss irgendwas mit der Ausbildung in Cambridge zu tun gehabt haben, dass ich nicht zum Schreiben kam. Ich hoffe, dass das bei meiner Tochter anders sein wird, sie ist jetzt 13 und bezeichnet sich als Dichterin.

ZEITmagazin: Sie haben in Ihrer Karriere erst richtig losgelegt, als Sie am wenigsten Zeit hatten: nach der Geburt Ihrer Zwillinge.

Swinton: Ein Baby zu haben ist schon anstrengend, aber Zwillinge... Ich habe das erste Jahr im Pyjama verbracht. Wenn ich heute eine Mutter mit einem Säugling auf der Straße sehe, sauber angezogen und frisiert, frage ich mich immer: Wie um alles in der Welt macht sie das?

ZEITmagazin: Und wie haben Sie es angestellt?

Swinton: Ich weiß es nicht. Dieser unglaubliche Schlafmangel! Es ist eine Folter. Ich erinnere mich, wie es war, als meine Kinder noch klein waren und ich wieder zu drehen begann. Wenn jemand am Set sagte, oh, ich bin heute so müde, habe ich mir nur gedacht: Was hast du denn schon getan, dass du müde bist?! Ehrlich gesagt bin ich mit meiner Müdigkeit nicht fertiggeworden, bis meine Kinder sieben waren. Aber die gute Nachricht an alle jungen Eltern ist: Es wird jedes Jahr einfacher. Und jetzt will ich am liebsten keinen Tag ohne meinen Sohn und meine Tochter sein. Deshalb mache ich jetzt auch eine Arbeitspause. Die nächsten sechs Monate werde ich nur mit ihnen verbringen.