DIE ZEIT: Herr Minister, Sie waren eine Woche in China. Was hat Sie dort beeindruckt?

Peter Ramsauer: In China geht vieles ungeheuer schnell. Die bauen jedes Jahr 50 Bahnhöfe weiter aus oder ganz neu und ebenso viele Flughäfen. Da werden jährlich 5000 Kilometer Bahnstrecke gebaut...

ZEIT: ...die hier längst fertig sind. Ist es nicht gut, wenn die Deutschen zu Bahnhöfen auch mal "Nein!" oder "Langsam!" sagen können?

Ramsauer: Sicher sind in Deutschland viele große Verkehrsprojekte vollendet. Trotzdem stimmt doch etwas nicht, wenn ich als Verkehrsminister in den alten Ländern viele Projekte freigebe, die einen jahrzehntelangen Bart haben. Demnächst bin ich zum Beispiel in meiner Heimat, um für die neue Brücke bei Traunstein den Rammschlag vorzunehmen...

ZEIT: Rammschlag?

Ramsauer: Bei Brücken ist es der Rammschlag, bei Straßen der Spatenstich, bei Tunneln die Ansprengung. Da rumst es dann ordentlich. Für die Traunsteiner Brücke haben die Planungen schon vor knapp 50 Jahren begonnen. Bei anderen Projekten hat es sogar noch länger gedauert. Das ist doch absurd. Nur in den neuen Bundesländern geht es viel schneller.

ZEIT: Warum?

Ramsauer: Wir haben gleich nach der Wiedervereinigung für die neuen Länder ein Planungsbeschleunigungsgesetz geschaffen. Dadurch konnten die Verwaltungen erst gar kein Bürokratiegestrüpp aufbauen. Das Gesetz haben wir in der Großen Koalition zwar auch auf die alten Bundesländer ausgeweitet. Aber dort wird es noch nicht konsequent umgesetzt. Deswegen habe ich zum Beispiel einen Bauzeitenkatalog vorgelegt. Aber ich muss zugeben: Der Weg zum schnelleren Bauen ist höchst mühselig.

ZEIT: Frönen Sie dem Fortschrittsglauben der fünfziger Jahre – alles immer schneller und größer?

Ramsauer: Ich, Fortschrittsgläubiger? Ich finde es eher bizarr, wenn hier schon die neue Landebahn in Frankfurt als Großprojekt gilt und nach sage und schreibe 17 Jahren Planungs- und Projektierungszeit auf einmal massenweise gegen Stuttgart 21 demonstriert wird.

ZEIT: Große Projekte sind nicht immer gut.

Ramsauer: Stimmt. Nur: Groß bauen nur um des Bauens willen – das macht doch bei uns niemand mehr. Ich will aber schon, dass sich dieses Land entwickelt und dass die Wirtschaft gut arbeiten kann, damit wir Steuern einnehmen und der Sozialstaat etwas ausgeben kann.

ZEIT: Spinnen also all die Stuttgarter, die gegen den Ausbau ihres Bahnhofs demonstrieren?

Ramsauer: Nein. Ich kenne Stuttgart, ich bin dort zur Berufsschule gegangen. Da ist einfach nicht gut kommuniziert worden. Und das jahrelang.

ZEIT: Wie erklären Sie so ein Versagen?

Ramsauer: Die Bahn, das Land Baden-Württemberg und die Stadtvertreter dachten, das läuft schon. Die verantwortlichen Politiker wurden wiedergewählt. Es gab nie ein Problem. Deswegen wurde der Sinn des Projektes nie wirklich gut erklärt.