"Man muss sich jeden Tag um die Fische kümmern und das Aquarium in Schuss halten", sagt Jonas Hahn und grinst. Der 24-Jährige ist nicht Verkäufer einer Tierhandlung, sondern studiert im zweiten Semester in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) "Games", einen 2010 eingeführten Masterstudiengang.

Zwölf Männer haben die Eignungsprüfung bestanden. Sie haben an anderen Universitäten Informatik oder Design studiert und wollen jetzt Computerspiele entwickeln. Nach drei Semestern sollen sie zusammen mit anderen Kommilitonen ein Spiel konzipiert haben. Dann wird nicht nur die Idee, sondern auch die technische und grafische Perfektion bewertet. Das Computerspiel soll so gut sein, dass es theoretisch auf den Markt kommen könnte.

Wer mit einem Kunst- oder Illustrationsstudium das Studium an der HAW beginnt, kann sich zum Concept-Artist, 3-D-Animator oder Leveldesigner weiterentwickeln. Ein Informatiker vertieft seine Kenntnisse in Computergrafik, Konsolen-Programmierung und Spiel-Engines, darunter versteht man Computer-Programme, die den Spielverlauf steuern. Doch auch Betriebswirtschaft und Projektmanagement gehören zum Lehrplan.

Seit seinem 14. Lebensjahr verbringt Jonas Hahn viel Zeit am Computer. Der Programmierer mit einem Abschluss in Medientechnik hat schon einige Spiele selbst entwickelt, im Team zu arbeiten ist für ihn allerdings etwas Neues. In der Gruppe konzipiert er ein virtuelles Drei-D-Aquarium, das man mit Fischen und allem möglichen Zubehör einrichten kann. Überall soll man damit spielen können: auf dem Computer ebenso wie auf dem Handy. Jonas sagt: "Für mich gibt es keinen Bereich, in dem man im Moment so kreativ sein kann wie in dieser Branche, denn es geht darum, wirklich intelligente Spiele zu entwickeln." Hahn will hoch hinaus. "Irgendwann möchte ich meine eigene Firma aufbauen."

Der Markt für Computerspiele hat sich in Deutschland zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Unternehmen, die Spiele entwickeln und vertreiben, machten 2009 einen Umsatz von 1,56 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel, wie Filme an den Kinokassen einnahmen. 21 Millionen Deutsche spielen am Computer, meldete kürzlich der Verband Bitkom. Ungefähr 1500 Computerspiele wurden seit 1980 in Deutschland entwickelt, zu den international erfolgreichsten zählen die Serien Anno und Siedler.

Was Andreas Bernhardt an einem Spiel fasziniert, ist das Design. Nach dem Kunststudium in Holland hat sich der 26-Jährige während eines USA-Auslandssemesters auf Drei-D-Animationen spezialisiert und später Filme für die Autoindustrie entwickelt. Als es in seiner Firma kriselte und weniger Aufträge hereinkamen, bekam er Zukunftsängste. Freunde rieten ihm, in die Spieleentwicklung zu gehen. Der gebürtige Kasache schrieb sich für den Games-Master-Studiengang ein. Mit anderen Kommilitonen entwickelt er jetzt ein Social-Strategie-Game, so nennt man Spiele, die von Nutzern in Netzwerken wie Facebook gespielt werden. World of Jingu soll das Spiel um die Herrschaft des fiktiven Volkes der Nomik heißen.