Mit fünf Pfund und etwas Seifenflocken, so die Firmenchronik, begann die Kosmetikkette Lush 1995 im englischen Poole. Heute macht man nach eigenen Angaben 215 Millionen Pfund Umsatz und hat Filialen in über vierzig Ländern. Gründer Mark Constantine gehört zu den reichsten Briten.

Mit tierversuchsfreier Seife, striktem Umweltschutz und der Philosophie »We Believe in a Lush Life« (»Wir glauben an ein üppiges Leben«) vermarktet sich die Kosmetikkette als ethisches Unternehmen. Auf der letztjährigen Basler Natur-Messe gewann Lush, das in der Schweiz zwölf Filialen betreibt, den Preis als umweltfreundlichster Aussteller. In einem YouTube-Spot singen strahlende Mitarbeiterinnen, intern Lushinas genannt: »We believe in happy people making happy soap«. Man verkauft stark riechende, knallbunte Kosmetikprodukte.

Hinter den bunten Kulissen aber wird gelitten. Frühere Lush-Angestellte sagen gegenüber der ZEIT, dass die Firma Mitarbeiter zu als erniedrigend empfundenen Handlungen dränge.

Am sogenannten Go Naked Day etwa schickt die Firma Angestellte nackt auf die Straße. Offiziell kämpfen sie dort, nur mit einer Schürze bedeckt, gegen Verpackungsmüll. So auch im September 2007 in Zürich. Damals beendete die Polizei die unbewilligte »Nutzung von öffentlichem Raum für Sonderzwecke« und erstattete Anzeige. Ebenso in München im Sommer 2008. Dort nahmen Ordnungshüter die Personalien überraschter Angestellter auf. Ihnen war suggeriert worden, alles sei harmlos.

Wie im Schweizer Lush-Chatforum nachzulesen ist, wurden die Zürcher Angestellten bei der Teilnahme-Anfrage von ihren Vorgesetzten nicht gewarnt, etwas Illegales zu tun. Lush aber erhielt gratis Aufmerksamkeit in den Medien. Inklusive Nacktfotos. Diese wurden auch intern verwertet. Eine ahnungslose Mitarbeiterin fand ihren nackten Hintern im Werbeblatt Lush Times Frankreich wieder.

Lush-Schweiz-Pressesprecherin Alexandra Ottinger sagt, alles sei freiwillig, die Teilnehmer seien vorab über die Verwendung der Bilder informiert worden. Die Aktion sei zudem nicht rechtswidrig. Man falle als Unternehmen, das »politische Aufklärung« betreibe, »möglicherweise in eine Gesetzeslücke«.

Eine der ZEIT vorliegende Mail zum Münchner Vorfall im Sommer 2008 zeigt indes, dass Lush Rechtsauflagen ignoriert. Vor der Aktion in München habe man sich in einer »größeren Abstimmung mit der Schweiz (…) und England« dagegen entschieden, die Aktion anzumelden, schreibt die deutsche Presseverantwortliche im August 2008 einem beunruhigten Mitarbeiter auf dessen Anfrage. Es sei nicht optimal gelaufen, »aber das passiert jeden Tag«. 

Die Aktion und der Umgang damit sind exemplarisch. Lush ist eine Firma, die Gutes zu tun behauptet, um so gutes Geld zu verdienen. Produkte – so wirbt die Firma – teste man an Menschen statt an Tieren, Lush-Mitgründerin Helen Ambrosen etwa probiert die Kosmetika an ihren Kindern aus.

Mit 20.000 Pfund unterstützte Firmengründer Mark Constantine Luftverkehrsgegner, die in Londoner Flughafen Stansted eingebrochen waren und die Landebahn blockiert hatten. Alle berichteten darüber. Als der Independent Constantine fragte, ob das Werbung oder politische Willensäußerung sei, antwortete dieser: »Es kann beides sein und immer noch gut.« Dann kam heraus, dass Lush selber Airport-Shops betreibt.