Günther Oettinger Eine Praline zum Frühstück

Günther Oettinger ist Deutschlands Kommissar bei der EU. Wurde er abgeschoben? In jedem Fall ist er dort gut aufgehoben.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger spricht auf einer Pressekonferenz in Brüssel über Tiefseebohrungen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger spricht auf einer Pressekonferenz in Brüssel über Tiefseebohrungen

Als die Stewardess Zeitungen verteilt, lehnt der Passagier auf Platz 1C mit kühler Handbewegung ab. Günther Oettinger hat Wichtigeres zu lesen. Auf seinem Flug von Brüssel nach Budapest wuchtet er an diesem Oktobermorgen einige Kilo Unterlagen neben sich, nach dem Start rutscht ein Dokument mit dem Titel 21 gute Gründe für Stuttgart 21 aus der Mappe.

Stuttgart 21? Bleibt Europas Energiekommissar Oettinger selbst im Flugzeug mit den Problemen seiner schwäbischen Heimat befasst? Oettinger macht sich nicht die Mühe, den Kosmopoliten zu markieren: »Ich hänge an Baden-Württemberg und kann mir gut vorstellen, dort in ein paar Jahren wieder zu leben.« Zu regieren wohl auch, obwohl der 57-Jährige der erste deutsche Kommissar wäre, dem nach dem fünfjährigen Brüsselausflug die Rückkehr in die nationale Politik gelänge.

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Ihn hatte keiner auf der Rechnung, als es vergangenes Jahr darum ging, den Posten des deutschen EU-Kommissars zu besetzen. Hätte Bundeskanzlerin Merkel die Stellenanzeige geschaltet: »Kommissar für Brüssel gesucht«, die Wahl wäre nicht auf Oettinger gefallen. Keine internationale Erfahrung, lückenhaftes Englisch und der Ruf eines Provinzfürsten. Trotzdem hat Merkel ihn angerufen. Später wurde ihm das Energieressort zugeteilt.

Wer meint, Angela Merkel habe Oettinger loswerden wollen , macht es sich wohl zu einfach. Plausibler ist, dass sie um seine Fähigkeiten wusste. Mit denen passt er besser nach Brüssel als nach Stuttgart oder Berlin. Sein Verhandlungsgeschick ist in Brüssel ebenso gefragt wie sein Wissensdurst. Das spröde Auftreten verzeiht man einem Kommissar leichter als einem Ministerpräsidenten.

»Normalerweise kommen Kommissare aus den Hauptstädten nach Brüssel«

Im Dreikampf des Bürokraten glänzt Oettinger schon jetzt: lesen, rausreißen, ablegen. Wo immer man ihn trifft in diesen Wochen, stets frisst er Dokumente in sich hinein. Im Flieger nach Budapest wühlt er sich durch 15 Zentimeter. Was er gelesen hat, faltet er in der Mitte, manchmal aber auch spaltenweise. Dann zerreißt er die Seite entlang dem Falz mit lautem Rrratsch. Eigentlich braucht er nichts aufzuheben, denn Oettinger vergisst fast nichts. »Er hat ein fotografisches Gedächtnis und ist ein richtiger Faktenschwamm«, sagt Rainer Wieland, ein Weggefährte, mit dem Oettinger die Junge Union im Stuttgarter Umland aufbaute.

1977 gründete der 23-jährige Oettinger einen Ortsverband in seinem Heimatort Ditzingen. In den Jahren danach quälte er den frisch gewählten Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) auf Parteitagen. »Diese Jungs trieben uns unaufhörlich an und machten sich einen Sport daraus, bis in den Abend hinein Anträge zu stellen«, erinnert sich Späth heute. »Kampflustig und ehrgeizig« sei der junge Oettinger aufgetreten und mit dem »nötigen Feuer, langfristig zu bestehen«.

Angewiesen war Oettinger auf eine politische Karriere nicht. Der Vater hatte eine Steuerberatungs- und Wirtschaftskanzlei aufgebaut. »Günther hätte die Kanzlei mit mir übernehmen sollen«, sagt sein jüngerer Bruder Hans-Joachim, der mit Partnern die heutige Oettinger-Gruppe führt; Günther könne jederzeit wieder einsteigen. Der Energiekommissar ist als Rechtsanwalt daran beteiligt.

In Tübingen hat Oettinger einst Jura studiert. In der schlagenden Studentenverbindung Landsmannschaft Ulmia knüpfte er Kontakte fürs Leben. Auch Rainer Wieland begegnete er wieder, ihn führte Oettinger ins Studentenleben ein. Heute ist Wieland Vizepräsident des Europäischen Parlaments und hilft Oettinger, in Brüssel Fuß zu fassen.

Es ist ein komplexes Zusammenspiel, das in Gang kommt, sobald Oettinger eine Richtlinie oder Verordnung ankündigt. Dann melden sich Mitgliedsstaaten, Parlamentarier, Unternehmen und Lobbyisten. Hunderte Eingaben sind keine Seltenheit. Oettinger wird zu den wenigen Kommissaren zählen, die all diese Eingaben lesen – und erst dann entscheiden. Seine Mitarbeiter sind erstaunt, wie offen sich der Kommissar für Beratungen und Gespräche zeigt. Es gibt Tage, an denen telefoniert er morgens mit RWE-Chef Jürgen Großmann, empfängt nachmittags den Grünen Jürgen Trittin. Tags darauf treten die Vorstände der europäischen Ölmultis an. Im September hörte er sich die Sorgen der Manager eines Dutzends Gasunternehmen an. Sie klagten über Investitionshürden und Bürokratie. Als Oettinger merkte, dass sich die Statements wiederholten, las er Akten. Er ist nicht nach Brüssel gekommen, um Zeit totzuschlagen.

Leser-Kommentare
  1. ...wenn Oettinger´s Vision mit dem Ergebnis gleich zusetzen wird, die für Standorte der Windenergie in Baden Württemberg herauskamen, dann kann man nicht optimistisch sein!

  2. Wenn das neue Energiekonzept umgestzt ist sind wir alle, das heißt Normalverdiene, bettelarm. Zu verdanken haben wir das den, von Soros und Rothschild gesponserten, Grünen. Sie haben als Handlanger der Amis dafür gesorgt, dass aus Deutschland
    ein postidustrieller Agrarstaat mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung geworden ist!
    Schönen Dank auch an unsere "demokratischen" Medien für die Hilfe bei diesen Vorhaben!

  3. Warum augerechnet jetzt dieser alte Artikel?
    Oettinger war bis vor kurzem ein Atomlobbyist mit Pizza-Connection. Seine jüngsten Äußerungen zu Fukushima
    ("in Gottes Hand")lassen vermuten, dass der Mann vom Atomkurs nun nicht mehr so überzeugt ist...

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