Credit Suisse "Wir zahlen nicht mehr als nötig"
Brady Dougan, Chef der Großbank Credit Suisse, über die hohen Gehälter in der Finanzbranche und die Gefahr von zu viel staatlicher Einflussnahme.
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Credit-Suisse-CEO Brady Dougan bei einer Pressekonferenz im Juli 2010
DIE ZEIT: Herr Dougan, nach Schätzungen des Wall Street Journal werden die großen US-Finanzinstitute trotz Krise in diesem Jahr 144 Milliarden Dollar an Gehältern ausbezahlen – ein neuer Rekord. Können Sie uns das erklären?
Brady Dougan: Ich bezweifle, dass man zu diesem Zeitpunkt schon so genau ermitteln kann, wie die Vergütung im Gesamtjahr ausfallen wird. In der Finanzbranche hängen die Gehälter sehr stark von den Ergebnissen ab. Wir kennen diese Zahlen aber noch nicht.
fing nach dem Wirtschaftsstudium in Chicago beim US-Institut Bankers Trust an und ging später zu Credit Suisse. Dort leitete der 52-Jährige zunächst das Investmentbanking und wechselte 2007 an die Spitze. Er reduzierte früh die Risiken, stärkte das Eigenkapital und richtete die Bank auf das Kundengeschäft aus. Die Schweiz hat davon profitiert: Anders als die zweite Großbank UBS kam Credit Suisse ohne Staatshilfe durch die Krise. Auch Dougan hat die Aktion nicht geschadet: Er gilt als einer der bestbezahlten Banker Europas.
ZEIT: Dass bei den Banken wieder extrem gut verdient wird, ist doch offensichtlich.
Dougan:Das Vergütungsniveau ist niedriger als vor der Krise – auch weil nicht mehr so hohe Renditen erzielt werden. Aber man kann darüber streiten, ob genug passiert ist.
ZEIT: Wie sehen Sie das?
Dougan: Wichtiger als das Niveau erscheint mir die Struktur der Vergütung. Und da ist schon viel geschehen. Die Entlohnung ist enger an die Performance gekoppelt. Credit Suisse beispielsweise wendet die Vergütungsrichtlinien der G20 an. Das bedeutet, dass wir bei 7000 unserer Mitarbeiter Teile des Gehalts nach der Auszahlung drei Jahre lang zurückfordern können – abhängig vom Ergebnis. Damit sinkt der Anreiz, Geschäfte zu machen, die zunächst profitabel erscheinen, sich nach einiger Zeit aber als Verlustbringer entpuppen. Die Mitarbeiter werden vorsichtiger und denken langfristiger.
ZEIT: Trotzdem ist die Entlohnung in der Finanzwelt immer noch viel höher als in anderen Branchen. Warum?
Dougan: Über lange Zeit erwirtschaftete die Finanzbranche sehr hohe Renditen. Diese Renditen erlauben es, die Leute gut zu bezahlen.
ZEIT: Übermäßige Renditen sind in der Regel ein Anzeichen für Marktversagen und Wettbewerbsverzerrungen.
Dougan: Ich empfinde die Finanzbranche als enorm kompetitiv. Im Tagesgeschäft spüren wir jedenfalls nichts von mangelndem Wettbewerb. Wir versuchen, verantwortungsvolle Gehaltsstrukturen zu schaffen.
ZEIT: Warum bezahlen Sie dann nicht weniger?
Dougan: Wir bezahlen bestimmt nicht mehr, als wir müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wir müssen unsere Konkurrenten beobachten. Es war einer unseren großen Vorteile in der Krise, dass wir unser Kernpersonal halten konnten. Es ist aber eine schwierige Gratwanderung – das Beste zu tun für die Angestellten, das Beste für die Aktionäre und auch das Beste aus Sicht der öffentlichen Meinung. Natürlich könnte man bestimmte Schritte einleiten, die extrem populär wären in der Öffentlichkeit, aber dann wären vielleicht die Aktionäre nicht glücklich, weil talentierte Mitarbeiter abwandern und der Aktienkurs fällt.
ZEIT: Wenn in einer Branche hohe Gehälter gezahlt werden, dann lockt das normalerweise mehr Arbeitnehmer an, und die Bezahlung sinkt wieder, weil mehr Leute um die Jobs konkurrieren. Die Banken aber scheinen die Gehälter gegenseitig hochzutreiben .
Dougan: Vielleicht gibt es einfach nicht genügend Angebot an Leuten, die für diese Art von Jobs befähigt sind und bereit sind, diese Tätigkeiten auszuüben. Die Vergütung ist zudem eher eine Kunst als eine Wissenschaft. Keine Bank will ihr Vergütungssystem testen, indem es einige der talentierten Leute fragt: Warum findest du nicht raus, ob der andere dir mehr bezahlt? Wir können unseren Kunden nicht die besten Dienstleistungen liefern, wenn wir kein gutes Personal haben.
- Datum 02.11.2010 - 06:24 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 28.10.2010 Nr. 44
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Eindeutig. Und noch dazu Solzialvesicherungsbeitragsplafoniert. Diese Leute bezahlen nicht's an die Gemeinschaft was Ihrer Oekonomsichen Leistungsfähigkeit entsprechen würde. Mich begeistern diese Menschen mit Ihren abgehobenen Milllionensalären in keinster Weise. Es gibt bessere Vorbilder. Und nein, das ist hier keine Neiddebatte. Die ewige Marktdogmatik und das angeblich Wettbwerbsverzerrende eingereifen des Staates nicht mehr als Gerede um die eigene Pfründe zu sichern. Die Oekonomischen Regeln bzw. deren nicht vorhanden sein sind keine Naturgesetze!
Wir zahlen nicht mehr als nötig ist eindeutig zuviel...
Ich hoffe die 1 zu 12 Initiative in der Schweiz wird angenommen. Die schlägt vor das die höchsten Einkommen in einem Utnernnehmen nicht mehr als 12x höher sein dürfen als die niedrigsten. Gut, nicht? Wobei, selbst die 1 zu 12 Initiative zeigt auf an welche Verzerrungen wir uns alle dank der Neoliberalen Propaganda gewöhnt haben.
"Übermäßige Renditen sind in der Regel ein Anzeichen für Marktversagen und Wettbewerbsverzerrungen."
Danke für die mutige Nachfrage Herr Schieritz. Noch mehr bohren, WO denn die Gewinne entstehen.
Ein Markt mit absoluter Konkurrenz und Transparenz erlaubt keine Gewinne mehr, das ist das 1x1 der Betriebswirtschaft. Deshalb versuchen Firmen in (für die Kunden) sehr transparenten Märkten diese durch ein Wirrwarr an Tarifen und Angeboten maximal intransparent zu gestalten.
Da wir wissen, dass die Konkurrenz unter den Banken hoch ist, diese aber TROTZ Krise überaus prächtig, ja unverschämt hohe, *Gewinne* einfahren, muss man sich fragen, auf wessen Kosten sie das tun.
Es ist ganz logisch, diese Gewinne MÜSSEN durch Intransparenz erwirtschaftet werden. Da Banker idR nicht nur skrupellos sondern auch clever sind und jede Menge legale Möglichkeiten zur Verschleierung haben, nutzen sie diese auch. Das beginnt bei undurchschaubaren Hebelkonstrukten, undurchschaubaren Gebührenstrukturen bei Fonds und geht bis zur Manipulation der Preise und der vollen Ausschöpfung der Gewinnspanne zwischen Angebot und Nachfrage:
http://www.heise.de/tp/r4...
Auf diverse Blasen und die Tatsache, dass die Banken an den Staatsschulden ein prächtiges Geschäft machen, muss man glaube ich, gar nicht erst eingehen. Das ist bekannt.
Die Banken saugen die Gesellschaft aus und tun dabei noch so, als würden sie mehr nützen als schaden...
Nur ein Beispiel, das die Relationen zeigt: Zwischen 20 % und 30 % des Lehrpersonals an deutschen Universitäten bestreitet die Lehre auf völlig unterbezahlten oder sogar auf unbezahlten Stellen (ein Lehrauftrag über ein halbes Jahr: 900 Euro, 600 Euro, 160 Euro - je nach Universität - diese "Preise" gelten für das gesamte(!) halbe Jahr, nicht den Monat, alle Prüfungen, Vorbereitungen, Hausarbeiten sind damit "bezahlt"!).
In vielen anderen Berufen sieht es bekanntlich mehr oder weniger ähnlich aus.
Wenn gleichzeitig im Bankensektor pro Jahr mehrere Millionen, sogar mehr als 50 oder 60 Mio möglich sind, dann ist das System fehlerhaft, eine andere Schlussfolgerung sehe ich nicht.
Welche Gesellschaft wollen wir? Wollen und können wir uns eine Gesellschaft leisten, die Bildung und überhaupt Arbeit "ohne Rendite" auf diese Weise skandalös prekarisiert und gleichzeitig eine Geldkaste und ihre "Besorger" absahnen lässt?
Wer will eine solche Gesellschaft - wer hat Interesse am Status quo?
Der aktuelle breite Unmut in der Bevölkerung, der sich noch an Stuttgart 21 oder Atomkraft festmacht, hat seine Ursachen zum ganz erheblichen Teil im Erlebnis der völligen Proportionslosigkeit der Einkommen und Lebenschancen, wie sie in der Krise unübersehbar wurden.
Die unbelehrbare Kaltschnäuzigkeit, mit der Leute wie Dougan sich hinstellen und "ihr" System als alternativlos verkaufen (was sonst??), könnte sich für den ein oder anderen anders "erhellend" erweisend.
Enstchuldigen Sie,aber wer als Hilfsassistent jahrelang Vorlesungen für lausige 600 Euro pro Semester betreut und darauf seine Existenz baut,ist selber schuld.Glauben Sie mir:Ich war 2 Jahre Assistent im Fach Mathematik und weiss wovon ich schreibe.Für uns alle war das der Sprungbrett für andere (100Xbesser bezahlte Jobs)in anderen Branchen.Wer das nicht rafft,hat sein Schicksal verdient.
Enstchuldigen Sie,aber wer als Hilfsassistent jahrelang Vorlesungen für lausige 600 Euro pro Semester betreut und darauf seine Existenz baut,ist selber schuld.Glauben Sie mir:Ich war 2 Jahre Assistent im Fach Mathematik und weiss wovon ich schreibe.Für uns alle war das der Sprungbrett für andere (100Xbesser bezahlte Jobs)in anderen Branchen.Wer das nicht rafft,hat sein Schicksal verdient.
liegt doch auf anderme Gebiet, dem mangelden Wettbewerb!
Ob jemand 90 Mio Gehalt bezieht oder nicht ist so lange irrelevant, wie der Nutzen der Kunden entsprechend ist.
doch wie kann es sein, dass das Finanzinstitute über hohe Kosten stöhnen und gleichzeitig solche Gehälter bezahlen?
Wie kann es sein, dass in Niedrigzinszeiten Überziehungskredite 2-stellige Prozentsätze aufweisen?
Wie kann es sein, das die Renditen der anlagen so niedrig, die Gehälter aber so hoch sind?
Da stimmt was im System nicht, was mit Gehaltsdeckeln sicher an der falschen Seite repariert würde.
H.
Enstchuldigen Sie,aber wer als Hilfsassistent jahrelang Vorlesungen für lausige 600 Euro pro Semester betreut und darauf seine Existenz baut,ist selber schuld.Glauben Sie mir:Ich war 2 Jahre Assistent im Fach Mathematik und weiss wovon ich schreibe.Für uns alle war das der Sprungbrett für andere (100Xbesser bezahlte Jobs)in anderen Branchen.Wer das nicht rafft,hat sein Schicksal verdient.
Die Überschrift sagt alles.
MfG
AoM
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren