BörsenhandelFliegenflügelschnell

Hochgeschwindigkeitshändler gefährden die Börsen. Schreiben Sie nach Brüssel! von 

Tempo: Händler an der New Yorker Börse

Tempo: Händler an der New Yorker Börse  |  © Mario Tama/Getty Images

Ein menschlicher Wimpernschlag dauert durchschnittlich 100 Millisekunden. Nur sieben Millisekunden braucht es dagegen, in Frankfurt per Computer eine Order zum Kauf einer Aktie in Zürich aufzugeben und sich das aus Zürich wieder bestätigen zu lassen. Die Order ist mithin knapp 15 Mal schneller als der Wimpernschlag. Also ziemlich schnell.

Bei Weitem nicht schnell genug, finden sogenannte high frequency trader. Diese handeln mittels Computerprogrammen in Frequenzen , die sich nach Mikrosekunden bemessen – und damit noch weitaus schneller sind als der Flügelschlag einer Stubenfliege.

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Sie fragen jetzt, was das soll. Und sind wahrscheinlich nicht überrascht über die Antwort: Es geht ums Geld . Mit Käufen und Verkäufen, die millionenfach in Mikrosekunden über die Bühne gehen, können minimalste Preisunterschiede gleicher Wertpapiere an verschiedenen Handelsplätzen profitabel genutzt werden. Deshalb ist es heutzutage übrigens gang und gäbe, Aktienpreise teilweise bis auf vier Stellen nach dem Komma auszuweisen. Und natürlich profitieren nicht nur die Händler, sondern auch die Börsen vom Hochgeschwindigkeitshandel: Je öfter gehandelt wird, desto größer sind dort Umsatz und Gewinn.

Wer allerdings nicht profitiert, ist der Kleinanleger. Die Hälfte des deutschen Börsenhandels wird inzwischen durch Computer abgewickelt. Mit deren Programmen und Geschwindigkeiten kann kein Mensch mithalten. Fair ist das nicht, und vielleicht sogar gefährlich. Experten glauben, dass der Hochgeschwindigkeitshandel Aktienmärkte instabil macht – dass mit ihm aus einem Absturz leicht ein Super-Crash wird. Das Nachsehen hätte, wie immer, die breite Masse.

In Brüssel gibt es einen EU-Kommissar, der für die Finanzmärkte zuständig ist und angekündigt hat, den superschnellen Computerhandel stärker regulieren zu wollen. Er heißt Michel Barnier. Wenn Sie Anleger sind, sollten Sie deshalb vielleicht Ihrem lokalen EU-Abgeordneten eine Postkarte schreiben. Schreiben Sie ihm, er möge Barnier bitte unterstützen.

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Leserkommentare
  1. gab es doch schon: im Mai dieses Jahres. Jetzt auch offiziell. Man kann übrigens nicht nur Preisdifferenzen ausnutzen, sondern den Markt gestalten. Der Kunde wird nicht nur geschert, sondern geschlachtet. Herrlich die Nachfrage beim senate hearing von Blankfein: Handeln Sie zum Vorteil Ihrer Kunden? Blankfein: ...

  2. Die große Menge an Umsätzen ist kein Grund sich zu fürchten, sondern sich sicherer zu fühlen. Denn die HFT sorgen dafür, dass der aktuelle Preis der Realität näher kommt. Wer darunter leidet sind Spekulanten und alle die in kurzer Zeit große Gewinne einfahren wollen.

    Langfristige Anlagen, also jene die für die Normalbevölkerung eh die sinnvolleren sind, werden dadurch nicht beeinträchtigt.

    Wichtig ist nur, dass die Börsenaufsicht zu jeder Zeit versteht was vor sich geht und die Technik reibungslos funktioniert (nicht wie http://de.wikipedia.org/wiki/Flash_Crash ).

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    [ ] JA
    [x] NEIN

    Da wird gerade die maximale Marktmanipulation und gleichzeitiger automatischer Absturz oder hochjubeln eingeführt, und Sie reden von "Alter Angst vor der Technik"?

    Die Dinger sind so schnell, das schon die Kurse gestiegen sind, während z.B. eine Versicherung die Kauf-/Verkaufsaufträge für ihre Risikovorsorge und Anlagen überträgt - was regelmässig in großen Volumina stattfindet.

    Das ist volkswirtschaftlich mit Sicherheit ungesund.

  3. ist doch wirklich pervers. Ich habe schon vor längerem aufgehört dem Finanzmarkt zu folgen und zu verstehen.

  4. http://www.faz.net/s/Rub4B891837ECD14082816D9E088A2D7CB4/Doc~E38F1BFD5C5...
    http://yro.slashdot.org/story/10/10/28/1734231/Prosecutors-Request-Close...

    ein paar weitere sehr interessanter artikel für interessierte.

    HFT ist nun wirklich keine neue entwicklung und mMn von Medien als thema gehypet. die einzigen, denen HFT ernsthaft schadet sind kleinere investmentunternehmen, die sich entsprechende hardware nicht leisten können.
    für den kleinanleger sind wie schon gesagt eher langfristige investitionen von bedeutung.

    • Askay
    • 31. Oktober 2010 20:33 Uhr

    1. Natürlich ist dieser Handel gut für die Liquidität und glättet in der Regel die Schwankungen. In jedem Markt kann es mal zu Abrissphänomenen kommen. Das ist ganz natürlich.

    2. Auch Kleinanleger können von HF Handel profitieren - Wer behauptet, dass das nicht geht, dem empfehle ich die Mitgliedschaft in der Vereinigung Technischer Analysten um sich ein bisschen Handwerkszeug zuzulegen. Gerade am Wochenende habe ich ein Mitglied gesprochen, dass davon schwärmt, dass man mit eingeschränktem Risiko gut Geld verdienen kann.

    3. Warum bezieht ein Redakteur so einseitig Stellung und kocht sein eigenes unqualifiziertes Süppchen. Wir werden jetzt natürlich an Michel Barnier schreiben und ihn auffordern die Finger von Dingen zu lassen von denen er nichts versteht. Ebenso an unseren lokalen EU Abgeordneten mit der Bitte dementsprechend auf diesen einzuwirken

    • johaupt
    • 31. Oktober 2010 21:43 Uhr

    ... er ergänzt diverse Vorarbeiten:
    http://www.weissgarnix.de/2010/05/18/das-herzkammerflimmern-der-borse/

    Aus welchem Grund schnellerer Handel der Liquidität nützen sollte, war mir noch nie klar. Eigentlich sollte das Gegenteil der Fall sein, die Wahrscheinlichkeit in einer Millisekunde keinen Handelspartner zu finden ist doch viel größer, als wenn ein Wert nur einmal am Tag gehandelt wird und alle diesem Moment entgegenfiebern.

    Aber mit dem Hochfrequenztrading lassen sich gut Zusatzeinnahmen generieren. Für die die es anbieten genauso, wie für die, die es nutzen. Eine typische Finanzmarkt*innovation*, sinnlos, teuer, aber jeder muss mitziehen um keine Nachteile zu haben.

    Der eigentliche SKANDAL ist aber nicht das HFT, sondern die Tatsache, dass die Kurse mittlerweile zum Großteil "internalisiert" ermittelt werden. Mit anderen Worten, die Börse ermittelt nur noch selten den realen Kurs, das machen die Banken, natürlich intransparent und nicht ohne dabei kräftig mitzuverdienen:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33520/1.html

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    ... ist höchstens die gefühlte Realität die man sich aus Schnipseln so lange zusammen suchen kann, bis sie einem passt.

    Wenn Sie meinen, ein Käufer oder Verkäufer erhält einen genaueren/faireren Preis, je seltener andere Verkäufe solcher Art getätigt werden, dann haben Sie noch einiges nachzuholen.

  5. ... ist höchstens die gefühlte Realität die man sich aus Schnipseln so lange zusammen suchen kann, bis sie einem passt.

    Wenn Sie meinen, ein Käufer oder Verkäufer erhält einen genaueren/faireren Preis, je seltener andere Verkäufe solcher Art getätigt werden, dann haben Sie noch einiges nachzuholen.

    Antwort auf "Guter Artikel..."
  6. [ ] JA
    [x] NEIN

    Da wird gerade die maximale Marktmanipulation und gleichzeitiger automatischer Absturz oder hochjubeln eingeführt, und Sie reden von "Alter Angst vor der Technik"?

    Die Dinger sind so schnell, das schon die Kurse gestiegen sind, während z.B. eine Versicherung die Kauf-/Verkaufsaufträge für ihre Risikovorsorge und Anlagen überträgt - was regelmässig in großen Volumina stattfindet.

    Das ist volkswirtschaftlich mit Sicherheit ungesund.

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  • Schlagworte Michel Barnier | Aktie | Aktienmarkt | Börse | Bühne | Computer
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