Ein menschlicher Wimpernschlag dauert durchschnittlich 100 Millisekunden. Nur sieben Millisekunden braucht es dagegen, in Frankfurt per Computer eine Order zum Kauf einer Aktie in Zürich aufzugeben und sich das aus Zürich wieder bestätigen zu lassen. Die Order ist mithin knapp 15 Mal schneller als der Wimpernschlag. Also ziemlich schnell.

Bei Weitem nicht schnell genug, finden sogenannte high frequency trader. Diese handeln mittels Computerprogrammen in Frequenzen , die sich nach Mikrosekunden bemessen – und damit noch weitaus schneller sind als der Flügelschlag einer Stubenfliege.

Sie fragen jetzt, was das soll. Und sind wahrscheinlich nicht überrascht über die Antwort: Es geht ums Geld . Mit Käufen und Verkäufen, die millionenfach in Mikrosekunden über die Bühne gehen, können minimalste Preisunterschiede gleicher Wertpapiere an verschiedenen Handelsplätzen profitabel genutzt werden. Deshalb ist es heutzutage übrigens gang und gäbe, Aktienpreise teilweise bis auf vier Stellen nach dem Komma auszuweisen. Und natürlich profitieren nicht nur die Händler, sondern auch die Börsen vom Hochgeschwindigkeitshandel: Je öfter gehandelt wird, desto größer sind dort Umsatz und Gewinn.

Wer allerdings nicht profitiert, ist der Kleinanleger. Die Hälfte des deutschen Börsenhandels wird inzwischen durch Computer abgewickelt. Mit deren Programmen und Geschwindigkeiten kann kein Mensch mithalten. Fair ist das nicht, und vielleicht sogar gefährlich. Experten glauben, dass der Hochgeschwindigkeitshandel Aktienmärkte instabil macht – dass mit ihm aus einem Absturz leicht ein Super-Crash wird. Das Nachsehen hätte, wie immer, die breite Masse.

In Brüssel gibt es einen EU-Kommissar, der für die Finanzmärkte zuständig ist und angekündigt hat, den superschnellen Computerhandel stärker regulieren zu wollen. Er heißt Michel Barnier. Wenn Sie Anleger sind, sollten Sie deshalb vielleicht Ihrem lokalen EU-Abgeordneten eine Postkarte schreiben. Schreiben Sie ihm, er möge Barnier bitte unterstützen.