Österreich hat zur internationalen Fußballgeschichte bislang nicht allzu viel beigetragen, aber das könnte sich jetzt ändern. Kärnten stellt Luigi Scrosoppi auf, und zwar nicht etwa für eine bestimmte Mannschaft, sondern gleich für alle Teams, weltweit. Der neue Mann wird keine Tore schießen, denn er ist nicht mal einen Meter groß, aus Holz geschnitzt und im Original schon lange tot: Aloisius »Luigi« Scrosoppi starb am 3. April 1884 in seinem 80. Jahr, ein Kicker war er wahrlich nicht.

Stattdessen hatte er 1857 ein Heim für taubstumme Mädchen eröffnet und war überhaupt für die Armen und Schwachen da. Noch ein Jahrhundert später, am 9. Oktober 1996, soll er in Sambia dem schwer aidskranken Peter Changu Shitima im Traum erschienen sein, woraufhin der Moribunde gesundete und Scrosoppi vom Papst Johannes Paul II. 2001 heilig gesprochen wurde. Zuletzt ist es eher ruhig um ihn gewesen – bis zum 22. August 2010.

An jenem schönen Sonntag hat der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz in der Pfarrkirche Pörtschach am Wörther See Luigi zum Schutzpatron geweiht. Es war ein feierlicher Akt. Kinder haben gesungen. Der Bischof sagte: »Endlich haben alle Fußballspieler und -fans einen Schutzpatron, den sie anrufen könne.« In diesem Moment erst wurde klar, welch eine Lücke da geklafft hatte.

Autofahrer haben den heiligen Christophorus, die Bergsteiger den Bernhard, die Fußballer hatten oben keinen direkten Ansprechpartner. Über ein Tor jubelnd, bekreuzigt sich zwar so mancher Schütze, den Blick zum lieben Gott gewandt, doch ist ja nicht alles immer gleich Chefsache. Wen also um Hilfe bitten, wenn der Schütze zum Elfmeterpunkt schreitet? Oder wenn der Vertrag eines Stürmers fürs doppelte Geld verlängert werden soll?

Manfred Pesek, 52, war der Mann, der darüber nachdachte, und er hat eine Lösung gefunden. Die Idee sei ihm im Flugzeug über dem Stadion Neapels gekommen, sagt er – und wer wollte es ihm nicht glauben.

Pesek, Kärntner Geschäftsmann mit Marketingambition, suchte theologische Starthilfe. Er fand sie bei Nikolaus Knoepffler, Professor für Angewandte Ethik in Jena. Grob gesagt ging es um die Frage: Wie wird man Schutzpatron? Ergebnis: Jeder Gläubige hat das Recht, einen Schutzpatron vorzuschlagen, nur muss sein Bischof zustimmen. Und wie den geeigneten Kandidaten finden? In dieser Frage zog Pesek Florian Becker zu Rate, Professor an der Fachhochschule in Rosenheim.

Becker ist Werbewirkungsforscher, untersucht sonst, mit welcher Musik Modehäuser ihren Absatz erhöhen können. Nach mehreren Kriterien hat er 13000 Heilige auf ihre Tauglichkeit hin untersucht. Waren sie gut zu Kindern? Haben sie gesellschaftliche Verantwortung übernommen? Das Computer-Casting brachte eine Top-Ten-Liste hervor. »Das war ein aufwendiger IT-Prozess«, sagt Becker, »wir haben Heiligendatenbanken fusioniert, gefiltert, gescannt und gescreent.« Die Wahl fiel auf Luigi Scrosoppi, geboren am 4. August 1804, einen Italiener aus Udine – was der Fußballchristenheit gut zu vermitteln ist und zudem nicht weit von Österreich liegt.

Ein Schweizer wäre auch infrage gekommen, sagt Becker, nicht nur wegen der Mehrsprachigkeit. »Etwa Ottmar von St. Gallen, der unter den Top 3 rangiert. Er besaß ein Weinfass, das nie leer wurde.« Ein Weinfass ist zwar keine Bierflasche, aber volksnah, das hätte dem Merchandising Freiräume eröffnet. Scrosoppis Leitspruch hingegen war: »Arbeite, leide, schweige!« Da denkt man nicht sofort an die französische Nationalelf oder Maradona.