Dirk Jens Nonnenmacher Der Sanierer wird zur Belastung für die HSH Nordbank
Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher gerät weiter unter Beschuss.
Es war eine bemerkenswert unpräzise Formulierung für einen Mathematikprofessor. Die Vorwürfe gegen ihn und andere Mitarbeiter der Bank gingen »bis an die Grenze des Erträglichen und weit darüber hinaus«, sagte Dirk Jens Nonnenmacher, Chef der HSH Nordbank , im August. Damals ging es um den Verdacht, die Bank könne einen Sicherheitsmann beauftragt haben, ein Nonnenmacher missliebiges Vorstandsmitglied – Frank Roth – wahlweise durch echte oder fingierte Beweise eines Fehlverhaltens zur Strecke zu bringen. Von einem Einbruch, von Spitzeleien und vorgetäuschtem Mail-Verkehr war die Rede. Bewiesen ist davon bis heute nichts.
Um die »Grenze des Erträglichen« geht es auch jetzt wieder. Die beiden Haupteigner, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein (daher HSH), stehen vor der Frage, ob sie ihrer verlustreichen Skandalbank abermals einen Wechsel in der Führung zumuten wollen oder an einem fachlich versierten Vorstandschef festhalten sollen, dem es offenkundig an sozialem und politischem Gespür mangelt. Zugleich geht es um die Grundsatzfrage, ob es nicht eine Illusion ist zu glauben, man könne ein Institut, das von Staat und Steuerzahlern über Wasser gehalten wurde und deshalb heute zu 85 Prozent in Staatsbesitz ist, durch einen Aufsichtsrat kontrollieren lassen, dem die politisch Verantwortlichen nicht angehören. Die Vermischung aus Politik und Bankgeschäft hat sich zwar als problematisch erwiesen, aber die Politik wird die Problembank auch nicht einfach los.
Im aktuellen Streit geht es kaum mehr darum, wer deren Milliardenverluste während der Krise verschuldet hat . Der amtierende Chef Nonnenmacher war es nicht, er kam erst im Oktober 2007 und rückte im November 2008 an die Spitze. Zwar wird auch gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue und der Bilanzfälschung ermittelt. Dabei geht es um ein verlustreiches Folgegeschäft unter dem Namen »Omega«, das die Bank abschloss, als Nonnenmacher bereits dabei war. Die Ermittlungen laufen aber seit vielen Monaten, gefährlich sind sie für Nonnenmacher einstweilen nicht.
In der Causa Roth ist Nonnenmacher belastet durch die Rolle, die er bei der Entlassung seines früheren Vorstandskollegen spielte. Dem hatte der Aufsichtsrat der Bank 2009 fristlos gekündigt und ihn des Geheimnisverrats bezichtigt. Nonnenmacher hatte zuvor persönlich daran mitgewirkt, versteckt gekennzeichnete und als vertraulich klassifizierte Unterlagen an Roth und andere Vorstände zu versenden. Das an Roth verschickte Exemplar kam dann unter dubiosen Umständen aus London zurück an die Hamburger Bank. Die Staatsanwaltschaft Kiel untersuchte den Fall, fand jedoch keine Beweise für ein Fehlverhalten Roths. Dafür aber Hinweise, dass man diesem etwas untergeschoben haben könnte. Inzwischen hat sie Ermittlungen in diese Richtung aufgenommen, der Verdacht lautet nun auf falsche Verdächtigung. Nonnenmacher behauptete gleichwohl noch nach Abschluss der ersten Ermittlungen, die Entlassung Roths sei »formal und inhaltlich nicht zu beanstanden«. Die Bank legte sogar Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen gegen Roth ein, kassierte damit jetzt aber bei der Generalstaatsanwaltschaft in Kiel eine Abfuhr. Auch diese Behörde fand, es spreche »einiges dafür«, dass Roth »Opfer einer Aktion geworden ist, mit der falsche Spuren gelegt worden sind«.
Zum politischen Sprengstoff in Hamburg und Kiel entwickelt sich unterdessen das Wirken der Sicherheitsfirma Prevent, die im Auftrag der HSH Nordbank tätig war und Millionenhonorare kassierte. Laut Bank sollte Prevent für die persönliche Sicherheit der Führung sorgen, die sich einem erheblichen Zorn der Bürger ausgesetzt sah. Die Privatermittler legten ihr Mandat weit aus. Inzwischen musste die Bankspitze zugeben, dass die Detektive mindestens in einem Fall auch Bank-Kritiker bei einem öffentlichen Auftritt bespitzelten, unter ihnen den früheren Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Marnette. Dass eine von Politikern zu kontrollierende Bank ihrerseits für die Beobachtung von Politikern Geld bezahlt hat, wirkt auf viele geradezu aberwitzig.
In Kiel wie in Hamburg dringen nun die jeweils kleineren Koalitionspartner, FDP und GAL, auf eine Ablösung Nonnenmachers, während die CDU sich hier wie dort mit der Entscheidung schwertut. Eine zentrale Rolle spielt der erst seit 2009 amtierende Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, der langjährige Deutschbanker Hilmar Kopper. Er hatte sich lange vor Nonnenmacher gestellt, ist zuletzt aber offenbar von ihm abgerückt. Kopper und die zur Entscheidung berufenen Politiker müssten allerdings einen preiswerten Ersatzmann für Nonnenmacher finden, der die Sanierung der Bank vorantreibt und so die Verluste für die Steuerzahler gering hält.
- Datum 28.10.2010 - 18:24 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.10.2010 Nr. 44
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In der Geschäftsführung der Prevent AG wirkte noch bis vor Kurzem
ein Herr, der einmal hamburgischer Polizeipräsident gewesen ist, dereinst ernannt von Ronald Schill. Später erbte er dessen Posten als Innensenator und forcierte als wahrer Menschenfreund die Abschiebung afghanischer Kriegsflüchtlinge.
Ein ehemaliger Sicherheitspolitiker also, aus der strammen Law-and-Order-Ecke, der HSH-Geschäftsleitung gewiss kein Unbekannter.
Prevent hat sich mit 7 Mio bezahlen lassen, dafür ausgedehnte Bespitzelungsaktionen durchgeführt und hochrangigen Bankmitarbeitern anscheinend gefälschte Beweise untergeschoben, in einem Fall sogar KiPo-Material.
Besagter Herr hat im Jahr 2010 eine neue für sich passende Aufgabe gefunden. Er moderiert nun TATORT INTERNET.
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