Schlafkultur Wir Unausgeschlafenen
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Sieben zentrale Forderungen für eine ausgeschlafene Gesellschaft

Ohnehin werden Pubertierende von Natur aus später müde und deshalb morgens nicht rechtzeitig wach. Diesem Rhythmus zollt die St. George’s School in Middletown, USA, neuerdings Respekt. Sie verschob im vergangenen Schuljahr für neun Wochen den Unterrichtsbeginn von acht Uhr auf halb neun. Das zeitigte Wirkung: Hatte vorher nur ein Sechstel der 201 untersuchten Teenager mindestens acht Stunden pro Nacht geschlafen, war es nun über die Hälfte. Außerdem erwiesen sich die Schüler als aufmerksamer, sie gingen seltener zum Schularzt und waren weniger trübsinnig. Eine Mehrheit der Schüler und Lehrer forderte daraufhin mit Erfolg den permanenten späteren Schulbeginn. In Deutschland hat schon vor vier Jahren eine Statistik gezeigt, dass »Eulen«, die von Natur aus später einschlafen, signifikant schlechtere Abiturnoten haben als früh aufstehende »Lerchen«

Narkolepsie

Narkoleptiker können von einem Moment auf den anderen ganz plötzlich einschlafen. Ihnen fehlt ein Botenstoff, der den Schlaf-/Wachrhythmus regelt. Die rätselhafte Krankheit ist zwar nicht heilbar, mit Medikamenten aber beherrschbar.

Apnoe

Bei der Schlafapnoe setzt die Atmung immer wieder komplett aus – für bis zu zwei Minuten. Die Folge: Sauerstoffmangel, langfristig drohen Herzinfarkt, Schlaganfall und geistige Störungen. Betroffen sind rund vier Millionen Menschen, am häufigsten Übergewichtige: zu viel Fett im Halsbereich verschließt die Atemwege. Sauerstoffgeräte helfen, vor allem aber ist Abnehmen nötig.

Kleine-Levin-Syndrom

Das Kleine-Levin-Syndrom äußert sich durch extremes Schlafbedürfnis (»Hypersomnie«). Betroffene schlafen oft tagelang bis zu 20 Stunden täglich – in den kurzen Wachphasen sind sie meist verwirrt, sexuell enthemmt und essen übermäßig. Die Attacken können zwei Wochen lang dauern und alle paar Jahre wiederkehren. Das Syndrom ist sehr selten, seine Ursache unbekannt.

Insomnie

Schlaflosigkeit (Insomnie) trifft rund fünf Millionen Menschen. Sie können abends regelmäßig nicht einschlafen, obwohl sie müde sind. Therapie: eine gute Matratze, ein dunkler Raum, Entspannungsübungen – und nicht so viel grübeln.

Schlafmangel

Wer ständig zu wenig schläft, riskiert langfristig, am Schlafmangelsyndrom zu erkranken. Einige Hunderttausend Menschen in Deutschland leiden darunter, oft ohne es zu merken. Die Leistungsfähigkeit leidet – Gereiztheit, Konzentrationsstörungen und schließlich Burn-out-Syndrom können folgen. Therapie: konsequent auf genug Schlaf achten.

Doch wie bemerken Eltern den Schlafmangel ihres Kindes? »Konzentrationsschwäche, gesteigerte Impulsivität und Tagesmüdigkeit«, zählt Oskar Jenni vom Universitäts-Kinderspital Zürich die Symptome auf. Zwar gebe es auch bei Kindern große Differenzen: Manchen genügten acht, anderen erst elf Stunden Schlaf. Ein Alarmsignal sei aber, wenn der Nachwuchs am helllichten Tag bei einer halbstündigen Autofahrt wegnicke: »Schulkinder können tagsüber eigentlich nicht schlafen.«

Schülern hilft der Schlaf vor allem bei der Gedächtnisbildung: Befreit von äußerem Input, wiederholt und festigt das Gehirn jene Lerninhalte, die es sich zuvor angeeignet hat. Gerade der lange Schlaf der Kinder ermögliche ihnen ihre »extremen Fähigkeiten beim Lernen«, sagt der Lübecker Jan Born. Dass die Leistungen im Alter abnähmen, liege auch daran, dass die Menschen dann immer weniger tief schliefen.

Regelmäßig genug zu schlafen würde also allen nützen: Alten und Jungen, Kranken, Gefährdeten und auch den rundum Gesunden. Schon vergleichsweise simple Maßnahmen versprechen große Vorsorgewirkung. Sieben zentrale Forderungen für eine ausgeschlafene Gesellschaft lauten deshalb:

1. Schlaf und Entspannung verdienen in der Gesundheitsvorsorge denselben Stellenwert wie Bewegung und ausgewogene Ernährung.

2. Die Sommerzeit verschiebt die Rhythmen vieler Menschen nach hinten – und erschwert so das Einschlafen. Sie gehört abgeschafft!

3. Arbeitszeiten müssen flexibler werden – nur so vertragen sie sich mit dem individuellen Schlafrhythmus und -bedarf vieler Menschen.

4. Die Schule sollte später beginnen. G8-Gymnasien sollten Lehrpläne entschlacken oder zu neun Schuljahren zurückkehren.

5. Fördern wir Nickerchen am Arbeitsplatz.

6. Mehr Rhythmus! Arbeit und Unterricht brauchen Unterbrechungen – damit wir uns bewegen und entspannen können. Und abends sollten wir früher ins Bett gehen.

7. Erkennen wir den enormen Einfluss an, den das Tageslicht auf unseren inneren Rhythmus hat. Hören wir auf ihn!

Beim Berliner Staatsballett hat man bereits umgedacht: Wenn sich schon an der körperlichen Belastung, dem Lampenfieber oder dem Druck auf die Tanzprofis nichts ändern ließ, so sollten diese wenigstens ihrem Schlafbedürfnis gehorchen können! Ingo Fietze richtete einen Ruheraum ein, still, entspannend, zum Nickerchen einladend. Gerade plant der Schlafforscher eine Folgestudie. Eines weiß er schon jetzt: »Der Ruheraum ist dauernd besetzt.«

Der Autor Peter Spork ist promovierter Neurophysiologe und hat unter anderem das Schlafbuch und das Schnarchbuch geschrieben.

 
Leser-Kommentare
  1. aber an diesen einfachen Regeln kann niemand Geld verdienen, deshalb werden diese Erkenntnisse sicherlich nur sehr zögerlich ins Hirn der Menschen wandern, da niemand von ihnen profitiert.
    Und es widerspricht zudem dem Zeitgeist, der ständige Aufmerksamkeit, Fitness und anderes mehr fordert, ohne zu fragen, woher die dazu nötige Energie kommt.
    Trotzdem DANKE für die Erkenntnisse!

  2. Die Ergebnisse entsprechen genau meinen persönlichen Erfahrungen: Zu wie wenig Schlaf ich als Mutter eines ausgesprochenen schlecht schlafenden Kindes (2)komme, merke ich weniger an einer konkreten Müdigkeit, als daran, dass ich mich nur sehr schlecht konzentrieren kann, und mir konzeptionelles, abstraktes Denken schwerer fallen (ärgerlich, wenn man gerade promoviert...). Auch einzelne durchschlafene Nächte (wenn man denn schlafen kann, auch wenn das Kind nicht aufwacht) holen das nicht wieder rein.
    Ich sollte meinem Sohn die sieben Regeln an die Tür pinnen, vielleicht hilft's ;-)

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    Als Mutter zweier erwachsener Söhne die mich meist gut haben schlafen lassen und zwar schon als Säuglinge, obwohl von den Anlagen her sehr verschieden, erlaube ich mir hier Rat zu geben: Das Kind sollte als erstes satt ins Bett gehen, dann zu regelmäßigen Zeiten (wirklich so gut wie keine Ausnahme), am besten um ca. 7 Uhr, auf Quengeln nicht eingehen, nur schauen, ob alles in Ordnung ist, vielleicht irgendetwas freundliches sagen oder auch noch einmal ans Bett herantreten und das Kind kurz streicheln und ihm sagen, dass jetzt Schlafenszeit ist. Wichtig ist auch ein Zu-Bett-geh-Ritual mit Vorlesen, auch wenn das Kind es noch nicht versteht, oder ein Lied singen - das Kind sollte dabei passiv sein. Wenn nicht - ignorieren und das Programm durchziehen. Irgendwann gibt es klein bei. Mit zwei Jahren muss ein Kind durchschlafen, ihm fehlt der Schlaf ja auch. Und ja - nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken, es sollte sich schon ein wenig allein beschäftigen können, natürlich ruhig in Gegenwart der Mama. Und wenn es die Töpfe aus dem Schrank räumt .... Es sollte einigermaßen viel Bewegung am Tage gehabt haben und nicht zuviel Aufregung, also ein Krippenalltag wäre sicher okay.

    Als Mutter zweier erwachsener Söhne die mich meist gut haben schlafen lassen und zwar schon als Säuglinge, obwohl von den Anlagen her sehr verschieden, erlaube ich mir hier Rat zu geben: Das Kind sollte als erstes satt ins Bett gehen, dann zu regelmäßigen Zeiten (wirklich so gut wie keine Ausnahme), am besten um ca. 7 Uhr, auf Quengeln nicht eingehen, nur schauen, ob alles in Ordnung ist, vielleicht irgendetwas freundliches sagen oder auch noch einmal ans Bett herantreten und das Kind kurz streicheln und ihm sagen, dass jetzt Schlafenszeit ist. Wichtig ist auch ein Zu-Bett-geh-Ritual mit Vorlesen, auch wenn das Kind es noch nicht versteht, oder ein Lied singen - das Kind sollte dabei passiv sein. Wenn nicht - ignorieren und das Programm durchziehen. Irgendwann gibt es klein bei. Mit zwei Jahren muss ein Kind durchschlafen, ihm fehlt der Schlaf ja auch. Und ja - nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken, es sollte sich schon ein wenig allein beschäftigen können, natürlich ruhig in Gegenwart der Mama. Und wenn es die Töpfe aus dem Schrank räumt .... Es sollte einigermaßen viel Bewegung am Tage gehabt haben und nicht zuviel Aufregung, also ein Krippenalltag wäre sicher okay.

    • hjo
    • 29.10.2010 um 14:42 Uhr

    ...sondern die Winterzeit gehört abgeschafft! In manchen Provinzen Kanadas wird das schon länger so gemacht, und es ist wirklich angenehm wenn es nicht um vier dungkel wird....

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    Ja, wollen Sie denn wirklich, dass es von Dezember bis in den Februar hinein morgens erst um 9:30 Uhr hell wird? Nee, danke.

    nicht sommer oder winterzeit, sondern weltzeit einführen und sich nicht von Zahlen iritieren lasse wenn man halt 22.30 Uhr zum Frühstück kommt weil es gerade hell wird.

    Ja, wollen Sie denn wirklich, dass es von Dezember bis in den Februar hinein morgens erst um 9:30 Uhr hell wird? Nee, danke.

    nicht sommer oder winterzeit, sondern weltzeit einführen und sich nicht von Zahlen iritieren lasse wenn man halt 22.30 Uhr zum Frühstück kommt weil es gerade hell wird.

    • qbrick
    • 29.10.2010 um 15:00 Uhr

    "Das Kleine-Levin-Syndrom äußert sich durch extremes Schlafbedürfnis (»Hypersomnie«). Betroffene schlafen oft tagelang bis zu 20 Stunden täglich – in den kurzen Wachphasen sind sie meist verwirrt, sexuell enthemmt und essen übermäßig."
    Kann ich bestätigen; eine typische Studentenkrankheit, die nach dem 10. bis 12. Semester wieder abklingt.

  3. Wieso soll die Sommerzeit abgeschafft werden? Wenn's wegen der Rhytmusverschiebung ist, dann doch bitte die Winterzeit abschaffen.

  4. Ja, wollen Sie denn wirklich, dass es von Dezember bis in den Februar hinein morgens erst um 9:30 Uhr hell wird? Nee, danke.

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    • cinor
    • 29.10.2010 um 18:57 Uhr

    Ja, das will ich. Dann würde ich als klassische Eule im Winter nämlich endlich mal was von der Helligkeit mitbekommen.

    • cinor
    • 29.10.2010 um 18:57 Uhr

    Ja, das will ich. Dann würde ich als klassische Eule im Winter nämlich endlich mal was von der Helligkeit mitbekommen.

  5. ... wenn man es lässt. Voraussetzung ist, dass es morgens früh geweckt und tagsüber ordentlich ausgelastet, gesund ernährt wird und sonst (Blutbild) gesund ist. Das gleiche gilt für jeden Erwachsenen. Die Probleme gehen erst los, wenn man das Kind morgens zu lange schlafen lässt, tagsüber und abends zu lange fernsehen und computerspielen lässt, so wie es statistisch eben in Deutschland flächendeckend vorkommt. Was meine ich mit ausgelastet? Nichts außergewöhnliches, nur das, was alle Entwicklungsexperten sagen: -in den KiGa / die Schule laufen, Schulranzen dabei selber tragen lassen (bis 2,5 km), ja, diese Zeit muss man investieren
    - nachmittags eine Bewegungszeit draußen (1-2 Stunden) oder eben im Sportverein
    - wenig Zucker zuführen (v.a. als Getränke oder Trost oder Belohnung nicht)

    Gilt alles analog auch für Erwachsene. Aber die machen es den Kindern ja vor: -möglichst alles mit dem Auto
    -möglchist dauernd was Süßes zum Naschen als (Selbst-)Trost,
    -möglichst kein Tag ohne Glotze

    Und wo soll das Problem sein, wenn ein Kind im Auto ein Nickerchen macht? Besser kann man die Zeit doch gar nicht nutzen.
    Viele wissenschaftliche Quellen gibt`s dazu: Spitzer, Hurrelmann usw. für den ders braucht, eine Portion gesunder Menschenverstand tuts aber auch.
    Kein Kind muss schlafen lernen. Gehen schon, sprechen auch, schlafen nicht.
    Ich plädiere dafür, den Blick wegzulenken vom Schlaf, hin zur Tagesgestaltung. Dann ergibt sich der Schlaf von selbst.

  6. wer aber das Pech hat, in einer Stadt zu wohnen, der wird immer weiter steigendem Lärm ausgesetzt!
    Man macht gewaltige Aufstände um Zug- und Fluglärm - die aber oft "harmlos" gegen das sind, was einem Stadtbewohner oft fast rund um die Uhr zu gemutet wird!
    Das geht mit der ach so beliebten Straßenbahn los, deren Lärmpegel gewaltig ist und sich meist über fast zwanzig Stunden, also auch in der Schlafenszeit, erstreckt! Kreischen, Quietschen, Poltern, Dröhnen und das zum Frustabbau der Straßenbahnfahrer sehr beliebte meist völlig sinnlose Daurklingeln!
    Dazu kommen vor allem unsere "lieben ausländischen Mitbürger", deren liebste Beschäftigung ist, zu zeigen, dass sie ein Auto besitzen!
    Hupen rund um die Uhr - wenn man jemanden abholen will, wenn man sich im Straßenverkehr begrüßen muss, wenn man z.B. anläßlich einer t. Hochzeit einen Autokorso fahre muss (natürlich auch an unseren höchsten Feiertagen!), dazu kommt auch noch der Stolz über hochdrehende Motoren und durchdrehende Räder und vieles mehr!
    Motorradfahrer zeigen letzteres besonders gerne - vor allem nachts, weil es viel Lärm und Spaß macht!

    Dazu jede Menge rollender Diskotheken, mit Bassfundameenten, die gnaze Häuserzeilen zum Mitschwingen anregen!

    Selbst wer hier in Ruhe schlafen möchte, damit er leistungsfähig für seinen Job und fürs Leben bleibt, hat nur geringe Chancen!

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