Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube auf einer Pressekonferenz in Berlin © Odd Andersen/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Grube, Ihre Großmutter war für Sie immer ein großes Vorbild. Wenn sie wüsste, dass Sie es vom Bauernsohn zum meistgehassten Manager in Deutschland gebracht haben, wäre sie stolz auf Sie?

Rüdiger Grube: Das mit dem Bauernsohn stimmt. Das mit dem Manager nun wirklich nicht. Ich bekomme sehr viel Zustimmung, übrigens auch von Menschen, die ich gar nicht kenne.

ZEIT: Mal ehrlich, 2010 war doch ein rechtes Drecksjahr für Sie.

Grube: Das würde ich so nicht sagen. Es hat vielmehr mit großen Herausforderungen begonnen, mit den ausgefallenen Zügen im harten Winter, und ging mit defekten Klimaanlagen im Sommer weiter. Das war nicht schön, da haben Sie recht.

ZEIT: Und dann noch der Massenprotest gegen Stuttgart 21 . Also doch ein Drecksjahr!

Grube:Stuttgart 21 beurteile ich anders. Dass das ein großes Thema wird, habe ich kommen sehen, wenn auch nicht, dass die Sache so eskaliert. Erst die massiven Proteste gegen den Abriss des Nordflügels am Stuttgarter Bahnhof, dann dieser 30. September...

ZEIT: ...jener schwarze Donnerstag, an dem die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen ist.

Grube: Das war nicht gut für das Projekt.

ZEIT: Sie reden darüber immer so rational, so distanziert. Die Gegner von Stuttgart 21 beschimpfen Sie, Sie werden ausgepfiffen, bespuckt und attackiert. Das kann doch nicht an Ihnen abprallen!

Grube: Was mich wirklich ärgert, ist, wenn mich jemand Lügner nennt. Ich habe früh zu Hause gelernt: Lügen geht gar nicht. Ein solcher Vorwurf geht an meine Ehre. Lieber lasse ich mich anspucken, als dass ich mich als Lügner bezeichnen lasse. Da werde ich fuchsteufelswild.

ZEIT: Damit hört es doch nicht auf. Sie haben Drohungen erhalten und einen Brief mit einem weißen Pulver drin – das sich dann glücklicherweise als harmlos herausstellte. Was sagt Ihre Familie zu alldem?

Grube: Meine Familie weiß und sagt mir das auch so: Es ist eine Ausnahmesituation, und es kommen auch wieder normalere Zeiten.

ZEIT: Sie haben im Familienrat beschlossen: Wir ziehen das durch?

Grube: Ja, wir stehen das gemeinsam durch. Das macht stark.

ZEIT: Zugleich sind Sie kaum zu Hause.

Grube: Ich komme tatsächlich kaum noch nach Hause. Heute Nacht war ich um halb zwei daheim, habe mich für dreieinhalb Stunden hingelegt, bin dann wieder los, war auch das ganze Wochenende unterwegs, bei Bürgern im Rheintal. Ich habe derzeit kaum noch Zeit, mit meiner Familie zu sprechen. Das könnte besser sein.