Kindergarten-Gründung Schönen Dank ans Amt
Mehr Kindertagesstätten, ja. Aber gründen Sie bloß keine! Letzter Brief einer Frau, die es wagte.
Liebe Kita-Inspektoren, ich schon wieder. Bin ich Ihnen in den vergangenen Wochen auf die Nerven gegangen? Diesmal keine lästigen Fragen. Nein, das ist der Moment, in dem ich sage: Danke, liebe Gesundheits- und Sozialdezernenten, liebe Feuerwehr, Unfallkasse, Baubehörde und alle dazugehörigen Beamten. Denn Sie hatten mich ja freundlicherweise gewarnt, als ich das erste Mal in Ihrer Zulassungsbehörde anrief: »Sie wollen eine Kindertagesstätte eröffnen? Haben Sie sich das auch gut überlegt?«
Hatte ich mir nicht gut genug überlegt. Ihre List und Hartnäckigkeit waren es, die mich gestählt haben. Heute ist meine Kita Zwergenland eröffnet worden. Das hätten Sie nicht mehr erwartet? Ich auch nicht., Naiv wie ich war, dachte ich, Sie freuen sich über so eine Gründungswillige. Schließlich ist bekannt, dass die Kommunen im Jahr 2013 für jedes Kind vom ersten Lebensjahr an einen Kita-Platz anbieten müssen. Dazu wurde sogar das Ausbauförderungsgesetz verabschiedet. 750.000 Plätze sollen es werden– eingerichtet sind bislang angeblich weniger als 290.000. Noch herrscht ein brutaler Verdrängungskampf unter Eltern, wenn es um Betreuung geht. Wie ich selbst erfahren durfte, als ich für meinen Einjährigen einen Platz suchte. Drei Versuche gestartet. Platz 64 auf der Warteliste war das Beste, was man mir bieten konnte.
Mach doch selbst einen solchen Laden auf, dachte ich. »Ach, Sie sind gar keine Erzieherin?«, haben Sie mich dann gefragt. Auf sensible Weise deuteten Sie mir an, ich sei nur zweite Wahl – trotz Studiums im Ausland, trotz eines Diploms und Berufserfahrung. Immerhin hat mich Ihr Vorbehalt nur angespornt, alles ganz besonders richtig zu machen. Für die Kleinen ist das beste gerade gut genug, denken Sie sich. Und am besten ist es sicherlich, wenn Kita-Gründer sich richtig durchbeißen müssen. Es wäre zu einfach, verteilte Ihre Behörde ein Faltblatt oder gäbe es eine Website, auf der alle Informationen, Voraussetzungen und Bestimmungen aufgeführt sind. Das lassen Sie schön bleiben, sonst stehen plötzlich noch mehr Gründer auf der Matte. Nein, da muss sich die Möchtegern-Kita-Unternehmerin bitte schön selbst behelfen.
Dank dieses subtilen Ausleseprozesses stellen Sie sicher, dass wirklich nur die Allerentschlossensten zum Ziel gelangen. So erklärt sich auch ein Umstand, über den ich mich anfangs noch gewundert habe: dass es keine konkrete Planung für die einzelnen Viertel unserer Stadt gibt. Ist klar, habe ich dann begriffen. Wie sollen Sie schließlich jetzt schon wissen, wie viele der Kinder, die bis 2013 geboren werden, tatsächlich untergebracht werden müssen? Was Demografen mit dem schönen Begriff Fertilitätsrate bezeichnen, schwankt mindestens so wie die Infektionsrate unter Zweijährigen. Viele Abende lang habe ich mich durch Websites, Bauordnungen und Sicherheitsbestimmungen gepflügt. Brandschutz, Fluchttreppen, DIN-Abmessungen der Kinderwaschbecken. Allein 10 bis 15 neue Bestimmungen sind im vergangenen Jahr hinzugekommen. Erfahren wie Sie sind, haben Sie einkalkuliert, dass mich der Mut verlassen würde, je tiefer mich meine Expedition in den Dschungel der Vorschriften und DIN-Normen führt.
Tatsächlich geriet ich irgendwann in Panik. Nachdem ich ein Ladenlokal gefunden hatte in einer kinderreichen Gegend, waren ruck, zuck 8000 Euro Mietkosten aufgelaufen. Und immer noch war unklar, ob Sie die Genehmigung erteilen würden. Wie dumm von mir, nicht zu wissen, ob diese Immobilie in einem Gewerbegebiet oder in einem Mischgebiet liegt. Ein entscheidender Unterschied! Ebenso wie die Nutzungsgenehmigung (durch die Baubehörde) etwas ganz anderes ist als die Betriebsgenehmigung (durch das Sozialamt).
- Datum 05.11.2010 - 10:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 4.11.2010 Nr. 45
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DAS ist deutsche Lebenswirklichkeit !!!!!
Ein amerikanischer und ein deutscher Architekt wetten, wer am schnellsten ein Hochhaus bauen kann.
Nach 9 Monaten schickt der Amerikaner dem Deutschen eine e-mail: "Noch drei Tage und wir feiern Richtfest!"
Antwort des Deutschen: "Noch drei Genehmigungen und wir können mit dem Bau beginnen!"
Fazit: Es ist gleichgültig, was man anpackt. Immer, wenn eine Genehmigungsbehörde ins Spiel kommet, wird es umfangreicher und teurer und langwieriger und zum Verzweifeln!!!!
Spaß bringt es jedenfalls nicht!
Ein amerikanischer und ein deutscher Architekt wetten, wer am schnellsten ein Hochhaus bauen kann.
Nach 9 Monaten schickt der Amerikaner dem Deutschen eine e-mail: "Noch drei Tage und wir feiern Richtfest!"
Antwort des Deutschen: "Noch drei Genehmigungen und wir können mit dem Bau beginnen!"
Fazit: Es ist gleichgültig, was man anpackt. Immer, wenn eine Genehmigungsbehörde ins Spiel kommet, wird es umfangreicher und teurer und langwieriger und zum Verzweifeln!!!!
Spaß bringt es jedenfalls nicht!
Willkommen in der Volksrepublik Deutschland!
Es herrscht sicher zviel Bürokratie. Manchmal hat man das Gefühl, manche Normen seine entweder dem verkrampften Erfindungsreich Sein Wollen oder der Notwendigkeit geschuldet, die Beschäftigung der Mitarbeiter zu ermöglichen.
Aber man sollte schon froh sein, dass in Deutschland plötzliche Hauseinstürze und Gasexplosionen eine wirkliche Ausnahme darstellen. Und das Kindertagesstätten wie z. B. vor Jahren im Land Ceaucescus nicht möglich sind. Und nimmt man manche Pflegeheime in Deutschland, kann man doch nicht davon ausgehen, dass Kinderbetreuung automatisch und ohne Aufsicht ein besseres Niveau erreichen würde.
In diesem Sinne der Dame viel Erfolg.
Nein, ich habe keine Kita gründen wollen. Ich habe nur eine neue Einrichtung für meine erwachsene lernbehinderte Tochter gesucht, die sich in ihrer damaligen todunglücklich fühlte. Es gibt definitiv keine Liste der Einrichtungen in meinem Bundesland; um diese zu recherchieren, war ich beim Behindertenbeauftragten des Landes gelandet, der mir genau das bestätigte. Gefunden habe ich eine passende nur durch Vitamin B (Studienkollegin, die in einer geeigneten Einrichtung arbeitet) Beide Träger der abgebenden und aufnehmenden Einrichtung waren mit dem Umzug meiner Tochter komplett überfordert, und sie musste praktisch alles alleine machen (mit meiner Unterstützung und der freiwilligen und unentgeltlichen ihres zukünftigen Einrichtungsleiters. Ein ganzes Jahr lang war sie damit beschäftigt, die Papierkriege mit Überzahlungen und Nachzahlungen zu bewältigen. Was zeigt mir das: Freizügigkeit von Behinderten steht steht zwar als Grundrecht auf dem Papier, ist aber faktisch gar nicht vorgesehen - jedenfalls nicht mit behördlicher Unterstützung!
Aber nein, das sehen Sie völlig falsch - ganz im Gegenteil sind die meisten Lebensbereiche noch dramatisch unterreguliert. Da geht schon noch was.
Gibt ein schönes Beispiel, das Alt-Kanzler Schmidt mal erwähnte: Die Weltfirma Hewlett-Packard ist aus einer Bastelbude in der Garage der Eltern eines der Gründer hervorgegangen. Hätte in Deutschland niemals stattfinden können - kraft Bauordnung darf eine Garage nämlich keine Fenster haben. Und Kraft Gewerbeordnung dürfen keine Menschen in Räumen ohne Fenster beschäftigt werden (wobei die Fenster natürlich peinlich genau berechnete DIN-Norm - Mindestverglasungsflächen, Lichteinfallwinkel, Öffnungswinkel usw. aufweisen müsen).
Solche Beispiele gibt's endlos - dieses Land könnte unendlich viel effektiver und effizienter sein und jeder Arbeitnehmer könnte bedenkenlos einen Mindestlohn von 15.- bis 20.- € bekommen, wenn man dieses Krebsgeschwür der Gesellschaft herausschneiden würde. Nach dem Tod seines Vaters, des Verschwenders Friedrich I., der wie Louis XIV. Hof hielt und das bitterarme Land aussaugte, hat der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I.die Hälfte aller Staatsbediensteten entlassen und die verbliebene Hälfte auf halben Sold gesetzt - bei deutlich erhöhtem Leistungspensum.
Genau das braucht Deutschland heute wieder - wobei es heute ruhig 2/3 der Beamten sein dürfen, die man entlässt. Die individuelle Arbeitsleistung lässt sich der in der freien Wirtschaft angleichen, d.h. verfünffachen. Dann kommen wir weiter.
Die bürokratischen Hürden sind doch noch harmlos zu dem, was jetzt kommt. Die nörgelnden und anspruchsdenkenden Eltern. Da wird für dies und das gemeckert und gefordert. Für die Kinder schließlich nur das Beste.
Ich empfehle auch noch den Abschluß einer Haftpflichtversicherung, denn die klagebewußten Eltern stehen bestimmt schon auf der Warteliste.
...Erfahrung, woher stammt deine pessimistische Einschätzung des Kindergartenalltags?
...Erfahrung, woher stammt deine pessimistische Einschätzung des Kindergartenalltags?
"Was jetzt kommt, ist ein Kinderspiel.
Hochachtungsvoll, Ihre Kita-Gründerin"
Nicht aus Häme oder Ironie, aber aus Interesse: Mich würde eine Fortsetzung dieses Artikels in ca. einem halben Jahr interessieren, ob nicht doch das ein oder andere Problem (s. z. B. Kom.6: Eltern) auf Sie zukommen wird und ob Sie nicht vielleicht im Nachhinein dankbar sein werden, wenn das ein oder andere Problem (s. z. B. Vorschriften) im Vorfeld vermieden werden konnte. Darüberhinaus Bravo für Ihren Einsatz und Gratulation zur KiTa.
...lässt man das lieber "Tagesmütter" machen. Deren Anforderungen und Wohnverhältnisse werden als Ausgleich nicht annähernd so genau unter die Lupe genommen (zumindest in den meisten Bundesländern).
Obiger Bericht, der sich übrigens in eine lange Reihe solcher einreiht, sollte unsere gute Familienministerin Schröder vielleicht mal zu einer entsprechenden Vereinheitlichung oder wenigstens einer nach Bundesländern aufgeschlüsselten Webseite veranlassen.
Ansonsten nichts neues, die Millionen von undurchsichtigen und teils bürgerfernen Verordnungen zwingen einen stets entsprechend hochbezahlte Experten zu beschäftigen. Daran scheitert viel im Land des knappen Geldes. Wenn man sowas zum ersten Mal macht, wird man davon erschlagen und eingeschüchtert. Hat man sich einmal durchgebissen, ist man selbst eine Art Experte und kann sich entsprechend verdient machen.
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