Die Rache des Gärtners ist die fürchterlichste. Ist er nicht der Spezialist der scharfen Scherflächen, der glänzenden Messer und der motorisierten Heckenstutzmaschinen? Allerdings: Er kennt sich aus mit allem, was schnell schneidet, akkurat köpft und am besten mehrere Extremitäten auf einmal durchtrennt. Der Gärtner ist nämlich nicht nur ein Gärtner, er ist auch ein ehemaliger Spitzencop. Mexikanische Drogenkartelle und korrupte Polizeiorganisationen haben ihm übel mitgespielt, noch schlimmer allerdings ist das Machtgeflecht aus rechtspopulistischem Senator (Robert De Niro!), skrupellosem Drogenkapitalisten (Jeff Fahey), schießwütigen Bürgerwehrfaschisten (angeführt von einem alten bösen Don Johnson) und allgemein rassistischen Verhältnissen auf der anderen Seite des Rio Grande. Der Gärtner ist ein Mexikaner, und er rächt nicht nur sich, seine Familie, er rächt das Schicksal der verfolgten, gejagten, gedemütigten mexikanischen Migranten in den USA. Man nennt den Gärtner Machete.

So weit war der Plot schon, als Robert Rodriguez und Quentin Tarantino ihre Filme Planet Terror und Death Proof im Jahre 2007 als Grindhouse- Doppel-Feature präsentierten und mit einigen Trailern zu weiteren fiktiven Filmen ähnlichen Stils würzten. Rodriguez präsentierte die in zwölf Gefängnisjahren gegerbte Haut und die arschlangen fettigen Haare von Danny Trejo als Machete. Drei Jahre später wurde aus der schon damals wunderschönen Idee, dem Genre Revenge-Movie einen Migrationshintergrund angedeihen zu lassen, einer der lustigsten und opulentesten Krawallfilme samt süßester Gewaltverherrlichung für alle, die finden, dass auf den populistischen Klotz der Sarrazin-Debatten dieser Welt ein herzhafter, grober, naturgemäß nicht minder populistischer Keil gehört. Und Keile hat Machete in seiner Gärtner-Tarnung natürlich auch in jeder Menge zur Verfügung, wie alles Scharfe und Spitze.

Alle Bösen, das lernt man schnell, gehören zusammen, die Guten aber, wie das so ist, sind in Reformer und Revolutionäre gespalten. Bolschewiki wie Menschewiki werden allerdings von schönen Frauen angeführt, deren Comicstrip-Sexyness aus dem gleichen Fundus stammt wie die Furcht einflößende Hässlichkeit unseres rächenden Rasierers: Italo-Western und Sixties-Trash-Girlism legen für die gute antirassistische Sache gemeinsam ihre Trümpfe auf den Tisch. Jessica Alba spielt die mexikanischstämmige Polizistin, die zunächst noch ihre eigenen Landsleute ausspioniert, bis sie begreift, wie das System läuft, das sie nun aber von innen bekämpfen und reformieren will. Während Michelle Rodriguez als Luz ein bewaffnetes mexikanisches Netzwerk in den USA anführt, das zum Endkampf gegen die Vigilantes rüstet, jene Bürgerwehr-Rednecks, die Nacht für Nacht einen Höllenspaß daran haben, die Grenze überquerende Mexikaner abzuknallen.

Entscheidende Stütze dieses Netzwerks sind – wie könnte es anders sein – selbstlose Krankenschwestern in sehr kurzen Kitteln, die in ihrer Trash-Vollkommenheit zuweilen aussehen wie animiert. Diesen Eindruck bemüht sich Rodriguez auch gar nicht zu vertuschen. Im Gegenteil, der Lieblingswitz aus der Itchy-&-Scratchy-Gewaltzeichentrickserie, die sich die Simpson-Kinder anzusehen pflegen, wird hier erstmals an menschlichen Darstellern vorgeführt: Dass man nämlich einen Darm, wenn dieser erst mal aus dem Bauch herausgewickelt ist, zu allen möglichen Zwecken einsetzen kann, von Strickleiter bis Steinschleuder. »Wenn ich irgendwann nicht mehr auf gewaltverherrlichende Zeichentrickfilme stehe, musst du mich erschießen, Lisa«, pflegt nach solchen Szenen ein Tränen lachender Bart Simpson zu seiner Schwester zu sagen. 

Anders aber als bei Rodriguez letztem Trash-Monument, dem vom Genre her nahe verwandten, im arg ausgestellten Stolz auf seinen Mut zur Geschmacklosigkeit aber zuweilen stagnierenden Planet Terror nimmt Machete recht bald ein enormes Tempo auf. Das Prinzip, eigentlich alle drei Minuten spektakulär einen Bösen zur Strecke zu bringen, gleich darauf selber in Gefahr zu geraten, um dann unerwartet gerettet zu werden, wird dadurch so richtig dynamisch, dass luxuriöserweise fast immer ein anderer Böser samt Entourage zu zersäbeln ist – und fast immer ein anderer unerwarteter Helfer auftaucht: zum Beispiel Cheech (von Cheech und Chong) als rabiater Befreiungstheologe.