Atommüll-Infografik Die strahlende Atomlast der Bundesrepublik
In dieser Woche rollen die Castor-Transporter wieder durch die Republik. Doch wo lagert wie viel radioaktiver Müll aus Kernkraftwerken, und wie gefährlich ist er?
Am Freitag rollen zum zwölften Mal die Castor-Transporte von Nordfrankreich ins niedersächsische Gorleben. Hier sollen die elf Behälter mit dem radioaktiven Abfällen zwischengelagert werden.
30.000 Demonstranten werden erwartet, die sich gegen den Transport richten – so viele wie nie zuvor in der 30-jährigen Geschichte des Zwischenlagers.
Die Pläne der Politik, auch noch einen Salzstock als Endlager in Gorleben zu betreiben, sorgen für zusätzlichen Brennstoff. Doch wie gefährlich ist der Atommüll überhaupt?
Die Infografik zeigt die radioaktiven Abfälle in Deutschland im Überblick
Die wichtigsten Fragen:
Wie viel Müll gibt es?
Bisher fielen 204.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver und 24.300 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll an – genug, um den Reichstag zu zwei Dritteln zu füllen.
Wo liegt der Müll?
Ein Endlager für den wirklich gefährlich strahlenden hochradioaktiven Müll gibt es in Deutschland nicht. Zwischenlager existieren in Gorleben und Ahaus, ansonsten werden viele gefüllte Castoren vorerst bei den Kernkraftwerken selbst gelagert.
Was bringt die Laufzeitverlängerung?
Nach 100 Jahren strahlt ein nacktes Brennelement mit 5 Sievert pro Stunde. Man müsste sich eine Stunde lang dieser Strahlung aussetzen, um eine LD-50-Dosis abzubekommen. Bei jedem zweiten Menschen führt diese Dosis binnen eines Monats zum Tod. Auf das natürliche Niveau sinkt die Strahlung erst nach drei Milliarden Jahren.
- Datum 05.11.2010 - 12:00 Uhr
- Serie Wissen in Bildern
- Quelle DIE ZEIT, 4.11.2010 Nr. 45
- Kommentare 7
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Wie kommt es, dass die Dosisleistung laut des Diagramms "Wie lange strahlt der Müll?" rechts unten in der Infografik anscheinend nach einem Potenzgesetz abklingt? Zumindest zwischen 1 und 1000000 Jahren verläuft die gelbe Kurve beinahe linear, was in einem doppeltlogarithmischen Plot einem Potenzgesetz entspricht (hier ist die Dosisleistung etwa proportional der abgelaufenen Zeit hoch -0.9).
Bei einem einzelnen Zerfallsprozess wäre doch eher eine exponentielle Abnahme zu erwarten (da die Dosisleistung im wesentlichen der Aktivität proportional sein sollte). Hat die Zusammensetzung des Atommülls aus unterschiedlichen Isotopen (die sich auch noch zeitlich ändert!) hier so starke Auswirkungen?
Das hat nichts mit höherer Mathematik bzw. Chemie zu tun... Es liegt einfach daran, dass die Zeitangabe (auf der 'X-Achse') nicht masstabsgetreu dargestellt ist. Wäre alles im richtigen Masstab würde ich auch eine negative Exponentialfunktion erwarten.
Das hat nichts mit höherer Mathematik bzw. Chemie zu tun... Es liegt einfach daran, dass die Zeitangabe (auf der 'X-Achse') nicht masstabsgetreu dargestellt ist. Wäre alles im richtigen Masstab würde ich auch eine negative Exponentialfunktion erwarten.
aufgrund des mix an isotopen mit verschiedenen halbwertszeiten, also einer überlagerung mehrerer exponentialkurven. Zum schluss bleiben nur noch die langsamen übrig.
Und jetzt ist noch nicht zu spaet ! Bis heute haben wir damit gelebt und nun wissen wir wie schwierig ist mit dem Abfall fertig zu werden. Lass einfach es sein lassen damit.STOP ATOMKRAFT JETZT ! Damit ist das Problem geloest und dem heutigen Abfall koennen wir sowieso nichts mehr gutes machen .Oder doch ? Lass doch jemand der Ahnung hat sprechen. Manchmal hilft.
Das hat nichts mit höherer Mathematik bzw. Chemie zu tun... Es liegt einfach daran, dass die Zeitangabe (auf der 'X-Achse') nicht masstabsgetreu dargestellt ist. Wäre alles im richtigen Masstab würde ich auch eine negative Exponentialfunktion erwarten.
Wie ich schon in meinem ersten Kommentar geschrieben habe, ist die Darstellung ab 1 Jahr doppeltlogarithmisch (eine genauere Beschreibung findet sich z.B. bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/w... ). Von "nicht masstabsgetreu dargestellt" kann keine Rede sein. Und eine Gerade in doppeltlogarithmischer Darstellung entspricht nun mal einem Potenzgesetz und keiner Exponentialfunktion.
Seltsam ist auch, dass man das Absinken der Dosisleistung auf das natürliche Niveau (etwa 3 mSv/Jahr) nach 3*10^9 Jahren ziemlich genau durch extrapolieren des Potenzgesetzes zwischen 1 und 10^6 Jahren reproduzieren kann. Würde zwischen 10^6 und 3*10^9 Jahren exponentielle Abnahme einsetzen (nur noch das stabliste Isotop ist in relevanten Mengen vorhanden), wäre die natürliche Dosisleistung viel schneller erreicht.
Wie ich schon in meinem ersten Kommentar geschrieben habe, ist die Darstellung ab 1 Jahr doppeltlogarithmisch (eine genauere Beschreibung findet sich z.B. bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/w... ). Von "nicht masstabsgetreu dargestellt" kann keine Rede sein. Und eine Gerade in doppeltlogarithmischer Darstellung entspricht nun mal einem Potenzgesetz und keiner Exponentialfunktion.
Seltsam ist auch, dass man das Absinken der Dosisleistung auf das natürliche Niveau (etwa 3 mSv/Jahr) nach 3*10^9 Jahren ziemlich genau durch extrapolieren des Potenzgesetzes zwischen 1 und 10^6 Jahren reproduzieren kann. Würde zwischen 10^6 und 3*10^9 Jahren exponentielle Abnahme einsetzen (nur noch das stabliste Isotop ist in relevanten Mengen vorhanden), wäre die natürliche Dosisleistung viel schneller erreicht.
Wie ich schon in meinem ersten Kommentar geschrieben habe, ist die Darstellung ab 1 Jahr doppeltlogarithmisch (eine genauere Beschreibung findet sich z.B. bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/w... ). Von "nicht masstabsgetreu dargestellt" kann keine Rede sein. Und eine Gerade in doppeltlogarithmischer Darstellung entspricht nun mal einem Potenzgesetz und keiner Exponentialfunktion.
Seltsam ist auch, dass man das Absinken der Dosisleistung auf das natürliche Niveau (etwa 3 mSv/Jahr) nach 3*10^9 Jahren ziemlich genau durch extrapolieren des Potenzgesetzes zwischen 1 und 10^6 Jahren reproduzieren kann. Würde zwischen 10^6 und 3*10^9 Jahren exponentielle Abnahme einsetzen (nur noch das stabliste Isotop ist in relevanten Mengen vorhanden), wäre die natürliche Dosisleistung viel schneller erreicht.
Liebe Zeit-Grafiker,
das einzige Zwischenlager, das ich einigermaßen gut kenne (denn es ist direkt nebenan), ist in der Infografik falsch dargestellt: Das Zwischenlager Lubmin (bzw. verwaltungstechnisch in Rubenow gelegen, auf keinen Fall aber in Zubenow, das gibt es hier nicht). Dieses ist ein Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Müll (richtig dargestellt), hat aber auch eine Halle für hochradioaktiven Müll (das fehlte in der Grafik) mit 120 (oder 80, das ist nicht ganz klar) Stellplätzen. Von diesen sind 64 belegt, größtenteils mit Castoren für die Brennelemente aus den stillgelegten Atomkraftwerken Lubmin (das auch in der Grafik fehlt) und Rheinsberg. Der Betreiber, die bundeseigene EWN, hat die Aufgabe, stillgelegte Atomanlagen "zurückzubauen". Sie nimmt in diesem Metier auch Aufträge an, z.B. sollen noch in diesem Jahr, bzw. Anfang 2011, vier Castoren nach Lubmin rollen, in denen sich 52 Brennstäbe aus dem Atomfrachter „Otto Hahn“ in Geesthacht sowie nuklearer Abfall aus dem Nuklearforschungszentrum Karlsruhe befinden.
Es wäre nicht schlecht, wenn Sie die Grafik entsprechend korrigieren. Zu hoffen ist, dass bei den anstehenden Transporten nach Lubmin auch soviel Aufmerksamkeit erzeugt wird, dass es nicht mehr vorkommt, dass die abgelegenen Atommülllager im Osten einfach vergessen werden können.
Die Aktivität in der Grafik klingt nicht so schnell ab wie man erwarten würde, weil die Grafik für Brennelemente anstatt für Spaltprodukte erstellt wurde und damit nicht dem Endlagerkonzept von Gorleben entspricht. Brennelemente enthalten die Brenn- und Brutstoffe Uran-235, Uran-238 und Plutonium-Isotope. Weil bei der direkten Endlagerung gebrauchter Brennelemente ohne Wiederaufarbeitung die radioaktiven Spaltprodukte nicht abgetrennt werden, erbrütet, spaltet und zerfällt mit langen Halbwertzeiten weiterhin Brennstoff, so dass ständig auf's Neue Zerfallsreihen gestartet werden und die Radioaktivität nur sehr langsam zurückgeht. Die radioaktivsten Spaltprodukte haben Halbwertzeiten von nicht mehr als 100 Jahren, so dass die Radioaktivität im Endlager schon nach 1000 Jahren (10 x Halbwertzeit) stark reduziert ist, wenn man die Brennelemente wiederaufgearbeitet und ausschließlich die Spaltprodukte ins Endlager verbracht hat. Die Langzeitstrahler Uran und Plutonium kann man nach der Wiederaufarbeitung in Reaktoren "verbrennen"/spalten und gewinnt daraus weiter Energie.
Die Aktivität in der Grafik klingt nicht so schnell ab wie man erwarten würde, weil die Grafik für Brennelemente anstatt für Spaltprodukte erstellt wurde und damit nicht dem Endlagerkonzept von Gorleben entspricht. Brennelemente enthalten die Brenn- und Brutstoffe Uran-235, Uran-238 und Plutonium-Isotope. Weil bei der direkten Endlagerung gebrauchter Brennelemente ohne Wiederaufarbeitung die radioaktiven Spaltprodukte nicht abgetrennt werden, erbrütet, spaltet und zerfällt mit langen Halbwertzeiten weiterhin Brennstoff, so dass ständig auf's Neue Zerfallsreihen gestartet werden und die Radioaktivität nur sehr langsam zurückgeht. Die radioaktivsten Spaltprodukte haben Halbwertzeiten von nicht mehr als 100 Jahren, so dass die Radioaktivität im Endlager schon nach 1000 Jahren (10 x Halbwertzeit) stark reduziert ist, wenn man die Brennelemente wiederaufgearbeitet und ausschließlich die Spaltprodukte ins Endlager verbracht hat. Die Langzeitstrahler Uran und Plutonium kann man nach der Wiederaufarbeitung in Reaktoren "verbrennen"/spalten und gewinnt daraus weiter Energie.
Die Aktivität in der Grafik klingt nicht so schnell ab wie man erwarten würde, weil die Grafik für Brennelemente anstatt für Spaltprodukte erstellt wurde und damit nicht dem Endlagerkonzept von Gorleben entspricht. Brennelemente enthalten die Brenn- und Brutstoffe Uran-235, Uran-238 und Plutonium-Isotope. Weil bei der direkten Endlagerung gebrauchter Brennelemente ohne Wiederaufarbeitung die radioaktiven Spaltprodukte nicht abgetrennt werden, erbrütet, spaltet und zerfällt mit langen Halbwertzeiten weiterhin Brennstoff, so dass ständig auf's Neue Zerfallsreihen gestartet werden und die Radioaktivität nur sehr langsam zurückgeht. Die radioaktivsten Spaltprodukte haben Halbwertzeiten von nicht mehr als 100 Jahren, so dass die Radioaktivität im Endlager schon nach 1000 Jahren (10 x Halbwertzeit) stark reduziert ist, wenn man die Brennelemente wiederaufgearbeitet und ausschließlich die Spaltprodukte ins Endlager verbracht hat. Die Langzeitstrahler Uran und Plutonium kann man nach der Wiederaufarbeitung in Reaktoren "verbrennen"/spalten und gewinnt daraus weiter Energie.
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