Selbstständigkeit "Kreativ? Das Wort ist vergiftet"
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 "Der Unternehmer ist ein schöpferischer Zerstörer"

ZEIT: Warum spielen die Künstler und die Kunst in der Kreativwirtschaft eine so große Rolle? Warum ist die Ökonomie ästhetisch?

Bröckling: Künstler produzieren Differenzen, sie brechen Regeln und überschreiten Grenzen. Genau das fordert auch der Markt. Anders gesagt: Zwischen der modernen Kunst und der unternehmerischen Tätigkeit besteht eine strukturelle Verwandtschaft. Moderne Kunst bricht den alten Formenkanon auf und produziert Neues. Und der Unternehmer ist gerade kein bloßer Verwalter, sondern ein »schöpferischer Zerstörer«, wie das der Ökonom Joseph Schumpeter genannt hat. Er setzt Innovationen durch, sucht nach Alleinstellungsmerkmalen. Mit kleinen semantischen Umstellungen können Sie das alles auf den künstlerischen Bereich übertragen, es gibt Transfers in beide Richtungen. Der Unternehmer ist ein Künstler, und der Künstler ein Unternehmer.

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ZEIT: Werden mithilfe des Ästhetischen Unterschiede zwischen einzelnen Produkten erzeugt?

Bröckling: Zwischen den einzelnen Waren gibt es heute kaum mehr qualitative Unterschiede, sie sind fast identisch. Aber wenn die Unterschiede im Gebrauchswert immer geringer werden, weil sich die Produkte inzwischen so ähnlich sind, dann muss die Differenz ästhetisch hergestellt werden – über die Verpackung oder die Inszenierung. Und hier sind dann die Kreativen gefragt.

ZEIT: Früher hätten die Künstler den Kapitalismus als Entfremdungsmaschine betrachtet. Heute scheinen sie sich mit ihm versöhnt zu haben.

Bröckling: Der Kapitalismus, darin besteht seine enorme Anpassungsfähigkeit, hat die Künstlerkritik absorbiert. 1968 flammte die Kritik an der Entfremdung noch einmal richtig auf. Der neue Geist des Kapitalismus, der sich danach durchgesetzt hat, beruht nicht zuletzt auf der Verheißung von Selbstbestimmung. Man könnte sagen: Der Kapitalismus lebt von seiner Kritik, und er schafft es, sie sich einzuverleiben und sie zu entzaubern. Der Kapitalismus braucht die Störung, er braucht die Kritik als Motor der Veränderung. Das ist kein Grund, keine Kritik mehr zu äußern, im Gegenteil. Aber die Kritik muss auf der Höhe der Zeit sein und darf sich nicht an den alten Parolen festhalten. Entfremdung gehört sicher dazu.

ZEIT: Gibt es eigentlich eine Grenze für den Selbstunternehmer? Gibt es eine Grenze der Belastbarkeit? Markiert der Körper eine Grenze?

Bröckling: Der Körper ist sicherlich eine Grenze. Andere Grenzen sind Alter, Krankheit, Behinderung oder auch Kinder. Es gibt Zusammenbrüche, es gibt vermehrt Burn-outs und Depressionen . Das unternehmerische Selbst ist auch ein erschöpftes Selbst.

Die Fragen stellte Thomas Assheuer

 
Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 08.11.2010 um 8:17 Uhr

    Interview, vor allen Dingen die Rückschlüsse auf die 90iger, Fördern und Fordern und die jetzige Situation. Erinnert irgendwie wirklch an GB und die Folgen sieht man bereits dort jetzt überdeutlich.
    Nur in einem irrt er imho der Kapitalismus passt sich nicht an, sondern er zwingt die Leute sich wieder an ihn anzupassen, mit noch nicht abzusehenden gesellschatflichen Folgen.

  1. Abgesehen davon, dass mit Schlagworten um sich geworfen wird, erscheint mir die Mehrzahl der Annahmen und Aussagen welt- und realitätsfremd. Ich war längere Zeit selbständig im Bereich Softwareentwicklung für Kapitalanlagegesellschaften und habe sehr viele andere Selbständige aus anderen Bereichen kennengelernt. Das einzige was für uns alle wirklich zugetroffen hat war eine hohe zeitliche Belastung (60-Stunden-Woche), lange Anfahrtzeiten (Ausland) und Erfolgsrisiko. Dafür war aber die "Entlohnung" entsprechend hoch (das 2,5- bis 4-fache eines entsprechend qualifizierten fest angestellten Mitarbeiters).

    Kann sein, dass das nicht für alle Branchen in dieser Höhe zutrifft, aber Burn-outs und Depressionen sind bei Angestellten ebenso oft anzutreffen wie bei Selbständigen. Der "Verdrängungswettbewerb" ist bei Angestellten ungleich höher und härter als bei Selbständigen. Vielleicht wäre es hilfreich wenn Herr Bröckling sich mit einer Vielzahl von Selbständigen aus verschiedenen Branchen unterhalten würde, statt sich auf Kreativwirtschaftsberichte und Künstler in Berlin zu beschränken.

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    ...insofern stimmen Ihre Beobachtungen als Selbstständiger (Softwareentwickler) exact mit den postulierten Thesen des Interviews überein.

    ...insofern stimmen Ihre Beobachtungen als Selbstständiger (Softwareentwickler) exact mit den postulierten Thesen des Interviews überein.

  2. ...insofern stimmen Ihre Beobachtungen als Selbstständiger (Softwareentwickler) exact mit den postulierten Thesen des Interviews überein.

    Ich selbst bin vermutlich einer der "Kreativen" des Artikels: Mitglied der KSK und mehrerer honorabler Berufsverbände, zwei kleine Kinder, kein Auto, kein Geschirrspueler, keine ausreichende Altersvorsorge - denn dazu reicht das Geld nicht.

    Leben im umgewidmeten Lagerraum mit Wasseranschluss oder im Abbruchhaus ohne Heizung. - "Du hast Dir den Beruf selbst gewählt." sagt meine Mutter. Und sie hat recht. Und ich liebe ihn. Den Beruf.

    Neben täglich 2-3 Stunden Aquise und Selbst-Marketing wünscht man sich aber eben doch hie und da schlicht finanzielle Anerkennung.

    Oh und: etwas Sicherheit BEVOR die eigenen Eltern das zeitliche Segnen und man das Häuschen erbt, so ein wenig Sicherheit wäre doch auch nett.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Das eigentliche Problem liegt im Totalversagen der Politik und (leider) auch der Gewerkschaften.

    Hier hat man den Trend der vergangenen 20 Jahre komplett verschlafen, ihn sogar mit unsinnigen „Umschulungsmaßnahmen“ im großen Stil angeheizt. Während ein Grafiker früher beispielsweise noch ein gewisses handwerkliches Können vorweisen musste, steht er heute im Wettbewerb zu Menschen die allenfalls ein DTP-Programm bedienen können. (Bei Software-Entwicklern mag das anders sein.)

    Richtig ist auch: Die technische Entwicklung macht Arbeitsplätze im herkömmlichen Sinn in immer mehr Branchen entbehrlich.

    Alles, was der Politik dazu einfällt, ist die flächendeckende Zwangsmitgliedschaft in überlebten Sozialsystemen - vorgeblich zum Schutz der Betroffenen, tatsächlich allerdings nur zur Finanzierung dieser Systeme.

    Alles was den Gewerkschaften dazu einfällt, ist Besitzstandswahrung derer, die noch in beamtenähnlichen Angestelltenverhältnissen stehen.

    Die Folge ist ein Kreativ-Prekariat, das sich in die Schlange der Lieferanten einzureihen hat und in der Kundenhierarchie ganz weit unten angesiedelt ist – sodass auch Auszubildende jemanden haben, den sie mit unsinnigen Anforderungen quälen können.

  4. Gutes Interview. Mehr davon.

    Ich beobachte, durchaus unter Angestellten und Freiberuflern, die mir unterstehen, dass diese Leute an Bedeutung verlieren.

    Ihre Flatterigkeit - und die meisten sollte man in keine wichtigen Sitzungen mitnehmen - reicht allenfalls für einen Job im Marketing (wo man sie zuhauf findet), Werbung, Mode, in einer Kommunikations-Stelle im Kulturbetrieb, oder in der Grafikabteilung einer Pritsche.

    Blicke ich mich im Bekanntenkreis um, besteht ein Großteil meiner Bekannten aus eben solchen Menschen, gleich ob mein Kreis heterogen ist - bis nach ganz oben und ganz unten -, halt mit einem Schwerpunkt. Ich beobachte, dass diese Leute bei aller Kreativität nicht gerade zu den Innovativsten und Intelligentesten gehören. Sie wenden Zeit für schicke Gedanken, Ideen, Formen auf. Ihr politisches Handeln erschöpft sich in Kritik von Browsern, der Wahl unbedeutender Parteien oder dem Schwadronieren über Nazis (als ob das heute gesellschaftlich wichtig wäre) und Obama. Viel Pathos, wenig Handeln; viele sind wie die Grünen eher konservativ. Naiver Arbeitsethos.

    Die meisten dieser selbsternannten Kreativen - und ich beobachte, dass sie sich durchweg so nennen - sind eher bemitleidenswert. Ab Mitte bis Ende 30 wird es für sie eng. Richtig hässlich wird es ab 50, nicht nur körperlich.

    Ich bewundere ihr Durchhaltevermögen, den Schneid, die Selbstausreden. Wirklich. Wie Kino. Aber sie sind, in meinen Kreisen, doch längst zu einem running gag geworden.

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    Da stelle ich mir doch die Frage, ob Sie als Vorgesetzter nicht versagt haben, wenn Sie "Leute mit mangelnder Bedeutung" zu Ihren Untergebenen zählen müssen.

    Und dann umgeben Sie sich auch noch mit Leuten, die "nicht gerade zu den Innovativsten und Intelligentesten gehören". ( < Ihr eigener Wortlaut)

    Ich bin sehr froh, dass ich nicht zu Ihren Kreisen gehöre.

    Ja, die sog. Kreativen sind meist arme Würstchen und wissen das nicht mal. Heiße Luftvbleibt heiße Luft....

    • lepkeb
    • 08.11.2010 um 12:05 Uhr

    aus D-land zur genüge denken sind die Überflieger und Cleveren, die tauchen dann hier in Canada auch so auf, und denken sie sind Gottes Geschenk für die Menschheit. Aber immer wenn es ans Eingemachte geht oder wenn shit hits the fan, wird der "inkompetente" Untergebene in die Spur geschickt. Und das Geschrei wird dann am größten, wenn man versucht die Leute abzuwerben. Aber ist halt D-land mehr Schein als Sein, der dt.Untertan ala Mann, immer nach unten treten und nach oben buckeln.
    Und Leute als running gag zu bezeichnen, zeigt ihre Verachtung und Einstellung zu ihren Mitmenschen, wirklich bedauernswert.

    ich kann Ihnen bei der Beschreibung der Typen zustimmen.
    Die recht Bösen Antworten einiger Mitkommentatoren scheinen zu bestätigen, das Sie einen Nerv getroffen haben.
    Ob die dabei gemachten Vorwürfe auf Sie zutreffen, lässt sich allein aus ihrem Kommtentar nicht beurteilen.
    Allerdings stelle ich fest, dass zum "running Gag" auch immer wieder "Erfolgreiche" gehören, die im Grunde genommen nicht anders, als die von Ihnen beschriebenen Klientel ist, nur mehr Cleverness, Glück oder vor allem Beziehungen bewiesen haben, bei der Besetzung von gut dotierten und geschützen Positionen.
    Mir drängt sich der Eindruck auf, dass beide Seiten sich gegenseitig bedingen. Ob Sie zu einer Gehören, kann ich nicht beurteilen.

    H.

    • LP
    • 08.11.2010 um 15:18 Uhr

    Mir scheint, als würden Sie ihrem Umfeld mit selbstzufriedener Verachtung begegnen. Ich würde Ihnen daher raten nicht so schlecht über andere zu reden. Sie könnten den Eindruck erwecken, sich damit selbst erhöhen zu wollen.

    Betrachten wir nicht alle irgendwo die Schatten an der Wand und glauben, uns selbst zu sehen?
    Und: Wenn sie schon eine so überlegene Fühungspersönlichkeit sind, warum haben Sie es dann nötig Ihr Selbstwertgefühl auf derart plumpe Weise zu steigern?

    Wer immer wieder nur die Beschränkungen betont hört irgendwann auch damit auf, in Lösungen zu denken. Reden wir doch einfach mal über die Möglichkeiten. Eine gute Idee ist letztlich immer noch das bessere Argument.

    • moxhan
    • 10.11.2010 um 11:03 Uhr

    Menschen die sich und andere nur durch Berufserfolg charakterisieren, verächtlich auf jene hinabblicken die "es" nicht geschafft haben- natürlich ohne dabei an die mannigfaltigen Ursachen zu denken die das haben kann. Nur passen Sie bitte auf, dass diese Einstellung gegenüber Mitmenschen nicht irgendwann zum Problem wird. Ich kenne wie gesagt einen, der ist Millionär, ein Arbeitstier und gehört bestimmt zu der Sorte, die sie auf Sitzungen ruhigen Gewissens mitnehmen würden. Seine Frau ist Alkoholikerin, sein Sohn drogenabhängig- kein beruflicher Ehrgeiz und kein Geld der Welt können Empathie und zwischenmenschliche Wärme ersetzen. Nicht dass es bei ihnen so laufen muss, aber wer schon so verächtlich über seine "Freunde" spricht, scheint ein Defizit in diesen Bereichen zu haben.

    Da stelle ich mir doch die Frage, ob Sie als Vorgesetzter nicht versagt haben, wenn Sie "Leute mit mangelnder Bedeutung" zu Ihren Untergebenen zählen müssen.

    Und dann umgeben Sie sich auch noch mit Leuten, die "nicht gerade zu den Innovativsten und Intelligentesten gehören". ( < Ihr eigener Wortlaut)

    Ich bin sehr froh, dass ich nicht zu Ihren Kreisen gehöre.

    Ja, die sog. Kreativen sind meist arme Würstchen und wissen das nicht mal. Heiße Luftvbleibt heiße Luft....

    • lepkeb
    • 08.11.2010 um 12:05 Uhr

    aus D-land zur genüge denken sind die Überflieger und Cleveren, die tauchen dann hier in Canada auch so auf, und denken sie sind Gottes Geschenk für die Menschheit. Aber immer wenn es ans Eingemachte geht oder wenn shit hits the fan, wird der "inkompetente" Untergebene in die Spur geschickt. Und das Geschrei wird dann am größten, wenn man versucht die Leute abzuwerben. Aber ist halt D-land mehr Schein als Sein, der dt.Untertan ala Mann, immer nach unten treten und nach oben buckeln.
    Und Leute als running gag zu bezeichnen, zeigt ihre Verachtung und Einstellung zu ihren Mitmenschen, wirklich bedauernswert.

    ich kann Ihnen bei der Beschreibung der Typen zustimmen.
    Die recht Bösen Antworten einiger Mitkommentatoren scheinen zu bestätigen, das Sie einen Nerv getroffen haben.
    Ob die dabei gemachten Vorwürfe auf Sie zutreffen, lässt sich allein aus ihrem Kommtentar nicht beurteilen.
    Allerdings stelle ich fest, dass zum "running Gag" auch immer wieder "Erfolgreiche" gehören, die im Grunde genommen nicht anders, als die von Ihnen beschriebenen Klientel ist, nur mehr Cleverness, Glück oder vor allem Beziehungen bewiesen haben, bei der Besetzung von gut dotierten und geschützen Positionen.
    Mir drängt sich der Eindruck auf, dass beide Seiten sich gegenseitig bedingen. Ob Sie zu einer Gehören, kann ich nicht beurteilen.

    H.

    • LP
    • 08.11.2010 um 15:18 Uhr

    Mir scheint, als würden Sie ihrem Umfeld mit selbstzufriedener Verachtung begegnen. Ich würde Ihnen daher raten nicht so schlecht über andere zu reden. Sie könnten den Eindruck erwecken, sich damit selbst erhöhen zu wollen.

    Betrachten wir nicht alle irgendwo die Schatten an der Wand und glauben, uns selbst zu sehen?
    Und: Wenn sie schon eine so überlegene Fühungspersönlichkeit sind, warum haben Sie es dann nötig Ihr Selbstwertgefühl auf derart plumpe Weise zu steigern?

    Wer immer wieder nur die Beschränkungen betont hört irgendwann auch damit auf, in Lösungen zu denken. Reden wir doch einfach mal über die Möglichkeiten. Eine gute Idee ist letztlich immer noch das bessere Argument.

    • moxhan
    • 10.11.2010 um 11:03 Uhr

    Menschen die sich und andere nur durch Berufserfolg charakterisieren, verächtlich auf jene hinabblicken die "es" nicht geschafft haben- natürlich ohne dabei an die mannigfaltigen Ursachen zu denken die das haben kann. Nur passen Sie bitte auf, dass diese Einstellung gegenüber Mitmenschen nicht irgendwann zum Problem wird. Ich kenne wie gesagt einen, der ist Millionär, ein Arbeitstier und gehört bestimmt zu der Sorte, die sie auf Sitzungen ruhigen Gewissens mitnehmen würden. Seine Frau ist Alkoholikerin, sein Sohn drogenabhängig- kein beruflicher Ehrgeiz und kein Geld der Welt können Empathie und zwischenmenschliche Wärme ersetzen. Nicht dass es bei ihnen so laufen muss, aber wer schon so verächtlich über seine "Freunde" spricht, scheint ein Defizit in diesen Bereichen zu haben.

  5. ...insofern stimmen Ihre Beobachtungen als Selbstständiger (Softwareentwickler) exact mit den postulierten Thesen des Interviews überein.

  6. Die Frage, die sich mir stellt: Sind die Unterschiede zwischen Festangestellten und Freien wirklich noch so groß? Ich halte es für ein Klischee, dass der freie Kreative als Bettler auf der Straße enden muss, während der Festangestellte ein gemütliches Reihenhausdasein führt.
    Unter den Kreativen gibt es doch beides: höchst erfolgreiche, bestens verdienende Werbetexter, Grafiker und Autoren - aber auch solche, die kaum über die Runden kommen. Die Bedeutung der Arbeitsform nimmt immer mehr ab. Sicherheit und Unsicherheit zwischen Festanstellung und Freiberuf nähern sich an. Wichtig ist für Freie, auf mehreren Standbeinen zu stehen. Eines ist ihnen schnell weggehauen.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Den Beitrag missverstanden?

    "Bröckling: Die Unterstellung, Selbstständige seien frei, Angestellte abhängig, ist pure Ideologie. Sie unterschlägt, wie viel Unsicherheit und Stress mit dieser Lebensweise verbunden sind. Das Reich der Freiheit beginnt erst jenseits der Arbeit, egal, ob ich angestellt oder selbstständig tätig bin."

    Ich vermute hinter sog. "modernen Kreativen" eher ein Relikt eines liberalistischen Arbeitsethos. Denn allen haftet auch eine Sehnsucht nach Bürgertum an. Die meisten lesen FAZ oder Die ZEIT. Sie sehen "Mad Men" und fragen sich, warum die 60er nicht schon früher durch das Kaleidoskop eines Marketingchefs gedeutet wurde. Hier erkennen sie sich wieder.

    Mich beeindruckt, wie lax und naiv der Begriff "kreativ" gebraucht wird. Als ob die meisten, die arbeiten, weniger kreativ als sie wären. Das entbehrt jeder phil. Grundlage. Vermutlich birgt diese Differenz den Wunsch nach Abgrenzung. Der digitale Kreative möchte nicht einfacher Angestellter sein. Wie vor 100 Jahren, als Angestellte sich gegen Arbeiter abgrenzen wollten, wollen sich heute "digitale Kreative" gegen Angestellte abgrenzen. Alles "Angestellte" wirkt auf sie unfrei, fabrikhaft, etc.

    Den meisten geht es, ab einem bestimmten Alter, schon schlecht. Sind sie männlich, können sie sich nicht mal soeben schwanger werden und sich ausklinken. Drogen sind weit verbreitet. Wie gesagt, unser einer reißt Witze über solche Kreative, obwohl doch der politische Betrieb der richtigste Ort für sie wäre.

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    "Bröckling: Die Unterstellung, Selbstständige seien frei, Angestellte abhängig, ist pure Ideologie. Sie unterschlägt, wie viel Unsicherheit und Stress mit dieser Lebensweise verbunden sind. Das Reich der Freiheit beginnt erst jenseits der Arbeit, egal, ob ich angestellt oder selbstständig tätig bin."

    Ich vermute hinter sog. "modernen Kreativen" eher ein Relikt eines liberalistischen Arbeitsethos. Denn allen haftet auch eine Sehnsucht nach Bürgertum an. Die meisten lesen FAZ oder Die ZEIT. Sie sehen "Mad Men" und fragen sich, warum die 60er nicht schon früher durch das Kaleidoskop eines Marketingchefs gedeutet wurde. Hier erkennen sie sich wieder.

    Mich beeindruckt, wie lax und naiv der Begriff "kreativ" gebraucht wird. Als ob die meisten, die arbeiten, weniger kreativ als sie wären. Das entbehrt jeder phil. Grundlage. Vermutlich birgt diese Differenz den Wunsch nach Abgrenzung. Der digitale Kreative möchte nicht einfacher Angestellter sein. Wie vor 100 Jahren, als Angestellte sich gegen Arbeiter abgrenzen wollten, wollen sich heute "digitale Kreative" gegen Angestellte abgrenzen. Alles "Angestellte" wirkt auf sie unfrei, fabrikhaft, etc.

    Den meisten geht es, ab einem bestimmten Alter, schon schlecht. Sind sie männlich, können sie sich nicht mal soeben schwanger werden und sich ausklinken. Drogen sind weit verbreitet. Wie gesagt, unser einer reißt Witze über solche Kreative, obwohl doch der politische Betrieb der richtigste Ort für sie wäre.

    • RP24
    • 08.11.2010 um 9:47 Uhr

    Ich würde auf diesen Interview gerne mit einem differenzierteren Artikel antworten würde. Wo, liebe Zeit Redaktion, kann ich diesen einschicken?

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    Redaktion

    Liebe/r RP24,

    wir freuen uns, wenn Sie Ihre Replik auf das Interview mit Herrn Bröckling im Leserartikelblog veröffentlichen (community.zeit.de). Lesenswerte Artikel aus dem Blog verlinken wir auch gern auf der ZEIT ONLINE-Startseite.

    Beste Grüße,
    Frida Thurm
    Community-Redaktion

    Redaktion

    Liebe/r RP24,

    wir freuen uns, wenn Sie Ihre Replik auf das Interview mit Herrn Bröckling im Leserartikelblog veröffentlichen (community.zeit.de). Lesenswerte Artikel aus dem Blog verlinken wir auch gern auf der ZEIT ONLINE-Startseite.

    Beste Grüße,
    Frida Thurm
    Community-Redaktion

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