Sauna in einem Iglu-Dorf in Davos © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Kofler, Sie sind gerade in Österreich zum Weltmeister im Saunaaufguss gewählt worden. Wasser wird über Steine gegossen – das klingt für den Laien nicht sehr aufregend.

Andreas Kofler: Von wegen! Es ist das Schönste am Saunagang. Der Gast sitzt nicht bloß rum und schwitzt, sondern erlebt etwas. Das ist eine richtige Zeremonie. Vor dem Aufguss wird verkündet, welche Öle verwendet werden. Minze etwa finde ich wunderbar.

ZEIT: Geht es also um Düfte?

Kofler: Zunächst einmal geht es um den Kick. Beim Aufguss wird die Luft feuchter. Der Hitzereiz wird höher. Dazu wedelt der Meister mit einem Handtuch und verteilt die heiße Luft. Bei einer WM kommt ein Motto hinzu.

ZEIT: Was haben Sie da gewählt?

Kofler: Mein Aufguss hieß la vita – auf Italienisch klingt das besser. Die Idee: Das Leben beginnt aus dem Nichts. Es könnte ein Wiederbeginn nach einem Tiefschlag sein oder eben der Neuanfang des Lebens.

ZEIT: Ein großes Thema für einen Saunaaufguss. Wie setzen Sie es um?

Kofler: Wichtig sind spezielle Öle. Es gibt drei Typen von Duftnoten: erstens die sogenannten Kopfnoten, die den Geist anregen und oft aus Zitrusfrüchten gemacht sind. Dann gibt es die Herznoten, die Gefühle ansprechen. Sie duften lieblich, sind etwa aus Rosenblüten gemacht. Und dann die Basisnoten für die ganz tiefen Gefühle, hergestellt aus Harz oder Wurzeln. Ich habe für den Aufguss zum Beispiel Basisnoten aus Weihrauch und Patschuli eingesetzt und Kopfnoten aus Pampelmusen und Muskatellersalbei.

ZEIT: Und das war alles?

Kofler: Nein, ich habe auch Lichteffekte verwendet. Die Sauna war erst komplett finster wie eine Höhle. Dann gingen Lichtfasern an, sie sollten an Wurzeln erinnern oder an die Energie, die durch Adern fließt. Außerdem habe ich für die WM einen speziellen Aufgusskübel entwickelt: einen Holzbottich mit einem doppelten Boden aus Plexiglas, in den ich eine LED-Lampe eingebaut habe. Das Wasser da drin schimmert toll. Per Fernbedienung kann ich die Farbe wechseln, rotes Licht beruhigt, blaues regt an. Auch in die Aufgusskelle habe ich eine Lampe eingebaut. Und Schwarzlicht-Röhren auf den Fensterbalken gelegt. Gegen Ende der Show habe ich die angemacht: Auf einmal leuchtete das weiße Handtuch, das ich durch die Luft schwenkte.

ZEIT: Wer saß in der Jury?

Kofler: Ganz normale Saunabesucher, die am Austragungsort, der Frohnsdorfer Therme, zu Gast waren. Sitz- und Schwitz-Jury hießen sie im Wettbewerb. Es gibt drei Kriterien: Entertainment, Entspannung und Wedeltechnik.

ZEIT: Ihre Konkurrenten warteten mit »Schoko-Minze-Erlebnis« oder einem »Tibetanischen Erlebnis« auf. Haben Sie sich da für die Zukunft etwas abgeguckt?

Kofler: Ich war schon neugierig, was meine Mitwedler für Techniken besitzen. Es gab gute und weniger gute. Ein paar waren dabei, Sportstudenten, die haben nicht mal die Grundlagen beachtet.

ZEIT: Zum Beispiel?