Bilfinger Berger Kann der das?

Roland Koch polarisierte wie kaum ein Politiker. Nun will der Ex-Ministerpräsident einen Konzern führen. Geht das gut?

Wo Roland Koch ist, da ist Widerstand. Warum sollte das in der Wirtschaft anders sein als in der Politik? Als am Freitag bekannt wurde, dass der ehemalige hessische Ministerpräsident ab nächstem Sommer den zweitgrößten deutschen Baukonzern Bilfinger Berger führen soll , brach der Aktienkurs des MDax-Konzerns um mehr als vier Prozent ein. Noch ehe die Personalie offiziell war, kritisierte Edda Müller von Transparency International: "Es ist bedenklich, dass Koch ausgerechnet in diesem Bereich seine berufliche Zukunft sucht." Bilfinger Berger war mit Bauprojekten am Frankfurter Flughafen bedacht worden. Das Land Hessen hält 31,5 Prozent am Betreiber Fraport.

Ausgerechnet Koch. Es ist kein Jahr her, da sägte der Konservative fast im Alleingang den damaligen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ab . Gegen den Willen des Intendanten, aber mithilfe des unionsgeführten ZDF-Verwaltungsrates. Dieser Ideologe soll jetzt einen Konzern führen?

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Ja, sagt Klaus Franz. Koch könne das. Franz ist Betriebsratschef bei Opel. Als der Autobauer zwischen General Motors und der Pleite stand, reagierte Koch sofort . »Er hat als einer der Ersten die politischen Ressentiments gesehen, die ein staatlicher Einstieg nach sich ziehen würde.« Koch habe dann »umgehend kreative Lösungen gesucht« Staatsbürgschaften sollten einen Verkauf ermöglichen. Dass es anders kam, ist der Sprunghaftigkeit der Opelmutter General Motors anzulasten. Bei Franz blieb haften, dass er es mit einem Politiker zu tun hatte, der begriff, worum es für Opel ging, und ein Gespür entwickelte für »Marken und Märkte«.

Wer über zwei Jahrzehnte die politischen Debatten in Deutschland mitprägt, dem wird der Stempel Berufspolitiker aufgedrückt. Koch ist aber auch Wirtschaftsjurist. Er hat mit der von ihm gegründeten Anwaltskanzlei Fusionen und Übernahmen von Unternehmen eingefädelt, aber auch Tarifverträge für die Miederindustrie ausgehandelt. Selbst als Oppositionsführer im Landtag ließ er diese Tätigkeit nicht ruhen.

Kochs Wirtschaftswissen war gefragt, als er 1999 Ministerpräsident von Hessen wurde. Besonders bei Fraport, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Dort übernahm Koch nach seiner Wahl den Aufsichtsratsvorsitz. »Er war der mit Abstand beste Aufsichtsratsvorsitzende, den ich erlebt habe«, sagt Wilhelm Bender, der von 1993 bis 2009 Fraport-Chef war und der SPD angehört. Er lobt Koch dafür, wie er die Interessen von Beschäftigten und Managern zusammengeführt habe. Koch begleitete die Privatisierung. Er nickte die Internationalisierung des Konzerns nicht nur ab, sondern vermittelte auch immer wieder Gespräche zwischen der Unternehmensspitze und Luftfahrtministerien anderer Länder. Heute erwirtschaftet der Konzern mit Beteiligungen von Lima bis Shanghai ein Drittel seines Ergebnisses im Ausland.

In Kochs Regierungszeit fällt auch der Startschuss für den Ausbau des Frankfurter Flughafens . Bilfinger Berger erhielt einen 80-Millionen-Euro-Auftrag zum Bau der Nordwest-Landebahn. Gemessen an Fraports Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro ist das wenig. Dennoch sei es bedenklich, dass Koch ausgerechnet in diesem Bereich seine berufliche Zukunft suche, kritisierte Edda Müller, die Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International in der Berliner Zeitung . Bender kann die Aufregung nicht verstehen: »Ich ärgere mich vielmehr über Transparency International.« Roland Koch zu unterstellen, er habe seinen Einfluss genutzt, um sich bei potenziellen Arbeitgebern zu profilieren, das sei »eine Unverschämtheit ihm gegenüber, aber auch Fraport gegenüber«. Nur weil das Land einen Anteil am Unternehmen habe, entscheide es doch nicht über Einzelaufträge.

Leser-Kommentare
  1. 1. ~ 1165

    Der gestrige Frontal21-Beitrag gefiel mir zu diesem Thema. Mir stellt sich nämlich - ganz unabhängig von Vergangenheit und Politiker- oder Juristen-Status - die Frage, in wie fern Koch kompetent ist. Der hier im Text gebotene Hinweis auf Wechselkarrieren in den USA ist für mich gerade kein Beleg, nicht einmal ein Grund für eine entsprechende Annahme in dieser Richtung. Vielmehr scheint es mir hier - und in den USA erst recht - so, dass ab einer bestimmten "Höhe" einer Führungsposition man selbst bestimmt, was man tun möchte oder tun kann. So kommt Koch nicht wegen irgend welcher Qualitäten zu Bilfinger, sondern einfach weil er "der Koch, hessischer Ministerpräsident" war. Ähnliches kennt man ja aus der Politik - eben noch Verteidigungsminister, dann kurz Innenminister, um schließlich Wirtschaftsminister zu werden - oder Manager/Vorstand/Aufsichtsräte-Ebene, wo die Querverbindungen nebenbei vermittelt werden. Diese Frage nach einer Kompetenz ergibt sich für mich nicht nur aufgrund mancher Fehlleistungen der betreffenden Personen, sondern auch aufgrund einer gänzlich anderen Umgangsweise auf anderen Ebenen, bis hin zum 55-jährigen Malermeister, dessen mehr als 30 Jahre Berufserfahrung plötzlich für gar nichts mehr ausreichen soll. Das Ganze hat so den Mief der Vetternwirtschaft, ich geb dir was und bekomme dafür morgen was Ähnliches von dir.

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  2. .
    trauen würde, die Position eine Vorstandsvorsitzenden in einem M-Dax-Unternehmen auszufüllen.

    Stiftungen, Beratungen, Gast-Professuren sind wesentlich leichter und oft ohne Mühen zu bewerkstelligen.

    Ein Aufsichtsratsmandat ist auch ohne konkrete Anstrengung zu bewältigen.

    Aber ein Vorstand steht gerade für den Aktienkurs, die Dividende und die strategische Ausrichtung eines Unternehmens.

    Und die Kapitaleigner sind heutzutage ungeduldig (manchmal gierig) und feuern Vorstände schnell (Telekom, Siemens, Porsche etc.)

    Ich freue mich auf Koch!

  3. Natürlich hat Koch Kompetenzen, Erfahrung, hat Netzwerke.
    Natürlich ist es heute Gang- und Gäbe dass in den oberen Bereichen von Wirtschaft und Politik alle zusammenarbeiten, zusammengehören, sich kennen und es Fluktuationen gibt.
    Auch kann man niemanden ohne Beweise Korruption unterstellen.

    Aber: Es gehört sich nicht, es hat ein Geschmäckle, es ist unmoralisch! Die Macht reicht sich gegenseitig den Schlüssel zur Macht weiter. Das Kapital vermehrt sich und gelangt in die falschen Hände. (Siehe Vermögensverteilung) Da mag es noch so sinnvoll und wirtschaftlich profitabel für alle (besonders für die direkt beteiligten) sein.
    Es ist zynisch dem Volk gegenüber, dessen Vertreter Herr Koch gerade noch war. Und auch wenn sich dieser Herr Bender über Transparency International aufregt, hat diese Organisation doch Recht mit Ihrer Forderung einer Sperrfrist für aussteigende Politiker. Dieser Fall zeigt es.

    Es gehört sich nicht!

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    • M.M.
    • 03.11.2010 um 12:29 Uhr

    Guter Mann, natürlich gehört es sich nicht, gar keine Frage.
    Aber seit wann schert es die "Eliten" was sich gehört und was nicht ??
    Das ist doch alles schon so verkommen, dass man es schon gar nicht mehr wahrnimmt.
    Also, was soll's !?
    Bleibt die Hoffnung, dass es für diese Art von Selbstbedienung irgendwann eine fette Quittung gibt !!!!

    • M.M.
    • 03.11.2010 um 12:29 Uhr

    Guter Mann, natürlich gehört es sich nicht, gar keine Frage.
    Aber seit wann schert es die "Eliten" was sich gehört und was nicht ??
    Das ist doch alles schon so verkommen, dass man es schon gar nicht mehr wahrnimmt.
    Also, was soll's !?
    Bleibt die Hoffnung, dass es für diese Art von Selbstbedienung irgendwann eine fette Quittung gibt !!!!

  4. Hauptsache, ich muss ihn als Politiker nicht mehr ertragen.

    • PALVE
    • 03.11.2010 um 11:25 Uhr

    An wen ist diese Frage gerichtet?

    Sorry, wer interessiert sich da für meine oder die Antwort des Autors?
    Alles nur rhetorischer Kram, um Demokratie vorzuheucheln.

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    • M.M.
    • 03.11.2010 um 12:29 Uhr

    Guter Mann, natürlich gehört es sich nicht, gar keine Frage.
    Aber seit wann schert es die "Eliten" was sich gehört und was nicht ??
    Das ist doch alles schon so verkommen, dass man es schon gar nicht mehr wahrnimmt.
    Also, was soll's !?
    Bleibt die Hoffnung, dass es für diese Art von Selbstbedienung irgendwann eine fette Quittung gibt !!!!

    Antwort auf "Widerspruch"
  5. Objektiv, ob man Koch nun sympathisch findet oder nicht, frage ich mich warum Koch gleich den Vorsitz des Konzerns übernimmt. Würde er in den Vorstand wechseln, dann wäre das der "Normalfall", aber glich an die Spitze? Die Börse sieht es ja ähnlich, Koch hat als Manager kein Profil, man sieht bei ihm keine Visionen, und die braucht auch BB. Warum holt ihn der Vorstand gleich an die Spitze? Sicher wird wohl ein 80 Mio. Auftrag nicht allein ausreichen, auch wenn die Verschwörungsküche brodelt. Er weiß aber selbst, dass er solche Empfindungen weckt und Politikverdrossenheit schürt. Somit wäre er erst als Mitglied des Vorstands wohl glaubwürdiger gewesen.
    Als Problem sehe ich eher sein Versprechen vor der Wahl Politik zu machen und nun Rückzug um auch in eine andere Gehaltsklasse aufzusteigen. So gewinnt man keine Bürger mit Vertrauen in die Gewählten. Auf der einen Seite "Amtsmüde" mit dem "tollen" Scheinargument nicht am Sessel zu kleben um dann als Vorstandsvorsitzender durchzustarten. Auch wenn sein Vater Minister war, heutzutage kann man eben in solche Sphären nur durch Politik aufsteigen, das braucht ein Guttenberg z.B. nicht.
    Politik und Wirtschaft gehören zusammen, aber nicht um jeden Preis, denke da an lupenreine Demokraten und Fischers Pipelines. Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut, gerade für einen Konservativen mit "Werten", aber da hat Koch ja schon bei Parteispenden ein Bild abgegeben....

    Eine Leser-Empfehlung
  6. ...überhaupt schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet? Hat er da irgendwelche Erfahrungen sammeln können? Oder ist er bei Bilfinger-Berger als so eine Art Frühstücksdirektor vorgsehen, der als ehemaliger 'verdienter' Politiker ("Ehrenwort!") von einem "dankbaren" Unternehmen mit einem lukrativen Pöstchen zur Aufstockung der Altersvorsorge versehen wurde?

    Wie schon bei den Personalien Matthias Wissmann, Gerhard Schröder und Wolfgang Clement werde zumindest ich nicht das Gefühl los, dass die ganze Angelegenheit ein G'schmäckle hat.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Ich kenne die Biografie nicht umfassend, aber Koch hat wohl eher juristische und politische Ambitionen und ist kein klassischer "Lenker" eines Konzerns. Natürlich sind viele Vorstände, insbesondere bei Banken, Juristen. Aber es stellt sich nicht nur die Frage nach der Qualifikation, die schwer einzuschätzen ist (auch die 90er Jahre Topmanager, waren z.T. suboptimal), sondern auch nach dem Profil des Vorsitzenden Koch.

    Politik ist heute in Zeiten der Durchqualifizierung (Karrieren wie in den 70zigern und Quereinsteiger sind ja selten geworden) der einzige "Beruf" mit großen Aufstiegschancen und dies parteiübergreifend. SPD-Lokalpolitiker kommen dann eben zur AWO.
    Ein wenig satirisch könnte man sagen: Oft sitzen da eben Lehrer im Parlament, die sich mit erfolgreicher Lobby-Arbeit (Volk, Verbände und Unternehmen) "hochdienen" und sich zum Teil dann nach ihrer Amtszeit als "Netzwerker" oder "Sachkundige" in anderen Gehaltsklassen als im Staatsdienst oder Parlament wiederfinden.

    Dies passiert parteiübergreifend, denn der Mensch nimmt was er bekommen kann, und vergisst dabei manchmal das er ja gewählt wurde und der Wähler nicht nur die Stimme schenkt, sondern auch Vertrauen...

    Nun ist für Koch also nicht mehr der Staat verantwortlich sondern das Unternehmen. Aber ich fürchte auch hier wird gemäß dem Falle er müsste aus dem Vorstand ausscheiden oder nur die Spitze verlassen sicher eine angemessene Abfindung stattfinden. Das ist dann eine andere Baustelle.... Ehrenwort!

    Ich kenne die Biografie nicht umfassend, aber Koch hat wohl eher juristische und politische Ambitionen und ist kein klassischer "Lenker" eines Konzerns. Natürlich sind viele Vorstände, insbesondere bei Banken, Juristen. Aber es stellt sich nicht nur die Frage nach der Qualifikation, die schwer einzuschätzen ist (auch die 90er Jahre Topmanager, waren z.T. suboptimal), sondern auch nach dem Profil des Vorsitzenden Koch.

    Politik ist heute in Zeiten der Durchqualifizierung (Karrieren wie in den 70zigern und Quereinsteiger sind ja selten geworden) der einzige "Beruf" mit großen Aufstiegschancen und dies parteiübergreifend. SPD-Lokalpolitiker kommen dann eben zur AWO.
    Ein wenig satirisch könnte man sagen: Oft sitzen da eben Lehrer im Parlament, die sich mit erfolgreicher Lobby-Arbeit (Volk, Verbände und Unternehmen) "hochdienen" und sich zum Teil dann nach ihrer Amtszeit als "Netzwerker" oder "Sachkundige" in anderen Gehaltsklassen als im Staatsdienst oder Parlament wiederfinden.

    Dies passiert parteiübergreifend, denn der Mensch nimmt was er bekommen kann, und vergisst dabei manchmal das er ja gewählt wurde und der Wähler nicht nur die Stimme schenkt, sondern auch Vertrauen...

    Nun ist für Koch also nicht mehr der Staat verantwortlich sondern das Unternehmen. Aber ich fürchte auch hier wird gemäß dem Falle er müsste aus dem Vorstand ausscheiden oder nur die Spitze verlassen sicher eine angemessene Abfindung stattfinden. Das ist dann eine andere Baustelle.... Ehrenwort!

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