Kunstmesse Auf nach München!

Die Münchner Highlights sind Deutschlands neueste und auf Anhieb beste Kunstmesse.

Blick auf die bayerische Landeshauptstadt anno 1832: Christian Morgensterns präzise Ölstudie bot die Düsseldorfer Galerie Pfaffrath für 28.500 Euro an

Blick auf die bayerische Landeshauptstadt anno 1832: Christian Morgensterns präzise Ölstudie bot die Düsseldorfer Galerie Pfaffrath für 28.500 Euro an

Aus dem Stand heraus haben sich die Münchner Highlights an die Spitze der deutschen Kunstmessen katapultiert. Mehr noch: Durch das Ende der Münchner Kunstmesse im ungeliebten Riem sind nun drei parallele Messeveranstaltungen in der bayerischen Landeshauptstadt entstanden, die jeweils ihre Chance zur eigenen Profilierung erkannt und genutzt haben. Mit den Highlights, die in das Haus der Kunst einziehen konnten, ist München wieder zu einem Pflichttermin für Sammler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und aus Italien geworden. Im Postpalast etablierte sich zeitgleich die Kunstmesse München als Ort für das mittlere Marktsegment. Und die Kunst & Antiquitäten München auf dem Nockherberg wiederum bot Entdeckungen im unteren Preisbereich bei Kunst, Möbeln, Teppichen und Schmuck – ergänzt um die schöne Konzentration der wichtigen deutschen Händler von Arbeiten auf Papier, also Fach und Fichter aus Frankfurt am Main, Knirim (Münster), Förster (Düsseldorf) und J. H. Bauer (Hannover), die sich allesamt über zahlreiche Verkäufe freuen konnten.

Getrennt marschieren, gemeinsam einschlagen: Das ist das überraschend positive Fazit dieser neuen Münchner Messekonstruktion. Karl & Faber nutzte die terminlich günstige Konstellation, um parallel den letzten Teil der amerikanischen Fishman-Kollektion mit deutscher Kunst der zwanziger und dreißiger Jahre zu versteigern: Ein inzwischen für den deutschen Kunstmarkt essenziell wichtiger griechischer Kunstagent mit seinen gewagten Dreiteilern und seinen wagemutigen Geboten sicherte sich gegen zahlreiche internationale Telefonbieter und im Saal anwesende Händler etwa die schöne Arbeit von Jeanne Mammen, das farbschreiende Lustmord- Aquarell von Dix und eine markante apokalyptische Malerei Meidners. Die Gesamtzuschlagssumme belief sich bei einer Schätzung von 1,2 Millionen auf etwa 2 Millionen Euro inklusive Aufgeld. Rupert Keim von Karl & Faber erklärte, dass sein Haus künftig immer die Alte Kunst parallel zu den Münchner Messen versteigern wolle.

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Das größte Seherlebnis dieser Münchner Tage boten zweifellos die Highlights. Wenn man über den etwas spießigen Namen, der an eine Diskothek aus den achtziger Jahren erinnert, hinweggesehen hatte, dann gingen einem schon nach zwei Metern die Augen über: An dem Stand von Michael Haas aus Berlin buhlten auf wenigen Quadratmetern eine Welle von Courbet, ein phänomenales Männerporträt von Caillebotte, diesem maskulinsten der französischen Impressionisten, und ein schwarz leuchtendes Stillleben von Beckmann aus dem dunklen Jahre 1942 um die Aufmerksamkeit.

Damit wird schon beim ersten Stand das beeindruckende Qualitätsniveau dieser Messe vorgegeben. Beckmanns Stillleben ist vermutlich das »jüngste« Werk der ganzen Highlights gewesen, denn in das Jahr 1950 legte Chris Dercon, der Chef des Hauses der Kunst, die Trennlinie, damit die Interessen der Händler nicht mit denen des Ausstellungshauses ins Gehege kommen. Eines der verblüffenden Ergebnisse dieser Trennung: Der Verzicht auf junge Kunst führte keineswegs zu einem Verzicht auf junges Publikum – Konrad O. Bernheimer, der Spiritus Rector, Vater und Übervater der Highlights, etwa verkaufte einen Venezianischen Karneval von Boldini an einen kaum 30-jährigen italienischen Sammler. Und auch vor der hinreißenden Cranach-Madonna bei Bernheimer machte so manche junge Münchner Familie mit Kinderwagen halt.

Neben einer hohen Besucherzahl gab es vor allem zahlreiche Verkäufe im hohen Preissegment. Bernheimer äußerte sich glücklich über die »sehr beachtlichen Verkaufserfolge«. Peter Mühlbauer verkaufte einen Dresdner Aufsatzsekretär von 1750, Georg Laue einen Renaissance-Automaten aus dem Augsburg der Zeit um 1600, die Galerie Thomas Werke von Alexej von Jawlensky und Emil Nolde, Salis & Vertes vermittelte Gemälde von Max Ernst und Raoul Dufy.

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