Medizinermangel Doktor Leiharbeiter, bitte kommen
Seite 2/2:

 "Mir hat die Wertschätzung in meinem Beruf gefehlt" sagt Leihärztin Rundler

2001 teilten sich fünf Agenturen den Vermittlungsmarkt. Bis 2007 änderte sich daran kaum etwas. Erst danach begann der Boom: Die Zahl der Agenturen wuchs binnen drei Jahren auf heute etwa 140. Große Zeitarbeitsfirmen sind in den Markt bislang nicht eingestiegen. »Ihnen fehlt das Know-how«, meint Jouaux. Man müsse selbst im Krankenhaus gearbeitet haben und die Probleme im Klinikalltag kennen, um für beide Seiten annehmbare Verträge aushandeln zu können.»Besonders gefragt sind Anästhesisten und Internisten, da ist der Markt wie leer gefegt«, sagt Steffen Schüler von der Agentur Doc to Rent. Er vermittelt nur Mediziner mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung. Für das Honorararztwesen entscheiden sich Ärzte aus den unterschiedlichsten Motiven: Es gibt Wiedereinsteiger, meist Frauen, die aus dem Mutterschutz zurückkommen, Chefärzte, die auch noch nach dem 65. Lebensjahr arbeiten wollen, Gelegenheitsjobber, die sich in ihrer Freizeit Geld dazuverdienen wollen, und Aussteiger wie Barbara Rundler. »Mir hat die Wertschätzung in meinem Beruf gefehlt«, sagt sie. Als Honorarärztin habe sie zum ersten Mal das Gefühl, für ihre Arbeit auch fair entlohnt zu werden. Sie verdient 40 Prozent mehr als früher, muss sich jedoch selbst um Krankenversicherung und Rente kümmern. So relativiert sich das höhere Gehalt.

Viele Honorarärzte zieht es dennoch wieder in die Festanstellung. »Nach unserer Erfahrung arbeiten die meisten Ärzte nur ein bis zwei Jahre auf Honorar«, sagt Schüler. Das Herumreisen und ständige neu Eingewöhnen sei vielen auf die Dauer zu anstrengend.

In welchen Kliniken die Ärzte aus seiner Kartei eingesetzt werden, will Schüler nicht verraten. Für die meisten Krankenhäuser gilt es noch immer als Makel, auf Externe angewiesen zu sein, sie sprechen ungern darüber. »Viele haben Angst, dass Patienten Honorarärzte als Merkmal für mindere Qualität werten könnten«, sagt Nicolai Schäfer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Honorarärzte. »Das Honorararztwesen rüttelt an unserem Bild vom Arzt, der stets für den Patienten da ist, so wie es in der Schwarzwaldklinik gezeigt wird.« Dieses Bild entspreche längst nicht mehr der Realität. Die Kliniken bemühen sich denn auch, ohne Honorarärzte auszukommen. Barbara Rundler ist bisher nach jedem ihrer Einsätze gefragt worden, ob sie nicht in eine Festanstellung wechseln wolle.

Viele Krankenhäuser beginnen, das Betriebsklima zu verbessern, um sich im Wettbewerb um die begehrten Fachkräfte besser verkaufen zu können. »In den achtziger und neunziger Jahren gab es ein Überangebot an Ärzten in Deutschland, was dazu führte, dass ihre Behandlung oft zu wünschen übrig ließ«, sagt Norbert Helming, Geschäftsführer der Christophorus-Klinken mit Standorten in Coesfeld, Dülmen und Nottuln. Die Kliniken bieten seit drei Jahren Weiterbildungen für Ärzte an. Eine Kita soll den Arbeitsplatz, zusätzlich attraktiv machen. Helming ist froh, dass die Anstrengungen ihre Wirkung zeigen und die Klinik inzwischen nicht mehr auf Honorarärzte angewiesen ist. »Externe bringen extreme Unruhe ins Krankenhaus, weil sie fast doppelt so viel Geld bekommen wie fest angestellte Ärzte. Das vergiftet die Stimmung im Haus.«

Woran liegt es, dass es so wenige Ärzte auf dem Markt gibt? 2009 ist doch die Zahl der gemeldeten Mediziner bei den Landesärztekammern gegenüber 2008 um zwei Prozent auf fast 430.000 gestiegen. Ärztemangel und steigende Medizinerzahl sind offensichtlich kein Widerspruch. Denn gleichzeitig steigt der Behandlungsbedarf der Bevölkerung.

An den Universitäten ist die Anzahl der Studienplätze sogar gestiegen: Im Wintersemester 2000/2001 gab es rund 7800, im Wintersemester 2009/2010 waren es bereits 8500 Studienplätze. Doch die ausgebildeten Ärzte kommen nicht in den Krankenhäusern an. Die Lücke entsteht zwischen Studium und Berufsstart. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung ergreifen rund 40 Prozent der Medizinstudenten keinen klassischen Arztberuf, sondern gehen in die Wirtschaft.

»Es sind Elitestudenten, die die Hürde des Numerus clausus geschafft haben. Für sie ist es heute nicht mehr attraktiv, als Arzt zu arbeiten«, sagt Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. Die einzige Lösung, um wieder mehr Ärzte in die Kliniken zu holen, sieht Hoppe in einem alternativen Zulassungssystem, das auch die Sozialkompetenz zum Arztberuf prüft und nicht allein die Note erfasst.

Bislang gibt es jedoch seitens der Universitäten keine Bestrebungen, das Zulassungssystem zu ändern. Jochen Jouaux macht sich jedenfalls keine Sorgen um sein Unternehmen: »Durch die lange Studienzeit der Ärzte wird es Jahrzehnte dauern, bis die Kliniken nicht mehr auf Honorarärzte angewiesen sind.«

 
Leser-Kommentare
  1. Obwohl einige der Fakten richtig wiedergegeben wurden, kann man zu dem Schluss kommen, dass man einfach Elitestudenten durch ein alternatives Zulassungssystem abschafft, und alles wird gut.

    Dabei bemerkt der Autor gar nicht wie er sich selbst widerspricht. Durchgemachte Nächte trotz neuem Arbeitszeitgesetz, mit Überstunden und Bereitschaftsdiensten sogar mehr als 100 Stunden zusammen, schlechtes Betriebsklima und eine Behandlung die oft zu wünschen übrig ließ, treiben Ärzte in die Leiharbeit, und das trotz Herumreisen und ständig neuem Eingewöhnen.

    Es sind meist Frauen, die aus dem Mutterschutz zurückkommen, Chefärzte, die auch noch nach dem 65. Lebensjahr arbeiten wollen, denn die "Elitestudenten" die der Autor unterstellt werden nicht Leiharzt, sondern reihen sich in die Tausenden von Ärzten ein, die jedes Jahr ins Ausland emmigrieren. Honorararzt ist der Ausweg, wenn einem aus familiären oder anderen Gründen die Auswanderung nicht möglich ist.

    Ein weiterer Trugschluss ist es den steigenden Behandlungsbedarf der Bevölkerung anzuführen, und dabei außer acht zu lassen, dass ja die Ausgaben der Krankenhäuser unterhalb der Steigerung der Grundlohnsumme bleiben müssen. Wenn dann eine Stelle nicht gleich besetzt wird, liegt es nicht nur an fehlenden Kandidaten, sondern an den Vorgaben der Verwaltung, die Geld einsparen wollen. Da verteilt man die anfallende Mehrarbeit einfach auf den verbleibenden Personalstamm, und schafft sich seinen eigenen circulus vitiosus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lepkeb
    • 06.11.2010 um 3:59 Uhr

    Wie spare ich Geld ein, wenn ich einem Honorararzt das Dreifache bezahlen muss? Habe letztens im Internet, glaube in der ARD, einen Bericht zu einem Honrararzt gesehen, der aus Berlin kam und in Genthin tätig war. Lt. Aussage des Direktors würde ein festangestellter Arzt das Krankenhaus 40 Euro/h kosten und für den Honorararzt musste man 120 Euro aufwenden. Der Chefarzt wollte nicht vor die Kamera, weil er auch schon gekündigt hatte.
    Das hört sich alles wie bei den dt. Ing. an. Firmen sind eher bereit einem Ing. Dienstleister 70k Euro zu bezahlen, anstatt den Ing. für 40k Euro einzustellen.
    Um die von ihnen angeführte Einsparungen von Mitteln kann es da ja nicht gehen, oder mir fehlt dort ein betriebswirtschaftlicher Schritt, der das erklären würde.

    • lepkeb
    • 06.11.2010 um 3:59 Uhr

    Wie spare ich Geld ein, wenn ich einem Honorararzt das Dreifache bezahlen muss? Habe letztens im Internet, glaube in der ARD, einen Bericht zu einem Honrararzt gesehen, der aus Berlin kam und in Genthin tätig war. Lt. Aussage des Direktors würde ein festangestellter Arzt das Krankenhaus 40 Euro/h kosten und für den Honorararzt musste man 120 Euro aufwenden. Der Chefarzt wollte nicht vor die Kamera, weil er auch schon gekündigt hatte.
    Das hört sich alles wie bei den dt. Ing. an. Firmen sind eher bereit einem Ing. Dienstleister 70k Euro zu bezahlen, anstatt den Ing. für 40k Euro einzustellen.
    Um die von ihnen angeführte Einsparungen von Mitteln kann es da ja nicht gehen, oder mir fehlt dort ein betriebswirtschaftlicher Schritt, der das erklären würde.

    • lepkeb
    • 06.11.2010 um 3:59 Uhr
    2. Frage:

    Wie spare ich Geld ein, wenn ich einem Honorararzt das Dreifache bezahlen muss? Habe letztens im Internet, glaube in der ARD, einen Bericht zu einem Honrararzt gesehen, der aus Berlin kam und in Genthin tätig war. Lt. Aussage des Direktors würde ein festangestellter Arzt das Krankenhaus 40 Euro/h kosten und für den Honorararzt musste man 120 Euro aufwenden. Der Chefarzt wollte nicht vor die Kamera, weil er auch schon gekündigt hatte.
    Das hört sich alles wie bei den dt. Ing. an. Firmen sind eher bereit einem Ing. Dienstleister 70k Euro zu bezahlen, anstatt den Ing. für 40k Euro einzustellen.
    Um die von ihnen angeführte Einsparungen von Mitteln kann es da ja nicht gehen, oder mir fehlt dort ein betriebswirtschaftlicher Schritt, der das erklären würde.

    Antwort auf "Ein falsches Bild"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Logik im Gesundheitswesen ist ja tatsächlich etwas irre. Deshalb hatte die Autorin auch Schwierigkeiten die Lage zu verstehen.

    In der Nachkriegszeit gab es tatsächlich einmal einen Ärztemangel. Die Arbeitsbedingungen waren zwar hart, aber wer es schaffte eine gute Weiterbildung zu ergattern, der konnte sich danach entweder gut in einer Praxis niederlassen, oder wurde gar selber Chefarzt, falls er im Krankenhaus bleiben wollte. Beide Positionen hatten sowohl hohes Ansehen, als auch ein gutes Auskommen mit dem Einkommen.

    Dann kamen die siebziger Jahre: Man stellte fest, dass das Geld nicht reicht, um Alles für Alle zu finanzieren. Anstatt das einzig Sinnvolle zu machen, nämlich zu Priorisieren, und einzuteilen was denn sinnvoll ist, was denn keinen Nutzen bringt, und was mehr schadet als hilft, und dementsprechend Transparenz reinzubringen was solidarisch finanziert werden soll und was nicht, wurde die Spirale von Kostendämpfungsmaßnahmen begonnen. Diese waren natürlich nicht wirksam, trotzdem werden sie seit dreieinhalb Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt. Immerhin gelang es dadurch den Ausstieg der Kosten auf den Anstieg des Bruttoinlandproduktes zu begrenzen. Nur ähnlich einer Sucht, bedarf es immer neuer Steigerungen der Dosis, sprich immer mehr Einschränkungen im Gesundheitswesen. Glücklicherweise führte die Bildungsexpansion der siebziger Jahre zu einem Bildungsparadox. Ende der siebziger Jahre übertraf die Zahl der Absolventen den Bedarf an Stellen für Ärzte und es kam zur Ärzteschwemme. Da Angebot und Nachfrage bekanntlich den Preis bestimmen, konnte man die Arbeitsbedingungen immer ungünstiger aus Sicht der Ärzte gestalten.

    Da Politiker komplexe Zusammenhänge im allgemeinen nicht verstehen, und eine Weitsicht besitzen, die von zwölf bis Mittag reicht, begriff man nicht die Konsequenzen die sich aus dieser Honeymoon-Phase ergaben: Viele männliche Abiturienten erkannten, dass es immer weniger Karriere- und Verdienstmöglichkeiten als Mediziner geben wird, und mieden zunehmend das Medizinstudium. Frauen, die eher dazu tendieren, etwas aus Neigung zu studieren setzten den Trend aus der Tiermedizin in die Humanmedizin fort. Man muss sich nur den Artikel zur Veterinärmedizin ansehen, um in die Zukunft zu blicken: Die einstige Männerdomäne ist mehr und mehr zu einem Beruf für Frauen geworden. An manchen Hochschulen stieg die Prozentzahl der Studentinnen der Veterinärmedizin auf über 90 %; im bundesdeutschen Durchschnitt betrugen die Zahlen bei den Studienanfängern: 1974 24 %, 1980 50 %, 1990 74 %, 2001 87 %.

    Die Ärzteschwemme führte nicht nur zu einer Feminisierung des Arztberufes, sondern viele Ärzte waren nach Auswegen gezwungen, wenn die Kliniken nicht alle Absolventen aufnehmen konnten. Wer klinisch arbeiten wollte, ging ins Ausland, und zunehmend wurden auch nichtklinische Arbeitsplätze interessant. Viele Frauen nahmen eine längere Babypause, und wenn sie zurückkehrten, dass gingen sie lieber in Teilzeit arbeiten.

    Die üblichen Auswege aus anderen Bereichen funktionierten nur begrenzt. Um den Lohn weiterhin zu drücken, lockte man billigere und willigere Kräfte aus dem Ausland an. Einerseits konkurrierte man jedoch mit Ländern die bessere Bedingungen anboten, andererseits zogen die Patienten Ärzte die die deutsche Sprache beherrschten vor. Außerdem erkrankten die Patienten völlig ungeplant.

    Da die Ausgaben in den Krankenhäusern unterhalb des Anstiegs der Grundlohnsumme bleiben soll, wurde ein großes Krankenhaussterben vorhergesagt. Man spielte nun die Reise nach Jerusalem. Die Ökonomisierung der Medizin erlaubte nun keine Spielräume. Schon wenn es zu einem geringem Anfall an Patienten kam, kam man mit dem Personal gerade so hin. Wurde das Aufkommen an Patienten durchschnittlich, oder gar auch einmal überdurchschnittlich, war man dafür nicht ausgelegt. Umgekehrt auch im Falle eines Ausfalls eines Arztes (z. B. Krankheit etc.) überschritt man die Belastungsgrenze der verbleibenden Ärzte.

    Hätte man nun einen zusätzlichen Arzt eingestellt, wäre es zu teuer gewesen, denn man muss diesen ja auch bezahlen, wenn es wieder einmal weniger Patienten gibt, oder der erkrankte Kollege wieder zurückkehrt. Um die Spitzen abzudecken bediente man sich lieber einer Zeitarbeitskraft. Einerseits ist es natürlich billiger das Doppelte zu bezahlen, wenn ich die Kraft weniger als die Hälfte der Zeit einsetze. Andererseits zählt er nun nicht mehr zum gedeckelten Budget der Personalkosten, sondern man bucht es unter den Verbrauchsmaterialien ab, die man im Krankenhaus nicht einfach blockieren kann, ohne die laufende Versorgung zu gefährden.

    Wenn ich einem Arzt das Doppelte bezahle muss er natürlich weniger arbeiten, um trotzdem mehr zu verdienen. Siehe auch den Bericht http://reporter.zdf.de/ZD... den sie erwähnen. Dieses Spiel geht natürlich auf, wenn der Honorararzt aus einem Konkurrenzhaus stammt. Das konkurrierende Haus wird geschwächt, und das eigene Haus gestärkt. Mit dieser Logik sichert sich das Haus sein Überleben.

    Diesen Zusammenhang verschweigt die Autorin. Immerhin hatte sie sich bemüht die ihr gestellte Aufgabe zu verstehen. Die Leistung entspricht zwar nicht den Anforderungen, jedoch lässt sie erkennen, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können. Siehe http://de.wikipedia.org/w...

    Die Logik im Gesundheitswesen ist ja tatsächlich etwas irre. Deshalb hatte die Autorin auch Schwierigkeiten die Lage zu verstehen.

    In der Nachkriegszeit gab es tatsächlich einmal einen Ärztemangel. Die Arbeitsbedingungen waren zwar hart, aber wer es schaffte eine gute Weiterbildung zu ergattern, der konnte sich danach entweder gut in einer Praxis niederlassen, oder wurde gar selber Chefarzt, falls er im Krankenhaus bleiben wollte. Beide Positionen hatten sowohl hohes Ansehen, als auch ein gutes Auskommen mit dem Einkommen.

    Dann kamen die siebziger Jahre: Man stellte fest, dass das Geld nicht reicht, um Alles für Alle zu finanzieren. Anstatt das einzig Sinnvolle zu machen, nämlich zu Priorisieren, und einzuteilen was denn sinnvoll ist, was denn keinen Nutzen bringt, und was mehr schadet als hilft, und dementsprechend Transparenz reinzubringen was solidarisch finanziert werden soll und was nicht, wurde die Spirale von Kostendämpfungsmaßnahmen begonnen. Diese waren natürlich nicht wirksam, trotzdem werden sie seit dreieinhalb Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt. Immerhin gelang es dadurch den Ausstieg der Kosten auf den Anstieg des Bruttoinlandproduktes zu begrenzen. Nur ähnlich einer Sucht, bedarf es immer neuer Steigerungen der Dosis, sprich immer mehr Einschränkungen im Gesundheitswesen. Glücklicherweise führte die Bildungsexpansion der siebziger Jahre zu einem Bildungsparadox. Ende der siebziger Jahre übertraf die Zahl der Absolventen den Bedarf an Stellen für Ärzte und es kam zur Ärzteschwemme. Da Angebot und Nachfrage bekanntlich den Preis bestimmen, konnte man die Arbeitsbedingungen immer ungünstiger aus Sicht der Ärzte gestalten.

    Da Politiker komplexe Zusammenhänge im allgemeinen nicht verstehen, und eine Weitsicht besitzen, die von zwölf bis Mittag reicht, begriff man nicht die Konsequenzen die sich aus dieser Honeymoon-Phase ergaben: Viele männliche Abiturienten erkannten, dass es immer weniger Karriere- und Verdienstmöglichkeiten als Mediziner geben wird, und mieden zunehmend das Medizinstudium. Frauen, die eher dazu tendieren, etwas aus Neigung zu studieren setzten den Trend aus der Tiermedizin in die Humanmedizin fort. Man muss sich nur den Artikel zur Veterinärmedizin ansehen, um in die Zukunft zu blicken: Die einstige Männerdomäne ist mehr und mehr zu einem Beruf für Frauen geworden. An manchen Hochschulen stieg die Prozentzahl der Studentinnen der Veterinärmedizin auf über 90 %; im bundesdeutschen Durchschnitt betrugen die Zahlen bei den Studienanfängern: 1974 24 %, 1980 50 %, 1990 74 %, 2001 87 %.

    Die Ärzteschwemme führte nicht nur zu einer Feminisierung des Arztberufes, sondern viele Ärzte waren nach Auswegen gezwungen, wenn die Kliniken nicht alle Absolventen aufnehmen konnten. Wer klinisch arbeiten wollte, ging ins Ausland, und zunehmend wurden auch nichtklinische Arbeitsplätze interessant. Viele Frauen nahmen eine längere Babypause, und wenn sie zurückkehrten, dass gingen sie lieber in Teilzeit arbeiten.

    Die üblichen Auswege aus anderen Bereichen funktionierten nur begrenzt. Um den Lohn weiterhin zu drücken, lockte man billigere und willigere Kräfte aus dem Ausland an. Einerseits konkurrierte man jedoch mit Ländern die bessere Bedingungen anboten, andererseits zogen die Patienten Ärzte die die deutsche Sprache beherrschten vor. Außerdem erkrankten die Patienten völlig ungeplant.

    Da die Ausgaben in den Krankenhäusern unterhalb des Anstiegs der Grundlohnsumme bleiben soll, wurde ein großes Krankenhaussterben vorhergesagt. Man spielte nun die Reise nach Jerusalem. Die Ökonomisierung der Medizin erlaubte nun keine Spielräume. Schon wenn es zu einem geringem Anfall an Patienten kam, kam man mit dem Personal gerade so hin. Wurde das Aufkommen an Patienten durchschnittlich, oder gar auch einmal überdurchschnittlich, war man dafür nicht ausgelegt. Umgekehrt auch im Falle eines Ausfalls eines Arztes (z. B. Krankheit etc.) überschritt man die Belastungsgrenze der verbleibenden Ärzte.

    Hätte man nun einen zusätzlichen Arzt eingestellt, wäre es zu teuer gewesen, denn man muss diesen ja auch bezahlen, wenn es wieder einmal weniger Patienten gibt, oder der erkrankte Kollege wieder zurückkehrt. Um die Spitzen abzudecken bediente man sich lieber einer Zeitarbeitskraft. Einerseits ist es natürlich billiger das Doppelte zu bezahlen, wenn ich die Kraft weniger als die Hälfte der Zeit einsetze. Andererseits zählt er nun nicht mehr zum gedeckelten Budget der Personalkosten, sondern man bucht es unter den Verbrauchsmaterialien ab, die man im Krankenhaus nicht einfach blockieren kann, ohne die laufende Versorgung zu gefährden.

    Wenn ich einem Arzt das Doppelte bezahle muss er natürlich weniger arbeiten, um trotzdem mehr zu verdienen. Siehe auch den Bericht http://reporter.zdf.de/ZD... den sie erwähnen. Dieses Spiel geht natürlich auf, wenn der Honorararzt aus einem Konkurrenzhaus stammt. Das konkurrierende Haus wird geschwächt, und das eigene Haus gestärkt. Mit dieser Logik sichert sich das Haus sein Überleben.

    Diesen Zusammenhang verschweigt die Autorin. Immerhin hatte sie sich bemüht die ihr gestellte Aufgabe zu verstehen. Die Leistung entspricht zwar nicht den Anforderungen, jedoch lässt sie erkennen, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können. Siehe http://de.wikipedia.org/w...

  2. 3. Logik

    Die Logik im Gesundheitswesen ist ja tatsächlich etwas irre. Deshalb hatte die Autorin auch Schwierigkeiten die Lage zu verstehen.

    In der Nachkriegszeit gab es tatsächlich einmal einen Ärztemangel. Die Arbeitsbedingungen waren zwar hart, aber wer es schaffte eine gute Weiterbildung zu ergattern, der konnte sich danach entweder gut in einer Praxis niederlassen, oder wurde gar selber Chefarzt, falls er im Krankenhaus bleiben wollte. Beide Positionen hatten sowohl hohes Ansehen, als auch ein gutes Auskommen mit dem Einkommen.

    Dann kamen die siebziger Jahre: Man stellte fest, dass das Geld nicht reicht, um Alles für Alle zu finanzieren. Anstatt das einzig Sinnvolle zu machen, nämlich zu Priorisieren, und einzuteilen was denn sinnvoll ist, was denn keinen Nutzen bringt, und was mehr schadet als hilft, und dementsprechend Transparenz reinzubringen was solidarisch finanziert werden soll und was nicht, wurde die Spirale von Kostendämpfungsmaßnahmen begonnen. Diese waren natürlich nicht wirksam, trotzdem werden sie seit dreieinhalb Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt. Immerhin gelang es dadurch den Ausstieg der Kosten auf den Anstieg des Bruttoinlandproduktes zu begrenzen. Nur ähnlich einer Sucht, bedarf es immer neuer Steigerungen der Dosis, sprich immer mehr Einschränkungen im Gesundheitswesen. Glücklicherweise führte die Bildungsexpansion der siebziger Jahre zu einem Bildungsparadox. Ende der siebziger Jahre übertraf die Zahl der Absolventen den Bedarf an Stellen für Ärzte und es kam zur Ärzteschwemme. Da Angebot und Nachfrage bekanntlich den Preis bestimmen, konnte man die Arbeitsbedingungen immer ungünstiger aus Sicht der Ärzte gestalten.

    Da Politiker komplexe Zusammenhänge im allgemeinen nicht verstehen, und eine Weitsicht besitzen, die von zwölf bis Mittag reicht, begriff man nicht die Konsequenzen die sich aus dieser Honeymoon-Phase ergaben: Viele männliche Abiturienten erkannten, dass es immer weniger Karriere- und Verdienstmöglichkeiten als Mediziner geben wird, und mieden zunehmend das Medizinstudium. Frauen, die eher dazu tendieren, etwas aus Neigung zu studieren setzten den Trend aus der Tiermedizin in die Humanmedizin fort. Man muss sich nur den Artikel zur Veterinärmedizin ansehen, um in die Zukunft zu blicken: Die einstige Männerdomäne ist mehr und mehr zu einem Beruf für Frauen geworden. An manchen Hochschulen stieg die Prozentzahl der Studentinnen der Veterinärmedizin auf über 90 %; im bundesdeutschen Durchschnitt betrugen die Zahlen bei den Studienanfängern: 1974 24 %, 1980 50 %, 1990 74 %, 2001 87 %.

    Die Ärzteschwemme führte nicht nur zu einer Feminisierung des Arztberufes, sondern viele Ärzte waren nach Auswegen gezwungen, wenn die Kliniken nicht alle Absolventen aufnehmen konnten. Wer klinisch arbeiten wollte, ging ins Ausland, und zunehmend wurden auch nichtklinische Arbeitsplätze interessant. Viele Frauen nahmen eine längere Babypause, und wenn sie zurückkehrten, dass gingen sie lieber in Teilzeit arbeiten.

    Die üblichen Auswege aus anderen Bereichen funktionierten nur begrenzt. Um den Lohn weiterhin zu drücken, lockte man billigere und willigere Kräfte aus dem Ausland an. Einerseits konkurrierte man jedoch mit Ländern die bessere Bedingungen anboten, andererseits zogen die Patienten Ärzte die die deutsche Sprache beherrschten vor. Außerdem erkrankten die Patienten völlig ungeplant.

    Da die Ausgaben in den Krankenhäusern unterhalb des Anstiegs der Grundlohnsumme bleiben soll, wurde ein großes Krankenhaussterben vorhergesagt. Man spielte nun die Reise nach Jerusalem. Die Ökonomisierung der Medizin erlaubte nun keine Spielräume. Schon wenn es zu einem geringem Anfall an Patienten kam, kam man mit dem Personal gerade so hin. Wurde das Aufkommen an Patienten durchschnittlich, oder gar auch einmal überdurchschnittlich, war man dafür nicht ausgelegt. Umgekehrt auch im Falle eines Ausfalls eines Arztes (z. B. Krankheit etc.) überschritt man die Belastungsgrenze der verbleibenden Ärzte.

    Hätte man nun einen zusätzlichen Arzt eingestellt, wäre es zu teuer gewesen, denn man muss diesen ja auch bezahlen, wenn es wieder einmal weniger Patienten gibt, oder der erkrankte Kollege wieder zurückkehrt. Um die Spitzen abzudecken bediente man sich lieber einer Zeitarbeitskraft. Einerseits ist es natürlich billiger das Doppelte zu bezahlen, wenn ich die Kraft weniger als die Hälfte der Zeit einsetze. Andererseits zählt er nun nicht mehr zum gedeckelten Budget der Personalkosten, sondern man bucht es unter den Verbrauchsmaterialien ab, die man im Krankenhaus nicht einfach blockieren kann, ohne die laufende Versorgung zu gefährden.

    Wenn ich einem Arzt das Doppelte bezahle muss er natürlich weniger arbeiten, um trotzdem mehr zu verdienen. Siehe auch den Bericht http://reporter.zdf.de/ZD... den sie erwähnen. Dieses Spiel geht natürlich auf, wenn der Honorararzt aus einem Konkurrenzhaus stammt. Das konkurrierende Haus wird geschwächt, und das eigene Haus gestärkt. Mit dieser Logik sichert sich das Haus sein Überleben.

    Diesen Zusammenhang verschweigt die Autorin. Immerhin hatte sie sich bemüht die ihr gestellte Aufgabe zu verstehen. Die Leistung entspricht zwar nicht den Anforderungen, jedoch lässt sie erkennen, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können. Siehe http://de.wikipedia.org/w...

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Frage:"
  3. Rent a Doc - eine neue Form um die Mängel in der Gesundheitsreform zu mildern und zu beschönigen.

    Das ist doch falsch, es geht an den Patienten aus, wenn Ärzte todmüde sind und auch ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, was letztendlich zu schwerwiegenden Fehlern am Patienten führen kann.

    Es ist wohl an der Zeit, hier dringend Abhilfe zu schaffen, da ja die Beiträge von uns gesetzlich versicherten wieder mal steigen werden, stellt sich allen die Frage:

    Wo bleibt das Geld??

    Herr Rösler ist doch Arzt, wie wäre es sich mal an die "Front zu begeben" (kleine Krankenhäuser, kleine Pflegeheime und co oder gar Hausärztebesuch in den Regionen, wo "alte Landärze bis ins hohe Alter noch praktizieren, um die Versorgung sicher zu stellen") um den Tatsachen ins Auge zu sehen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da ja immer mehr machbar ist, kann das Konzept "Alles für Alle" nicht aufgehen. Jedoch im Gegensatz zu anderen Ländern hatte sich bisher noch kein Politiker zu einer Priorisierung medizinischer Leistungen durchringen können.

    Stattdessen führen die Kostendämpfungsmaßnahmen nur zu einem Rat Race. Wer am besten die Leistungen billiger anbieten kann, als sie vergütet werden, überlebt. Man spart entweder ein wenig an der Qualität bei der Erbringung der Leistungen, oder rechnet sie kreativ ab. Es kommt nicht mehr darauf an, wie gut eine Leistung war die erbracht wurde, oder gar ob sie überhaupt nützlich war, sondern es kommt einzig darauf an, dass sie richtig dokumentiert wurde, und abgerechnet werden konnte.

    Der Arzt, der stets für den Patienten da ist, so wie es in der Schwarzwaldklinik gezeigt wird, geht im jetzigen System pleite. Die Ärzte mit Idealen sehen es heute nicht mehr attraktiv an, als Arzt zu arbeiten. Anstatt Prof. Brinkmann ist das neue Ideal eines Arztes eher Gordon Gecko. So wie Banken "AD-Kunden" (also: alt und doof) subprime Kredite andrehten, überlebt der Arzt am besten, der am meisten einnimmt ohne viele Ausgaben zu haben.

    Wenn schon Bankberater ihren Job aufgeben, weil sie es ihrem Gewissen gegenüber nicht verantworten können, so würde ein alternatives Zulassungssystem, das auch die Sozialkompetenz prüft, nur noch sehr viel mehr Aussteiger aus der klinischen Versorgung in Deutschland produzieren.

    Die Feminisierung hat ja gerade zur jetzigen Situation beigetragen. Noch mehr Auswahl in Richtung Albert Schweitzer erhöht höchstens die Anzahl der Ärzte in Lambaréné. Die FDP wird jedoch eher den Trend zur weiteren Ökonomisierung verstärken. Philipp Rösler mag zwar Medizin studiert haben, aber noch davor war er schon FDP-Politiker. Insofern kann nicht sein, was nicht sein darf. Das einzige was die FDP gelernt hat, dass man eine erneute Heuschreckendebatte im Gesundheitswesen vermeiden sollte.

    Also keine Bange, ein paar Hochglanzbroschüren und etwas Powerpoint-Karaoke wird uns ähnlich wie das Orchester auf der Titanic den Untergang versüßen.

    Nicht nur die Autorin des Artikels sieht zwar die Fakten, erkennt jedoch nicht das Problem. Vielleicht benötigt man auch für Journalisten und Politiker ein alternatives Zulassungssystem, das auch die Kompetenz prüft?

    Da ja immer mehr machbar ist, kann das Konzept "Alles für Alle" nicht aufgehen. Jedoch im Gegensatz zu anderen Ländern hatte sich bisher noch kein Politiker zu einer Priorisierung medizinischer Leistungen durchringen können.

    Stattdessen führen die Kostendämpfungsmaßnahmen nur zu einem Rat Race. Wer am besten die Leistungen billiger anbieten kann, als sie vergütet werden, überlebt. Man spart entweder ein wenig an der Qualität bei der Erbringung der Leistungen, oder rechnet sie kreativ ab. Es kommt nicht mehr darauf an, wie gut eine Leistung war die erbracht wurde, oder gar ob sie überhaupt nützlich war, sondern es kommt einzig darauf an, dass sie richtig dokumentiert wurde, und abgerechnet werden konnte.

    Der Arzt, der stets für den Patienten da ist, so wie es in der Schwarzwaldklinik gezeigt wird, geht im jetzigen System pleite. Die Ärzte mit Idealen sehen es heute nicht mehr attraktiv an, als Arzt zu arbeiten. Anstatt Prof. Brinkmann ist das neue Ideal eines Arztes eher Gordon Gecko. So wie Banken "AD-Kunden" (also: alt und doof) subprime Kredite andrehten, überlebt der Arzt am besten, der am meisten einnimmt ohne viele Ausgaben zu haben.

    Wenn schon Bankberater ihren Job aufgeben, weil sie es ihrem Gewissen gegenüber nicht verantworten können, so würde ein alternatives Zulassungssystem, das auch die Sozialkompetenz prüft, nur noch sehr viel mehr Aussteiger aus der klinischen Versorgung in Deutschland produzieren.

    Die Feminisierung hat ja gerade zur jetzigen Situation beigetragen. Noch mehr Auswahl in Richtung Albert Schweitzer erhöht höchstens die Anzahl der Ärzte in Lambaréné. Die FDP wird jedoch eher den Trend zur weiteren Ökonomisierung verstärken. Philipp Rösler mag zwar Medizin studiert haben, aber noch davor war er schon FDP-Politiker. Insofern kann nicht sein, was nicht sein darf. Das einzige was die FDP gelernt hat, dass man eine erneute Heuschreckendebatte im Gesundheitswesen vermeiden sollte.

    Also keine Bange, ein paar Hochglanzbroschüren und etwas Powerpoint-Karaoke wird uns ähnlich wie das Orchester auf der Titanic den Untergang versüßen.

    Nicht nur die Autorin des Artikels sieht zwar die Fakten, erkennt jedoch nicht das Problem. Vielleicht benötigt man auch für Journalisten und Politiker ein alternatives Zulassungssystem, das auch die Kompetenz prüft?

  4. Da ja immer mehr machbar ist, kann das Konzept "Alles für Alle" nicht aufgehen. Jedoch im Gegensatz zu anderen Ländern hatte sich bisher noch kein Politiker zu einer Priorisierung medizinischer Leistungen durchringen können.

    Stattdessen führen die Kostendämpfungsmaßnahmen nur zu einem Rat Race. Wer am besten die Leistungen billiger anbieten kann, als sie vergütet werden, überlebt. Man spart entweder ein wenig an der Qualität bei der Erbringung der Leistungen, oder rechnet sie kreativ ab. Es kommt nicht mehr darauf an, wie gut eine Leistung war die erbracht wurde, oder gar ob sie überhaupt nützlich war, sondern es kommt einzig darauf an, dass sie richtig dokumentiert wurde, und abgerechnet werden konnte.

    Der Arzt, der stets für den Patienten da ist, so wie es in der Schwarzwaldklinik gezeigt wird, geht im jetzigen System pleite. Die Ärzte mit Idealen sehen es heute nicht mehr attraktiv an, als Arzt zu arbeiten. Anstatt Prof. Brinkmann ist das neue Ideal eines Arztes eher Gordon Gecko. So wie Banken "AD-Kunden" (also: alt und doof) subprime Kredite andrehten, überlebt der Arzt am besten, der am meisten einnimmt ohne viele Ausgaben zu haben.

    Wenn schon Bankberater ihren Job aufgeben, weil sie es ihrem Gewissen gegenüber nicht verantworten können, so würde ein alternatives Zulassungssystem, das auch die Sozialkompetenz prüft, nur noch sehr viel mehr Aussteiger aus der klinischen Versorgung in Deutschland produzieren.

    Die Feminisierung hat ja gerade zur jetzigen Situation beigetragen. Noch mehr Auswahl in Richtung Albert Schweitzer erhöht höchstens die Anzahl der Ärzte in Lambaréné. Die FDP wird jedoch eher den Trend zur weiteren Ökonomisierung verstärken. Philipp Rösler mag zwar Medizin studiert haben, aber noch davor war er schon FDP-Politiker. Insofern kann nicht sein, was nicht sein darf. Das einzige was die FDP gelernt hat, dass man eine erneute Heuschreckendebatte im Gesundheitswesen vermeiden sollte.

    Also keine Bange, ein paar Hochglanzbroschüren und etwas Powerpoint-Karaoke wird uns ähnlich wie das Orchester auf der Titanic den Untergang versüßen.

    Nicht nur die Autorin des Artikels sieht zwar die Fakten, erkennt jedoch nicht das Problem. Vielleicht benötigt man auch für Journalisten und Politiker ein alternatives Zulassungssystem, das auch die Kompetenz prüft?

  5. Was mitschwingt in Professor Hoppes Kommentar ist eine moralische Kritik an den Medizinstudenten: die "Elitestudenten" denken ans Geld.
    Oder denken sie vielleicht doch eher an ihre Lebensbedingungen, denn im Studium haben sie ja die "real exitierende" klinische Medizin zur Genüge besichtigen dürfen? Was die Kritik von Hoppe weiter anrüchig macht: Seit Jahren ignoriert er in Kommentaren dieser Art, daß der größte Teil der Medizinstudienplätze bereits heute nicht! nach dem Abiturdurchschnitt vergeben wird. Auch ist es eine reine Vermutung, daß überproportional viele "Jahrgangsbeste" nicht klinisch arbeiteten. Ziemlich unwissenschaftlich für einen Professor der Pathologie.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jörg-Dietrich Hoppe ist Jahrgang 1940. Bei ihm ist der Wertewandel noch nicht angekommen. Er wurde 1979 Nachfolger von Karsten Vilmar, der durch das sozialverträgliche Frühableben bekannt wurde.

    Früher galt noch die Eminenzbasierte Medizin. Dort hatten sich Strukturen gehalten, die selbst im Militär aus dem sie entstammten, nicht mehr vorkamen. Damals hatte noch der Halbgott in Weiß bestimmt was gemacht wird. Heute hat ein Chefarzt nichts mehr zu sagen. Privatliqidationen bekommt er nicht mehr, und er muss sich regelmäßig für jede Ausgabe oder Mindereinnahme vor der Verwaltung rechtfertigen.

    Früher gab es zwei Gründe warum man ohne Widerworte viel arbeitete: Einerseits konnte man sich für eine lukrative Position qualifizieren. Andererseits war ohne diese evidenzbasierte Medizin immer genau klar was genau man machen musste, und man war im Glauben das jeweils Beste für den Patienten zu tun.

    Behandlungsfehler waren damals kein Thema. Anstatt Bettenabbau wurden Krankenhäuser gebaut und erweitert.

    So schreibt die FAZ: In den siebziger Jahren gab es für Leistungen bei gesetzlich Versicherten keine Kostenbegrenzung, also keinen Deckel, kein Budget. Wenn ein Arzt viel arbeitete, dann verdiente er auch viel. Der Nimbus des allzeit bereiten Helfers in Weiß speiste sich aus realer Anschauung. Viele Kollegen, gerade auf dem Land, waren rund um die Uhr für ihre zahlreichen Patienten da. Da war der Doktor aber auch noch wer. Kam er zum Hausbesuch zu Schlaukötters ins westfälische Ochtrup, warteten auf ihn nicht nur sämtliche Medikamentenpackungen der letzten Wochen zur braven Ansicht noch braveren Einnahmeverhaltens, nein, es wartete auch immer eine Kanne Kaffee und ein Heer selbstgebackener Plätzchen auf ihn.

    Kam er in die Dorfkneipe, gab es das Bier umsonst, man war ja so stolz, den Doktor als Gast zu begrüßen. War an den einschlägigen Hausbesuchstagen mittwochs und freitags nachmittags die lange Reise spätabends irgendwann beendet, quoll das Auto vor heimischen Spezerei-Geschenken nur so über. Diese Situation der Ärzte, pekuniär und imagebezogen, brach dann stetig ein. Das Einkommen, das Einnehmen von Ansehen und Respekt und das Einssein mit den Patienten.

    Heute erkennen Ärzte, dass ihr Helfersyndrom schamlos ausgebeutet wird. Es führt nur zum Burnout-Syndrom oder bei niedergelassenen Ärzten zur Pleite.

    Entweder man betreibt gute Medizin und ist arm, oder man verkauft IGeL und zieht aus Problemkiezen zu den privat versicherten Patienten.

    Der gesetzlich versicherte Patient bekommt keinen Termin, und der privat versicherte Patient bekommt Leistungen aufgeschwatzt. Der Arzt verkauft entweder seine ethischen Ansprüche, oder geht pleite.

    Genau diese Situation ist politisch so gewollt und geplant worden. Politiker spielen laut "divide et impera" die jeweiligen Gruppen gegeneinander aus.

    Nur wer die entsprechenden Konsequenzen zieht handelt moralisch. Wer in diesem System mit macht, unterstüzt das unmoralische Vorgehen der Politiker.

    In Deutschland werden 60% der Medizinstudienplätze über das so genannte AdH(Auswahlverfahren d. Hochschule) vergeben und fallen somit nicht in die Kategorie "Bestenquote". Was viele allerdings nicht wissen ist, dass das AdH in den meisten Fällen auch einfach einem NC entspricht und andere Kriterien wie z.B. eine abgeschlossene Berufsausbildung, z.B. zur Krankenschwester, oder aber außerschulisches Engagement nur selten Berücksichtigung finden und wenn sie das tun, dann auch nur in einem sehr beschränkten Umfang. Wenn ich also merke, dass ich Menschen helfen möchte und mich daher zu einem Studium der Medizin entscheide, meine Abinote aber nur z.B. 2,5 ist, so bringt mir i.d.R. auch eine anschließend abgeschlossene Berufsausbildung herzlich wenig, denn der Bonus, der auch nur von wenigen Unis dafür vergeben wird, ist meines Wissens nach an keiner Hochschule höher als 0,2, d.h. meine Abinote wäre für meine Bewerbung 2,3, womit ich sicherlich auch keinen Studienplatz bekomme und somit die vollen 12(!) Wartesemester absitzen muss und mal ehrlich, das kann doch nicht der Sinn der Sache sein, das kann man von keinem angehenden Arzt erwarten. Ein anderes Auswahlverfahren muss her!
    Nichts desto trotz denke Ich, dass der wahre Grund für den Ärztemangel wohl in den schlechten Arbeitsbedingungen liegt und auch hier in sehr absehbarer Zukunft etwas geändert werden muss! Theoretisch gibt es ja genug Absolventen, nur verschlägt es die gern ins Ausland, in die Forschung und und und...

    Jörg-Dietrich Hoppe ist Jahrgang 1940. Bei ihm ist der Wertewandel noch nicht angekommen. Er wurde 1979 Nachfolger von Karsten Vilmar, der durch das sozialverträgliche Frühableben bekannt wurde.

    Früher galt noch die Eminenzbasierte Medizin. Dort hatten sich Strukturen gehalten, die selbst im Militär aus dem sie entstammten, nicht mehr vorkamen. Damals hatte noch der Halbgott in Weiß bestimmt was gemacht wird. Heute hat ein Chefarzt nichts mehr zu sagen. Privatliqidationen bekommt er nicht mehr, und er muss sich regelmäßig für jede Ausgabe oder Mindereinnahme vor der Verwaltung rechtfertigen.

    Früher gab es zwei Gründe warum man ohne Widerworte viel arbeitete: Einerseits konnte man sich für eine lukrative Position qualifizieren. Andererseits war ohne diese evidenzbasierte Medizin immer genau klar was genau man machen musste, und man war im Glauben das jeweils Beste für den Patienten zu tun.

    Behandlungsfehler waren damals kein Thema. Anstatt Bettenabbau wurden Krankenhäuser gebaut und erweitert.

    So schreibt die FAZ: In den siebziger Jahren gab es für Leistungen bei gesetzlich Versicherten keine Kostenbegrenzung, also keinen Deckel, kein Budget. Wenn ein Arzt viel arbeitete, dann verdiente er auch viel. Der Nimbus des allzeit bereiten Helfers in Weiß speiste sich aus realer Anschauung. Viele Kollegen, gerade auf dem Land, waren rund um die Uhr für ihre zahlreichen Patienten da. Da war der Doktor aber auch noch wer. Kam er zum Hausbesuch zu Schlaukötters ins westfälische Ochtrup, warteten auf ihn nicht nur sämtliche Medikamentenpackungen der letzten Wochen zur braven Ansicht noch braveren Einnahmeverhaltens, nein, es wartete auch immer eine Kanne Kaffee und ein Heer selbstgebackener Plätzchen auf ihn.

    Kam er in die Dorfkneipe, gab es das Bier umsonst, man war ja so stolz, den Doktor als Gast zu begrüßen. War an den einschlägigen Hausbesuchstagen mittwochs und freitags nachmittags die lange Reise spätabends irgendwann beendet, quoll das Auto vor heimischen Spezerei-Geschenken nur so über. Diese Situation der Ärzte, pekuniär und imagebezogen, brach dann stetig ein. Das Einkommen, das Einnehmen von Ansehen und Respekt und das Einssein mit den Patienten.

    Heute erkennen Ärzte, dass ihr Helfersyndrom schamlos ausgebeutet wird. Es führt nur zum Burnout-Syndrom oder bei niedergelassenen Ärzten zur Pleite.

    Entweder man betreibt gute Medizin und ist arm, oder man verkauft IGeL und zieht aus Problemkiezen zu den privat versicherten Patienten.

    Der gesetzlich versicherte Patient bekommt keinen Termin, und der privat versicherte Patient bekommt Leistungen aufgeschwatzt. Der Arzt verkauft entweder seine ethischen Ansprüche, oder geht pleite.

    Genau diese Situation ist politisch so gewollt und geplant worden. Politiker spielen laut "divide et impera" die jeweiligen Gruppen gegeneinander aus.

    Nur wer die entsprechenden Konsequenzen zieht handelt moralisch. Wer in diesem System mit macht, unterstüzt das unmoralische Vorgehen der Politiker.

    In Deutschland werden 60% der Medizinstudienplätze über das so genannte AdH(Auswahlverfahren d. Hochschule) vergeben und fallen somit nicht in die Kategorie "Bestenquote". Was viele allerdings nicht wissen ist, dass das AdH in den meisten Fällen auch einfach einem NC entspricht und andere Kriterien wie z.B. eine abgeschlossene Berufsausbildung, z.B. zur Krankenschwester, oder aber außerschulisches Engagement nur selten Berücksichtigung finden und wenn sie das tun, dann auch nur in einem sehr beschränkten Umfang. Wenn ich also merke, dass ich Menschen helfen möchte und mich daher zu einem Studium der Medizin entscheide, meine Abinote aber nur z.B. 2,5 ist, so bringt mir i.d.R. auch eine anschließend abgeschlossene Berufsausbildung herzlich wenig, denn der Bonus, der auch nur von wenigen Unis dafür vergeben wird, ist meines Wissens nach an keiner Hochschule höher als 0,2, d.h. meine Abinote wäre für meine Bewerbung 2,3, womit ich sicherlich auch keinen Studienplatz bekomme und somit die vollen 12(!) Wartesemester absitzen muss und mal ehrlich, das kann doch nicht der Sinn der Sache sein, das kann man von keinem angehenden Arzt erwarten. Ein anderes Auswahlverfahren muss her!
    Nichts desto trotz denke Ich, dass der wahre Grund für den Ärztemangel wohl in den schlechten Arbeitsbedingungen liegt und auch hier in sehr absehbarer Zukunft etwas geändert werden muss! Theoretisch gibt es ja genug Absolventen, nur verschlägt es die gern ins Ausland, in die Forschung und und und...

  6. Jörg-Dietrich Hoppe ist Jahrgang 1940. Bei ihm ist der Wertewandel noch nicht angekommen. Er wurde 1979 Nachfolger von Karsten Vilmar, der durch das sozialverträgliche Frühableben bekannt wurde.

    Früher galt noch die Eminenzbasierte Medizin. Dort hatten sich Strukturen gehalten, die selbst im Militär aus dem sie entstammten, nicht mehr vorkamen. Damals hatte noch der Halbgott in Weiß bestimmt was gemacht wird. Heute hat ein Chefarzt nichts mehr zu sagen. Privatliqidationen bekommt er nicht mehr, und er muss sich regelmäßig für jede Ausgabe oder Mindereinnahme vor der Verwaltung rechtfertigen.

    Früher gab es zwei Gründe warum man ohne Widerworte viel arbeitete: Einerseits konnte man sich für eine lukrative Position qualifizieren. Andererseits war ohne diese evidenzbasierte Medizin immer genau klar was genau man machen musste, und man war im Glauben das jeweils Beste für den Patienten zu tun.

    Behandlungsfehler waren damals kein Thema. Anstatt Bettenabbau wurden Krankenhäuser gebaut und erweitert.

    So schreibt die FAZ: In den siebziger Jahren gab es für Leistungen bei gesetzlich Versicherten keine Kostenbegrenzung, also keinen Deckel, kein Budget. Wenn ein Arzt viel arbeitete, dann verdiente er auch viel. Der Nimbus des allzeit bereiten Helfers in Weiß speiste sich aus realer Anschauung. Viele Kollegen, gerade auf dem Land, waren rund um die Uhr für ihre zahlreichen Patienten da. Da war der Doktor aber auch noch wer. Kam er zum Hausbesuch zu Schlaukötters ins westfälische Ochtrup, warteten auf ihn nicht nur sämtliche Medikamentenpackungen der letzten Wochen zur braven Ansicht noch braveren Einnahmeverhaltens, nein, es wartete auch immer eine Kanne Kaffee und ein Heer selbstgebackener Plätzchen auf ihn.

    Kam er in die Dorfkneipe, gab es das Bier umsonst, man war ja so stolz, den Doktor als Gast zu begrüßen. War an den einschlägigen Hausbesuchstagen mittwochs und freitags nachmittags die lange Reise spätabends irgendwann beendet, quoll das Auto vor heimischen Spezerei-Geschenken nur so über. Diese Situation der Ärzte, pekuniär und imagebezogen, brach dann stetig ein. Das Einkommen, das Einnehmen von Ansehen und Respekt und das Einssein mit den Patienten.

    Heute erkennen Ärzte, dass ihr Helfersyndrom schamlos ausgebeutet wird. Es führt nur zum Burnout-Syndrom oder bei niedergelassenen Ärzten zur Pleite.

    Entweder man betreibt gute Medizin und ist arm, oder man verkauft IGeL und zieht aus Problemkiezen zu den privat versicherten Patienten.

    Der gesetzlich versicherte Patient bekommt keinen Termin, und der privat versicherte Patient bekommt Leistungen aufgeschwatzt. Der Arzt verkauft entweder seine ethischen Ansprüche, oder geht pleite.

    Genau diese Situation ist politisch so gewollt und geplant worden. Politiker spielen laut "divide et impera" die jeweiligen Gruppen gegeneinander aus.

    Nur wer die entsprechenden Konsequenzen zieht handelt moralisch. Wer in diesem System mit macht, unterstüzt das unmoralische Vorgehen der Politiker.

    Antwort auf "Hoppes verquere Logik"
  7. Was in dem Artikel ebenfalls nicht erwähnt wird, ist dass dieses Honorararztsystem durch angestellte Ärzte - ich denke hier vorrangig und exemplarisch an Oberärzte in der Anästhesie - selbst folgendermaßen benutzt werden kann: Man reduziert seine Arbeitszeit am eigenen Krankenhaus auf 80% und arbeitet dann regelmäßig als Honorararzt an anderen Kliniken, wo man in einer Woche ungefähr soviel verdienen kann, wie in einem Monat am eigenen Krankenhaus. Dieses wiederum ist durch die verkürzte Arbeitszeit seiner eigenen Ärzte dazu gezwungen, Honorarärzte anzustellen, um den "Ärztemangel" auzugleichen. Wenn sich mehrere angestellte Ärzte verschiedener Krankenhäuser zusammentun, kann man ein "interessantes" und (wohl) legales System schaffen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Pervers ist nicht das Vorgehen der Ärzte, sondern das Vorgehen der Politik.

    Der Arzt muss als Nachteil ständiges Herumreisen und ständiges neu Eingewöhnen in Kauf nehmen. Viele Ärzte machen es deshalb auch nur für einen bestimmten Zeitraum.

    Auch für die Patienten ist es vom Nachteil: Der Arzt ist mit den Strukturen nicht so vetraut. Man weiss nicht was es gibt, und wo man es findet, und kennt auch die Leute, die einen unterstützen können nicht.

    Häufig decken die Freelancer deshalb auch eher nicht die Dienste ab, bzw. man überlässt die komplizierteren Dinge eher den festangestellten Ärzten. Dadurch steigt die Belastung dieser Ärzte noch weiter.

    Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz wurde durch Hartz geändert. Sprich die jetzige Situation ist von der Politik so gewünscht und geplant worden.

    Einen Ärztemangel gibt es natürlich nicht. Das ist ein Irrlicht der Politik. Glücklicherweise verhinderte bisher das fehlende Geld die Ärzteschwemme noch weiter auszudehnen. Wie man am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sehen konnte, hatte man den notwendigen Abbau von teuren Medizinstudienplätzen jedoch noch einmal abgewendet.

    So finanziert weiterhin der Steuerzahler Ärzte, die für das Ausland ausgebildet werden, und Mütter, die nach der Babypause ihre medizinischen Kenntnisse alleine zu Hause zur Anwendung bringen.

    Aber nur durch ständig nachproduzierte Mediziner auf dem Arbeitsmarkt sind solche irrwitzigen Konstruktionen, dass ein Arzt weniger arbeitet, um mehr zu verdienen, aufrecht zu erhalten.

    Der einzige Profiteur ist der Gesundheitspolitiker. Er vermeidet, was andere Länder schon längst betreiben: Eine Priorisierung medizinischer Leistungen

    Der Wähler hat keine Alternative. Ob Ulla Schmidt oder Philipp Rösler, gegensätzlicher könnte der Hintergrund der beiden Politiker nicht sein. Trotzdem kommt bei beiden Murks heraus.

    Denn Politik ist die Ignorierung der Realität. Man ersetzt diese durch Ideologie.

    Pervers ist nicht das Vorgehen der Ärzte, sondern das Vorgehen der Politik.

    Der Arzt muss als Nachteil ständiges Herumreisen und ständiges neu Eingewöhnen in Kauf nehmen. Viele Ärzte machen es deshalb auch nur für einen bestimmten Zeitraum.

    Auch für die Patienten ist es vom Nachteil: Der Arzt ist mit den Strukturen nicht so vetraut. Man weiss nicht was es gibt, und wo man es findet, und kennt auch die Leute, die einen unterstützen können nicht.

    Häufig decken die Freelancer deshalb auch eher nicht die Dienste ab, bzw. man überlässt die komplizierteren Dinge eher den festangestellten Ärzten. Dadurch steigt die Belastung dieser Ärzte noch weiter.

    Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz wurde durch Hartz geändert. Sprich die jetzige Situation ist von der Politik so gewünscht und geplant worden.

    Einen Ärztemangel gibt es natürlich nicht. Das ist ein Irrlicht der Politik. Glücklicherweise verhinderte bisher das fehlende Geld die Ärzteschwemme noch weiter auszudehnen. Wie man am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sehen konnte, hatte man den notwendigen Abbau von teuren Medizinstudienplätzen jedoch noch einmal abgewendet.

    So finanziert weiterhin der Steuerzahler Ärzte, die für das Ausland ausgebildet werden, und Mütter, die nach der Babypause ihre medizinischen Kenntnisse alleine zu Hause zur Anwendung bringen.

    Aber nur durch ständig nachproduzierte Mediziner auf dem Arbeitsmarkt sind solche irrwitzigen Konstruktionen, dass ein Arzt weniger arbeitet, um mehr zu verdienen, aufrecht zu erhalten.

    Der einzige Profiteur ist der Gesundheitspolitiker. Er vermeidet, was andere Länder schon längst betreiben: Eine Priorisierung medizinischer Leistungen

    Der Wähler hat keine Alternative. Ob Ulla Schmidt oder Philipp Rösler, gegensätzlicher könnte der Hintergrund der beiden Politiker nicht sein. Trotzdem kommt bei beiden Murks heraus.

    Denn Politik ist die Ignorierung der Realität. Man ersetzt diese durch Ideologie.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service