ZEITmagazin: Sie nennen ihn wirklich Trompetendoktor?

Brönner: Ja, und dieser Mann hat mir innerhalb von drei Minuten gesagt, was mein Problem ist, ganz einfach und so klar, dass ich wie festgenagelt auf meinem Stuhl saß und dachte, das kann ja jetzt alles gar nicht wahr sein.

ZEITmagazin: Wie konnte der Trompetendoktor helfen?

Brönner: Er hat gesagt, ich sei wie ein Junkie, der sich an das Falsche gewöhnt hat. Das Gehirn arbeitet so, dass es sich die Position, die man eingeübt hat, immer merkt und sagt, hier fühlt es sich richtig an. Auch wenn es völlig falsch ist. Professor Burba sagte, ich müsse die Atmung kontrollieren, die Zunge, die Muskeln trainieren, die Binnenspannung der Lippen. Das sieht ganz komisch aus, wenn ich Ihnen das vormache, wie ein rüsselndes kleines Kaninchen. Er sagte zu mir: »Wir üben das jetzt ein Jahr, dann kommt der Moment, wo du deinen Ansatz umstellst.« Das war die härteste Zeit meines Lebens. Ich wusste nicht, ob ich es schaffen würde.

ZEITmagazin: Ihr Erfolg beweist: Sie haben es geschafft.

Brönner: Ja, der Mann hat recht behalten, und ich bin seitdem konstant mit jedem Tag, an dem ich geübt habe, besser geworden. Ich musste zwar wieder bei null anfangen, das Trompetenspielen auf eine Art völlig neu erlernen.

ZEITmagazin: Jetzt steuern Sie Ihre Energie?

Brönner: Ja, aber ich bin fast so was wie ein trockener Alkoholiker, weil immer die Gefahr besteht, dass ich in die alte Technik zurückfalle. Ich habe einen Taschenspiegel dabei, mit dem ich immer wieder beim Spielen kontrolliere, an welcher Stelle ich ansetze. Und heute, und das ist eigentlich ein schöner Abschluss dieser Geschichte, heute bin ich Professor in Dresden für Jazztrompete und teile mir diese Professur mit dem Mann, der mir damals das Leben gerettet hat.

Das Gespräch führte Louis Lewitan