Besuch bei Karadžić Eskort-Service
Warum besucht ein Suhrkamp-Lektor einen Massenmörder?
Die Geschichte ist nicht neu, aber nun ist sie amtlich: Peter Handke , der empfindsamste Schriftsteller deutscher Zunge, ist im Dezember 1996 losgezogen, um den Kriegsverbrecher Radovan Karadžić zu treffen. Wie der Handke-Biograf Malte Herwig bestätigt , trafen sich die beiden in einer »windschiefen Baracke« in den Bergen von Pale, kurz bevor der »Serbenhäuptling« (Handke) als Wunderheiler Dr. Dabić untertauchte. Handke überreichte seine Reportage Winterliche Reise, Karadžić revanchierte sich mit Heimatlyrik aus eigener Herstellung. Dann, so Herwig, habe Handke seinem Gastgeber eine Liste mit vermissten Bosniern überreicht und Auskunft über deren Verbleib verlangt.
Als Handke der Einladung nach Pale folgte, lag das Massaker von Srebrenica anderthalb Jahre zurück. Im Sommer 1996, also einige Monate vor dem Besuch, hatte das UN-Kriegsverbrechertribunal Haftbefehl gegen Karadžić erlassen und ihn wegen der Ermordung von 7800 bosnischen Muslimen des Völkermords angeklagt. Der Genozid von Srebrenica konnte Handke, der in seinen Büchern die Steine weinen hört, bekanntlich nicht von seiner rätselhaften Liebe zum serbischen Nationalismus abbringen. Als Slobodan Milošević starb, reiste er zu seiner Beisetzung und sprach am Grab freundliche Worte.
Der Schriftsteller Norbert Gstrein hat Handkes Besuch in Pale bereits vor zwei Jahren im Magazin Volltext ausgeplaudert und beiläufig erwähnt, ein Mitarbeiter des Suhrkamp Verlages , nämlich der Cheflektor Raimund Fellinger, habe den Dichter auf seiner Reise zum mutmaßlichen Massenmörder Karadžić begleitet. Da der Verlag Gstreins Darstellung bestätigt, darf man sich das teuflische Idyll in den Bergen oberhalb von Sarajewo ruhig einmal ausmalen: Ein Vertreter des weltberühmten Suhrkamp Verlages stapft klandestin durch den Schnee und erhält Audienz bei einem per Haftbefehl gesuchten Verbrecher. Der Gastgeber schenkt serbischen Pflaumenschnaps aus, womöglich das gleiche Getränk, das Karadžić dem niederländischen UN-Kommandeur Karremans in Srebrenica spendierte, bevor die Einwohner zur Exekution zusammengetrieben wurden. Dann der Höhepunkt des konspirativen Treffens: Der Lektor und sein Autor, so erzählt Gstrein, erhalten aus der Hand von Karadžić den Verdienstorden der ethnisch gesäuberten »Republika Srpska«.
Dass ein Suhrkamp-Lektor einen Staatsterroristen durch seinen Besuch beehrt, hätte in politisch unruhigeren Zeiten den Verlag in Stücke gelegt. Tatsächlich brennt der Eskort-Service des »Suhrkamp-Angestellten« (Herwig) einen schwarzen Flecken ins strahlende Weiß der Verlagsgeschichte. Kein anderes Verlagshaus hat dem Universalismus der Menschenrechte so profunde Studien gewidmet; kein anderes trägt die Fackel der Aufklärung (»Adorno!«) derart siegessicher durchs Gelände wie Suhrkamp. So hat man wieder etwas gelernt. Die Dialektik der Aufklärung besteht nicht darin, dass sie ins Gegenteil umschlägt; sie besteht darin, dass sie zur Marke wird. Ihre Prinzipien werden verraten, aber das Label klebt noch dran.
- Datum 04.11.2010 - 15:32 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 4.11.2010 Nr. 45
- Kommentare 27
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Es würde mich schon interessieren, zu welchen tieferen Erkenntnissen die Herren Handke und Fellinger im Gespräch mit einem (berühmten!) Massenmörder gekommen sind...
Sollte diese Geschmacklosigkeit in irgendeiner Form nutzbringend für die Menschheit sein oder ging es vielmehr um die Befriedigung einer persönlichen Neugier und Lust am Schauerlichen ?
Wenn ich mich nicht irre, hat Handke dort sogar ein persönliches Anliegen vorgebracht, wie rührend !
Lieber Herrr Assheuer,
präziser kann man ein Sachverhalt nicht auf den Punkt bringen!
Hut ab!!!
Wie gehabt, Halbwahrheiten ueber ein Genozid (hoffentlich werde ich nicht oeffentlich Verbrannt fuer diese Behauptung) und natuerlich das ganze Flire Franz drum herum...Bravo Zeit!
Liebe Zeitredakteure, ein wenig mehr Recherche im journalistischen Sinne wuerde Euch vielleicht hoehere Verkaufs (mittlerweile Anklick-) zahlen bescheren. Oder passen Sie sich dem Niveu des durchschnittlichen BRD- Medienkonsumenten an in der Hoffnung damit ganz vorne mitzuschwimmen. Recht haben Sie, weiter so...
Sie müssten schon auf die konkreten Aussagen mit konkreten Gegenargumenten eingehen, sonst ist Ihre Wortmeldung für Ihr eigenes Anliegen eher kontraproduktiv.
Damit möchte ich nicht sagen, dass Ihre Kritik grundsätzlich fehl am Platz ist, eher im Gegenteil: der sorglose Umgang mit halbgarer Information und Spielerei mit vermeintlichen Gewissheiten der Balkankriege ist der Presse deutlich zu entnehmen, zu allem Überfluss sogar von Unstimmigkeiten zwischen den immer reißerischer werdenden Überschriften und den Textinhalten begleitet.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die als geschichtsrevisionistisch verstanden werden können. Danke. Die Redaktion/ag
Sie müssten schon auf die konkreten Aussagen mit konkreten Gegenargumenten eingehen, sonst ist Ihre Wortmeldung für Ihr eigenes Anliegen eher kontraproduktiv.
Damit möchte ich nicht sagen, dass Ihre Kritik grundsätzlich fehl am Platz ist, eher im Gegenteil: der sorglose Umgang mit halbgarer Information und Spielerei mit vermeintlichen Gewissheiten der Balkankriege ist der Presse deutlich zu entnehmen, zu allem Überfluss sogar von Unstimmigkeiten zwischen den immer reißerischer werdenden Überschriften und den Textinhalten begleitet.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die als geschichtsrevisionistisch verstanden werden können. Danke. Die Redaktion/ag
Ja, das war taktlos und effekthascherisch.
Nein, Suhrkamp war mal wichtig. Heute verehrt doch allenfalls Die ZEIT Suhrkamp als etwas, das es eventuell nie war oder nie wieder sein wird. Letzteres ist im übrigen gut an Literatur- und Autorenbesprechungen abzulesen.
Und wer die Wissenschaft ernst nimmt, tut gut daran wo anders zu veröffentlichen.
Man fragt sich als Mensch, dann auch nach dem Sinn dieser Zusammenkunft und ferner ob Herr Handke dann auch mal die Stelle besucht hat, an der die Schergen wüteten.
Hat er für die erbärmlich Ermordeten denn auch Worte gefunden? Wenn man am Grab eines Verantwortlichen, und das war Milošević, so warme Worte findet und Gewalt und Kriegsreiberei ausblendet, dann hat man wohl eh sein Gewissen verspielt...
Also Hanke dann rahm mal Deinen Orden aus den Händen eines Kriegsverbrechers, und Suhrkamp hätte sich sehr deutlich distanzieren müssen und können.
Eine übergebene Liste mit vermissten Bosniern rechtfertigt weder den Besuch, noch die Annahme eines Ordens (gut, viellicht im Augenblick, aber an der Grenze hätte man ihn wegwerfen müssen) und schon gar nicht eine persönliche Annäherung an einen einfachen Mörder, der aus niederen ethnischen Motiven Männer,Frauen und Kinder hinrichten lässt.
@SaffaBoy: Haben Sie eigene Erkenntnisse über die Verbrechen? Ich denke es ist objektiv historisch belegt und hier wurden auch keine Halbwahrheiten verbreitet. Aber viel. kennen Sie ja eins der 7800 Opfer, das Ihnen sagt "So schlimm wars nicht"....
Ich fühle mich als Leser des Artikels jedenfalls informiert und das in guter journalistischer Sprache. Die Frage ist gestellt, antworten kann nur Herr Handke und sein Lektor....
mehr auf der Hand, als Ihr Gefühl. Und dieses ist durch Aufnahme von dargebotenen Inhalten so entstanden. Es ist unheimlich schwierig, sich genau diesem einen Sog der Massenmedien ganz bewusst zu entziehen, und der Frage zu stellen: was weiß ich wirklich darüber?
Anscheinend hat Handke genau das bewegt; er wollte selber erkunden, was da unten los war. Warum? Weil ihm das vermittelte Bild viel zu schlicht und viel zu Western-mäßig war: hier die Guten, die sog. Unterdrückten, da die Häscher, die Bösen, die über die Ersterwähnten herfielen. Die einen begannen Kriegsverbrechen, die anderen wiederum ließen sich nur hilflos abschlachten und taten ihrerseits nichts Böses.
Und noch was: während ihn hier die Rotationspresse in regelmäßigen Abständen auf´s Neue exekutierte, tat er nämlich genau DAS, was keiner der Guten und Selbstgerechten von der Presse oder unter seinen Kollegen tat: er begab sich - nicht ganz ohne eine gewisse Naivität - persönlich in die Höhle des Löwen. Ob er da einen lächerlichen Orden bekam oder nicht, und ob er eine von Trotz (siehe oben) bewegte Rede am Grabe von Milosevic hielt oder nicht, das ist m.E. sekundär. Denn er wagte es tatsächlich, die Liste mit den Verschwundenen persönlich zu überreichen. Mit Verlaub - das hätte auch für ihn selbst ganz anders enden können.
Genau DAS hat keiner der Assheuer u.Co. je gewagt. Denn es ist so gemütlich im eigenen Wohnzimmer von CNN und FoxNews über BBC nach ARD herum zu zappen, "im Internet zu recherchieren" und sich auf DER (armen) Basis ein Bild vom Geschehen auftischen zu lassen.
Abgesehen davon: Srebrenica war ein Verbrechen in einem fürchterlichen, gnadenlosen Krieg, in dem es mehrere ähnliche Verbrechen in unterschiedlicher Ausprägung gab. Hoffentlich werden sie alle eines Tages die Chance bekommen, medial wie juristisch aufgearbeitet zu werden. Und da werden nicht nur die Balkanesen in den Spiegel schauen müssen.
mehr auf der Hand, als Ihr Gefühl. Und dieses ist durch Aufnahme von dargebotenen Inhalten so entstanden. Es ist unheimlich schwierig, sich genau diesem einen Sog der Massenmedien ganz bewusst zu entziehen, und der Frage zu stellen: was weiß ich wirklich darüber?
Anscheinend hat Handke genau das bewegt; er wollte selber erkunden, was da unten los war. Warum? Weil ihm das vermittelte Bild viel zu schlicht und viel zu Western-mäßig war: hier die Guten, die sog. Unterdrückten, da die Häscher, die Bösen, die über die Ersterwähnten herfielen. Die einen begannen Kriegsverbrechen, die anderen wiederum ließen sich nur hilflos abschlachten und taten ihrerseits nichts Böses.
Und noch was: während ihn hier die Rotationspresse in regelmäßigen Abständen auf´s Neue exekutierte, tat er nämlich genau DAS, was keiner der Guten und Selbstgerechten von der Presse oder unter seinen Kollegen tat: er begab sich - nicht ganz ohne eine gewisse Naivität - persönlich in die Höhle des Löwen. Ob er da einen lächerlichen Orden bekam oder nicht, und ob er eine von Trotz (siehe oben) bewegte Rede am Grabe von Milosevic hielt oder nicht, das ist m.E. sekundär. Denn er wagte es tatsächlich, die Liste mit den Verschwundenen persönlich zu überreichen. Mit Verlaub - das hätte auch für ihn selbst ganz anders enden können.
Genau DAS hat keiner der Assheuer u.Co. je gewagt. Denn es ist so gemütlich im eigenen Wohnzimmer von CNN und FoxNews über BBC nach ARD herum zu zappen, "im Internet zu recherchieren" und sich auf DER (armen) Basis ein Bild vom Geschehen auftischen zu lassen.
Abgesehen davon: Srebrenica war ein Verbrechen in einem fürchterlichen, gnadenlosen Krieg, in dem es mehrere ähnliche Verbrechen in unterschiedlicher Ausprägung gab. Hoffentlich werden sie alle eines Tages die Chance bekommen, medial wie juristisch aufgearbeitet zu werden. Und da werden nicht nur die Balkanesen in den Spiegel schauen müssen.
Sie müssten schon auf die konkreten Aussagen mit konkreten Gegenargumenten eingehen, sonst ist Ihre Wortmeldung für Ihr eigenes Anliegen eher kontraproduktiv.
Damit möchte ich nicht sagen, dass Ihre Kritik grundsätzlich fehl am Platz ist, eher im Gegenteil: der sorglose Umgang mit halbgarer Information und Spielerei mit vermeintlichen Gewissheiten der Balkankriege ist der Presse deutlich zu entnehmen, zu allem Überfluss sogar von Unstimmigkeiten zwischen den immer reißerischer werdenden Überschriften und den Textinhalten begleitet.
Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag
Beweispflicht beim Kläger?
Wie tief kann man als Mensch eigentlich sinken wenn man Massenmorde aus niederen Beweggründen relativiert oder gar rechtfertigt und der "bösen" Presse und den dabei als Zeugen vor Ort hilflosen holl. UN-Soldaten Lügen anheim stellt?
Beweise gibt es genug: Augenzeugen und tausende Leichen! Reicht Ihnen das?
Was Sie hier äußern ist eine Frechheit gegenüber den Opfern dieser Exekution! Sie sollten sich wirklich fragen was Ihre Äußerungen bei Überlebenden und Angehörigen anrichten!
Ich falle als Student auch nicht auf Ihre Provokation rein, Sie dürften mich auch gar nicht "belehren", denn Rattenfänger gibt es genug!
Dann Ihre unerträgliche menschenfeindliche These man müsse "Gleiches mit Gleichem" vergelten... und dann soll man auch nicht "böse oder traurig" sein...
Dann buddeln Sie doch mal Kinderleichen mit Schusswunden aus! Oder sagen Sie doch mal den Angehörigen dass es kein Mord war...
Ich halte Ihre Aussagen im Übrigen für rechtlich mehr als bedenklich, Sie bewegen sich dort auf mehr als dünnen Eis!
Beweispflicht beim Kläger?
Wie tief kann man als Mensch eigentlich sinken wenn man Massenmorde aus niederen Beweggründen relativiert oder gar rechtfertigt und der "bösen" Presse und den dabei als Zeugen vor Ort hilflosen holl. UN-Soldaten Lügen anheim stellt?
Beweise gibt es genug: Augenzeugen und tausende Leichen! Reicht Ihnen das?
Was Sie hier äußern ist eine Frechheit gegenüber den Opfern dieser Exekution! Sie sollten sich wirklich fragen was Ihre Äußerungen bei Überlebenden und Angehörigen anrichten!
Ich falle als Student auch nicht auf Ihre Provokation rein, Sie dürften mich auch gar nicht "belehren", denn Rattenfänger gibt es genug!
Dann Ihre unerträgliche menschenfeindliche These man müsse "Gleiches mit Gleichem" vergelten... und dann soll man auch nicht "böse oder traurig" sein...
Dann buddeln Sie doch mal Kinderleichen mit Schusswunden aus! Oder sagen Sie doch mal den Angehörigen dass es kein Mord war...
Ich halte Ihre Aussagen im Übrigen für rechtlich mehr als bedenklich, Sie bewegen sich dort auf mehr als dünnen Eis!
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die als geschichtsrevisionistisch verstanden werden können. Danke. Die Redaktion/ag
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