Terrorismus Es liegt was in der Luft

Sprengstoffpakete in Frachtflugzeugen – wie sicher können wir uns fühlen?

Jemenitisches Militär vor einer UPS-Filliale in Sanaa

Jemenitisches Militär vor einer UPS-Filliale in Sanaa

Ist der verhinderte Terroranschlag ein Erfolg für die Sicherheitsbehörden?

Jeden Tag werden etwa 9000 Tonnen Luftfracht in die USA und aus dem Land geflogen. Dass Ermittler aus dieser gewaltigen Menge genau jene beiden Sendungen herausfischen konnten, in denen sich Sprengstoff befand, ist ein Beispiel geglückter Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus. Es zeigt, wie wichtig die internationale Kooperation ist. Und auch, wie entscheidend die sogenannte HumInt ist, die Informationsgewinnung, die auf menschliche Quellen (»Human Intelligence«) anstatt auf Technik setzt. Nur so konnte der Sprengstoff, den kein Spürhund riechen kann, geortet werden.

Der entscheidende Hinweis kam vom saudi-arabischen Geheimdienst GID. Gegen halb fünf Uhr früh Ortszeit bat der Dienst den deutschen Kontaktbeamten des Bundeskriminalamts (BKA) am vergangenen Freitag in der Hauptstadt Riad dringend um ein Treffen. Gut eine Stunde später gab der BKA-Beamte die alarmierende Nachricht an das Lagezentrum in Berlin weiter, dass eine Bombe im UPS-Flug 0232 über Deutschland in Richtung USA unterwegs sei . Der GID gab die brisante Meldung auch an die USA, die Deutschland und Großbritannien informierten.

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Der Vorfall zeigt, dass die internationale Sicherheitskooperation weit besser funktioniert als vor einem Dreivierteljahr. Weihnachten 2009 gelang es einem gebürtigen Nigerianer mit derselben Art von Sprengstoff in der Unterhose, wie er jetzt in den Paketen gefunden wurde, an Bord eines Flugzeugs in die USA zu steigen. Amerikanische Dienste verfügten eigentlich über alle Informationen, den Attentäter vorab zu fassen – wie sie hinterher einräumten.

Doch auch im aktuellen Fall gab es Pannen. Der Kontaktbeamte der Briten in Riad soll ebenfalls informiert worden sein, gab die Meldung aber nicht in die Heimat weiter. Trotz der Identifikationsnummer brauchten die Briten Stunden, bis sie das verdächtige Paket ausfindig machten. Und Premier David Cameron und seine Innenministerin sprachen bereits öffentlich über Details des Falles, als dessen Dimension noch unklar war. Sie erschwerten damit weitere Ermittlungen.

Hat der verhinderte Anschlag eklatante Sicherheitslücken offengelegt?

Attentate gegen die USA, womöglich in der Luft explodierende Frachtflugzeuge, wenige Tage vor den Midterm-Wahlen : Erschreckend zielgenau platzierten die Terroristen ihre Botschaft, die zeigen sollte, wozu sie fähig sind. Dass Terroristen Bomben mit Frachtflugzeugen verschicken, scheint auf den ersten Blick der provozierend einfache Ausweg der Dschihadisten angesichts hoher Sicherheitsstandards bei Passagierflügen. Die Möglichkeit ist allerdings in den USA bereits nach 9/11 viel diskutiert worden. Bislang überwog die Meinung, dass Islamisten es eher auf voll besetzte Passagiermaschinen absehen würden, weil dort bei Anschlägen mehr Menschen sterben würden.

Noch schwerer wiegt, dass die Terroristen erneut den kaum aufspürbaren Sprengstoff PETN verwendeten und zudem die Sprengvorrichtung nahezu perfekt tarnten, sodass weder das PETN noch die Verkabelung der Bombe auffiel, als das Paket in Dubai beim Umladen geröntgt wurde. BKA-Fahnder, die die Röntgenbilder gesehen haben, sagten: »Das wäre auch bei uns durchgerutscht.«

Leser-Kommentare
  1. in alle Teile der Welt, ist mit allen Transportmitteln möglich, je größer, desto einfacher.
    Zu Wasser, zu Lande und in der Luft, keiner kann alles und überall und zu jeder Zeit kontrollieren.
    Das ist leider die große Stärke der internationalen Terroristen.
    Die liberale Einstellung vieler Staaten gegenüber Migranten aus islamistischen Ländern kommt den Terroristen für ihre Aktionen sehr gelegen.
    Es ist schon zu lange zu ruhig und die Serie der Paketbomben ist m.E. nichts weiter, als ein Testlauf der Akteure um die Wachsamkeit der Sicherheitskräfte auszuloten.
    Hoffen wir das Beste, das ihnen keine größeren Anschläge gelingen.

  2. Heute berichtet the "Telegraph", London, mit Bezug auf AP, dass die Adressen der jüdischen Institutionen auf den Jemen-"Bomben" gar nicht stimmten.
    Mit anderen Worten, die Al-Quaida hat wirklich alles dafür getan, dass kein Mensch jüdischen Glaubens zu Schaden kommt. Sind die nicht lieb?
    So viel zur Terrorrrrr-Gefahr der Jemen-"Bomben".
    Oder war es vielleicht gar nicht die Al-Quaida?

    • jagu
    • 04.11.2010 um 18:45 Uhr

    Erst Bomben aus dem Jemen, gleich darauf die gleiche Aktion plötzlich aus Griechenland - wer soll das eigentlich glauben?

    Ich halte das für Spielchen der Geheimdienste, die nach altem Muster (9/11) mal wieder Repressalien gegen ihre eigenen Völker durchsetzen wollen, die verfassungsrechtlich und gesellschaftlich sonst undenkbar wären.

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    eine Kernfrage an die Redaktion habe ich auch noch:

    Warum wird nicht erklärt das es bei den technischen Begriffen einige bedeutende Falschzuweisungen im Text gibt?

    Der konfektionierte handhabungssichere Sprengstoff "PETN" ist eben nicht schwer detektierbar!
    Das liegt an den Zuschlagstoffen für die Handhabungssicherheit und den ICAO-Tagants wellche von Hunden gut wahrgenommen werden!

    In englischen Berichten ist nämlich auch von "plastic explosives" die Rede, eindeutigt als die plastifizierte Form!

    Nur schwer Nachweisbar ist dagegen die Reinsubstanz ohne Hilfsstoffe! Nur ist diese Form eben nicht handhabungs- odre gar transportsicher (Schlagempfindlichkeit BAM-Test ca. 3 Nm; Urbanski (1965) gibt sogar nur 2 Nm an, aber das hängt von der Kristallgröße ab).

    Sieht sich die Redaktion in der Lage diesen inhaltlichen Widerspruch aufzulösen?

    Entweder handhabungssicher und wahrnehmbar (detektierbar) oder nicht handhabungssicher somit nicht transportfähig!

    MfG Karl Müller

    eine Kernfrage an die Redaktion habe ich auch noch:

    Warum wird nicht erklärt das es bei den technischen Begriffen einige bedeutende Falschzuweisungen im Text gibt?

    Der konfektionierte handhabungssichere Sprengstoff "PETN" ist eben nicht schwer detektierbar!
    Das liegt an den Zuschlagstoffen für die Handhabungssicherheit und den ICAO-Tagants wellche von Hunden gut wahrgenommen werden!

    In englischen Berichten ist nämlich auch von "plastic explosives" die Rede, eindeutigt als die plastifizierte Form!

    Nur schwer Nachweisbar ist dagegen die Reinsubstanz ohne Hilfsstoffe! Nur ist diese Form eben nicht handhabungs- odre gar transportsicher (Schlagempfindlichkeit BAM-Test ca. 3 Nm; Urbanski (1965) gibt sogar nur 2 Nm an, aber das hängt von der Kristallgröße ab).

    Sieht sich die Redaktion in der Lage diesen inhaltlichen Widerspruch aufzulösen?

    Entweder handhabungssicher und wahrnehmbar (detektierbar) oder nicht handhabungssicher somit nicht transportfähig!

    MfG Karl Müller

  4. ...gibt es ein Restrisiko, das man zu tragen bereit sein muss. Es ist unsinnig, alle Päckchen zu durchleuchten, wenn sowieso nur die Kanzlerin und wenige andere Personen bedroht sind und bei denen sowieso die Päckchen kontrolliert werden.

    • Guido3
    • 04.11.2010 um 20:31 Uhr

    Über den Absturz der UPS-Maschine in Dubai im September wurde erstaunlich schnell der Mantel des Schweigens gehüllt. Die Maschine brannte offenbar schon vor dem Absturz im Inneren - nicht an den Tragflächen.

    Und bisher hat auch kein Journalist die im Juli in Saudi Arabien verunglückte MD11 der Lufthansa Cargo mit den aktuellen Ereignissen in Zusammenhang gebracht. Auch bei dieser Maschine brannte offenbar schon vor dem Absturz der Frachtraum und teilweise war dieser sogar geschmolzen, so dass die Maschine bei der Landung auseinander brach. Tragflächen bzw. Kerosin brannten auch hier nicht.

    Es muss nicht zwangsweise ein Zusammenhang bestehen, aber in beiden Fällen ging der Crash offenbar von etwas aus, was sich im Frachtraum befand.

  5. "wie sicher können wir uns fühlen?" Ziemlich sicher, Herr Bittner. Die Chance, dass Sie/Wir irgendwann einem Terroranschlag zum Opfer fallen ist verschwindend gering. Wahrscheinlich ist die Chance höher, dass Sie irgendwann vom Blitz erschlagen werden.
    Wir reden hier von Einzeltaten und Einzeltätern. Im Jemen befinden sich nach Angaben der Geheimdienste 50-300 AQAP-Kämpfer (miese Wortschöpfung) in einem unwegsamen Hügelland. Deren Schlagkraft ist äusserst gering.

    • hpbt
    • 04.11.2010 um 23:40 Uhr

    Wieso 'wir'?

    Ich heiße weder Merkel noch zu Guttenberg noch Westerwelle.

    Und 'die' sollten sich sowieso nie sicher fühlen können.

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