USA : The American Way of Scheitern

Amerika scheint am Ende. Und hat eine letzte Hoffnung: Den radikalsten Kapitalismus aller Zeiten. Nur wenn der Einzelne untergehen kann, wird das Land überleben.
US-Präsident Barack Obama während einer Pressekonferenz am Tag der Kongresswahlen © JEWEL SAMAD/AFP/Getty Images

Gleich am Beginn der letzten Finanzkrise haben viele vermutet, dass sie zur Wiederkehr ideologischer Diskussionen und Konflikte führen wird. In den USA spürt man diese Wiederkehr der Ideologien inzwischen viel deutlicher als in Europa. Das heutige Amerika ist auf eine so radikale Weise gespalten wie wahrscheinlich nie zuvor. Wer die amerikanischen Medien verfolgt, wird mit immer unversöhnlicher klingenden Botschaften regelrecht bombardiert. So fühlt sich der amerikanische Bürger inmitten eines ideologischen Medienkrieges von unvertrautem Ausmaß.

Boris Groys

Der Philosoph, Kunstwissenschaftler und Medientheoretiker Boris Groys lebt in New York und lehrt an der New York University

Eigentlich wirkt dieser Medienkrieg auf den Bürger noch beunruhigender als die ökonomische Misere. Die Gründe für diese Misere und ihre Folgen bleiben dabei undurchsichtig. Spezialisten jonglieren mit Zahlen, die dem Publikum kein klares Bild der ökonomischen Wirklichkeit vermitteln. Die Analysen dieser Zahlen widersprechen sich ständig – inzwischen hat man gelernt, dass die gleichen Zahlen benutzt werden können, um zwei entgegengesetzte Meinungen gleichermaßen glaubhaft zu belegen. Den ökonomischen Prophezeiungen glaubt man noch weniger. Lieber vertraut man überhaupt keinen Zahlen und Fakten mehr, sondern zieht sich in die Tiefe der eigenen Seele zurück und fragt sich: Woran glaube ich eigentlich – jenseits aller Zahlen und Fakten? Was soll man denken und tun, weil man es denken und tun soll – nicht weil es vernünftig oder effizient, sondern weil es in einem tieferen, moralischen, ideologischen Sinne richtig ist. Der US-Wahlkampf war ein Lehrstück einer solchen kollektiven Seelenforschung auf der Suche nach einer wahren Überzeugung. Dem externen Beobachter fällt es nicht schwer zu sagen, dass die Ergebnisse ziemlich irrational aussehen. Aber wenn sich die Realität selbst als undurchsichtig und irrational präsentiert, greift man automatisch auf seine ideologischen Grundüberzeugungen zurück, um seine innere Würde und Autonomie zu behalten.

Soweit ist also die Vermutung bestätigt worden, dass wir uns nach einer Rückkehr der Religionen auf eine Rückkehr der Ideologien gefasst machen mussten. Allerdings sehen die ideologischen Fronten und ihre Protagonisten heutzutage etwas anders aus, als es von den meisten vermutet wurde. Die Finanzkrise wurde zunächst hauptsächlich als Krise des Kapitalismus aufgefasst. Dementsprechend hat man erwartet, dass die Sache der Kapitalismuskritik gestärkt wird. Das ist in der Tat teilweise passiert. Aber in einem weit größeren Ausmaß wurde durch die Krise eine radikale Kapitalismusaffirmation gestärkt. Besonders in den USA ist man mit einem wahrhaften und teilweise wahnhaften kapitalistischen Fundamentalismus konfrontiert – mit einem Glaubensbekenntnis zum Kapitalismus um jeden Preis. Fast möchte man sagen, dass sich der real existierende Kapitalismus im Moment seiner tiefsten Krise aus der ökonomisch-politischen Realität ins Reich der reinen Ideen geflüchtet hat.

Diese Emigration hat ihm nicht geschadet, im Gegenteil: Sie hat ihn gestärkt. Aus der Perspektive des kapitalistischen Fundamentalismus bleibt die Welt auch nach dem Fall von Nationalsozialismus und Kommunismus (man unterscheidet nicht so genau) vom bösen Staat – oder vielmehr von bösen Staaten – beherrscht. Demnach agieren die USA in einer Welt, die vom chinesischen und russischen Autokratismus, vom islamischen Radikalismus und vom europäischen Sozialismus geprägt ist. Alle diese Kräfte sind letztendlich antikapitalistisch – und damit antiamerikanisch.

Das Schlimmste aber scheint die Tatsache zu sein, dass der amerikanische Staat selbst von einer kryptosozialistischen, möglicherweise sogar kryptomuslimischen, auf jeden Fall aber antikapitalistischen Obama-Regierung beherrscht wird. In diesem Sinne kann man sagen, dass für die Rechte der Kapitalismus nie wirklich stattgefunden hat – er blieb eine Idee, ein unerfülltes Versprechen. So fühlen sich die Fox-News- und Tea-Party-Leute als Aufständische und Partisanen in einem vom Feind beherrschten Land – als Soldaten der amerikanischen Revolution, die noch nicht endgültig gesiegt hat. Nicht zufällig beschwören sie die ehrwürdigen Geister der Väter der amerikanischen Revolution und Verfassung. Und nicht zufällig nennen sie sich Tea Party – wie ihre Vorfahren damals von den Engländern fühlen sie sich von Obama unrechtmäßig besteuert.

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Kommentare

131 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Wahlbeteiligung?

Irgendwie fehlten mir die Werte zur Wahlbeteiligung.

Die 'meisten' Amerikaner(?)?
Was heißt das in Zahlen, abgesehen davon, dass hier lediglich die Minderheit der US-Amerikaner gemeint sein kann?

Schon der Wahltermin schließt vermutlich eine große Zahl von Wahlberechtigten faktisch aus.

Die Begriffe USA und Demokratie finden in meiner Wahrnehmung immer weniger zusammen.

US-Spielkasino in der Realität angekommen

Kapitalismus Fundamental: Konservativ, mit Mafia (Banker, Drogen, Glücksspiel und Waffen).
Aufgrund der Massenvernichtungswaffen und derem Anwendung müßte eigentlich die UN beschließen Amerika zu besetzen. Und Bush in Den Haag den Prozess zu machen.
Amerika hat abgewirtschaftet und das macht das Land gefährlich!

"Und Bush in Den Haag den Prozess zu machen. Amerika hat....

..... abgewirtschaftet und das macht das Land gefährlich!"

Sie hören sich an wie ein Ladenbesitzer in einer kleinen provinziellen Städtchen, der über einen früheren Kunden Gift verspritzt, weil er weniger bei einem einkauft und in Ihrem Beisein öffentlich auf der Kirchentreppe witzelte, Sie hätten Ihre Steuern nicht voll bezahlt. Und nun haben Sie Angst, dass Sie für die Polizei mitzahlen müssen und schlagen wild um sich.

Ich weiss, dass Sie so nicht sind. Sie hören sich aber so an.

ach JOG

hören Sie doch endlich auf mit diesem zweierlei Maß zu messen. Sie reden hier in ihren Beiträgen von Baugefühl (frühere Beiträge) dabei sind sie es der sich mit seinem god bless america hirngespinst als Patriote outet.

Fakt ist das sich die USA zum größten legalen Schurkenstaat auf diesem Planeten entwickelt hat, welchem jetzt der Untergang geweiht ist. Die Welt hat genug von Amerika und wir keinen Finger rühren um diesen zu Helfen.

Amerika ist selbst daran Schuld das aus diesem ehemals wunderbaren Land eine Zielscheibe der Erdbevölkerung geworden ist.

Schön das sie hier versuchen ihr LAND zu beschützen aber hier werden sie sicher nichts erreichen und nur ihre Zeit verschwänden. Aber wenn man sonst nichts zu tun hat bitteschön viel Spaß.

Auch in den USA ...

kann der Bürger sich nicht ausruhen. Die große Kohle aus den Weltkriegen ist verbraten und nun?
Das war wohl die einzigste Nation, die an den Kriegen immer gewonnen haben(Geld gescheffelt). Der einzigste Verlierer war und ist dort auch der normale Bürger! Wie weit waren die USA allen voraus und überlegen? In Kriegen ist man eingetreten, wenns nur noch was zu gewinnen gab für die Wirtschaft! Man muß sich mal deren Filme anschauen. Ein Land voller Helden !
Jetzt zeigt sich die Schwäche des (sorgenfreien)Landes darin, das man sich immer nur genommen hat was man brauchte und selber sich nicht entwickelt hat ,wie die anderen Nationen.

Vermutlich ist das weil....

....."Es wurde überhaupt nicht auf das Problem des "Hardcore" Kapitalismus eingegangen, also inwiefern andere Länder scheitern müssen, damit die eigene Wirtschaft besser dasteht."
...kein real existierendes Problem ist. Das was Sie vermutlich mit "Kapitalismus" bezeichnen ist im Wesentlichen ein "Positive Sum Principle". Das ist ein Ordnungsprinzip, das durch seine Verwendung eine Effizienz- und Wohlfahrtssteigerung erreicht.

@joG nicht die ganze Wahrheit

"....bei Ihre tiefen Analyse der Kriegsbeute suchenden Amis, dass nach WWII die USA hoch verschuldet war"

stimmt, aber
die USA waren auch vor WWII bereits hoch verschuldet.

Nach dem Krieg war die US Industrie die einzige auf der Welt, die heil geblieben war. Dies führte zu dem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung der USA in den Nachkriegsjahren.
Insofern hat Amerika vom Krieg profitiert, nicht, wie Sie zu recht sagen, von der Kriegsbeute.

Nebenwirkung:
Die Rüstungsindustrie, die schon während des Krieges "fette Beute" machte bestimmt noch heute zum Teil den Charakter amerikanischer Politik.

Man sollte bei all dem dankbar dafür sein, dass sich nach dem Krieg nicht der Morgentau über unser Land gesenkt hat.

@14 Geht das etwas genauer?

" Sie wissen natürlich....
....bei Ihre tiefen Analyse der Kriegsbeute suchenden Amis, dass nach WWII die USA hoch verschuldet war und sie sich an den Reichtümern des Deutschen Reichs nur wenig Freude hatten?"

Deutschland ist auch hochverschuldet, dem Geldadel geht es mehr als prächtig.

Jede Münze hat zwei Seiten, es ist wenig erhellend, immer nur den Staatshaushalt im Auge zu behalten.

#14: Was interessieren am Krieg verdienende Banker

die Schulden von Staaten - gar noch des eigenen, für die sie das Geld gegen Zinsen drucken dürfen?

Immerhin haben die gleichen Bankhäuser (Gründungsbanken der FED) die Nationalsozialisten finanziert und bis in die vierziger Jahre massiv unterstützt, die auch die anderen Kriegsparteien finanziert haben - sowohl im WK I wie auch im WK II.

In dem Zusammenhang müsste man auch mal nachdenken, wo das von den Japanern aus den besetzten Ländern zusammengeraubte Gold geblieben ist, warum die Russen von einer Mitbesetzung Japans abgehalten wurden (obwohl die schon übersetzten), warum Japan so schnell einen Friedensvertrag bekam (den Deutschland immer noch nicht hat), der sämtliche Regressansprüche ausschloss. Die spätere Marcos-Affäre hatte mit dem Gold-Thema auch noch zu tun.

Natürlich hat die Rüstungsindustrie von WWII....

...profitiert. Und natürlich haben die Menschen in der Rüstungsindustrie (wie in jeder Industrie) Einfluss auf die Politik. Das muss auch so sein in Demokratien, ist das doch ihre Natur. Es ist gut so.

Die Argument für den großen Anteil der Rüstung am BIP ist allerdings schon recht stark. Nicht desto trotz werden die Amis diesen Anteil reduzieren in den nächsten Jahren. Das wird für uns Probleme aufwerfen und wir werden entscheiden müssen ob wir auf die öffentlichen Dienstleistungen verzichten wollen, die die amerikanischen Ausgaben bezahlten oder ob wir sie irgend wie anders aufstellen wollen.

Die zu einer hier hinsichtlich rationale Entscheidung wird Argumente an die Öffentlichkeit herantragen müssen, die bisher hier kaum bekannt sind und in recht großem Widerspruch stehen zu der hiesigen Weltanschauung. Das wird spannend.

German Scheitern - Teil I

Beim Lesen des Kommentars über „The American Way of Scheitern“ hat mich ständig ein persönlicher Abgleich mit dem „German Way of Scheitern“ begleitet, über den nach wie vor viel zu selten und – wenn überhaupt – nur zaghaft und verklemmt gesprochen wird.

Offenbar ist eine substantielle, objektive Betrachtung der politischen und wirtschaftlichen Sachlage nur noch in der Ferne, aber nicht mehr im eigenen Haus möglich.

Woran liegt das?

Ist der Journalismus schon derartig politisch instrumentalisiert und vor allem wirtschaftlich abhängig, dass er seiner ursprünglichen Aufgabe als 4. Gewalt im Staat nicht mehr nachkommen kann?

Warum wird über das Einbestellen der Chefredakteure ins Kanzleramt und der dort erfolgten Aufforderung "Erika Merkels" an die Vertreter der Leitmedien, nicht die Wahrheit über den Zustand des Landes zu schreiben, nicht berichtet? Einen dreisteren Versuch, als so offen die Pressefreiheit zu demontieren und den Journalismus in Deutschland zum Erfüllungsgehilfen des Kanzleramts zu machen, hat es wohl noch nicht gegeben.

Hier hat es keinen Aufschrei der Betroffenen gegeben während ansonsten der Skandal groß ist, wenn nur ein Mikrofon oder eine Kamera an ihrer Arbeit gehindert wird?

Weltbild, Verschwörung, Bla Bla und mehr

Es handelt sich hier keinesfalls um meine persönliche Meinung, auch wenn Sie mir dies mit dem Totschlagargument des subjektiven „Weltbildes“ unterstellen wollen.

Dies können Sie auch problemlos selber feststellen, wenn Sie bei brisanten politischen Themen – vollkommen unabhängig welcher politischer Couleur – die Leserkommentar verfolgen - Nicht nur bei der ZEIT, sondern vor allem beim Spiegel, bei der WELT oder auch bei der SZ oder FAZ.

Daher habe ich auch nicht - wie von Ihnen behauptet - von Lesern als Lemmingen, sondern exakt vom Gegenteil gesprochen.

Welche Medien ich meine, ist übrigens durch den Begriff „Leitmedien“ hinlänglich beschrieben, Ihre Eingangsfrage erübrigt sich daher.

Da Sie aber offenbar noch nicht einmal im Ansatz verstanden haben, worum es mir geht, noch einmal ein gängiges Beispiel:

Wenn täglich Jubelmeldungen über den „Wirtschaftsaufschwung“ veröffentlich werden, aber konsequent verschwiegen wird, dass damit noch lange nicht die Verluste der Krise wettgemacht wurden, wenn 80 Mrd. Neuverschuldung als Schuldenbremse und Einsparmassnahme verkauft werden und wenn dann kritiklos Behauptungen der Kanzlerin, in Kürze wäre Vollbeschäftigung denkbar, veröffentlicht werden, während das Statistische Bundesamt eine Zahl von Arbeitssuchenden in Höhe von 8,6 Millionen Menschen ausweist, dann stimmt mit dem „freien, unabhängigen“ Journalismus etwas nicht mehr.

Das sind Fakten und keine Verschwörung - wie Sie mir mit billigster Rhetorik unterstellen wollen.

Sie erheitern mich

"Dies können Sie auch problemlos selber feststellen, wenn Sie bei brisanten politischen Themen – vollkommen unabhängig welcher politischer Couleur – die Leserkommentar verfolgen - Nicht nur bei der ZEIT, sondern vor allem beim Spiegel, bei der WELT oder auch bei der SZ oder FAZ."

Oh, die Lerserkommentare als Beweis Ihrer verschwörungstheoretischen Ansichten. Dass es sich dabei mit Masse um undifferenziertes Nachgekaue der immer gleichen Verschwörungstheorien handeln kann, ist Ihnen noch nicht in den Sinn gekommen? Mal eben schnell in die Tasten hauen, um seinen Frust abzulassen, ist in Zeiten des Internets ein leichtes Spiel. Früher musste man sich wenigstens noch bemühen, einen Leserbrief zu schreiben und diesen abzuschicken. Da trennte sich die Spreu vom Weizen schnell. Es wurde Frust abgelassen, der Brief anschließend in den Müll geworfen, weil einem das Porto dann noch im Wege stand. Heute kann jeder sein Gemähre ins Netz stellen, ohne dabei differnzierter nachzudenken.

Tut mir leid, mit Masse handelt es sich bei den Kommentaren um Frustablassen. Sie sind ein Beispiel dafür. Denn Ihr undifferenziertes Nachgeplapper dieser Theorien könnte man auch als gleichgeschaltet bezeichnen.

@joG.

Ach, wie nett. Noch so ein Nachgeplapper. Können Sie da etwas fundierter werden? Oder anders gefragt, haben Sie Beweise für Ihre These, ich bin Opfer der gleichgeschalteten Medien? Ich habe nicht den Eindruck, dass z.B. die TAZ, die ZEIT, die Süddeutsche undifferenziert nachplaudert, was die Regierung gerne nachgeplaudert haben möchte. Ich erlebe u.a. die ZEIT als Medium, was unterschiedliche Meinungen zu einem Thema zulässt. Solange mir ein Journalist stichhaltige Gründe für seine Thesen bietet, bin ich sogar bereit, andere Meinungen zuzulassen. Es gibt zu jedem Thema unterschiedliche Ansichten und unter Berücksichtigung bestimmter Annahmen, kann man zu einem Thema sogar seine Meinung ändern. Wer allerdings starrsinnig seine Meinung hat und sobald ein Medium anderer Meinung ist diese dann unreflektiert als gleichgeschaltet betrachtet, bin ich eher der Meinung, Sie haben ein Problem, nicht ich.

Man nennt es übrigens Medienkompetenz, wenn man unterscheiden kann, wo nur "Copy Paste" gemacht wurde, um Seiten zu füllen oder sauber recherschiert wurde. Manche Meldungen in der ZEIT sind nämlich nichts anderes als Meldungen, zu denenen sich dann an anderer Stelle tiefgründiger geäußert wird. Und auch das ist Aufgabe einer Zeitung, Meldungen erst einmal zu melden und sich dann nach sauberer Rechersche tiefer damit auseinanderzusetzen. So mancher Kommentator scheint aber bereits damit ein Problem zu haben.

19 @Dr. Sorglos: Selektive Wahrnehmung

Sie scheiben: "Wenn täglich Jubelmeldungen über den „Wirtschaftsaufschwung“ veröffentlich werden, aber konsequent verschwiegen wird, dass damit noch lange nicht die Verluste der Krise wettgemacht wurden, ..."

Da wir doch nichts verschwi4egen. Selbst in meiner konsdervativen und regierungsfrommen Regionalzeitung gibt es regelmäßig entsprechende Verweise.

die 4. Kraft

"Ist der Journalismus schon derartig politisch instrumentalisiert und vor allem wirtschaftlich abhängig, dass er seiner ursprünglichen Aufgabe als 4. Gewalt im Staat nicht mehr nachkommen kann?"

die frage können sie sich schnell beantworten, wenn sie sich anschauen, von wem mit welchem hintegrrund die großen blätter gegründet wurden und in welchem besitz sie sich heute befinden.

ich zweifle nicht daran, daß es ambitionierte journalisten gibt. und gott sei dank liest man immer wieder wirklich gute und hintergrundaufklärende artikel, die das eigenen denken bereichern. viele davon auch hier auf zeitonline.

aber ich denke nicht, daß das die regel ist, sondern eher die ausnahme. und um sich ein eigenes (möglichst objektives) bild zu machen, ist man leider gezwungen, selbst den mühevollen weg des puzzelns und überprüfens von fakten und sachlagen zu gehen.

Jubel-Journalismus

"Wenn täglich Jubelmeldungen über den „Wirtschaftsaufschwung“ veröffentlich werden, aber konsequent verschwiegen wird, dass damit noch lange nicht die Verluste der Krise wettgemacht wurden, wenn 80 Mrd. Neuverschuldung als Schuldenbremse und Einsparmassnahme verkauft werden und wenn dann kritiklos Behauptungen der Kanzlerin, in Kürze wäre Vollbeschäftigung denkbar, veröffentlicht werden, während das Statistische Bundesamt eine Zahl von Arbeitssuchenden in Höhe von 8,6 Millionen Menschen ausweist, dann stimmt mit dem „freien, unabhängigen“ Journalismus etwas nicht mehr." ich kenne diese fakten großteils auch und den zunehmend gerade in letzter zeit immer größer werdenden widerspruch zwischen realer datenlage und den medienverlautbarungen. und ich schreibe das nicht gerne. aber in letzter zeit drängt sich mir zunehmend ein vergleich auf: und zwar mit dem jubel-journalismus in den letzten jahren der ddr, als die realität immer stärker totschwiegen oder schön geschrieben wurde. [...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/ag

Nachfrage

"Warum wird über das Einbestellen der Chefredakteure ins Kanzleramt und der dort erfolgten Aufforderung "Erika Merkels" an die Vertreter der Leitmedien, nicht die Wahrheit über den Zustand des Landes zu schreiben, nicht berichtet?"

Haben Sie weiterführende Links zu diesem Vorfall? Würde mich mal interessieren, was da mal wieder abgelaufen ist (ich traue der Kanzlerin ja so ziemlich alles an Dreistigkeit zu, aber das wäre ein ungewöhnliches Niveau).

Wozu noch Journalismus - Die Mitarbeiter der Kanzlerin

"Warum wird über das Einbestellen der Chefredakteure ins Kanzleramt und der dort erfolgten Aufforderung "Erika Merkels" an die Vertreter der Leitmedien, nicht die Wahrheit über den Zustand des Landes zu schreiben, nicht berichtet?"

Haben Sie weiterführende Links zu diesem Vorfall?

-------------

Wie Sie sich sicherlich denken können, impliziert die fehlende Berichterstattung auch, dass die Zahl der "Links" recht übersichtlich ist.

Es hat sowohl in einem Nebensatz eines Kommentares in der ZEIT, aber auch von Herrn Schirrmacher von der FAZ Äußerungen zu dieser Veranstaltung gegeben, die interessanterweise nicht im offiziellen Kalender von Frau Merkel auftaucht, der online von jedermann eingesehen werden kann.

Ein Startpunkt für Ihre eigene Recherche kann vielleicht das Interview mit Jakob Augstein in der SZ sein, das in der sehr empfehlenswerten, wenn auch meist etwas einseitigen, Serie "Wozu noch Journalismus?" erschienen ist:

http://www.sueddeutsche.d...

Viel Vergnügen!

Alles Fassade

Man regt sich bei den Tea Parties über das Staatsdefizit auf, fordert den kleineren Staat, seinen Rückzug aus der wirtschaft. Alles nur vorgeschoben. Schon in der Vergangenheit zeigten sich die Amis besorgt über Defizite, wenn's wirtschaftlich nicht gut lief (zum Beispiel Anfang der 80er. Zog die Wirtschaft wieder an, dann war das Thema schnell vergessen, selbst wenn das Minus im Haushalt unverändert hoch blieb.
Eine sehr lesenswerte Reportage im Rolling Stone, dessen Journalist sich unter die Menge einer Tea-Party-Demo mischt. Die ernüchternde Erkenntnis: Man nimmt hier gern auch die abstrusesten Wohltaten des Sozialsystems sehr gern als selbstverständliches Recht in Anspruch, verdient seine Brötchen sogar in der Steuerbehörde, die die Bewegung ja am liebsten abschaffen will.

http://www.rollingstone.c...

Genau deshalb versprechen die Republikaner zwar eine Reduktion des Defizits, gleichzeitig sollen aber ihre (oft älteren) Wähler keinerlei Einschnitte bei Sozialleistungen zu fürchten haben. Die Steuern will man natürlich auch noch senken; das alles zu finanzieren mit nicht näher spezifizierten Einschnitten.
Einer der Fackelträger der Bewegung, Senatskandidat Joe Miller aus Alaska, musste im Wahlkampf einräumen, dass er den Sozialstaat zwar in harschen Reden als falsch / teilweise verfassungswidrig brandmarkt, aber seine Familie in den letzten Jahren gern Arbeitslosenunterstützung, medizinische Versorgung für Geringverdiener und Hilfszahlungen für Landwirte in Anspruch genommen hat. Alles nur leere Rhetorik...

#15: Einfach mal nur zuhören, bitte:

YouTube - Informationsdiktat in Medienredaktionen - Deutschland

Das Merkel die Ctarget="_blank" hrefredakteure der "führenden Leitmedien" eingeladen und um "positive" Berichterstattung "gebeten" hat, ist auch Realität.

Aber das ist eigentlich alles nichts neues - nur das es wohl doch noch so viele Menschen gibt, die an die Unabhängigkeit und Neutralität der 4. Gewalt glauben, obwohl das schon zu Kohls Zeiten Geschichte war.

Was denken Sie, machen wohl die drei Damen Angela Merkel, Liz Mohn (Bertelsmann) und Friede Springer (Springer Konzern) - also geballte Medienmacht - beim regelmässigen Kaffee- oder Tee-Kränzchen?

Kochrezepte tauschen oder eher Abstimmungen im kleinen, vertraulichen Kreis treffen, welche Sau im nächsten Monat durchs Dorf getrieben wird und wo die Regierung begleitende Unterstützung braucht und/oder wer/was miesgemacht wird?

Ich vermute, Sie können denken und haben etwas Phantasie.

Auch beim Lesen von zumeist 1 zu 1 übernommenen Agenturmeldungen wie z.B. dpa (& Co.) fällt immer wieder auf, das wichtige Teile weggelassen wurden, der Kontext verschoben oder falsch dargestellt wird.

Das ist nicht zufällig oder hängt an anderen politischen Weltbildern, sondern es geschieht durchaus sehr systematisch.

Dreister Versuch ...

"Einen dreisteren Versuch, als so offen die Pressefreiheit zu demontieren"
Dreister Versuch - klar. Ist ja auch gehoerig in die Hosen gegangen, wahrendessen in den USA eine Dreistigkeit der anderen folgt. Wenn Sie schon analysieren, dann bitte fair und zum Thema. Sie scheinen hier den Eindruck erwecken zu wollen, dass das alles nicht so tragisch ist in den USA und der Demokratie keinen Abruch tut - Deutschland sei ja viel schlimmer.
Damit sind Sie aber gehoerig auf dem Holzweg und das Gegenteil ist der Fall. Es scheint mir als haben Sie von den amerikanischen Realitaeten eine recht blasse Ahnung, Und um die geht es in diesem Artikel. Amerika radikalisiert sich zunehmends - und Radikalisierung ist bekanntlich Gift fuer eine Demokratie. Wie kommt's, dass sie das in den letzten Jahren nicht mitgekriegt haben.
Gruesse aus den USA!

P.S. wir ueberlegen derzeit aus den USA auszuwandern - in eine etwas zivilisiertere Gesellschaft.