Kriminalität Sicherheitsrisiko
Die beste Verbrechensvorsorge ist mehr Geld für die Bildung.
Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung. Dieses Bonmot von John F. Kennedy stimmt heute mehr denn je. Wer keinen Schulabschluss hat, findet schwerer eine Arbeit, wird häufiger krank, stirbt früher. Das Gleiche gilt für ein Land insgesamt: Sinkt das Bildungsniveau, steigen die Sozialkosten, und die Fähigkeit einer Nation, sich zu erneuern, stagniert.
Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung weist nun darauf hin, dass fehlende Bildung auch die Kriminalität fördert. Ganz überraschend kommt die Erkenntnis nicht. Verblüffend ist aber, wie stark sich der Bildungsstand auf die Neigung auswirkt, kriminell zu werden. So sind die 20- bis 50-Jährigen ohne Schulabschluss in den Haftanstalten viermal häufiger vertreten als in der Normalbevölkerung.
Nun begeht niemand deshalb ein Verbrechen, weil seine Zeugnisnoten nicht stimmen. Umgekehrt schützt ein Schulabschluss nicht automatisch davor, kriminell zu werden. Statistisch gesehen aber stimmt es, dass sogenannte Risikoschüler sich selbst wie die Gesellschaft gefährden. Die Daten der Studie legen nun nahe, dass Bildung die Kriminalität senken könnte: Wäre die Schulabbrecherquote nur halb so hoch, ließe sich die Zahl der Mordfälle, Raubdelikte und Diebstähle in beträchtlicher Zahl vermindern. Gleichzeitig ließen sich erhebliche Kosten sparen.
Ein Teil des Geldes könnte man für ein Sonderprogramm gegen Bildungsarmut verwenden. Besonders Hauptschulen in sozialen Brennpunkten müssten profitieren. Auch die Integration käme voran. Denn anders als bislang vermutet, kann diese Studie keinen Zusammenhang zwischen dem Islam und der Verbrechensquote feststellen. Zwar begehen Muslime im Schnitt mehr Straftaten als Nichtmuslime. Berücksichtigt man jedoch ihren schlechten Bildungsstand, neutralisiert sich der Befund. Nicht dass sie gläubig sind, macht sie tendenziell anfälliger für Straftaten, sondern weil ihnen Chancen fehlen.
- Datum 10.11.2010 - 13:25 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.11.2010 Nr. 46
- Kommentare 30
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Zwei dinge gehen mir spontan durch den Kopf:
1. Begehen gebildtere Menschen vielleicht andere Straftaten und werden dabei weniger erwischt? Bsp. Steuerhinterziehung u. dgl.
2. Intelligenz und Bildungsfähigkeit sind offensichtlich nicht in gleichem Maße über alle Menschen verteilt. Was bedeutet die obige Erkenntnis nun für diejenigen, denen sie fehlen einerseits und andererseits für den Umgang der Gesellschaft mit diesen?
Gute Fragen, Scheltan. Damit kann ich mich auf einen anderen Punkt konzentrieren.
Wenn bessere Bildung das Allheilmittel ist, sollte diese auch erarbeitet werden und nicht wie immer versucht,erkauft zu werden. „Mehr Geld für Bildung“ ist ein geflügeltes Wort, bei dem ich nur noch bitter lachen kann.
Wie wäre es mit einer ernsthaften Diskussion, wie junge Menschen fit gemacht werden können, in der Gesellschaft zu bestehen? Mehr ernsthafte Initiativen statt Geld, weniger Statistiken zählen und mehr gesunder Menschenverstand stünde in der Bildung an. Einfach mehr Geld ist ein Rezept, das bisher nicht funktioniert hat. Es braucht mehr als das, nämlich eine ehrliche und selbstkritisch Auseinandersetzung mit den Institutionen an sich. Das kostet weniger, schmerzt mehr und führt nicht wieder in die Sackgasse.
" Zwar begehen Muslime im Schnitt mehr Straftaten als Nichtmuslime. Berücksichtigt man jedoch ihren schlechten Bildungsstand, neutralisiert sich der Befund. Nicht dass sie gläubig sind, macht sie tendenziell anfälliger für Straftaten, sondern weil ihnen Chancen fehlen."
- sagt der Autor und Herr Dr.Dräger von der Bertelsmann-Stiftung ergänzt:
""Unser Bildungssystem lässt viel zu viele Schüler scheitern".
Aber haben denn die muslimischen Schüler und andere aus sogenannten bildungsfernen Schichten nicht die Chance in der Hauptschule einen Abschluß zu machen? Sind Hauptschulen so schwierig, dass nur besonders begabte dort bestehen können?
Man ruft stets nach einem besseren Bildungssystem und mehr Geld - warum übt man nicht mehr Druck auf die Eltern dieser Kinder aus, um ihnen die Bedeutung von Schulbildung einsichtigt zu machen?
lässt ein Versagergefühl entstehen. Die Lust zum Lernen wird dadurch gelähmt, die Lehrerschaft passt sich diesem Niveau an: kein Hauptschullehrer muss in Deutschland zur Rechenschaft gezogen werden, wenn mehr als die Hälfte der Klasse die Schule ohne Abschluss verlässt. BEAMTEN-STATUS unantastbar!
Übrigens sind in anderen Ländern nicht die Eltern sondern die Lehrer für Bildung zuständig
lässt ein Versagergefühl entstehen. Die Lust zum Lernen wird dadurch gelähmt, die Lehrerschaft passt sich diesem Niveau an: kein Hauptschullehrer muss in Deutschland zur Rechenschaft gezogen werden, wenn mehr als die Hälfte der Klasse die Schule ohne Abschluss verlässt. BEAMTEN-STATUS unantastbar!
Übrigens sind in anderen Ländern nicht die Eltern sondern die Lehrer für Bildung zuständig
[...]Bitte bleiben Sie sachlich und erläutern Sie Ihre Thesen um eine interessante Debatte zu fördern. Danke. Die Redaktion/km
Denn auch monokausale Zusammenhänge mit Religion sind geradezu abenteuerlich.
Ist jemand beispielsweise ein bewusst lebender Christ, Muslim, Buddhist etc. der sich mit seiner Religion auseinandersetzt, diese spirituell auskostet und eben für sich lebt, philosophisch ergründet...dann kann man dieser Person mit Sicherheit keine mangelnde Charakterbildung vorwerfen, egal wie man zu deren religiösen Überzeugungen selbst steht. Oder ist jemand ein Nachplapperer von volkstümlicheren, holzschnittartigeren, Religionsbildern; sei es als Vehikel von Hass oder Chauvinismus oder als "Gehorsam" und Fügsamkeit in eine Lebenswelt die andere für einen vorbestimmt haben?
Da gibt es soviele verschiedene Ausprägungen. Es gibt einfach keine monokausalen Ursachen und ich finde es auch akademischen Müßiggang danach zu suchen. Ab einem gewissen Punkt, gerade bei Erwachsenen (Jugendstrafrecht ist ein Thema für sich) sage ich ganz klar, mir ist egal wie schwer jemand es im Leben hatte ich bin auch nicht mit dem Silberlöffel auf die Welt gekommen und habe meine Bürden zu tragen und benehme mich trotzdem zivilisiert. Ab einem gewissen Punkt muss mehr Konsequenz und Repression als bisher angewandt werden - egal ob es was beim Täter bewirkt, einfach um die Allgemeinheit zu schützen. Häufig zu lesende Floskeln in Presseberichten über "polizeibekannte Intensivtäter" darf es einfach nicht geben, hier versagt meiner meinung nach unser Strafrecht.
Meinen Sie den Pfeiffer vom Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen?
Zu dieser Person fallen mir unwillkürlich nur die Worte "Verblendung" und "Sendungsbewusstsein" ein. Der fanatische Eifer, mit dem Pfeiffer versucht seine eigenen Wahrheiten als allgemeingültig zu verkaufen blieb ebenfalls negativ im Gedächtnis hängen. Ich erinnere beispielsweise an seine öffentlich zur Schau getragenen Vorurteile gegen Computerspieler.
Den ZEIT-Artikel zu kritisieren bleibt Ihnen unbenommen, aber mit Pfeiffer zu argumentieren überzeugt nicht.
Denn auch monokausale Zusammenhänge mit Religion sind geradezu abenteuerlich.
Ist jemand beispielsweise ein bewusst lebender Christ, Muslim, Buddhist etc. der sich mit seiner Religion auseinandersetzt, diese spirituell auskostet und eben für sich lebt, philosophisch ergründet...dann kann man dieser Person mit Sicherheit keine mangelnde Charakterbildung vorwerfen, egal wie man zu deren religiösen Überzeugungen selbst steht. Oder ist jemand ein Nachplapperer von volkstümlicheren, holzschnittartigeren, Religionsbildern; sei es als Vehikel von Hass oder Chauvinismus oder als "Gehorsam" und Fügsamkeit in eine Lebenswelt die andere für einen vorbestimmt haben?
Da gibt es soviele verschiedene Ausprägungen. Es gibt einfach keine monokausalen Ursachen und ich finde es auch akademischen Müßiggang danach zu suchen. Ab einem gewissen Punkt, gerade bei Erwachsenen (Jugendstrafrecht ist ein Thema für sich) sage ich ganz klar, mir ist egal wie schwer jemand es im Leben hatte ich bin auch nicht mit dem Silberlöffel auf die Welt gekommen und habe meine Bürden zu tragen und benehme mich trotzdem zivilisiert. Ab einem gewissen Punkt muss mehr Konsequenz und Repression als bisher angewandt werden - egal ob es was beim Täter bewirkt, einfach um die Allgemeinheit zu schützen. Häufig zu lesende Floskeln in Presseberichten über "polizeibekannte Intensivtäter" darf es einfach nicht geben, hier versagt meiner meinung nach unser Strafrecht.
Meinen Sie den Pfeiffer vom Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen?
Zu dieser Person fallen mir unwillkürlich nur die Worte "Verblendung" und "Sendungsbewusstsein" ein. Der fanatische Eifer, mit dem Pfeiffer versucht seine eigenen Wahrheiten als allgemeingültig zu verkaufen blieb ebenfalls negativ im Gedächtnis hängen. Ich erinnere beispielsweise an seine öffentlich zur Schau getragenen Vorurteile gegen Computerspieler.
Den ZEIT-Artikel zu kritisieren bleibt Ihnen unbenommen, aber mit Pfeiffer zu argumentieren überzeugt nicht.
Wer Wut in Bauch hat, schlägt sich eben.
Es gibt 3 "Endsiegthesen", die ich NICHT mehr hören kann!
Bildung hilft gegen Gewalt! Und Bildung hilft gegen Arbeitslosigkeit! Bildung hilft bei der Integration!
Die These kann man beliebig weiter führen...Bildung hilft gegen Extremismus, Bildung hilft gegen Ökologisches Unverständnis, Bildung hilft gegen.... setzen sie beliebiges Wort ein.
Das glaubt kein Mensch mehr!
Möchten sie Wissen was gegen Gewalt hilft????? WERTE!
Wie Anstand und Mitleid! Da brauchen sie nicht mal einen Grundschulabschluß dafür und können in dem sozial beschissensten Milieu aufwachsen das es gibt. Wem sein Glaube, oder sein Anstand es verbietet andere zu malträtieren, der tut dies nicht!
JEDER in Deutschland hat die Schulpflicht genossen, jeder wurde im Vergleich zu anderen Ländern dieser Erde "gebildet". Wir müßten dann ein gewaltfreies Land sein. Dem ist nicht so, es wird von Jahr zur Jahr schlimmer, wir mit den Menschen lebt, merkt dies.
Und nur weil die Bertelsmann-Stiftung wieder was erfunden/ (mir sei verziehen ich meinte) /erforscht hat, wird dem nicht mehr automatisch Glauben geschenkt.
..weil auch die Vermittlung von WERTEN dazu gehört. Allerdings ist unser Schulsystem nicht darauf ausgelegt, Bildung zu vermitteln: es ist kein Bildungs-, sondern ein Ausbildungs-system! Wer also durch sein gesellschaftliches Umfeld keine Bildung erfährt, bekommt diese auch in der Schule nicht vermittelt.
Bezüglich der Studie stellt sich die Frage, was denn der Grund für die Gewalttätigkeit ist. Ist es die Tatsache, das Schulabbrecher schlechter in die Gesellschaft integriert sind? Oder ist es unser "Bildungssystem", dass sozial schwache Gesellschaftsanteile systematisch ausssortiert und noch weiter an den Abgrund drängt?
..weil auch die Vermittlung von WERTEN dazu gehört. Allerdings ist unser Schulsystem nicht darauf ausgelegt, Bildung zu vermitteln: es ist kein Bildungs-, sondern ein Ausbildungs-system! Wer also durch sein gesellschaftliches Umfeld keine Bildung erfährt, bekommt diese auch in der Schule nicht vermittelt.
Bezüglich der Studie stellt sich die Frage, was denn der Grund für die Gewalttätigkeit ist. Ist es die Tatsache, das Schulabbrecher schlechter in die Gesellschaft integriert sind? Oder ist es unser "Bildungssystem", dass sozial schwache Gesellschaftsanteile systematisch ausssortiert und noch weiter an den Abgrund drängt?
Wenn meine Prämisse lautet dass Bildung und hm destruktiver Lebenswandel, sei es für sich oder andere oder beides, Hand in Hand gehen dann werde ich dafür freilich immer Belege finden. Dazu muss man keine Studien anfertigen, das ist allgemeine plausible Lebenserfahrung.
Aber woran liegt es? Ich würde eher meinen dass gewisse Persönlichkeiten und charakterliche Defizite bereits im Jugendalter zB zu Schulversagen führen, sei es aufgrund unmöglich zu schaffender Sonderförderung im Rahmen des normalen Schulbetriebes oder sei es weil derjenige bereits in der Jugend ein ehm "Fiesling" ist und einfach "kein Bock" auf nichts hat und lediglich die Mitschüler traktiert. Und das setzt sich freilich fort, selbst wenn nach der Pubertät eine gewisse Reifung einsetzt, ein mal eingeschlagener Weg ist schwer zu ändern. Nicht nur aufgrund formaler Hürden, auf dem 2. Billdungsweg einen Schulabschluss nachholen ist schon ein Kraftakt, sondern weil man halt in einem Trott ist und diesen selbst nicht unbedingt als so negativ empfinden muss. Macht zumindest den Eindruck, "fröhliche Einfalt" wenn ich mir manche Mitbürger im Alltag so anschaue.
Und dann gibt es noch Faktoren wie mangelnde Frustrationstoleranz, Choleriker, mangelnde Selbstkontrolle, Hang zu Agression und niedrige Hemmschwelle für Gewalt... eine riesengroße Melange. Da gibt es keine monokausalen Ursachen. Und man wird für jede These Einzelbeispiele finden. Das macht es ja so schwer, alle "Kümmerer" haben recht - und doch unrecht.
Denn auch monokausale Zusammenhänge mit Religion sind geradezu abenteuerlich.
Ist jemand beispielsweise ein bewusst lebender Christ, Muslim, Buddhist etc. der sich mit seiner Religion auseinandersetzt, diese spirituell auskostet und eben für sich lebt, philosophisch ergründet...dann kann man dieser Person mit Sicherheit keine mangelnde Charakterbildung vorwerfen, egal wie man zu deren religiösen Überzeugungen selbst steht. Oder ist jemand ein Nachplapperer von volkstümlicheren, holzschnittartigeren, Religionsbildern; sei es als Vehikel von Hass oder Chauvinismus oder als "Gehorsam" und Fügsamkeit in eine Lebenswelt die andere für einen vorbestimmt haben?
Da gibt es soviele verschiedene Ausprägungen. Es gibt einfach keine monokausalen Ursachen und ich finde es auch akademischen Müßiggang danach zu suchen. Ab einem gewissen Punkt, gerade bei Erwachsenen (Jugendstrafrecht ist ein Thema für sich) sage ich ganz klar, mir ist egal wie schwer jemand es im Leben hatte ich bin auch nicht mit dem Silberlöffel auf die Welt gekommen und habe meine Bürden zu tragen und benehme mich trotzdem zivilisiert. Ab einem gewissen Punkt muss mehr Konsequenz und Repression als bisher angewandt werden - egal ob es was beim Täter bewirkt, einfach um die Allgemeinheit zu schützen. Häufig zu lesende Floskeln in Presseberichten über "polizeibekannte Intensivtäter" darf es einfach nicht geben, hier versagt meiner meinung nach unser Strafrecht.
Meinen Sie den Pfeiffer vom Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen?
Zu dieser Person fallen mir unwillkürlich nur die Worte "Verblendung" und "Sendungsbewusstsein" ein. Der fanatische Eifer, mit dem Pfeiffer versucht seine eigenen Wahrheiten als allgemeingültig zu verkaufen blieb ebenfalls negativ im Gedächtnis hängen. Ich erinnere beispielsweise an seine öffentlich zur Schau getragenen Vorurteile gegen Computerspieler.
Den ZEIT-Artikel zu kritisieren bleibt Ihnen unbenommen, aber mit Pfeiffer zu argumentieren überzeugt nicht.
Besser kann man gar nicht beweisen, dass an vielen Stellen dann doch etwas mehr Bildung geholfen hätte.
Besser kann man gar nicht beweisen, dass an vielen Stellen dann doch etwas mehr Bildung geholfen hätte.
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