Ein Geist geht um in deutschen Firmen – der Teamgeist. Er spukt durch Weihnachtsreden, taucht auf in Broschüren und leuchtet aus Stellenangeboten. Ohne »Teamfähigkeit« , ohne die Bereitschaft, sich zum Rädchen im Gruppengetriebe zu machen, scheint nichts mehr zu gehen. So mancher Bewerber verkleidet schon seine Hobbys: Aus »Joggen« wird »Training in einer Laufgruppe«, »Lesen« kommt als »Engagement in einem Literaturzirkel« daher. Die Botschaft: »Schaut hin, ich bin kein Eigenbrödler, sondern Teammensch!«

Doch der Teamgeist hat einen Geburtsfehler: Diejenigen, die ihn am lautesten fordern, sind nicht Mitglieder eines Teams, sondern stehen als Führungskräfte über ihm. Während sie als Alphatiere »gleicher« als gleich sind , um es mit Orwell zu sagen, ein Chefgehalt kassieren, einen Dienstwagen fahren, im Eckbüro residieren und Machtworte sprechen und dabei die Gleichheit aller predigen, ohne rot zu werden. Das ist so glaubwürdig, als priese ein Millionär die kollektive Armut.

Schauen Sie einmal hin, wer in Ihrer Firma gefördert wird: Sind es wirklich die grauen Teammäuse? Ich garantiere Ihnen: Die Ritterschläge, die Beförderungen und Gehaltserhöhungen , treffen selten die Unauffälligen und niemals ganze Teams. Fast immer werden einzelne Teammitglieder, deren Namen für Erfolge stehen, aufs Podest gehoben. Und andere, deren Namen keiner kennt, bleiben auf der Strecke. Wer als Leistungsträger aus der Masse ragt, macht das Rennen. Sogar bei Massenentlassungen werden solche Kandidaten verschont , im Gegensatz zu grauen Teammäusen.

Bin ich gegen Teamarbeit? Nein, ich rate Ihnen, dass Sie Ihr Wissen teilen und die Gruppe mit Ihrer Leistung vorwärts bringen. Aber Ihre Einzelleistung darf nicht wie Gemüse im Gruppeneintopf verschwinden; sie sollte sichtbar und mit Ihrem Namen verbunden bleiben. Machen Sie publik, was Ihr Anteil an einem Erfolg ist.

Sprechen Sie über Ihre Ideen, Ihre Lösungen, Ihre Glanztaten. Und setzen Sie Ihren Chef bei wichtigen Mails auf den Verteiler. Jeder in der Firma sollte wissen, wofür Sie (im Team) gut sind. Diese Einzelleistung – und nur sie – ist der Maßstab, wenn es um Ihr Gehalt und Ihre Karriere geht.

Indem Sie Ihren Anteil an Erfolgen deutlich machen, bringen Sie Ihre Karriere voran. Auch wenn die Firmen »Teamarbeit« predigen: Belohnt wird sie selten. Der Alltag ist nun mal keine Weihnachtsrede. Martin Wehrle