Ein Meister der Selbstinszenierung: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il (rechts) begrüßt eine militärische Parade. Pjöngjang in Nordkorea, 1988 © AFP/Getty Images

Gemeinhin gelten der ehemalige US-Präsident George W. Bush und seine Militärs als besondere Förderer des embedded journalism. Eingebettete Journalisten, das waren jene Reporter, die 2003 mit den US-Truppen in den Irak ziehen durften. Sofern sie den Regeln (ground rules) und dem richtungsweisenden Rat der Presseoffiziere für Texte und Kameraschwenks folgten.

Doch da gibt es auch noch einen anderen großen Freund williger Journalisten, der bereits in einer Schrift gewürdigt wird, die zwanzig Jahre vor dem Irakkrieg erschien: 1983 in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas. Der Große Lehrer der Journalisten Kim Jong Il heißt das wahrlich atemraubende Werk eines anonymen Autors; es kam damals gleich auch in englischer Übersetzung heraus und wurde bis heute immer wieder aufgelegt. Es ist ein Dokument der vollständigen Manipulation, das in Anekdoten und bizarren Propagandaszenen mehr über die Geschichte Nordkoreas und den Zustand des geknebelten Landes verrät als mancher historische Bericht.

Kim Jong Il und sein Vater Kim Il Sung, der bis zu seinem Tod 1994 über Nordkorea herrschte: Der Personenkult um die beiden Diktatoren kannte und kennt keine Grenzen. Er schlägt dem Leser auch hier auf jeder Seite entgegen. Das Buch führt uns zurück in die sechziger und siebziger Jahre.

So machten sich im August 1963 der "große Führer" Kim Il Sung und der "liebe Führer" Kim Jong Il auf, den Paektusan zu besteigen. Der ist eine Art heiliger Berg, seit Kim Il Sung dort in den dreißiger Jahren nach nordkoreanischer Geschichtsschreibung den Widerstand gegen die japanischen Besatzer organisiert hatte. "In der Nacht vor dem Aufstieg", so lesen wir, "konnten die Journalisten kaum ein Auge zutun. Schon im Morgengrauen waren sie auf den Beinen … Plötzlich entdeckten sie den lieben Führer Kim Jong Il am Rande des Sees Samji, wie er feierlich auf den noch im Dunst liegenden Gipfel des Paektusan schaute.

Aus ihrer Ergriffenheit weckte sie vom Gestade her das rollende Echo seiner Stimme: 'Genossen Journalisten, kommen Sie!'" Der liebe Führer war besorgt und fragte, ob sie denn schon gefrühstückt hätten. Als die Reporter das bescheiden verneinten, setzte Kim Jong Il, wie es weiter geschrieben steht, "ein feines Lächeln auf und sprach: 'Heute ist ein denkwürdiger Tag! Sie müssen für Ihre Arbeit gerüstet sein. Ich kann Sie nicht ohne Frühstück gehen lassen.'" Und er nahm sie bei der Hand "und führte sie selbst zu Tisch …"

Wir wollen an dieser Stelle nicht abschweifen zur allgemeinen Versorgungslage anderer, weniger eingebetteter und seltener zu Tisch gebetener Berufsstände in Nordkorea. Für den Journalisten-Lehrer Kim Jong Il ging es ja um "die Gefühle der Massen", die zu "erheben" er die schreibende Zunft anhielt (wie das Vorwort rühmt). So überwachte er im September 1978 "Tag und Nacht" die Vorbereitungen für den Auftritt seines Vaters zum 30. Gründungstag der Volksrepublik. Er wies den Kameramann ein und zeigte ihm, welcher Blickwinkel, welcher Hintergrund auszuwählen sei. Dann erst zog er sich diskret zurück: "Jetzt ist alles in Ordnung. Sie werden den großen Führer mit gebührendem Respekt im Bild haben."