Karl Lagerfeld 2010 © Jacky Naegelen/Reuters

ZEITmagazin: Herr Lagerfeld, das ZEITmagazin feiert seinen 40. Geburtstag…

Karl Lagerfeld: Warum feiern nur alle immer Geburtstag?

ZEITmagazin: 40 Jahre ist doch ein schönes Alter.

Lagerfeld: Sagen wir zwei Mal 20, das klingt besser.

ZEITmagazin: Unser Magazin hat schon früh über Sie berichtet. 1978 waren Sie auf dem Titel. Ein Doppelporträt über Claude Montana und Karl Lagerfeld, den jungen wilden Ex-Hamburger in Paris. Damals war Montana ein Star, er prägte die achtziger Jahre – heute ist er unbedeutend. Haben Sie denn noch Kontakt zu ihm?

Lagerfeld: Ach, Montana. Nein, ich sehe ihn noch hin und wieder auf der Straße. Er sieht irgendwie unheimlich aus, nicht reell. Ich weiß nicht, was er macht.

ZEITmagazin: Es gibt hier noch eine Geschichte mit Ihnen von 1976: Chloé-Kostüme, einmal an Models – und im Kontrast dazu, wie sie an ganz normalen Frauen aussehen.

Lagerfeld: Die sehen doch alle ganz fabelhaft aus!

ZEITmagazin: Sie haben auf den Bildern noch Vollbart und dunkle Haare…

Lagerfeld: Aber sehen Sie mal – schon damals trug ich einen hohen Kragen.

ZEITmagazin: Wie kamen Sie denn auf diesen Look?

Lagerfeld: Das habe ich von meinem Patenonkel abgeschaut. Eine beeindruckende Erscheinung, er wurde 103 Jahre alt. Ich war als Kind einmal mit ihm in Münster spazieren. Dann kamen wir an der Freiligrath-Straße vorbei. Ich fragte ihn, wer denn Freiligrath gewesen sei. Da gab er mit eine Ohrfeige. Später sagte er zu meiner Mutter: »Dein Sohn ist ein Dummkopf, er weiß nicht einmal, wer Freiligrath war.« Da war ich zehn Jahre alt.