AquafarmingFatale Lust auf Shrimps

Garnelen sind zur Massenware geworden, gezüchtet wie Hühner und Schweine. Ökologen versuchen, die Schäden für Mensch und Umwelt zu begrenzen.

Ein Arbeiter hält Shrimps in der Hand: Der weltweite Bedarf übersteigt bei weitem die natürlichen Vorkommen

Ein Arbeiter hält Shrimps in der Hand: Der weltweite Bedarf übersteigt bei weitem die natürlichen Vorkommen

Sie strotzen vor Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen und enthalten die wichtigen Omega-3-Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selber produzieren kann. Die Rede ist nicht von einem Hightech-Joghurt aus den Laboren der Lebensmittelindustrie. Gemeint sind Produkte aus der Natur: Garnelen. Früher waren sie kostbare Meeresfrüchte, doch diesen Luxusstatus haben sie längst verloren. Heute kringeln sie sich auf schnöden Pizzen, in industriell gefertigten Salaten und peppen Fertiggerichte auf. Oder sie liegen beim Discounter in der Tiefkühltruhe, dicht an dicht gepackt – zum Schnäppchenpreis.

Garnelen sind Massenware, werden wie Hühner und Schweine in Massentierhaltung gezüchtet. Möglich macht das die Aquakultur . Kein anderer Bereich der Lebensmittelindustrie wächst so rasant wie die Fisch- und Garnelenmast in künstlich angelegten Teichen. Der Preis dafür ist hoch: Mangrovenwälder wurden in großem Stil abgeholzt. Und einem allzu freizügigen Umgang mit Chemikalien und Medikamenten konnte zeitweise nur ein rigoroser Importstopp Einhalt gebieten.

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Krabben-ABC

Mehr Vielfalt geht nicht: Der eine möchte Scampi, der andere bevorzugt Krabben oder Shrimps, der Nächste verlangt nach Prawns oder Gambas. Aber fast niemand sagt Garnelen. Dabei ist das einer der Sammelbegriffe in der großen Familie des Krustengetiers.

Scampi

Gleich vorweg: Scampi sind keine Garnelen, sondern Kaisergranat, etwa 20 Zentimeter groß und mit zwei länglichen Scheren versehen; eine besondere Delikatesse, die zur Familie der Hummer gehört. Zum großen Bedauern von Feinschmeckern hat sich der Begriff allerdings auch für weniger majestätische Tiere durchgesetzt.

Nordseekrabben

Nordseekrabben sind dagegen klein und echte Garnelen, auch wenn sie meist nicht so genannt werden. Bei Tiefsee- oder Eismeergarnelen trifft der Name erfreulicherweise zu. Sie stammen aus dem Nordatlantik und haben deshalb einen besonders guten Ruf, weil sie umweltverträglich gefangen und – von Chemie unbelastet – unverdrossen genossen werden können.

Shrimps

Die Verwirrung um die Garnele kommt nicht von ungefähr. Es gibt viele Tausend Arten. Etwa 350 davon sind essbar und leben in Salz-, Süß-, Kalt- und Warmwasser. Sie alle tragen lateinische Namen, wie etwa Pandalus borealis. Weil sich das kein Mensch merken kann, gehen meist kleinere Garnelen auch hierzulande als Shrimps durch, was auch der international gängige Begriff für diese Tiere ist.

Prawns

Prawns klingt dagegen einfach mächtiger, was damit zu tun haben mag, dass der Begriff aus den USA stammt und meist dann verwendet wird, wenn es sich um etwas gewichtigere Exemplare handelt. Bleiben noch Gambas, wie sie in Spanien genannt werden. Die hat man auch eher etwas größer in Erinnerung. Garantiert ist freilich auch das nicht.

Immerhin: Die Skandale blieben nicht ohne Folgen. Weltweit arbeiten zahlreiche Initiativen daran, dass Fischfarmer auf tier- und umweltschonende Verfahren umstellen – oder wenigstens ein Minimum an Standards respektieren. Die Europäische Union hat sogar eine spezielle Verordnung erlassen.

Doch kann das die Schäden verringern? Sicher. Jedenfalls dann, wenn Verbraucher tatsächlich wissen wollen, was sie verspeisen – und wenn Händler ehrlich deklarieren, was sie verkaufen. Zurzeit ist der globalisierte Garnelenmarkt allerdings noch ein Beispiel für die Sorglosigkeit vieler Konsumenten, die sich oft nicht einmal im Wirrwarr der Begriffe zurechtfinden.

Wer gern und häufig zum Italiener geht, sagt meist »Scampi« (ohne s, bitte), wenn er Garnelen meint. »Scampi sind aber keine Garnelen, sondern Kaisergranat«, stellt Horst Petersen, Chef des Deutschen Seafood Verbandes klar. Doch solche Details interessieren kaum jemanden mehr. »Die Deutschen kaufen und essen sehr preisbewusst«, sagt Petersen. Es schwingt ein wenig Bedauern mit. Aber der höfliche und erfahrene Importeur will niemanden beleidigen. Deshalb wird er nicht deutlicher.

Die meisten Deutschen mögen es billig. Und davon immer mehr. Petersen erinnert sich: »In den fünfziger Jahren kannte man hierzulande nur Nordseekrabben.« Am Rande vermerkt er, dass das eigentlich Garnelen sind. Heute werden rund 10.000 Tonnen vor der deutschen Küste gefangen. Doch ihr Preis ist stark gesunken, und die deutschen Krabbenfischer fürchten um ihre Existenz.

Gemessen am gesamten Garnelenkonsum sind die Tiere aus der Nordsee allerdings nur ein Häppchen: 84 Prozent der Meeresfrüchte, die auf deutschen Tellern landen, werden importiert. Der Verbrauch stieg in den vergangenen zehn Jahren um das fast Dreifache auf 1,2 Kilogramm pro Kopf. Die Einfuhrpreise sind in diesem Zeitraum um nahezu die Hälfte gesunken.

Garnelen finden weltweit ihren Absatz. Doch so viele, wie die Menschen essen mögen, gibt das Meer schon lange nicht mehr her. Deshalb stammt mittlerweile über die Hälfte der insgesamt verkauften Garnelen aus der Aquakultur, also aus künstlich angelegten Becken, meist in Ländern Lateinamerikas und Asien.

Leser-Kommentare
  1. ... wenn der Konsument nur lange genug zügellos schlemmt, die Produzenten kaum noch nachkommen mit der Produktion, die Herstellungsmethoden immer unzumutbarer werden, irgendwann dann von den Züchtern sogar Reserveantibiotika eingesetzt werden, dann ist der Moment gekommen, dass tatsächlich Handelsbeschränkungen ausgesprochen werden, die Produzenten merken, dass es so wie bisher nicht mehr geht, sie ihre Produktion umwelt- und sozialverträglicher gestalten und sich tatsächlich etwas verbessert auf dieser Welt.

    Wir sehen: Im Kapitalismus gilt, nicht die Produzenten, nicht die Händler, nicht der Staat, nein, der Konsument hat die Macht. Qed.

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    An welcher Stelle genau hat hier Ihr Konsument irgendwelche Macht? Ja wer hat denn nun die Macht?

    Doch wohl eher die Leute, die die Handelsbeschränkungen festsetzen.

    An welcher Stelle genau hat hier Ihr Konsument irgendwelche Macht? Ja wer hat denn nun die Macht?

    Doch wohl eher die Leute, die die Handelsbeschränkungen festsetzen.

  2. 2. Na ja,

    mir haben die Dinger ja zum Glück eh noch nie geschmeckt.

    Die Meere sind überfischt und bei uns wird ja immer noch gepredigt "mindestens 2mal die Woche Fisch!"...

  3. http://albert-schweitzer-...
    Der durchschnittliche Bundesbürger isst rund 150 Tiere pro Jahr. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ruft dazu auf, diese Zahl drastisch zu senken.

    Speziell zu Garnelen Infos des WWF
    http://www.wwf.de/themen/...

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    Lieber achimvr -
    schreiben Sie doch mal was Anspruchvolleres.

    Der Blumenkohl in Ihrem Topf überlebt Ihren Verzehr ja auch nicht.

    Lieber achimvr -
    schreiben Sie doch mal was Anspruchvolleres.

    Der Blumenkohl in Ihrem Topf überlebt Ihren Verzehr ja auch nicht.

  4. Wäre vielleicht eine angenehmere, sinnvollere, preiswertere und schmackhaftere Alternative.
    Billigere Krabben statt teurerer Strom !

    Warum gibt es keine Krabbenfarmen in der Nordsee ?

  5. Lieber achimvr -
    schreiben Sie doch mal was Anspruchvolleres.

    Der Blumenkohl in Ihrem Topf überlebt Ihren Verzehr ja auch nicht.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Fleisch ist Mord"
  6. Warum sollte der Verbraucher alleine die moralische Verantwortung tragen unrecht hergestellte Waren von rechtens Hergestellten zu trennen?

    Wäre es nicht treffender, wenn die Personen in Zwang genommen werden, die tatsächlich Anbauen (lassen)?

    Im Zweifelsfall ist der mächtigste Beteiligte oder die mächtigste beteiligte Institution vermutlich besser geeignet hier zu selektieren als jeder Einzelne von uns für sich selbst.
    Wir haben sowieso schon lange kein Wissen mehr um den wirklichen Wert unserer Konsumgüter. Für Menschen mit begrenztem Einkommen - und erst recht wenn man die ganze Sache unternehmensunabhängig Betrachtet - erweist sich die Marktmacht der Verbraucher als Illusion. Substitution unseres Konsums nahezu unmöglich. Wir kaufen.

    Piraten, die Öltanker festsetzen können Flugzeugträger bewegen.
    Funktionäre, die giftige Stoffe in unseren Lebensmittelkreislauf einbringen können getadelt werden.

    • minhen
    • 13.11.2010 um 14:45 Uhr

    "Scampi ohne s, bitte"? Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, beinhaltete das Deutsche noch nicht die italienische Grammatik. Aber eigentlich müsste das auch jedem klar sein. Denn wer möchte schon wegen "Scampi" Italienisch, wegen "Steak" Englisch, wegen "Nasi Goreng" Indonesisch, wegen "Döner Kebap" Türkisch, wegen "Burrito" Spanisch, wegen "Sushi" Japanisch oder wegen "Ananas" Guarani lernen, nur um in Deutschland nicht von Besserwissern korrigiert zu werden?

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    Tja, da muss ich Sie enttäuschen. Auch das -s ist im Deutschen keine Pluralendung. "Handys, Babys, Büros, Videos etc." haben als Lehnwörter auch ihre französischen bzw. englischen Pluralformen mitgebracht. Ein echter deutscher Plural müsste hingegen z.B. "Scampen" lauten. Die Form "Scampis" ist also in der Hinsicht sogar doppelt abwegig.

    Oder ist Ihnen dieser Hinweis auch zu besserwisserisch?

    Tja, da muss ich Sie enttäuschen. Auch das -s ist im Deutschen keine Pluralendung. "Handys, Babys, Büros, Videos etc." haben als Lehnwörter auch ihre französischen bzw. englischen Pluralformen mitgebracht. Ein echter deutscher Plural müsste hingegen z.B. "Scampen" lauten. Die Form "Scampis" ist also in der Hinsicht sogar doppelt abwegig.

    Oder ist Ihnen dieser Hinweis auch zu besserwisserisch?

  7. Tja, da muss ich Sie enttäuschen. Auch das -s ist im Deutschen keine Pluralendung. "Handys, Babys, Büros, Videos etc." haben als Lehnwörter auch ihre französischen bzw. englischen Pluralformen mitgebracht. Ein echter deutscher Plural müsste hingegen z.B. "Scampen" lauten. Die Form "Scampis" ist also in der Hinsicht sogar doppelt abwegig.

    Oder ist Ihnen dieser Hinweis auch zu besserwisserisch?

    Antwort auf "Scampi ohne s"
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    • minhen
    • 13.11.2010 um 16:53 Uhr

    Sprachpurist? Seit wann sagt ein Sprachpurist "wie die Menschen sprechen ist richtig, hören Sie mit Ihren Belehrungen auf?". Aber zu Ihrer Frage. Selbstverständlich gibt es den s-Plural im Deutschen. Oder halten Sie Omen etwa für den Plural von Oma? Wenn Sie es genauer wissen möchten, empfehle ich Ihnen das Kapitel "Die Bildung der Pluralformen" in der Duden-Grammatik. Ihre Beispiele sind übrigens auch nicht besonders geschickt gewählt. "Handy" und "Baby" würden im Englischen den Plural auf -ies bilden. Dabei ist "Handy" ohnehin ein deutsche Bildung, die es so als Substantiv im Englischen gar nicht gibt. Was ist eigentlich so schwer daran, die Menschen einfach unbehelligt sprechen zu lassen? Das werde ich wohl nie verstehen.

    • minhen
    • 13.11.2010 um 16:53 Uhr

    Sprachpurist? Seit wann sagt ein Sprachpurist "wie die Menschen sprechen ist richtig, hören Sie mit Ihren Belehrungen auf?". Aber zu Ihrer Frage. Selbstverständlich gibt es den s-Plural im Deutschen. Oder halten Sie Omen etwa für den Plural von Oma? Wenn Sie es genauer wissen möchten, empfehle ich Ihnen das Kapitel "Die Bildung der Pluralformen" in der Duden-Grammatik. Ihre Beispiele sind übrigens auch nicht besonders geschickt gewählt. "Handy" und "Baby" würden im Englischen den Plural auf -ies bilden. Dabei ist "Handy" ohnehin ein deutsche Bildung, die es so als Substantiv im Englischen gar nicht gibt. Was ist eigentlich so schwer daran, die Menschen einfach unbehelligt sprechen zu lassen? Das werde ich wohl nie verstehen.

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