In manchen Restaurants (der unteren Preisklasse) findet man sie noch, die Salzstreuer mit Reiskörnern drin. Angeblich, so die gängige Erklärung, zieht der Reis jene Feuchtigkeit an, die sonst im Salz landet und es verklumpen lässt.

Im Internet gibt es heiße Diskussionen darüber, ob das wirklich stimmt. Sie fangen schon bei der Frage an: Ist Salz überhaupt hygroskopisch, also wasseranziehend? Die Antwort lautet Ja und Nein – unterhalb einer bestimmten Luftfeuchtigkeit (der sogenannten Deliqueszenzfeuchte von etwa 75 Prozent) zieht Kochsalz kein Wasser an. Und die sollte in Restaurants eigentlich nicht erreicht werden. Allerdings enthält Haushaltssalz (Natriumchlorid) auch Spuren anderer Verbindungen wie Magnesiumchlorid, das schon bei 33 Prozent Luftfeuchtigkeit klumpt.

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Also zur nächsten Frage: Bindet der Reis auch die Feuchtigkeit? Da sind Zweifel angebracht. Zwar saugt sich Reis gern mit Wasser voll und quillt dabei auf, allerdings muss man ihn ziemlich lange dafür kochen. Und einmal vollgesogene Reiskörner werden auch nicht wieder kleiner – die Körner in Salzstreuern sehen hingegen oft so aus, als hätten sie schon seit Jahrzehnte ihre ursprüngliche Gestalt.

Wenn sie im Salzstreuer überhaupt eine Wirkung haben, dann ist diese rein mechanisch – die schwereren Reiskörner zerschlagen die Salzklümpchen. Nötig ist das nicht: Modernes Speisesalz enthält Trennmittel wie Kalzium- oder Magnesiumcarbonat, die das Zusammenklumpen recht zuverlässig verhindern.

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