Das Virus ist zurück, und man kann es spüren. An den Finanzmärkten, deren Kurse fieberhaft ausschlagen. Im hektischen Durcheinander in Dublin, Madrid und anderen Hauptstädten bedrohter Euro-Länder. Und bei den Auftritten der nationalen Regierungschefs, die sich gegenseitig die Schuld an der neuerlichen Verschärfung der Situation geben.

Welche Perversion: Die Währungsunion sollte der Klub der stabilsten und stärksten Volkswirtschaften werden. Jetzt steht sie für einen existenzgefährdeten Verein, in dem sich reiche und arme, solide und marode Länder fortwährend streiten.

Natürlich sind die Deutschen daran nicht unschuldig. Wie schon in der Bankenkrise haben wir die Monster selbst erschaffen, die uns nun zu fressen drohen. Wir haben weggeschaut, als Griechenland sich in den Euro schummelte. Und wir haben zugeschaut, als Italien mit Bilanztricks die letzten Hürden nahm. Dann befeuerte Europa den iberischen Bauboom – kaum eine neue Straße, an der das EU-Förderschild gefehlt hätte. Und als sich in Irland längst das Finanzwesen aufblähte, machte Berlin schnell noch den Weg frei für deutsche Banken, die mit ihren Tochterfirmen am irischen Wunder teilhaben wollten.

Nun bedrohen alle diese Länder unsere Währung und unseren Wohlstand. Vorbei die Hoffnung, die schwächeren Länder könnten zu den stärkeren aufschließen und alle zusammen könnten dem großen Schuldenmachen abschwören. Klar wie nie zuvor ist heute, dass die Mitgliedschaft im Euro-Raum nach rein politischen Kriterien vergeben wurde. Bloß nutzt es uns jetzt nichts, den Geburtshelfern zu zürnen oder uns gar von Europa abzuwenden. Niemand kann es sich heute leisten, den Euro zu verlassen. Auch nicht die Bundesrepublik, für die dann ihr wichtigster Exportmarkt zusammenstürzte.

Stattdessen muss Europa ein doppeltes Kunststück fertigbringen: den Not leidenden Euroländern durch die Krise helfen und gleichzeitig ein hartes Währungsregime für die Zeit danach schaffen. Es ist die Rolle der wiedererstarkten Deutschen , dabei der größte Zahler und der lauteste Mahner zugleich zu sein. Beliebt können wir uns später machen.

Hatte ernsthaft jemand geglaubt, die Staatsschuldenkrise sei erledigt? Irland allein muss in diesem Jahr neue Schulden in Höhe von fast einem Drittel seiner Wirtschaftsleistung aufnehmen – ein Horror. Vor allem seine überdimensionierte Finanzbranche kommt das ehemalige Boomland teuer zu stehen, und wie das auf dem Höhepunkt einer Krise so ist, tun sich immerfort neue Löcher auf.

Deutschland hat allen Grund zu helfen. Mehr als 100 Milliarden Euro haben deutsche Banken in Irland an Krediten vergeben. Gingen die teilweise verloren, bräche die Bankenkrise auch zwischen Rhein und Oder wieder aus. Schlimmer noch: Es könnte zu einem europäischen Dominoeffekt kommen, falls Irland kollabierte. Daran kann niemand weniger interessiert sein als die deutsche Wirtschaft, die – allen Erfolgen in Fernost zum Trotz – immer noch mehr als 60 Prozent ihrer Exporte in der EU absetzt. Deshalb wäre es gut, wenn Irland sich unter den großen Rettungsschirm der Europäer und des Internationalen Währungsfonds flüchtete. Genau für solche Fälle ist er da.