Der eine Vorstandschef setzt sich selbst unter Druck. Der für 2013 versprochene Milliardengewinn soll beim Baukonzern Hochtief schon nächstes Jahr Wirklichkeit werden , das kündigte Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter an. Immerhin 2012, und damit ein Jahr früher als geplant, möchte er die Immobilientochter Aurelis Real Estate zu Geld machen. Bereits im kommenden Jahr will Lütkestratkötter die Konzernsparte mit dem englischen Namen Concessions an die Börse bringen und dort stückchenweise verkaufen; in dieser Tochterfirma hat Hochtief seine Kapitalbeteiligungen an Flughäfen wie Düsseldorf, Hamburg, Athen, Budapest und Sydney geparkt.

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Damit rasch Bares in die Kasse kommt, ist der Baukonzern neuerdings auch bereit, die Mehrheit an der Flughafensparte abzugeben oder sich sogar komplett von ihr zu trennen. Bisher plante man, auch nach einem Börsengang die Kontrolle über die Tochterfirma zu behalten. 2009 war der Börsengang mangels Nachfrage abgesagt worden. Selbst wenn sich nun wiederum zum gewünschten Preis keine Käufer finden sollten, will Lütkestratkötter verkaufen – an einen Großinvestor. Hauptsache weg, Hauptsache Cash. Die Zeit des Zauderns ist vorbei.

Der andere Vorstandschef bläst noch lauter zur Offensive. Siemens-Chef Peter Löscher, ohnehin kein Freund des Understatements, strotzt derzeit vor Selbstbewusstsein. Siemens will sich künftig nur noch an den Weltbesten messen lassen. Mit dem großen Rivalen, dem US-Industriegiganten General Electric (GE), sieht sich Löscher inzwischen "auf Augenhöhe". In den kommenden Jahren soll der Münchener Konzern nach seinen Vorstellungen die Konkurrenten GE, Alstom, ABB und Philips beim Wachstum des Umsatzes überflügeln und bei der Profitabilität weit oben stehen.

Nach einem Reingewinn von vier Milliarden Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr (das bei Siemens traditionell im September endet) will der Konzern die Dividende drastisch erhöhen, die Anteilseigner erhalten fast 70 Prozent mehr Geld als im Vorjahr. Die Hauptversammlung im Januar, bei der die Aktionäre der Gewinnausschüttung noch zustimmen müssen, könnte zur großen Feier werden.

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Zwei deutsche Traditionskonzerne entdecken in diesen Tagen ihre Aktionäre neu. Ihre Chefs reden nicht von Shareholder-Value, der Begriff ist aus der Mode geraten, aber sie haben beide vergangene Woche eine Charmeoffensive in Richtung ihrer Kapitalgeber begonnen.

Mit einem bedeutsamen Unterschied: Während Siemens aus einer Position der Stärke heraus das Verhältnis zu seinen Aktionären auf eine neue Grundlage stellt, steht das Hochtief-Management sozusagen mit dem Rücken zur Betonwand. Der spanische Baukonzern ACS hat im September zur Übernahme geblasen. Der Vorstand in Essen empfindet das Ansinnen als feindlich .

In der Wirtschaftskrise war der Kauf und Verkauf von Unternehmen weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Banken gaben kein Kreditgeld mehr für expansionshungrige Konzerne, die sich einen Wettbewerber einverleiben wollten. Und selbst die großen Unternehmen hatten in der Zeit der Rezession genügend mit sich selbst zu tun. Das Übernahmekarussell stand plötzlich still.