Es war ein historischer Moment. Am 5. Oktober 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, traten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr damaliger Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor die Kameras und verkündeten, die Ersparnisse der Deutschen seien sicher. Der Staat garantiere dafür. Ihr Auftritt verfehlte seine Wirkung nicht: Der befürchtete Run auf die Banken in Deutschland blieb aus.

Um es in Zukunft erst gar nicht zu solch dramatischen Momenten kommen zu lassen, will die Europäische Kommission Sparer besser schützen. Mit großer Vehemenz aber wehrt sich die Regierung in Berlin gegen eine Richtlinie, mit der Brüssel die Sicherungssysteme in den Mitgliedstaaten reformieren will. Demnach sollen Einlagen wie Guthaben auf Tages- und Festgeldkonten im Pleitefall künftig binnen sieben Tagen ausgezahlt werden, was Kunden monatelange Zitterpartien ersparen würde. Zudem soll die gesetzlich geschützte Summe, die auf Basis einer früheren Richtlinie mit Beginn des neuen Jahres europaweit von 50.000 auf 100.000 Euro pro Sparer steigt, für alle Banken gelten – ohne Ausnahme.

An diesem Punkt entzündet sich der Streit. Deutsche Politiker fürchten hohe Zusatzkosten für Volksbanken und Sparkassen, die bislang nicht in den gesetzlichen Einlagensicherungsfonds einzahlen. Der Grund: Beide Bankengruppen haben eigene Schutzsysteme. Diese sogenannte Institutssicherung sieht vor, dass im Fall einer Insolvenz der Bankenverbund der betroffenen Bank zur Seite springt und die Ersparnisse der Kunden garantiert.

Dieses System will EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier künftig nur noch als freiwillige Zugabe zur gesetzlichen Garantie erlauben. Volksbanken und Sparkassen müssten dann zusätzlich noch in den gesetzlichen Fonds einzahlen. Dagegen wehren sie sich. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, spricht von Kosten in Milliardenhöhe. Und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken warnt: "Das wäre weder sachgerecht noch wirtschaftlich tragbar." Die Genossenschaftsbanken wollen, dass die Institutssicherung als gleichwertige Alternative anerkannt bleibt.

Die Institutssicherung hat einige Vorteile. Sie greift zum Beispiel schon vor einer Pleite, weil sich die Mitgliedsbanken gegenseitig überwachen. Gerät ein Institut in Schieflage, wird der regionale Stützungsfonds angezapft, um es zu stabilisieren. Kein Sparer muss lange um sein Geld bangen.

Der Haken an der Sache: Die Institutssicherung ist freiwillig, sie ist nirgendwo gesetzlich verankert. Der Kunde hat also keinerlei Rechtsanspruch, dass seine Bank im Ernstfall auch tatsächlich gestützt wird. Er muss darauf vertrauen, dass die anderen Banken in der Gruppe ihr Versprechen halten. Bisher war das zwar immer der Fall, aber das könnte sich ändern, wenn erst einmal der gesamte Verbund in Finanznot gerät. Und das ist gar nicht so weit hergeholt. Hätten etwa die Sparkassen während der Finanzkrise allen wankenden Landesbanken beistehen müssen, hätten sie also nicht in manchen Fällen die Rettung allein dem Miteigentümer Staat überlassen können, hätte sie das breit belastet. "Das System der Sparkassen und Volksbanken ist für einen Flächenbrand im Finanzsystem nicht geschaffen", warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Wenn die EU nun auch Volksbanken und Sparkassen in die Pflicht nehmen will, ist das erst einmal gut für den Sparer. Er genießt dann mehr Schutz. "Jedes zusätzliche Maß an Sicherheit ist zu begrüßen", sagt Andreas Zittlau, Geschäftsführer der Kölner Vermögensberatung CPM. Die Finanzkrise habe so viele Gewissheiten über den Haufen geworfen, dass sich Sparer nicht mehr allein auf unverbindliche Zusagen verlassen sollten.