Der Konflikt in Israel und Palästina. Da möchte man gleich weitergehen. Nachrichten von Bomben und Toten, jüdischen Siedlungen, Räumungen – ein seit Ewigkeiten aus dem Radio, aus dem Fernsehen wütendes Rauschen. Schlimmer als ein Krieg ist ein Krieg, der einem fast egal geworden ist, bei dem Worte wie Frieden und Verhandlungen wertlos und hohl klingen.

Gerade deshalb will man ihn mögen, den neuen Film von Julian Schnabel. Schnabel ist der Regisseur für Extremfälle, der nach der Geschichte über den ganzkörpergelähmten Medientypen in Schmetterling und Taucherglocke nun Miral, einen ganzheitlichen Film über den Nahostkonflikt, gedreht hat. Früh heißt es über Miral, dass es sich hierbei um eine rote Blume handele, die am Straßenrand wachse, an der man vorbeifahre, ohne ihre Schönheit zu bemerken. Schnabel hingegen bemerkt in der Geschichte nun wirklich alles und pflückt jedes Blümlein, das er am Straßenrand der historischen Ereignisse finden kann. Er spannt einen weiten Bogen zurück in das Jahr 1948, zeigt Originalbilder der ersten jüdischen Heimkehrer aus der ganzen Welt, bevor er das Schicksal dreier Frauen erzählt. Da ist die Palästinenserin Hind Husseini, Gründerin des Al-Tifl-Waisenhauses in Jerusalem. Und da ist eine weitere Palästinenserin, die als junge Frau vor ihrem Vater flüchtet, sich als Bauchtänzerin durchschlägt, dem Alkohol verfällt, wegen einer Ohrfeige an einer jüdischen Frau einige Wochen im Gefängnis sitzt, also eine Biografie hinter sich bringt, die die persönliche Blaupause des zerrissenen Landes ist. Und schließlich ihre Tochter Miral (Freida Pinto). Mirals Geschichte ist die der Journalistin Jula Jebreal, auf deren Biografie und Drehbuch der Film beruht.

Zum Film "Miral" - Julian Schnabel: "Ich filme, wie ich male" Der Künstler Julian Schnabel hat seinen vierten Film gedreht: die wahre Geschichte einer jugendlichen Palästinenserin in Israel. Mit ZEIT ONLINE spricht er über die Kunst im Filmemachen und das Glück in Freiheit leben zu können.

Schnabel will zeigen, wie absolut ein Krieg über jedes Leben herrscht. Aber der Blick des Zuschauers wandert zur Leiterin des Waisenhauses, Hind Husseini, die eigentlich wunderbar von Hiam Abbass dargestellt wird. Doch eine von Schnitt zu Schnitt andere Frisur wuchert in ihr Spiel hinein. Ihre wechselnden Perücken, an denen man das jeweilige Jahrzehnt ablesen kann, sind so auffällig, dass man fast vergisst, das Husseini in Jerusalem zunächst 55 Kinder gerettet und mit ihrem Vermögen ein Waisenhaus gegründet hat, das im Verlauf eines brutalen Krieges auf über 3000 Kinder anschwellen wird. An diesem utopischen Ort, wo bald eine eigene Schule entsteht, wo Politik und Krieg vor einem großen Eisentor stehen bleiben müssen und über das die Leiterin wie eine Friedenshüterin, fast will man sagen: wie eine Heilige wacht, wird Schnabels Heldin aufwachsen.

Mit siebzehn Jahren verliebt sich Miral in einen PLO-Aktivisten, der sagt: "Die jüdischen Siedlungen sind das Krebsgeschwür dieses Landes." Aua. Solche Sätze mögen notwendig sein, weil sie die Drastik und Unbedingtheit der Positionen in diesem Krieg beleuchten. Nur leider entwickelt Schnabel in seinem Film niemals wirklich ein Gegengewicht zu dieser Perspektive. Im Gegenteil, bei ihm sehen brutale israelische Polizistinnen aus wie blonde deutsche KZ-Wärterinnen. Immerhin, am Ende taucht eine jüdische Frau auf, die sehr nett und menschlich ist und aussieht wie die junge Barbra Streisand.