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DIE ZEIT : Herr Worow, Sie gelten als Legende unter den Sporttrampern. Wie ist Ihr persönlicher Anhalter-Kilometerstand im Moment?

Alexej Worow: Ich bin 1.741.350 Kilometer gefahren. Im Schnitt mache ich 60.000 Kilometer pro Jahr.

ZEIT : Wie unterscheidet sich Sporttrampen vom Fahren als Anhalter?

Worow: Wie der Rallyesport vom alltäglichen Autofahren. Während normale Anhalter sich intuitiv irgendwo hinstellen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, analysieren wir erst die Strecke und erarbeiten einen Aktions-Algorithmus. Dabei gibt es viele Dinge zu bedenken, etwa wie die Verkehrsströme sich zu verschiedenen Tageszeiten verändern. So kann man sicherstellen, dass man in die Richtung fährt, in der die meisten Autos unterwegs sind. Ein anderer wichtiger Faktor: Wie sichtbar ist der Standplatz an der Straße? Birgt er eine Gefahr für nachfolgende Autofahrer? Ist der Bremsweg ausreichend? Dazu kommt eine spezielle Ausrüstung für das autonome Überleben: Zelt, Lebensmittel, warme Kleidung.

ZEIT : Worum geht es bei den Wettbewerben der Sporttramper? Darum, möglichst schnell eine Strecke zu bewältigen?

Worow: Das wäre zu einfach. Unsere Wettfahrten umfassen viele Elemente der klassischen Geländeorientierung. Es gilt, eine Reihe von Kontrollpunkten abzufahren. Viele befinden sich nicht an der Straße, sondern im Wald, auf Hügeln oder auf einer Insel, zu der man sich durchkämpfen muss. In welcher Reihenfolge und auf welchen Routen die Kontrollpunkte erreicht werden und wann die Teilnehmer ihre Ruhezeit einhalten, ist jedem freigestellt.

ZEIT : Welches war die schwerste Strecke, die Sie je zurücklegen mussten?

Worow: 1992 fuhren wir von Jakutsk aus über Eisstraßen Tausende von Kilometern in Richtung Beringstraße. Manchmal kam nur ein Auto in drei Tagen vorbei. Die Temperatur sank bis auf minus 50 Grad. Das waren extreme Bedingungen, aber wir kamen ohne Erfrierungen davon.

ZEIT : Was ist der Sinn einer solchen Tortur?

Worow: Warum zog es Amundsen und Scott zum Südpol und Hillary auf den Mount Everest? Das sind alles Wege der Welterkenntnis.

ZEIT : In den nächsten Jahren wollen Sie die erste Tramper-Weltmeisterschaft organisieren. Wie soll sie ablaufen?

Worow : Sie umfasst drei Wettbewerbsrunden. Die erste startet im August 2011 in den jeweiligen Teilnehmerländern. Die Minimaldistanz beträgt 5000 Kilometer. Wenn die Länder zu klein sind wie im Baltikum, werden benachbarte Regionen eingeschlossen. Mindestens sechs Mannschaften von jeweils zwei Trampern, nehmen teil. Die Paare bestehen aus zwei Männern oder einer Frau und einem Mann. Die besten Teams bilden dann die Nationalmannschaften.

ZEIT: Was kommt nach der ersten Runde?