NS-Forschung: "Das hat einige sehr aufgeregt"
Darf man Antisemitismus und antiislamische Ressentiments vergleichen? Ein Gespräch mit dem Berliner Historiker Wolfgang Benz über Motive der NS-Forschung und alte, unüberwindliche Vorurteilsstrukturen.
© OFF/AFP/Getty Images

Eine Geschäftstraße in Deutschland im November 1938: Ein jüdischer Laden ist mit antisemitischen Kritzeleien beschmiert
DIE ZEIT: Herr Benz, die Berichte über die Machenschaften des Auswärtigen Amtes sorgten für einiges Aufsehen. Haben Sie die Ergebnisse der Historikerkommission überrascht?
Wolfgang Benz: Nein. Das meiste war bekannt. Dennoch hat die Kommission in der Aufklärung vieler Details, auch zur Nachkriegszeit, großartige Arbeit geleistet. Ähnlich verhält es sich mit dem Zwischenbericht zum Reichsfinanzministerium, der vergangene Woche erschienen ist: Wer sich mit der Ausplünderung der Juden, der sogenannten Arisierung, beschäftigt hat, weiß, dass dieses Ministerium tatkräftig mitwirkte. Für die Öffentlichkeit aber muss man solche Dinge immer wieder aufrollen, für jede Generation aufs Neue. Nur so kann mit dem alten Zerrbild aufgeräumt werden, die NS-Untaten seien allein das Werk eines Gangsters namens Adolf Hitler und seiner Entourage gewesen.
ZEIT: Eine Debatte wie in den neunziger Jahren um die Verbrechen der Wehrmacht hat der AA-Bericht allerdings nicht ausgelöst. Ist die Zeit der großen historischen Kontroversen vorbei?
Benz: Dieser Art von Kontroversen gewiss. Aber es wird weiterhin Debatten geben. Die entscheidende Frage bleibt: Wie war das alles überhaupt möglich, wie konnte es zu solchen Verbrechen kommen? Dazu müssen wir unseren Erkenntnishorizont erweitern und über Fachgrenzen blicken. Wir benötigen Arbeiten von Philosophen, Erkenntnistheoretikern, Psychoanalytikern. Andere Länder sind da sehr viel weiter.

Der Historiker, Jahrgang 1941, war bis zum März 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Er ist Mitherausgeber des Übersichtswerks Der Ort des Terrors, das in neun Bänden die Geschichte der Konzentrationslager im Dritten Reich zusammenfasst.
ZEIT: An Büchern über die NS-Zeit herrscht kein Mangel. Und dennoch fehlen zu vielen Protagonisten des "Dritten Reichs" verlässliche Biografien.
Benz: Gerade erscheint eine neue Goebbels-Biografie von Peter Longerich. Aber wir haben immer noch kein gründliches Buch über Göring. Auch nichts Entsprechendes zu Roland Freisler, ebenso wenig etwas über Julius Streicher, den Herausgeber des Stürmers. Aufschlussreicher und dringender sind allerdings Kollektivbiografien einzelner Tätergruppen nach der Art von Michael Wildts Buch Generation des Unbedingten über das Personal des Reichssicherheitshauptamts. Außerdem stößt man immer wieder auf neue Fragen. So haben wir 2002, als das Gesetz über die Ghetto-Renten beschlossen wurde, festgestellt, wie wenig wir über die 500 bis 600 von den Deutschen im Osten eingerichteten Ghettos wussten. Nun aber brauchten wir Detailkenntnisse, etwa darüber, welche Arbeit im Ghetto Zwangsarbeit war und welche nicht. Damals begann ein sehr wichtiges Forschungsprojekt.
ZEIT: Das hört sich an, als stehe den Historikern noch viel Fleißarbeit bevor!
Benz: Ja, aber dabei darf es nicht bleiben. Denn all die Arbeit ist nichts als antiquarische Liebhaberei, wenn man daraus nicht auch einen Nutzen für die Gegenwart zieht: Sich mit dem Holocaust zu beschäftigen heißt für mich, zu fragen, wohin Diskriminierung führt. Jedes genozidale Geschehen beginnt mit der kategorialen Zuschreibung von Eigenschaften zu einer bestimmten Gruppe. Wir brauchen deshalb auch in Deutschland eine international vergleichende Genozidforschung. Wir müssen beschreiben, welche Mechanismen das Morden ermöglichen, wie die Opfergruppen zuvor ausgesondert und diffamiert werden.
ZEIT: Verharmlosen solche Vergleiche nicht den Holocaust?
Benz: Der Einwand ist absurd. Der wissenschaftliche Vergleich ist eine legitime, notwendige Erkenntnismethode. Nichts liegt mir ferner, als den Holocaust zu relativieren! Nur, es genügt eben nicht, dass ab und zu ein Politiker sagt: "Nie wieder Auschwitz!" Man muss dem Wesen des Vorurteils nachgehen.






Goldig, langsam wird es goldig.
Alle 2 Tage findet man etwas, das irgendwie mit den NAZIs zu tun hat. Ob man ein Turnerkreuz rauskramt, schnell ein paar Freiheitskämpfer von 1800 zu Vornazis erklärt und nun wird Islamkritik zu einer Auschwitzideologie verklärt.
Das Deutschland sich abschafft, dieses macht der Redaktion keine Sorgen. Aber Gleiseschottern, ob nun Bio oder Normalbier zu trinken ist, dererlei Dinge sind enorm wichtig. :-)
Klasse!
PS:
Ein ekelhafter und zynischer Vergleich. Das finde ich wirklich zum brechen. Jetzt reichte es dann! Kein Anstand mehr!
Punkt 1:
Ich kann nicht behaupten, daß die Juden weltweit Menschen durch das ermorden von Zivilisten in Angst und Schrecken versetzt haben. Zudem haben sie für Ihr Vaterland im 1WK gekämpft und waren eine wirkliche Bereicherung für dieses Land.
Punkt 2:
Wenn die Juden früher, die Privilegien und die Lobby in der Presse/Politik der heutigen Moslems besessen hätten, wäre es nie zum Holocaust gekommen.
Punkt 3: Die Nazikeule wird von der ZEIT mittlerweile schon inflationär gebraucht und nutzt sich dementsprechend einfach schneller ab. Ich würde die stärkste Waffe gegen
konservative Tendenzen nicht so schnell "verbraten". :-)
Ja, das finde ich auch klasse, dass es der Redaktion keine Sorgen macht, dass D sich bald abschafft. Weil es nicht passieren wird. Die einzigen, die es bisher beinahe geschafft hätten, D abzuschaffen, waren paranoide Deutsche. Und die Mechanismen, die dahintersteckten, werden in dem Interview sehr zutreffend beschrieben.
1: Das sagen Sie aus HEUTIGER Sicht - es gab aber alle möglichen Vorwürfe - Juden vergiften Brunnenwasser, sind Kindsmörder, wollen die Christen beherrschen/vernichten etc. - die z.T. über Jahrhunderte fortbestanden. Dass sie im 1. WK gekämpft haben wurde keinesfalls als "Integrationsbeweis" anerkannt. Dass sie eine Bereicherung für die damalige Gesellschaft darstellten, wurde von vielen eben nicht so gesehen, auch wenn dies für uns heute unverständlich erscheint. Damals hatte man 1001 Argumente, warum sie keine Bereicherung, sondern eine Gefahr sind. Auch damals dachten viele, die Vorbehalte gegen eine bestimmt Bevölkerungsgruppe beruhe auf objektiven Tatsachen.
Die "Argumente" für Ablehnung und Diskriminierung sind über Jahrhunderte hinweg im Prinzip immer die gleichen, im Rückblick wundert man sich, aber in der jeweiligen Situation denken alle: Aber das ist ja was ganz anderes, in unserer jetzigen Situation ist es WIRKLICH so.
2: Genau das wurde aber damals behauptet: jüdische Privilegien und Beherrschung von Presse und Politik.
3: Die gute alte Nazikeulen-Keule - nicht jeder Vergleich mit der NS-Zeit ist automatisch unangemessen und unzutreffend.
Ja, das finde ich auch klasse, dass es der Redaktion keine Sorgen macht, dass D sich bald abschafft. Weil es nicht passieren wird. Die einzigen, die es bisher beinahe geschafft hätten, D abzuschaffen, waren paranoide Deutsche. Und die Mechanismen, die dahintersteckten, werden in dem Interview sehr zutreffend beschrieben.
1: Das sagen Sie aus HEUTIGER Sicht - es gab aber alle möglichen Vorwürfe - Juden vergiften Brunnenwasser, sind Kindsmörder, wollen die Christen beherrschen/vernichten etc. - die z.T. über Jahrhunderte fortbestanden. Dass sie im 1. WK gekämpft haben wurde keinesfalls als "Integrationsbeweis" anerkannt. Dass sie eine Bereicherung für die damalige Gesellschaft darstellten, wurde von vielen eben nicht so gesehen, auch wenn dies für uns heute unverständlich erscheint. Damals hatte man 1001 Argumente, warum sie keine Bereicherung, sondern eine Gefahr sind. Auch damals dachten viele, die Vorbehalte gegen eine bestimmt Bevölkerungsgruppe beruhe auf objektiven Tatsachen.
Die "Argumente" für Ablehnung und Diskriminierung sind über Jahrhunderte hinweg im Prinzip immer die gleichen, im Rückblick wundert man sich, aber in der jeweiligen Situation denken alle: Aber das ist ja was ganz anderes, in unserer jetzigen Situation ist es WIRKLICH so.
2: Genau das wurde aber damals behauptet: jüdische Privilegien und Beherrschung von Presse und Politik.
3: Die gute alte Nazikeulen-Keule - nicht jeder Vergleich mit der NS-Zeit ist automatisch unangemessen und unzutreffend.
.......wie die bisherigen Kommentare Herr Benz´ Thesen stützen.
Klar, bei den Juden haben wir uns ja total geirrt- sogar von "christlich-jüdischer" Leitkultur wird heute gesprochen! Aber diese Moslems, nein- die wollen uns wirklich an den Kragen.
Herrlich, wie meine Vorredner hier versuchen, mit hanebüchenen Argumenten die Unterschiede zwischen den heutigen gesellschaftlichen Spannungen (und die gibts,zweifellos!!)und dem beginnenden Antisemitismus im ausgehenden 19.Jahrhundert zu erklären-
Herr Benz hat recht, seine Forschung ist wirklich ein totaler Aufreger für manche. Umso besser;-)
ich war sehr erleichtert, die thesen von herrn benz zu lesen. ich arbeite seit jahren im umfeld der integrationsarbeit, also im kontakt mit muslimen. und mir ist die diskrepanz zwischen öffentlicher wahrnehmung des ismalms, unter alleiniger bezugnahme zu terrorismus und fundamentalismus. aber der islam als religion und "lebensform" ist weitaus mehr. ich würde behaupten, daß islam eine sehr friedliche religion ist. um dies beurteilen zu können, muß man aber wenigstens mal gelebten muslimischen alltag erlebt haben, sich die grundprinzipien mal haben erklären lassen usw. allein die bedeutung der kürzlichen opferfestes ist eine sehr ehrenwerte sache. barmherzigkeit pur. die regeln des ramadan umfassen weit mehr als nur das verbot von essen, trinken etc. von sonnenauf- bis sonnenuntergang. pflege von gemeinschaftlichkeit... aber weiß das hier irgend jemand? wieviel eigentlich weiß man denn wirklich in deutschland über den islam? man nimmt doch den islam lediglich über negativzuschreibungen wie eben terrorismus, fundamentalismus oder maximal die zunehmend schlechte integration von muslimischen jugendlichen. aber interessiert dabei eigentlich irgendwen, welche ursachen das hat?
kurz und gut, ich kann die thesen des prof. benz aus eigener erfahrung nur bestätigen. ich könnte seitenweise darüber schreiben und illustrieren bzw. begründen. mich beunruhigt zunehmend außerordentlich die sich zuspitzende stimmung in deustchland, die mir so etwas wie einen sündenbock zu suchen scheint.
ich war sehr erleichtert, die thesen von herrn benz zu lesen. ich arbeite seit jahren im umfeld der integrationsarbeit, also im kontakt mit muslimen. und mir ist die diskrepanz zwischen öffentlicher wahrnehmung des ismalms, unter alleiniger bezugnahme zu terrorismus und fundamentalismus. aber der islam als religion und "lebensform" ist weitaus mehr. ich würde behaupten, daß islam eine sehr friedliche religion ist. um dies beurteilen zu können, muß man aber wenigstens mal gelebten muslimischen alltag erlebt haben, sich die grundprinzipien mal haben erklären lassen usw. allein die bedeutung der kürzlichen opferfestes ist eine sehr ehrenwerte sache. barmherzigkeit pur. die regeln des ramadan umfassen weit mehr als nur das verbot von essen, trinken etc. von sonnenauf- bis sonnenuntergang. pflege von gemeinschaftlichkeit... aber weiß das hier irgend jemand? wieviel eigentlich weiß man denn wirklich in deutschland über den islam? man nimmt doch den islam lediglich über negativzuschreibungen wie eben terrorismus, fundamentalismus oder maximal die zunehmend schlechte integration von muslimischen jugendlichen. aber interessiert dabei eigentlich irgendwen, welche ursachen das hat?
kurz und gut, ich kann die thesen des prof. benz aus eigener erfahrung nur bestätigen. ich könnte seitenweise darüber schreiben und illustrieren bzw. begründen. mich beunruhigt zunehmend außerordentlich die sich zuspitzende stimmung in deustchland, die mir so etwas wie einen sündenbock zu suchen scheint.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich "Gelehrte", wie der Historiker Renz, es sich leicht machen Themen völlig unterschiedlicher Wirkung miteinander in einen gleichen Zusammenhang zu stellen. Das was sich damals mit den Juden in Deutschland ereignet hat ist in keinster Weise zu vergleichen mit den Islam Kritiken der jüngsten Zeit. Damals sahen vorwiegend die Nazis ein Problem mit den Juden, und betrachteten deren Beseitigung als "Auftrag". Heute betrifft der Islam, und dessen Lebens-und damit Integrations (un)willigkeit, das gesamte deutsche Volk. Sarrazin gehört das Bundesverdienstkreuz dass er dieses transparent gemacht hat. Erst seitdem wissen auch einige Politiker dazu etwas halbwegs gescheites zu sagen. Denn dabei geht es auch um Menschenrechte ( Siehe Necla Keleg) die es bei den Nazis eben nicht gab.
Ich finde das Gespräch sehr gut und die Aussagen des Forschers richtig. Das beweist schon die reflexartige Schnappathmung der Kommentatoren hier, die wahlweise dem Historiker die Fachkompetenz absprechen oder dem Sarrazin nen Orden verleihen wollen.
Sollen Sie doch. Das Täuscht nicht über Forschung und Fachkompetenzen hinweg, die Sarrazins Thesen als Pseudowissenschaftlich ablehnen und den Islamhass als gefährlich im Sinne des Rassismus verstehen.
Selbstverständlich ist das zu vergleichen. Dass es in vielen Bereichen anders war ist dabei nicht schlimm. Wichtig sind die Prinzipien, quasi die Basis aus der eine Art Grundskepsis gegenüber eine Minderheit entsteht. Ob daraus nun eine NS-Ideologie entwächst, oder das Geschrei von wegen "Achtet auf arabisch sprechende seltsam aussehende Menschen" und der Angst vor "Islamisierung" ist erstmal egal, bzw disqualifiziert den Vergleich nicht. Der Historiker hat da sicherlich viel Einblick, wesentlich mehr als Sie und ich zusammen.
Ich verstehe nicht, warum Sie meinen, dass damals "nur" "die Nazis" die Juden anfeindeten und der Rest nicht. Gerade das bezweifeln Historiker immer wieder. es war nicht Hitler, es waren eben nicht "die" Nazis, es war das deutsche Volk, welches durch wegducken und Obrigkeithörigkeit diesen Schrecken ermöglichte. Selbstreden gibt es immer eine Gruppe die derartiges initiiert und die Mehrheitsgesellscaht hinter sich spannen möchte. Warum das aber ein Unterscheidungsmerkmal sein soll, welcher den Vergleich nichtig machen kann, verstehe ich nicht. Alles im allen finde ich Ihren Kommentar sehr dürftig.
....wenn Sie meinen nur die Nazis hätten ein Problem gehabt mit den Juden. Die Bevölkerung mochte sie weitgehend nicht. Es war ein "Verkaufsargument" für die Nazis, dass sie keinen Dolchstoß mehr tolerieren würden, ihn verunmöglichen würden....Haben sie mein Kampf nicht gelesen? "Der ewige Jude" nicht gesehen? Die Zuscheuerzahlen von "Jud süß" nicht vor Augen?
Liebe Kommentatoren,
wem der Name "Wolfgang Benz" kein Begriff ist, der sagt damit auch etwas über den eigenen (Un-)Wissensstand aus und liefert somit frei Haus auch eine Bewertung des eigenen Kommentars.
Ganz zu schweigen von den damit nachgewiesenen "Lesefähigkeiten"...
beschreiben, welche sich bei Muslimen heutzutage ebenso abspielen sollen, wie bei Juden zur NS-Zeit, sondern er weisst auf die sehr ähnlichen psycho-sozialen Muster hin, welche sich bei der Stigmatisierung und Ausgrenzung von kulturellen Gruppierungen innerhalb einer Gesellschaft abspielen.
Ich finde das Gespräch sehr gut und die Aussagen des Forschers richtig. Das beweist schon die reflexartige Schnappathmung der Kommentatoren hier, die wahlweise dem Historiker die Fachkompetenz absprechen oder dem Sarrazin nen Orden verleihen wollen.
Sollen Sie doch. Das Täuscht nicht über Forschung und Fachkompetenzen hinweg, die Sarrazins Thesen als Pseudowissenschaftlich ablehnen und den Islamhass als gefährlich im Sinne des Rassismus verstehen.
Selbstverständlich ist das zu vergleichen. Dass es in vielen Bereichen anders war ist dabei nicht schlimm. Wichtig sind die Prinzipien, quasi die Basis aus der eine Art Grundskepsis gegenüber eine Minderheit entsteht. Ob daraus nun eine NS-Ideologie entwächst, oder das Geschrei von wegen "Achtet auf arabisch sprechende seltsam aussehende Menschen" und der Angst vor "Islamisierung" ist erstmal egal, bzw disqualifiziert den Vergleich nicht. Der Historiker hat da sicherlich viel Einblick, wesentlich mehr als Sie und ich zusammen.
Ich verstehe nicht, warum Sie meinen, dass damals "nur" "die Nazis" die Juden anfeindeten und der Rest nicht. Gerade das bezweifeln Historiker immer wieder. es war nicht Hitler, es waren eben nicht "die" Nazis, es war das deutsche Volk, welches durch wegducken und Obrigkeithörigkeit diesen Schrecken ermöglichte. Selbstreden gibt es immer eine Gruppe die derartiges initiiert und die Mehrheitsgesellscaht hinter sich spannen möchte. Warum das aber ein Unterscheidungsmerkmal sein soll, welcher den Vergleich nichtig machen kann, verstehe ich nicht. Alles im allen finde ich Ihren Kommentar sehr dürftig.
....wenn Sie meinen nur die Nazis hätten ein Problem gehabt mit den Juden. Die Bevölkerung mochte sie weitgehend nicht. Es war ein "Verkaufsargument" für die Nazis, dass sie keinen Dolchstoß mehr tolerieren würden, ihn verunmöglichen würden....Haben sie mein Kampf nicht gelesen? "Der ewige Jude" nicht gesehen? Die Zuscheuerzahlen von "Jud süß" nicht vor Augen?
Liebe Kommentatoren,
wem der Name "Wolfgang Benz" kein Begriff ist, der sagt damit auch etwas über den eigenen (Un-)Wissensstand aus und liefert somit frei Haus auch eine Bewertung des eigenen Kommentars.
Ganz zu schweigen von den damit nachgewiesenen "Lesefähigkeiten"...
beschreiben, welche sich bei Muslimen heutzutage ebenso abspielen sollen, wie bei Juden zur NS-Zeit, sondern er weisst auf die sehr ähnlichen psycho-sozialen Muster hin, welche sich bei der Stigmatisierung und Ausgrenzung von kulturellen Gruppierungen innerhalb einer Gesellschaft abspielen.
ischen Personen und Gruppierungen mutet die Defacto-Gleichsetzung des sog. Antisemitismus und der wachsenden Islamskepsis unsrer Zeit reichlich absurd an.
Auf welchem Niveau sich Benz bewegt, erhellt er mit der Falschbehauptung Thilo Sarrazin hätte «vollzogen», den «‹muslimischen Charakter› biologisch festzuschreiben».
Hierzu nennt Benz naturgemäß keine Belege, das kann er auch nicht, weil es keine gibt.
Aber auch der Frager tätigt eine Falschbehauptung: Der ehemalige CDU-Abgeordnete Martin Hohmann hat die Juden keinesfalls wie behauptet als «Tätervolk» bezeichnet – zumindest nicht in seiner vielfach kritisierten Rede. Vielmehr heißt es da:
«Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung ‹Tätervolk› bezeichnen.» Sogleich verwirft er dann aber dieses rhetorische Konstrukt um fünf Sätze später zu folgern: «Daher sind weder ‹die Deutschen›, noch ‹die Juden› ein Tätervolk.» [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15981/1.html]
Soviel zu den Fakten. Ich empfehle das Interview in dieser Form zurückzuziehen.
Das ist doch Schnurz. Es geht nicht darum, warum die MEhrhetisgesellscahft eine Minderheit verteufelt und damit das Individuum verleugnet und Menschen aufgrund von Religion,. Hautfarbe, "Kulturellem Hintergrund" oder sonswas schlecht behandelt, ablehnt oder sogar gegen sie hetzt. Früher wurde "Der Jude" kritisiert, weil er "Dem Deutschen" die Arbeit stahl, heute wird der "Türke" oder wahlweise der Muslim oder "Islamist" kritisiert, weil er Hartz4 bezieht oder einfach nur Muslim ist. Eine Ganze Minderheit wird plötzlich degradiert und als Gefahr angesehen. Das ist der Punkt und genau darin liegt die eigentliche Gefahr und der Tatsächliche Fremdenhass. Dieser Vergleich ist richtig und sehr gut Ziehbar.
Hiermit qualifizieren Sie sich zu einem der wenigen hier Kommentierenden, die das Interview verstanden haben.
Hiermit qualifizieren Sie sich zu einem der wenigen hier Kommentierenden, die das Interview verstanden haben.
Es kommt immer darauf an, wer was sagt - fürchte ich.
Wenn ich Parallelen zwischen dem Beginn der 1930er und heute ziehe, wenn ich - begründet - Vergleiche zwischen mancher Person der Gegenwart und damaligen Redenschwinger anbiete - gar nicht, um irgend ein Ziel (außer eigenen Machtansprüchen) zu unterstellen, sondern vorallem die Weise zu kritisieren - dann wird dies immer wieder umgehend gelöscht. Auch hier, nein, besonders hier auf zeit-online.
Sagt es aber ein Titelträger, dann bleibt dies stehen, nein, man interviewt ihn gar zu diesem Punkt und er darf frei sprechen.
Und was ich dazu auch schon sagte, teilweise inzwischen gelöscht, ist, dass auch das Auftreten der Medien und der Versuch einer Einhaltung angenommener, politischer Korrektheit sowie das zensorische Verleugnen von Ähnlichkeiten durchaus Entsprechendes in der damaligen Zeit findet.
Wenn man Zustände kritisieren darf, aber deren Anfänge nur historisch, weil sonst irgend wer "beleidigt" sein könnte, dann macht man die selben Fehler erneut. Immer erst zu warten, bis die Sieger die Deutung im Nachhinein feststellen, ist schlicht zu spät für alles und eine aufgeklärten Demokratie unwürdig.
Falls die Redakteuere bei zeit-online dies nicht begreifen, dann sind sie jetzt schon im Eintrittsfalle mitschuldig.
Den Umgang mit der muslimischen Minderheit mit dem Umgang der deutschen Bevölkerung mit den Juden damals zu vergleichen, ist höchst seltsam. Wenn man etwas vergleichen sollte, dann dass die Islamisten von heute viele ideologische Ähnlichkeiten mit den Nazis haben. Und dann sollte einem v.a. zu denken geben, dass der Islamismus und der radikalfundamentalistische Islam einen immer stärkeren Einfluss auf die gesamtislamische Kultur erlangen. Aus diesem Grund muss man eben auch islamische Kräfte in unserer Gesellschaft, die als "normal" gelten, genau und kritisch beobachten.
Der moderne Antisemitismus war daher auch keineswegs bereit, zum Christentum konvertierte Juden zu akzeptieren.
Im Gegensatz sind auch die polemischsten Islamkritiker von heute (etwa auch pi-blog) gerne bereit, jedem zuzujubeln, der sich vom islamischen Glauben abwendet.
Vor allem aber: Die "jüdische Rasse", "Protokolle der Weisen von Zion" und dergleichen Unsinn mehr sind reine Verschwörungstheorien ohne Bezug zur Wirklichkeit. Der Islam ist demgegenüber ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. Für viele Moslems ist der Isl
am ganz einfach eine normale Religion, und es ist falsch (und manchmal rassistisch motiviert) ihnen Sympathien für Terrorismus zu unterstellen. Aber es gibt eben auch andere Moslems, auch in Deutschland, die unter "Jihad" gewalttätigen Terrorismus verstehen und die aus dem Islam eine rechtsextreme, menschenverachtende politische Ideologie ("Islamismus") machen wollen.
Da muss man schon differenzieren. Und es scheint leider so, dass in dieser Hinsicht Benz eben nicht bereit ist, so differenziert und seriös zu arbeiten, wie man es von einem Wissenschaftler erwarten sollte.
Pauschalisieren, meint der Kommentator, wäre nicht angebracht. Das aber würde ich ihm in Bezug zu den Aussagen des Interviewten auch raten. Denn er macht das selbe, was er anderen unterstellt. Und die Redaktion der zeit-online, die ich in letzter Zeit nicht, vielleicht auch nie, in ihrem reflexartigen Verhalten zur Abwehr vermeintlicher Vergleiche und Anspielungen, sobald sie auf der einen Seite die Zeit zwischen 1929 und 1945 betrifft, verstehen konnte, zeichnet gerade diesen zweiteiligen Kommentar als Redaktionsempfehlung aus.
Es geht nicht darum, was der Islam (oder das Judentum) war und ist und wo hier differenziert werden müsste. Natürlich muss dies auch beachtet werden, aber das ist hier nicht das Thema! Es geht darum, dass heute einmal wieder Menschen, auch in Führungspositionen, unterwegs sind, die die selben Mechanismen (und zum selben Ziel persönlichen Machtgewinns) verwenden, wie sie unter anderem gegen Juden Ausgangs des 19. Jahrhundert und schließlich zu Beginn der 1930er benutzt wurden. Oder allgemeiner: Um eine Trennlinie und damit vermeintliche Gegner pauschal zu schaffen und mit Emotionen das zu erreichen, was per Verstand ihnen nicht möglich ist. Nur weil man zusätzlich Unterschiede einbrachte, ändert sich nichts an der kritikwürdigen Weise.
Freilich wäre es schön gewesen, wenn es Herrn Benz gelungen wäre, der Kürze des Beitrags zum Trotz kurz die hochkomplexe Gemengelage der Motive, Argumentationsstrukturen und Denkweisen hinter der äußerst heterogenen, sogenannten "Islamkritik" anzudeuten, zu skizzieren, vielleicht sogar zu erläutern.
Allerdings:
Bei der Publikation eines wissenschaftlichen Aufsatzes oder einer Monografie mag man zu Recht anmahnen, "so differenziert und seriös zu arbeiten, wie man es von einem Wissenschaftler erwarten sollte", aber an eine nicht einmal wissenschafts- sondern allgemein-journalistischen Kurzvorstellung von Forschungsergebnissen und -vorhaben aus einem bestimmten Blickwinkel (erkenntnisleitende Fragestellung!) heraus, noch dazu in einem kurz bemessenen Interview, würde ich grundlegend andere Maßstäbe anlegen (What's the gist of it?).
Und the gist of it ist nun mal, dass es Herrn Benz nicht um eine Komplettdarstellung des Antisemitismus noch des Antiislamismus (und allem, was es da jeweils in der Nachbarschaft noch so gibt) geht, sondern um die Frage nach strukturellen Gemeinsamkeiten. Warum ihn das umtreibt, das hat er erklärt, und an dieser Erklärung kann ich nichts Ehrenrühriges finden. Es ist auch kein Verrat an der Geschichtswissenschaft, angewandte Erkenntnisse für die Gegenwart aus ihr ziehen zu wollen.
Man sollte die Historie nicht im Elfenbeinturm der Akademien einschließen. Es braucht auch populärverständliche Zuspitzungen, um ihren Nutzen publik zu machen.
Pauschalisieren, meint der Kommentator, wäre nicht angebracht. Das aber würde ich ihm in Bezug zu den Aussagen des Interviewten auch raten. Denn er macht das selbe, was er anderen unterstellt. Und die Redaktion der zeit-online, die ich in letzter Zeit nicht, vielleicht auch nie, in ihrem reflexartigen Verhalten zur Abwehr vermeintlicher Vergleiche und Anspielungen, sobald sie auf der einen Seite die Zeit zwischen 1929 und 1945 betrifft, verstehen konnte, zeichnet gerade diesen zweiteiligen Kommentar als Redaktionsempfehlung aus.
Es geht nicht darum, was der Islam (oder das Judentum) war und ist und wo hier differenziert werden müsste. Natürlich muss dies auch beachtet werden, aber das ist hier nicht das Thema! Es geht darum, dass heute einmal wieder Menschen, auch in Führungspositionen, unterwegs sind, die die selben Mechanismen (und zum selben Ziel persönlichen Machtgewinns) verwenden, wie sie unter anderem gegen Juden Ausgangs des 19. Jahrhundert und schließlich zu Beginn der 1930er benutzt wurden. Oder allgemeiner: Um eine Trennlinie und damit vermeintliche Gegner pauschal zu schaffen und mit Emotionen das zu erreichen, was per Verstand ihnen nicht möglich ist. Nur weil man zusätzlich Unterschiede einbrachte, ändert sich nichts an der kritikwürdigen Weise.
Freilich wäre es schön gewesen, wenn es Herrn Benz gelungen wäre, der Kürze des Beitrags zum Trotz kurz die hochkomplexe Gemengelage der Motive, Argumentationsstrukturen und Denkweisen hinter der äußerst heterogenen, sogenannten "Islamkritik" anzudeuten, zu skizzieren, vielleicht sogar zu erläutern.
Allerdings:
Bei der Publikation eines wissenschaftlichen Aufsatzes oder einer Monografie mag man zu Recht anmahnen, "so differenziert und seriös zu arbeiten, wie man es von einem Wissenschaftler erwarten sollte", aber an eine nicht einmal wissenschafts- sondern allgemein-journalistischen Kurzvorstellung von Forschungsergebnissen und -vorhaben aus einem bestimmten Blickwinkel (erkenntnisleitende Fragestellung!) heraus, noch dazu in einem kurz bemessenen Interview, würde ich grundlegend andere Maßstäbe anlegen (What's the gist of it?).
Und the gist of it ist nun mal, dass es Herrn Benz nicht um eine Komplettdarstellung des Antisemitismus noch des Antiislamismus (und allem, was es da jeweils in der Nachbarschaft noch so gibt) geht, sondern um die Frage nach strukturellen Gemeinsamkeiten. Warum ihn das umtreibt, das hat er erklärt, und an dieser Erklärung kann ich nichts Ehrenrühriges finden. Es ist auch kein Verrat an der Geschichtswissenschaft, angewandte Erkenntnisse für die Gegenwart aus ihr ziehen zu wollen.
Man sollte die Historie nicht im Elfenbeinturm der Akademien einschließen. Es braucht auch populärverständliche Zuspitzungen, um ihren Nutzen publik zu machen.
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