Integration Deutscher Patriot
Der Rap-Musiker Harris ist dunkelhäutig – und stolz auf sein Land. In seinen Texten beschimpft er Integrationsverweigerer.
Er haut diesen Satz raus, »Deutschland ist ein schönes Land«, und wer soll ihm das schon glauben? Ihm, diesem Rapper aus Kreuzberg 36 mit den tausend Tattoos auf der dunklen Haut und dem Slang der Straße auf der Zunge, Standardspruch: »Ich ficke deine Mutter!« Aber hier kommt Harris mit seinen 33 Jahren: deutsche Mutter, afroamerikanischer Vater, Kiezjugend, Hip-Hop-Karriere und – voll heißer Liebe zu diesem Land.
»Tooorrr, Alter!« Hertha BSC hat den Ball ins Tor gekickt, und Harris springt aus seinem Sitz im Olympiastadion Berlin, er reißt die Arme hoch und seinen sechsjährigen Sohn auch, was für ein geiler Tag! Die beiden tragen blau-weiße Pudelmützen und Schals, der Sohn schwenkt die Vereinsflagge. Harris ist Hertha-Fan seit seiner Kindheit, vor neun Jahren durfte er einmal in der Halbzeit auftreten. Er wurde ausgebuht.
Die Leute aus der Fankurve, seine Leute, riefen: »Nigger, geh nach Hause!« Er schrie zurück: »Ihr Hurensöhne!«, und kam drei Jahre lang nicht wieder. Drei Jahre sah er sich die Spiele im Fernsehen an, irgendwann dachte er: »Ich lass mir von diesen Arschlöchern nicht meinen Fußball wegnehmen.« Er kam wieder und setzte sich auch in die Fankurve.
1977 Harris wird in Berlin geboren, die Mutter ist Deutsche, der Vater ein GI
1990 Aufenthalt in den USA, Rückkehr nach drei Monaten
1994 Ein Jahr in Jamaika
1996 Erste Auftritte als Rapper, als Teil von Spezializtz, mit Sido und anderen
2000 Hochzeit mit der Sängerin Bintia Bangura
2010 Zweites Soloalbum, die Single »Nur ein Augenblick« provoziert mit ihren Thesen zur Integration
Du bist jung, schwarze Haare, braune Augen, dunkle Haut / Glaube mir, ich kenn diese Scheißblicke auch / Dieser bestimmte »Du Scheißkanacke-Blick« / Aber das ist nicht Deutschland, das ist nur ein Augenblick
Harris hat ein besonderes Lied geschrieben. Vor einigen Wochen war es im Kanzleramt zu hören. Nur ein Augenblick lief als Soundtrack einer Integrationskampagne der Bundesregierung. Der Song platzte in die Debatte um Integration und Zuwanderung und Parallelgesellschaften: Ein Schwarzer! kritisiert! Integrationsverweigerer!
Wieso wohnst du in diesem Land über 10 Jahre? / Vielleicht länger und sprichst trotzdem nicht die deutsche Sprache? / Du sagst, deutsche Frauen sind Dreck / Tu Deutschland bitte einen Gefallen und zieh weg
»Mann, diese Politiker haben nicht gerafft, dass ich das Lied nicht als Ausländer, sondern als Deutscher geschrieben habe!«, sagt Harris. Er ist eins dreiundneunzig und hat eine sehr tiefe Stimme, man könnte ihn bedrohlich finden. Oliver Harris fühlt sich deutsch, und er will sich dieses Gefühl genauso wenig wegnehmen lassen wie seinen Fußball. Nicht von denen, die ihn wegen seiner Hautfarbe in die Schublade »nicht von hier« stecken. Und nicht von denen, die seinen Ruf versauen, weil sie kein Deutsch sprechen. Es gibt nämlich die »neuen Deutschen«, das sind Leute wie er, und die »alten Deutschen«, die noch nicht richtig kapiert haben, wer die neuen Deutschen sind.
- Datum 19.11.2010 - 10:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.11.2010 Nr. 47
- Kommentare 46
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wenn Integration mal funktioniert.
Der Artikel zeigt aber auch ein Problem auf. Viele Menschen
wissen Deutschland nicht zu schätzen weil sie denken das all die Vorteile und der Reichtum den sie hier genießen
selbstverständlich ist.
Wenn Menschen wie Bushido, Fler oder der im Artikel gepriesene Harris die neuen Vorzeigedeutschen sind, dann verzichte ich gerne darauf, mich als integriert zu bezeichnen.
Mit freundlichem Gruß
Türkischer Staatsbürger mit deutschem Abitur
Als türkische Staatsbürger brauchen Sie auch nicht integriert zu sein.
Das erwartet schon lange keiner mehr.
Und wer vorzeige Deutscher ist oder nicht kann Ihnen auch egal sein.
Bitte achten Sie auf einen höflichen Umgangston (siehe Netiquette). Die Redaktion/sh
" Na dann vielen, herzlichen Dank!
Wenn Menschen wie Bushido, Fler oder der im Artikel gepriesene Harris die neuen Vorzeigedeutschen sind, dann verzichte ich gerne darauf, mich als integriert zu bezeichnen.
Mit freundlichem Gruß
Türkischer Staatsbürger mit deutschem Abitur"
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Naja, als türkischer Staatsbürger dürften Sie sich trotz deutschem Abitur schlechterdings zum Vorzeigedeutschen eignen.
Und Integration ist kein Bonus, sondern ein muß; und mit Sicherheit nicht das schlechteste Mittel zur Teilhabe eines türkischen Staatsbürgers an den Möglichkeiten des deutschen Gemeinwesens!
Sie sind doch schon perfekt integriert: Ins deutsche Bildungsbürgertum, das die Nase rümpft über die proletarischen Bänkelsänger... ;-)
(Ich mag auch keinen Rap, aber ich sach' immer "Leben und leben lassen")
warum sollte Harris denn ein Vorzeigedeutscher sein ?
Nur weil ein Artikel über ihn geschrieben wird ?
Ein "Vorzeigedeutscher" ist er sicher nicht, aber das muß ja auch nicht sein.
Als türkische Staatsbürger brauchen Sie auch nicht integriert zu sein.
Das erwartet schon lange keiner mehr.
Und wer vorzeige Deutscher ist oder nicht kann Ihnen auch egal sein.
Bitte achten Sie auf einen höflichen Umgangston (siehe Netiquette). Die Redaktion/sh
" Na dann vielen, herzlichen Dank!
Wenn Menschen wie Bushido, Fler oder der im Artikel gepriesene Harris die neuen Vorzeigedeutschen sind, dann verzichte ich gerne darauf, mich als integriert zu bezeichnen.
Mit freundlichem Gruß
Türkischer Staatsbürger mit deutschem Abitur"
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Naja, als türkischer Staatsbürger dürften Sie sich trotz deutschem Abitur schlechterdings zum Vorzeigedeutschen eignen.
Und Integration ist kein Bonus, sondern ein muß; und mit Sicherheit nicht das schlechteste Mittel zur Teilhabe eines türkischen Staatsbürgers an den Möglichkeiten des deutschen Gemeinwesens!
Sie sind doch schon perfekt integriert: Ins deutsche Bildungsbürgertum, das die Nase rümpft über die proletarischen Bänkelsänger... ;-)
(Ich mag auch keinen Rap, aber ich sach' immer "Leben und leben lassen")
warum sollte Harris denn ein Vorzeigedeutscher sein ?
Nur weil ein Artikel über ihn geschrieben wird ?
Ein "Vorzeigedeutscher" ist er sicher nicht, aber das muß ja auch nicht sein.
Dazu mal ein sehr schöner Text:
http://www.verbrochenes.n...
Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Die Redaktion/lv
Als türkische Staatsbürger brauchen Sie auch nicht integriert zu sein.
Das erwartet schon lange keiner mehr.
Und wer vorzeige Deutscher ist oder nicht kann Ihnen auch egal sein.
Bitte achten Sie auf einen höflichen Umgangston (siehe Netiquette). Die Redaktion/sh
" Na dann vielen, herzlichen Dank!
Wenn Menschen wie Bushido, Fler oder der im Artikel gepriesene Harris die neuen Vorzeigedeutschen sind, dann verzichte ich gerne darauf, mich als integriert zu bezeichnen.
Mit freundlichem Gruß
Türkischer Staatsbürger mit deutschem Abitur"
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Naja, als türkischer Staatsbürger dürften Sie sich trotz deutschem Abitur schlechterdings zum Vorzeigedeutschen eignen.
Und Integration ist kein Bonus, sondern ein muß; und mit Sicherheit nicht das schlechteste Mittel zur Teilhabe eines türkischen Staatsbürgers an den Möglichkeiten des deutschen Gemeinwesens!
Und liebst du Deutschland? Frage ohne Sinn. Kann ich das lieben, was ich selber bin?
Der Aggro-Berlin Haufen, ist vielleicht frauenfeindlich, gewaltverherrlichend und bildungsfern. Gangstastyle eben....
Lesen sie einmal die Texte der Lieder nach, die diese Gesellen veröffentlichen.
Aber deutsch und patriotisch bestimmt nicht! Es gehört mehr dazu Deutscher und Patriot zu sein, als zu plärren: "Lern die deutsche Sprache, oder hau ab!"
Das ist mir zu wenig!
Wenn das ein Weißer aus dem ländlichen Osten von sich gegeben hätte, wäre mal wieder eine Lichterkette fällig.
(Gefühlt meine ich, auf der Empörtheitsskala)
Wenn nun ein Mulatte (wertneutral, ich weis kein anderes Wort) integrationsfeindliche Sprüche schwingt, ist der ein Patriot?
Manchmal verstehe ich die ZEIT nicht, da wird heute so argumentiert und dann morgen so. Gerade wie es paßt scheint mir.
Da kann ich nur zustimmen, wenn das ein deutscher Patriot ist, dann ist diese Bezeichnung nichts Wert mehr!
Was DIE ZEIT damit bezwecken will, bleibt mir fremd ?!
"Aber deutsch und patriotisch bestimmt nicht! Es gehört mehr dazu Deutscher und Patriot zu sein, als zu plärren: "Lern die deutsche Sprache, oder hau ab!""
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Wenn ich Ihrer grundsätzlichen Aussage auch zustimme, so muß ich doch einwenden, daß eben die solcherart Angesprochenen es leider nicht besser verstehen.
Ich will es mal so formulieren: Die reden so, und verstehen es nicht anders! Daß ist ja das Übel.
"Es gehört mehr dazu Deutscher und Patriot zu sein [...]"
und zwar was? Ich dachte immer, ein Patriot sei jemand, der sein Land liebt und dafür einsteht. Das tut doch der gute Harris. Was fehlt denn jetzt noch, ihrer Meinung nach?
Da kann ich nur zustimmen, wenn das ein deutscher Patriot ist, dann ist diese Bezeichnung nichts Wert mehr!
Was DIE ZEIT damit bezwecken will, bleibt mir fremd ?!
"Aber deutsch und patriotisch bestimmt nicht! Es gehört mehr dazu Deutscher und Patriot zu sein, als zu plärren: "Lern die deutsche Sprache, oder hau ab!""
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Wenn ich Ihrer grundsätzlichen Aussage auch zustimme, so muß ich doch einwenden, daß eben die solcherart Angesprochenen es leider nicht besser verstehen.
Ich will es mal so formulieren: Die reden so, und verstehen es nicht anders! Daß ist ja das Übel.
"Es gehört mehr dazu Deutscher und Patriot zu sein [...]"
und zwar was? Ich dachte immer, ein Patriot sei jemand, der sein Land liebt und dafür einsteht. Das tut doch der gute Harris. Was fehlt denn jetzt noch, ihrer Meinung nach?
Sie sind doch schon perfekt integriert: Ins deutsche Bildungsbürgertum, das die Nase rümpft über die proletarischen Bänkelsänger... ;-)
(Ich mag auch keinen Rap, aber ich sach' immer "Leben und leben lassen")
Danke, Sie scheinen der einzige Kommentator zu sein, der der meinen Beitrag erst verstanden und dann kommentiert hat :)
Was die "Bänkelsänger" angeht: Sie wollen doch nicht wirklich, dass ich jemanden toleriere, der sein Leben damit verbracht hat Autos zu knacken und Drogen zu verticken, nun Schlagzeilen damit macht, dass er in seinen Texten zB. meinen Eltern die "Ausweisung" droht, die sich 30 Jahre in diesem Land abgerackert haben, um ihren Kindern eine Zukunft bieten zu können und trotzdem kein richtiges Deutsch können?
Wenn man Integration fordert, dann soll man diese bitte auch fördern. Das geht bestimmt nicht dadurch, dass die "Deutsche" Gesellschaft die Menschen behandelt, als wären sie unnütze, unwürdige Parasiten. Es mag verallgemeinernd klingen, jedoch habe ich das Gefühl, dass sich das wie ein roter Faden quer durch die Öffentlichkeit und Medienlandschaft zieht.
Danke, Sie scheinen der einzige Kommentator zu sein, der der meinen Beitrag erst verstanden und dann kommentiert hat :)
Was die "Bänkelsänger" angeht: Sie wollen doch nicht wirklich, dass ich jemanden toleriere, der sein Leben damit verbracht hat Autos zu knacken und Drogen zu verticken, nun Schlagzeilen damit macht, dass er in seinen Texten zB. meinen Eltern die "Ausweisung" droht, die sich 30 Jahre in diesem Land abgerackert haben, um ihren Kindern eine Zukunft bieten zu können und trotzdem kein richtiges Deutsch können?
Wenn man Integration fordert, dann soll man diese bitte auch fördern. Das geht bestimmt nicht dadurch, dass die "Deutsche" Gesellschaft die Menschen behandelt, als wären sie unnütze, unwürdige Parasiten. Es mag verallgemeinernd klingen, jedoch habe ich das Gefühl, dass sich das wie ein roter Faden quer durch die Öffentlichkeit und Medienlandschaft zieht.
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