MedizinstudiumWeil sie Arzt werden wollen

Der Medizinertest in Österreich fragt nicht nach Noten – die letzte große Hoffnung für viele deutsche Bewerber von Julia Kimmerle

Es sieht ganz so aus, als sollte es einfach keinen Platz für ihn in Innsbruck geben. Dominic Gerstmeyr steht in der Messehalle 2a, Obergeschoss, Block E, und kann Tisch 698 nicht finden. Seinen Platz beim österreichischen Medizinertest. Der Platz, an dem er heute beweisen soll, dass er das Zeug hat, irgendwann Arzt zu werden.

Die Aufsicht blättert hektisch in den Unterlagen. Kein Tisch, das ist natürlich ganz dumm. Dominic Gerstmeyr blickt suchend in die Halle. Zwei Tupperdosen voller Nudelsalat hat er mitgebracht, Traubenzucker und vier Bananen. Er wäre bereit, wenn sie ihn nur ließen. Seine Heimatstadt Augsburg ist nicht weit weg, etwa drei Stunden mit dem Auto. In Deutschland würde er jedoch vermutlich nie Medizin studieren können. Der Numerus clausus lag vergangenes Jahr bei 1,0. Auf seinem Abizeugnis steht eine 2,2. Nicht schlecht, wenn man Bio und Chemie als Leistungskurs hatte. Viel zu schlecht, wenn man Medizin studieren will. Dominic will nichts anderes. Deshalb ist er hier. Mit über tausend anderen Deutschen, bei denen es auch nicht reichen würde. Das österreichische System ist ihre große Hoffnung.

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Für die Universität bedeutet es eine logistische Herausforderung. Es braucht Sicherheitsschleusen, Dutzende Helfer sorgen dafür, dass wirklich nur Bewerber auf das abgezäunte Gelände kommen, und keine besorgten Mütter. Wie bei einem Festival werden am Eingang bunte Bändchen um das Handgelenk befestigt. So weiß jeder, in welche Halle er muss. Auf dem Parkplatz hat das Tiroler Rote Kreuz Stellung bezogen, denn jedes Jahr kippen ein paar Mädchen vor Aufregung um. In Halle 4, groß wie fünf Turnhallen, sitzen die meisten Bewerber.

Bevor es losgeht, kommt Vizerektor Norbert Mutz immer noch mal hierher. Jedes Jahr trifft ihn das aufs Neue. Dass es so viele sind, die sich diesen Test antun. Diese hundertfache Hoffnung. Er weiß, dass sie sich für die meisten nicht erfüllt. Im hellen Leinenjanker schlendert er an den langen Tischreihen entlang und lächelt durch seinen Vollbart. Wie ein Arzt auf Visite, der weiß, dass es den Patienten gerade gar nicht gut gehen kann und der trotzdem Zuversicht verströmen muss. Er kennt alle Symptome: hektisches Stiftespitzen, noch mal aufs Klo rennen, kichern, beten. "Nervositas permagna", lautet seine Diagnose. Erst draußen, wo ihn keiner mehr hören kann, sagt er: "Der Test ist grausig. Aber es gibt nichts Besseres." Keiner möge die Prüfung, den Stress, die strikte Auswahl.

Dass der Eignungstest für das Medizinstudium, kurz EMS, so viele Träume zum Platzen bringt, findet der Vizerektor besonders schlimm. Ändern kann er es trotzdem nicht. 2006 wurde der EMS eingeführt. Er sollte Österreichs Unis vor deutschen NC-Flüchtlingen schützen. Vorher konnten Deutsche nur dann in Österreich studieren, wenn sie auch von einer deutschen Uni eine Zusage hatten. Doch diese Regelung wurde 2005 vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Die österreichischen Universitäten hatten plötzlich ein Problem – nach welchem Kriterium sollten sie die Zulassungen verteilen?

Ein neues Modell für das Medizinstudium

Der Wissenschaftsrat, das einflussreichste wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern, hat eine positive Stellungnahme zur Gründung einer Medizinfakultät an der Universität Oldenburg abgegeben. Was nach einem mäßig spannenden wissenschaftsbürokratischen Akt klingt, ist angesichts des jahrelangen Schlagabtauschs zwischen Befürwortern und Gegnern des Modells fast schon eine Sensation: Faktisch bedeutet die Zustimmung, dass es erstmals in Deutschland eine grenzüberschreitende europäische Medizinerausbildung geben wird. Zu diesem Zweck wollen die Niedersachsen gemeinsam mit der Uni Groningen eine European Medical School gründen, die auf deutscher Seite das Staatsexamen und auf niederländischer Seite einen dreijährigen Bachelor und einen dreijährigen Master im Programm haben wird. Inhalt und Ablauf sind identisch, ein obligatorischer Austausch der Studenten zwischen beiden Standorten ist vorgesehen.

Medizin-Bachelor

Ursprünglich hatten die Oldenburger einen eigenen Master der Humanmedizin anbieten wollen, darauf jedoch als Zugeständnis an die zahlreichen Bolognagegner unter den Medizinern verzichtet. Dennoch, so hoffen die Bolognafans, soll vom Oldenburger Modell das Signal ausgehen, dass auch in der Medizin die neuen Studienstrukturen funktionieren – ohne den von den Anhängern des Staatsexamens befürchteten Verlust inhaltlicher Tiefe. Wer will, kann übrigens auch auf deutscher Seite nur den (niederländischen) Bachelor oder Master ablegen – und damit dank europäischer Harmonisierung auch die deutsche Approbation beantragen. Die Bacheloroption könnte sich als attraktiv für all jene herausstellen, die im Studium merken, dass sie doch keine Ärzte werden wollen. Bislang blieb ihnen der Abbruch, oder sie mussten das Studium komplett durchziehen. JMW

2005 entschied dann das Datum des Poststempels auf der Bewerbung. Eine einmalige Notmaßnahme. Wären die Plätze damals nach Noten vergeben worden, wären 84 Prozent der Plätze an Deutsche gegangen. So waren es immerhin nur fast die Hälfte. Jetzt gibt es die Quote, und alle müssen den Test machen. Einer der zehn Aufgabentypen heißt "Planen und Organisieren". Dort müssen die Bewerber in kürzester Zeit eine Lerngruppe mit mehreren Teilnehmern organisieren oder den Kursplan einer Segelschule aufstellen. "Figuren und Fakten lernen" prüft, ob man in kurzer Zeit Namen, Alter, Krankheit und Beziehungsstatus von Patienten lernen und sich so merken kann, dass man sie auch nach einer Stunde noch weiß. Die Abfolge ist strikt und die Zeit knapp: fünf Stunden für 198 Aufgaben. Wer am Ende einen Studienplatz bekommt, entscheiden die Punkte und die Quote: 360 Plätze für Humanmedizin gibt es in Innsbruck, 20 Prozent davon gehen an EU-Bürger. Das macht 72 Plätze, auf die deutsche Bewerber spekulieren.

Alexander Jürgens ist auch dabei, zum zweiten Mal schon. In Deutschland studiert er BWL. "Aber eigentlich wollte ich Mediziner werden, das hat mich schon immer fasziniert." Seine Noten haben ihm den direkten Weg zum Studienplatz verbaut. Die anderen Alternativen – ein deutschsprachiges Studium in Ungarn oder ein englischer Studiengang in Riga oder Prag – wären ihm zu teuer. Zwischen 7000 und 12000 Euro würde ein Jahr dort kosten. Deshalb hat er sich gründlich auf den österreichischen Medizinertest vorbereitet. Letztes Jahr fuhr er nach Wien, da waren es über 2800 Bewerber, die zum Test antraten. "Eine Massenabfertigung, wie am Flughafen", erzählt er. Damals war er sehr nervös. "Ich wusste schon gleich danach, dass das nichts geworden ist." Dieses Jahr wollte er es besser machen: Schon im April fuhr er nach Innsbruck zu einem Trainingskurs, kopierte sich drei Vorbereitungsbücher und lernte neben BWL auch noch, wie man sich Patientenakten am besten merkt.

Leserkommentare
  1. Es ist mir völlig unverständlich woher der Boom auf das Medizinstudium kommt.

    Okay, es war schon immer beliebt, aber dieser enorme Anstieg lässt eine große Naivität vermuten.

    Eine mögliche Erklärung liegt in dem von Lobbygruppen herbeigeredeten Ärztemangel. Aber wer so blöd ist dies zu glauben, denkt auch der DIW fälscht nicht wie es ihm passt: http://www.spiegel.de/wir...

    Jährlich Tausende von Ärzten die Auswandern, und selbst die Frau von Philipp Rösler hat Schwierigkeiten mit Kindern eine Stelle zu bekommen. Da sollte jeder hellhörig werden, der nicht so gute Verbindungen ins BMG hat.

    Selbst die Schwierigkeit auf dem Land sollte einem zu denken geben. Denn es gibt relativ gesehen immer weniger Geld, so dass dies nur ein Vorgeschmack auf die zukünftige Medizin liefert.

    Wer glaubt mit seinem Medizinstudium anderen helfen zu können, sollte entweder wie Albert Schweitzer nach Lambarene gehen, oder sich wegen Unzurechnungsfähigkeit gleich in die Psychiatrie einweisen lassen. Denn im deutschen Gesundheitswesen überlebt nur derjenige Arzt der den Patienten vergisst, und dafür an die Abrechnung denkt. Nicht was gut ist für den Patienten zählt, sondern was kann ich besser abrechnen, als es mich an Ausgaben kostet, ist die Devise. Statt Albert Schweitzer benötigt man eher Gordon Gekko als Vorbild. Nur muss man dabei bedenken, dass der Verdienst weitaus geringer sein wird.

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    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen, konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

    Sie verwechseln Ursache und Wirkung. In der Tat wandern viele deutsche Ärzte ins Ausland ab, aber nicht, weil sie hier keinen Job bekämen, sondern weil sie u.a. von den hier herrschenden Arbeitsbedingungen und der vergleichsweise schlechten Bezahlung die Nase voll haben.
    Inwiefern die umstrittenen DIW-Studie hinsichtlich von Fachkräften richtig oder falsch ist, mag ich nicht beurteilen. Ohne Zweifel aber gibt es in Deutschland viel zu wenig Ärzte. Dieses mag eine Motivation für den ungebrochenen run auf das Medizin-Studium sein, auch wenn sich das in 7-8 Jahren (nach Abschluss desselbigen) schon wieder geändert haben mag.
    Wer derzeit als Arzt in Deutschland keine Job bekommt ist entweder örtlich oder fachlich komplett unflexibel oder stellt sich völlig dämlich an.
    Auch den Rest Ihrer "Analyse" kann ich nicht teilen. Auch wenn durch ökonomische Zwänge auch Ärzte mehr und mehr an den Geldbeutel denken müssen, ist der Arztberuf sehr wohl noch mit der Freude am Helfen auszuüben. Mit Unzurechnungsfähigkeit hat das sicher nichts zu tun.

    • eluutz
    • 20. November 2010 9:17 Uhr

    Die immer zahlreicher werdenden Deutschen, die gerne in Österreich Medizin (und andere Studiengänge, für die es in D. einen strenen NC gibt) studieren wollen, sind für das Österreichische Hochschulsystem ein ziemliches Problem. Die Deutschen kommen größtenteils nicht wegen der Erfahrung Studium im Ausland oder Interesse an spezifischer österreichischer Kultur sind weil es in Ö. so ähnlich ist wie in D. und vorallem keine fremde Sprache gelernt werden muss. Traditionell gibt es in Ö. keine NC: wer das Abitur (in Ö. Matura) bestanden hat, ist grundsätzlich berechtigt, sich seinen Studiengang selbst auszusuchen.

    Durch die Studienbeschränkungen in D. kommen nun viele Deutsche zum Studieren nach Ö., weshalb es für die österreichische Regierung nicht mehr möglich war, in einigen Fächern ausreichend Studienplätze zu schaffen. Grundsätzlich gilt innerhalb der EU der Gleichbehandlungsgrundsatz, deshalb müssen eigentlich alls Bewerber gleiche Chancen haben. Die Zusage von 20% der Studienplätze an EU-Bürger ist ein Kompromiss (und eigentlich ein Widerspruch zu den geltenden EU-Verträgen).

    Die Frage ist nun, ob es zu viele Menschen gibt, die (z.B.) Medizin studieren wollen, oder ob es nicht vllt. in D. doch zu wenig Studienplätze gibt. Nach dem Studium in Ö. kehren nach Aussage der österreichischen Regierung jedenfalls die meisten Deutschen wieder zurück und finden eine Beschäftigung als Arzt in D.

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    • Ewok
    • 20. November 2010 11:55 Uhr

    Meiner Meinung nach ist die Antwort auf ihre zuletzt gestellte Frage: beides. Ja es gibt zu viele Menschen in Deutschland die Medizin (und andere Fächer) studieren wollen obwohl sie vielleicht in einem klassischen Ausbildungsberuf oder in einem anderen, weniger überfüllten Studiengang besser aufgehoben werden. Aber es gibt auch zu wenig Studienplätze. Der Bedarf an ungelernten Kräften und selbst an klassischen "Facharbeitern" geht hierzulande immer mehr zurück, da diese Tätigkeiten in der globalisierten Wirtschaft anderswo billiger ausgeübt werden können. Er wird nie ganz verschwinden, weil viele Tätigkeiten standortgebunden sind oder es einfach sinnvoller ist sie gleich nahe am Absatzmarkt zu erledigen. Dennoch brauchen wir in Deutschland zunehmend Menschen die komplexere Tätigkeiten ausführen. Viele der entsprechenden Berufe sind jedoch nur durch ein Studium zugänglich.

    Denjenigen die sich ständig vergeblich auf einen Medizinstudienplatz bewerben obwohl ihre Aussichten gering sind (eigentlich jeder mit einer 2 vorm Komma in der Abinote oder weniger als 12 Wartesemestern) kann ich nur Raten sich die Vielzahl an medizinischen Assistenzberufen anzusehen, von denen einige erst in neuerer Zeit entstanden sind und die oft recht viel Verantwortung beinhalten (OP-Assistent, MTRA, MTLA, Rettungassistent). Natürlich kann das für manche nur ein Trostpflaster sein, aber die völlige Versteifung auf einen unerreichbaren Beruf macht auch nicht glücklich.

  2. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen, konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

    • Ewok
    • 20. November 2010 11:55 Uhr

    Meiner Meinung nach ist die Antwort auf ihre zuletzt gestellte Frage: beides. Ja es gibt zu viele Menschen in Deutschland die Medizin (und andere Fächer) studieren wollen obwohl sie vielleicht in einem klassischen Ausbildungsberuf oder in einem anderen, weniger überfüllten Studiengang besser aufgehoben werden. Aber es gibt auch zu wenig Studienplätze. Der Bedarf an ungelernten Kräften und selbst an klassischen "Facharbeitern" geht hierzulande immer mehr zurück, da diese Tätigkeiten in der globalisierten Wirtschaft anderswo billiger ausgeübt werden können. Er wird nie ganz verschwinden, weil viele Tätigkeiten standortgebunden sind oder es einfach sinnvoller ist sie gleich nahe am Absatzmarkt zu erledigen. Dennoch brauchen wir in Deutschland zunehmend Menschen die komplexere Tätigkeiten ausführen. Viele der entsprechenden Berufe sind jedoch nur durch ein Studium zugänglich.

    Denjenigen die sich ständig vergeblich auf einen Medizinstudienplatz bewerben obwohl ihre Aussichten gering sind (eigentlich jeder mit einer 2 vorm Komma in der Abinote oder weniger als 12 Wartesemestern) kann ich nur Raten sich die Vielzahl an medizinischen Assistenzberufen anzusehen, von denen einige erst in neuerer Zeit entstanden sind und die oft recht viel Verantwortung beinhalten (OP-Assistent, MTRA, MTLA, Rettungassistent). Natürlich kann das für manche nur ein Trostpflaster sein, aber die völlige Versteifung auf einen unerreichbaren Beruf macht auch nicht glücklich.

  3. Alle wollen antürlich Ärzte werden, weil sie als Götter in Weiß der Gesellschaf gelten. Weil es Geld zu verdienen auch noch ganz gut gibt...und Leute sicherer krank werden als dass sie dauerhaft auf die gleiche Popcornmarke stehen. Dieses Ärzte-Image ist da entscheidend, denke ich. Ansonsten ist da auch nicht viel Unterschied zum Schlächter oder auch Tierarzt.

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    Nehmen wir einmal die verschiedenen Punkte:

    Erst einmal das gesellschaftliche Ansehen. Früher traf es zu, dass Ärzte immer die Top-Position beim gesellschaftlichen Ansehen besetzten. Tja, diese Zeiten sind vorbei. Zwar ist man noch nicht beim Ansehen von Politikern oder Journalisten angelangt, die irgendwo zwischen Massenmörder und Kinderschänder stehen, aber gesunken ist das Ansehen schon.

    Vielleicht ist es aber auch die Macht über Patienten? So wie in Emergency Room der Arzt sagt, sie benötigen dringend Medikament A oder eine Operation B oder sonstwie entscheiden kann was dem Patienten hilft. Auch das ist eine Illusion. Arbeitet er im Krankenhaus, hat er schon Anweisungen welche unlukrativen Fälle er besser schnell weg turft, und welche Fälle man möglichst lange behhält, selbst wenn man nicht dafür ausgelegt ist. Beim niedergelassenen Arzt ist es eher noch schlimmer, und sein Praxisprogramm verrät ihm hoffentlich welche Leistungen er noch gut abrechnen kann, und wo er sowieso schon nichts mehr erstattet bekommt.

    Nehmen wir einmal das Geld. Natürlich verdient man als Arzt auch ähnlich dem Gehalt anderer Akademiker. Die Zeiten in denen man durch die Dienste und Poolgeld im Krankenhaus sehr viel mehr als das Grundgehalt verdiente sind jedoch vorbei. Selbst als Chefarzt bekommt man nicht einmal mehr unbedingt die Privatliquidationen. Und als niedergelassener Arzt? Früher kalkulierten einige Ärzte den Verkauf der Praxis zum Antritt des Ruhestands in die Alterversorgung mit ein. Pech gehabt, wenn nun in der Gegend lauter Kassenpatienten wohnen. Es lohnt sich eher wenn sich bei den Privatpatienten eine Praxis neben die andere stellt, als in einem Problemkiez zu arbeiten.

    Also um Geld zu verdienen, gibt es bessere Studiengänge, die einem mehr Verdienst in Aussicht stellen.

    Wie ist es mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes? Früher waren viele Krankenhäuser in kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft. Immer mehr jedoch übernehmen private Träger die Höuser, die natürlich Gewinn erwirtschaften wollen. Hatte früher ein Chefarzt seine Stelle auf Lebenszeit, wird er heutzutage einfach rausgeschmissen wenn die Zahlen nicht stimmen.

    Was ist mit der Sicherheit, dass Leute krank werden anstatt bei der gleichen Popcornmarke zu bleiben? Es ist völlig egal wie krank die Leute sind. Es kommt alleine darauf an wieviel Geld ausgegeben wird. Sonst müsste es in Afrika mehr Ärzte als in Europa geben, denn dort sind mehr Patienten krank.

    In den USA wurden Ärzte rausgeschmissen, als nach der Finanzkrise viele Leute nicht nur ihre jobs verloren, sondern auch damit ihre Versicherung. Plötzlich blieben die Betten leer. Im Gesundheitswesen ist man also sehr auf die äußeren Umstände angewiesen. Beim Popcorn kann ich eher sagen, dass ich nun Dinkelbrot verkaufen will, wenn es der Markt verlangt.

    Wer also heute noch Medizin studiert, hat sich irgendwo schlecht informiert. Zum Glück für die Medizinstudenten kommt im Laufe des Studiums das Erwachen. Die Hälfte der Medizinstudenten eines Jahrgangs landen nicht mehr in der klinischen Versorgung in Deutschland.

  4. Nehmen wir einmal die verschiedenen Punkte:

    Erst einmal das gesellschaftliche Ansehen. Früher traf es zu, dass Ärzte immer die Top-Position beim gesellschaftlichen Ansehen besetzten. Tja, diese Zeiten sind vorbei. Zwar ist man noch nicht beim Ansehen von Politikern oder Journalisten angelangt, die irgendwo zwischen Massenmörder und Kinderschänder stehen, aber gesunken ist das Ansehen schon.

    Vielleicht ist es aber auch die Macht über Patienten? So wie in Emergency Room der Arzt sagt, sie benötigen dringend Medikament A oder eine Operation B oder sonstwie entscheiden kann was dem Patienten hilft. Auch das ist eine Illusion. Arbeitet er im Krankenhaus, hat er schon Anweisungen welche unlukrativen Fälle er besser schnell weg turft, und welche Fälle man möglichst lange behhält, selbst wenn man nicht dafür ausgelegt ist. Beim niedergelassenen Arzt ist es eher noch schlimmer, und sein Praxisprogramm verrät ihm hoffentlich welche Leistungen er noch gut abrechnen kann, und wo er sowieso schon nichts mehr erstattet bekommt.

    Nehmen wir einmal das Geld. Natürlich verdient man als Arzt auch ähnlich dem Gehalt anderer Akademiker. Die Zeiten in denen man durch die Dienste und Poolgeld im Krankenhaus sehr viel mehr als das Grundgehalt verdiente sind jedoch vorbei. Selbst als Chefarzt bekommt man nicht einmal mehr unbedingt die Privatliquidationen. Und als niedergelassener Arzt? Früher kalkulierten einige Ärzte den Verkauf der Praxis zum Antritt des Ruhestands in die Alterversorgung mit ein. Pech gehabt, wenn nun in der Gegend lauter Kassenpatienten wohnen. Es lohnt sich eher wenn sich bei den Privatpatienten eine Praxis neben die andere stellt, als in einem Problemkiez zu arbeiten.

    Also um Geld zu verdienen, gibt es bessere Studiengänge, die einem mehr Verdienst in Aussicht stellen.

    Wie ist es mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes? Früher waren viele Krankenhäuser in kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft. Immer mehr jedoch übernehmen private Träger die Höuser, die natürlich Gewinn erwirtschaften wollen. Hatte früher ein Chefarzt seine Stelle auf Lebenszeit, wird er heutzutage einfach rausgeschmissen wenn die Zahlen nicht stimmen.

    Was ist mit der Sicherheit, dass Leute krank werden anstatt bei der gleichen Popcornmarke zu bleiben? Es ist völlig egal wie krank die Leute sind. Es kommt alleine darauf an wieviel Geld ausgegeben wird. Sonst müsste es in Afrika mehr Ärzte als in Europa geben, denn dort sind mehr Patienten krank.

    In den USA wurden Ärzte rausgeschmissen, als nach der Finanzkrise viele Leute nicht nur ihre jobs verloren, sondern auch damit ihre Versicherung. Plötzlich blieben die Betten leer. Im Gesundheitswesen ist man also sehr auf die äußeren Umstände angewiesen. Beim Popcorn kann ich eher sagen, dass ich nun Dinkelbrot verkaufen will, wenn es der Markt verlangt.

    Wer also heute noch Medizin studiert, hat sich irgendwo schlecht informiert. Zum Glück für die Medizinstudenten kommt im Laufe des Studiums das Erwachen. Die Hälfte der Medizinstudenten eines Jahrgangs landen nicht mehr in der klinischen Versorgung in Deutschland.

    • mq1987
    • 20. November 2010 16:13 Uhr

    Das Österreichische System ist gut; es verdient Respekt. Den Mut der Veränderung haben deutsche "Bildungs"politiker nicht; der Widerstand ist zu groß und vielleicht wäre es ja mal eine gute Veränderung im 1,0-NC-Dschungel - das kann nicht im Interesse eines Politikers liegen.

    Ich selber möchte gerne Medizin studieren, habe zuvor BWL studiert, ein Abitur mit 1,9 und beim TMS eine 1,6 geschrieben.
    Es reichte nicht aus, um an einen deutschen Hochschule für Medizin aufgenommen zu werden. Die Zeit zum Studium überbrücke ich mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger; das kann schon ziemlich deprimierend sein. Viel schlimmer ist die verschenkte Zeit und das Gefühl, dass man nicht fähig/wert ist das Studium der Medizin zu absolvieren.

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    Seit wann ist eine Ausbildung als Krankenpfleger verschenkte Zeit? Mit dieser Ausbildung hat man vielen Ärzten etwas voraus.

    Wie kann jemand der ein Gefühl für Selbstwert hat, sich für ein Medizinstudium interessieren? Da war der vorherige Gedanke eines BWL-Studiums schon zielführender.

    Wenn jetzt das Argument kommen sollte, dass es bei BWL nur um Geld geht, und wie man noch mehr Geld für eine Firma macht, hinter deren Produkten und Dienstleistungen man nicht steht, so zeugt dies von enormen Unwissen über die Arbeit eines Arztes.

  5. Seit wann ist eine Ausbildung als Krankenpfleger verschenkte Zeit? Mit dieser Ausbildung hat man vielen Ärzten etwas voraus.

    Wie kann jemand der ein Gefühl für Selbstwert hat, sich für ein Medizinstudium interessieren? Da war der vorherige Gedanke eines BWL-Studiums schon zielführender.

    Wenn jetzt das Argument kommen sollte, dass es bei BWL nur um Geld geht, und wie man noch mehr Geld für eine Firma macht, hinter deren Produkten und Dienstleistungen man nicht steht, so zeugt dies von enormen Unwissen über die Arbeit eines Arztes.

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