Da steht nun dieser 91-Jährige mit ausgebreiteten Armen am Swimmingpool und jodelt. Bekleidet nur mit einer Badehose. Das ist Klaus Obermeyer, Ingenieur. Nun zieht er auch noch eine Daunenjacke an, für die Fotografin. Das ist das Bild, das im Gedächtnis bleiben wird: ein Bayer in Colorado, sonnengebräunt und federnd. Amüsiert über den Schabernack, den er für seine Gäste treibt. Ein ungewöhnlicher, unauslotbarer Charakter. Wieder einmal ist es ihm gelungen, Menschen zum Lachen zu bringen, sodass sie darüber vergessen, dass sie etwas von ihm wollen.

Aber von vorn. Wir sind nach Aspen gekommen, um den Mann zu treffen, der die Daunenjacke erfunden hat. Allerdings befinden wir uns nicht im glänzenden Teil des Ferienortes. In der Straße, die zu Obermeyer Sports führt, bummeln keine teuer geschminkten Frauen mit goldenen Verzierungen an den Winterjacken neben grau melierten Herren in maßgeschneiderten Mänteln. Hier am Ortsrand ist nur das Gewerbegebiet und dahinter der Flughafen.

Trotzdem begrüßt Klaus Obermeyer uns mit einem »Welcome to Aspen!«, so energiegeladen, wie es nur Amerikanern gelingt. Seine Haare sind weiß wie Pulverschnee und seine Zähne auch. Der Besuch scheint ihn zu freuen: »Ich bin immer froh, wenn ich nicht arbeiten muss.« Das ist natürlich ein Witz. Der Seniorchef kommt jeden Tag in die Firma. Drahtig sitzt er an seinem Schreibtisch. Hinter ihm bauscht sich ein Ständer voll voluminöser Skijacken, Prototypen der neuen Kollektion.

Es waren Menschen wie Obermeyer, die aus der verlassenen Minenstadt in den Rocky Mountains das mondänste Skiresort der USA gemacht haben. Der Ort mit seinen 6000 Einwohnern schmiegt sich in die Hänge der Rockies wie in eine halb geöffnete Hand. An drei Seiten ist er von Hochgebirgshängen umgeben. Direkt hinter den holzvertäfelten Luxushotels steigen sie an.

Obermeyer, 1919 im Allgäu geboren, kam im Herbst 1947 nach Amerika. In Deutschland hatte er als Flugzeugbauingenieur bei Dornier und Messerschmitt gearbeitet. Das qualifizierte ihn für ein Programm, mit dem die amerikanische Regierung nach dem Krieg deutsche Wissenschaftler anwarb. Auf Einladung eines Freundes fuhr er nach Aspen. »Es gab nur ein paar verfallene Häuser und mehr Hunde als Menschen. Aber der Schnee war traumhaft.« Der »Champagne Powder«, ein trockener Pulverschnee, so fein wie Champagnerschaum, ist das Markenzeichen von Aspen. Verantwortlich dafür ist die Lage weit im Landesinneren, näher an den Wüsten als an einem Ozean.

Aber die Hoffnung auf eine Anstellung platzte. »Dann habe ich halt den Skilehrer gemacht. Skifahren konnte ich ja schon als Dreijähriger.« Klaus Obermeyer lacht entschlossen und irritierend lang. Es klingt wie eine indische Lachmeditation. Zwar von Herzen, aber vom Willen gelenkt. Hat es ihn gekränkt, als Ingenieur Touristen den Stemmbogen beizubringen? Das würde man jetzt gerne wissen. Aber Obermeyer lacht und lacht, bis der Moment für Fragen vorbei ist.

In Amerika wussten zunächst nur ein paar aus den europäischen Alpen zurückgekehrte GIs etwas mit dem neuen Wintersport anzufangen. Die High Society begann das Schneevergnügen gerade erst zu entdecken. Entsprechend rustikal ging es damals zu. »Bis man mit dem Skilift auf dem Berg ankam, war man so durchgefroren, dass man sich kaum noch bewegen konnte«, sagt Obermeyer. »Da sind die Gäste gleich wieder abgereist. Und ich habe nichts verdient.« So kam er auf die Idee mit der Daunenbettdecke. Die Mutter hatte sie ihm aufgedrängt, als er seine Koffer packte. Kurz entschlossen schnitt Obermeyer sein Bettzeug auseinander und stichelte daraus eine gepolsterte Jacke.