Motivation Das Zitat ... und Ihr Gewinn
»Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man lässt«
Sie halten sich für »Motivationskünstler«. Viele Führungskräfte winken mit Prämienschecks, spendieren Incentive-Reisen, ernennen »Mitarbeiter des Jahres« und lassen für Verbesserungsvorschläge Bares springen. Ihr Lob träufeln sie wie Zuckerwasser auf die Arbeitnehmer, damit bittere Pillen besser schmecken. Doch geht diese Alchimisten-Rechnung wirklich auf? Lässt sich mangelnde Arbeitslust durch solche Kunstgriffe in Motivation verwandeln?
Die meisten Motivierungsmanöver senden eine gefährliche Botschaft: Den Mitarbeitern wird unterstellt, sie enthielten der Firma Leistung vor. Statt im fünften Gang zu arbeiten, wie sie es könnten, täten sie es nur im dritten – bis die Prämie oder das Lob sie antrieben. Dieser Verdacht jedoch demotiviert die Mitarbeiter bis zu dem Punkt, dass viele ihre Leistung tatsächlich zurückfahren. Das Ergebnis ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"
So mancher Mitarbeiter kommt sich vor wie jener Esel, auf dessen Rücken ein Mann sitzt und ihm eine Stange mit einer Möhre vor die Nase hält. Der Esel läuft, um die Möhre zu bekommen. Doch mit jedem seiner Schritte entfernt sich auch die Möhre. Die Mitarbeiter brauchten Vertrauen und Wertschätzung , werden aber konfrontiert mit Misstrauen und Verdacht . Manipulation statt Motivation.

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn". Gerade ist sein neuestes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" erschienen
Die extrinsische Motivierung gleicht einem Stück Seife: Sie nutzt sich ab. Der erste Prämienscheck mag noch wirken, der zweite nicht mehr. Und wenn in einem 200-Leute-Team einer als »Mitarbeiter des Jahres« prämiert wird, gehen 199 leer aus und fühlen sich vorgeführt. Für das Motivieren gilt frei nach Wilhelm Busch: Gut ist nicht, was ein Chef tut, sondern gut ist, was er lässt.
Viele Mitarbeiter ziehen ein anständiges Grundgehalt dem Prämienscheck vor, ein gelegentliches ernst gemeintes Lob einer inflationären Heuchelei. Und muss eine Firma, die alle Mitarbeiter wertschätzt, tatsächlich einen als »Mitarbeiter des Jahres« aufs Podest heben? Ein guter Vorgesetzter versetzt sich in seine Mitarbeiter hinein. Er klärt im Gespräch, welche Aufgaben und Perspektiven sie reizen .
Darauf stimmt er die Stelle, die Fortbildungen und die Entwicklungsschritte ab.
Außerdem sorgt er für ein faires Gehalt, für ständigen Austausch, für klare Perspektiven. Eine Kultur der Wertschätzung führt automatisch zu hoher Motivation – anders als die Möhre vor der Nase; denn niemand lässt sich gern zum Esel machen.
- Datum 07.12.2010 - 10:20 Uhr
- Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
- Quelle DIE ZEIT, 25.11.2010 Nr. 48
- Kommentare 11
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...ein nützlicher Hinweis (für Chefs :-)
Genauso ist es.
und damit auch Mitarbeiter sind wie "Schafe", die geführt werden müssen, sollen oder sogar wollen.
Die gewöhnen sich auch an ein hohes Grundgehalt und fallen wieder in alte Muster der Undankbarkeit.
Einzelnes Loben im Einzelgespräch ist immer gut und bleibt es auch.
ist aber auch ein Beruf für sich, wenn nicht gar eine Berufung. Es genügt nicht, wenn eine(r) fachlich besser als andere ist, um sie/ihn als Vorgesetzte(n) zu installieren. Leider bleibt das zur Personalführung notwendige Wissen oft (weit) hinter dem fachlichen zurück. Und WER kann schon -ohne ein gutes Training zur Mitarbeiterführung und -motivation- vorbehaltlos loben, wenn sie / er die vorliegenden Ergebnisse und Leistungen entweder nicht neidlos, oder begründet aus fachlicher Sicht nicht gutheißen kann?
Abgesehen davon sitzen die allermeisten Vorgesetzten zwischen den Stühlen und haben selbst auch (oft ebensowenig "berufene") Vorgesetzte, die von ihnen Erfolg, Erfolg, Erfolg verlangen.
Da wird mitunter auch "Loben" als Kostenfaktor verschrien nach dem Motto "wenn Sie den Leuten ihre Qualitäten auch noch selbst bescheinigen, kommen die nur auf dumme Gedanken bezüglich Gehaltserhöhung"... Letzteres musste ich mir persönlich sagen lassen.
Warum sollte ich Dankbarkeit meinem Chef gegenüber empfinden, wenn ich angemessen bezahlt werde? Das sollte doch eher eine Selbstverständlichkeit sein.
ist aber auch ein Beruf für sich, wenn nicht gar eine Berufung. Es genügt nicht, wenn eine(r) fachlich besser als andere ist, um sie/ihn als Vorgesetzte(n) zu installieren. Leider bleibt das zur Personalführung notwendige Wissen oft (weit) hinter dem fachlichen zurück. Und WER kann schon -ohne ein gutes Training zur Mitarbeiterführung und -motivation- vorbehaltlos loben, wenn sie / er die vorliegenden Ergebnisse und Leistungen entweder nicht neidlos, oder begründet aus fachlicher Sicht nicht gutheißen kann?
Abgesehen davon sitzen die allermeisten Vorgesetzten zwischen den Stühlen und haben selbst auch (oft ebensowenig "berufene") Vorgesetzte, die von ihnen Erfolg, Erfolg, Erfolg verlangen.
Da wird mitunter auch "Loben" als Kostenfaktor verschrien nach dem Motto "wenn Sie den Leuten ihre Qualitäten auch noch selbst bescheinigen, kommen die nur auf dumme Gedanken bezüglich Gehaltserhöhung"... Letzteres musste ich mir persönlich sagen lassen.
Warum sollte ich Dankbarkeit meinem Chef gegenüber empfinden, wenn ich angemessen bezahlt werde? Das sollte doch eher eine Selbstverständlichkeit sein.
ist aber auch ein Beruf für sich, wenn nicht gar eine Berufung. Es genügt nicht, wenn eine(r) fachlich besser als andere ist, um sie/ihn als Vorgesetzte(n) zu installieren. Leider bleibt das zur Personalführung notwendige Wissen oft (weit) hinter dem fachlichen zurück. Und WER kann schon -ohne ein gutes Training zur Mitarbeiterführung und -motivation- vorbehaltlos loben, wenn sie / er die vorliegenden Ergebnisse und Leistungen entweder nicht neidlos, oder begründet aus fachlicher Sicht nicht gutheißen kann?
Abgesehen davon sitzen die allermeisten Vorgesetzten zwischen den Stühlen und haben selbst auch (oft ebensowenig "berufene") Vorgesetzte, die von ihnen Erfolg, Erfolg, Erfolg verlangen.
Da wird mitunter auch "Loben" als Kostenfaktor verschrien nach dem Motto "wenn Sie den Leuten ihre Qualitäten auch noch selbst bescheinigen, kommen die nur auf dumme Gedanken bezüglich Gehaltserhöhung"... Letzteres musste ich mir persönlich sagen lassen.
... den Abstand zu seinen Mitarbeiter immer gleich lang zu halten oder gar noch ein wenig zu vergrößern.
Ist er zu Nah steigen die Forderungen der Mitarbeiter ins absurde, ist er zu weit sinkt die Motivation... also und immer schön sachlich und auf Abstand bleiben.
Warum sollte ich Dankbarkeit meinem Chef gegenüber empfinden, wenn ich angemessen bezahlt werde? Das sollte doch eher eine Selbstverständlichkeit sein.
jemand der meine Erfahrungen bestätigt. Großes Lob an Kollegen stellt einen meisetens vor die Frage, ob man selbst auch vom Chef so wertgeschätzt wird. Das kann verunsichern. Passiert es dann zu oft, mündest das schnell in Demotivation. Man muss aber auch dazu sagen, dass es durchaus Menschen gibt, die massive Abwertung oder Kritik an der eigenen Arbeit brauchen. Damit sie sich dann, nach gelungenem Bemühen um Besserung, die Wertschätzung vom Chef (und auch von sich selbst) abholen können.
Niemand fährt nur im fünften Gang. Wer ständig im dritten Gang fährt, ruiniert das Getriebe des eigenen Fahrzeugs.
Aber die meisten Mitarbeiter werden von ihren Vorgesetzten ständig im dritten Gang gehalten. Obwohl die Drehzahl ständig zu hoch ist, ist die Flexibilität beim Beschleunigen höher. Mit anderen Worten: Die Mitarbeiter werden systematisch verheizt. Dank Zeitarbeitsgesellschaften kann der Druck beständig hochgehalten werden.
Vorgesetzte kämpfen heute selbst ums Überleben. Die überflüssigste Gattung in diesem Überlebenskampf sind die Coaching-Berater. Ein guter Vorgesetzter hat das Chef-Gefühl und braucht keinen Berufstherapeuten.
Mein erster Chef bei meinem ersten Job nach der Uni war ein freundlicher und korrekter Mensch, und das wichtigste: Jemand mit natürlichem Durchsetzungsvermögen. Unter ihm lief es, und man ist sich fair behandelt vorgekommen. Da hat es keine Motivationsseminare oder ähnlichen Blödsinn gebraucht.
Leider ist er relativ kurz nach meinem Antritt dort in Pension gegangen. Man hat richtiggehend gespürt, wie in der Abteilung die Machtkämpfe um die Nachfolge im Hintergrund ausgefochten wurden.
Durchgesetzt hat sich ein jung-dynamischer Mensch, zu dessen Charakter man euphemistisch "durchsetzungsstark" sagen könnte. Im Klartext: Ein extrem unangenehmer, narzisstischer Schaumschläger, der sich selbst über jede Kritik erhaben fühlte, und dessen "Führungskompetenz" darin bestand, daß er bei Problemen ins Büro gestürmt kam und den nächstbesten vor versammelter Mannschaft anschrie und zur Schnecke machte.
Innerhalb allerkürzester Zeit war die Motivation in der Abteilung komplett am Boden, und es hat sich vollständige "Innere Kündigung" und "Dienst nach Vorschrift" breitgemacht. Punkt 16:00 Uhr wurde von allen der Stift fallen gelassen. Ich selbst habe mich so schnell wie möglich nach einem neuen Job umgeschaut.
Mein Fazit: Ich will einfach nur fair und korrekt behandelt werden. Viel mehr verlange ich gar nicht, aber leider findet man das was selbstverständlich sein sollte, heutzutage immer seltener. Dann mache ich meine Arbeit, und hänge mich rein. Unfairness demotiviert todsicher.
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